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Landleben

Hetzjagd auf schwules Paar: "Warum hat Gott Sie nicht sterben lassen?"

In der ländlichen Idylle von Rheinland-Pfalz macht ein Unbekannter oder eine Unbekannte einem schwulen Paar das Leben schwer.


Stefan Tavernier aus dem 500-Seelen-Dorf Thiergarten zeigt im TV die Hassbotschaften (Bild: Screenshot RTL)

Ein im Hunsrück-Dorf Thiergarten lebendes schwules Paar hat öffentlich gemacht, dass es schon seit Jahren von Unbekannten bedroht wird – teilweise sogar mit dem Tod. So würden homophobe Botschaften auf Müll geschrieben und in deren Garten geworfen, beklagen Stefan Tavernier und Tobias Geisen, die seit sechs Jahren ein Paar sind. Außerdem würden sogar auf dem Weg, an dem das Paar seine Hunde Gassi führt, Hassbotschaften am Wegesrand abgelegt.

Gegenüber RTL zeigte das Paar die Kiste der gesammelten Drohungen. Darunter befindet sich etwa ein Brief, in dem es unter anderem heißt: "Sie arme Mißgeburt. Warum hat Gott Sie nicht sterben lassen? Sodom und Gomorra. Gott warnt uns vor homosexuellen Handlungen im Alten wie im Neuen Testament." Dazu hängte der anonyme Autor oder die anonyme Autorin mehrere Bibelzitate an.

Weitere Highlights der Sammlung: Auf einer Sektflasche schrieb eine Person: "Tötet die schwulen Schweine!" Das Paar fand beim Spazierengehen am Wegesrand eine Thermoskanne, auf der mit Stift die Botschaft: "Stephan – fette Sau, schwule Sau" gekritzelt worden war. Außerdem schrieb jemand auf einer gebrauchten Lebensmittelverpackung aus Plastik: "Schwule sind Arschficker pfui".

"Wer nicht ganz klar im Kopf ist, ist auch unberechenbar"

"So wie die Person schreibt, hat man den Eindruck, sie hat ein psychisches Problem", so Geisen in einem Bericht der SWR-Landesschau Rheinland-Pfalz. "Bei so Leuten weiß man halt nie. Wer nicht ganz klar im Kopf ist, ist auch unberechenbar." Aus dem Dorf wegziehen will das Paar jedoch nicht. Zum eigenen Schutz habe man nun eine Kamera am Haus installiert.

Das Paar beklagte auch, dass die Polizei dem Paar bislang wenig geholfen habe. Auch gegenüber RTL gibt sich die Polizei Trier zurückhaltend. Ein Sprecher erklärte, hier sei Zivilcourage notwendig. "Wir wären dankbar, wenn wir noch Zeugen bekommen." (dk)



#1 PetterAnonym
  • 01.06.2021, 16:09h
  • Offenbar eine verwirrte Person, die aber gerade deshalb hochgefährlich sein kann.

    Oft folgen Worten Taten. Deshalb hoffe ich, dass der Täter bald gefasst wird und entsprechend sanktioniert wird.

    Ich frage mich wirklich, warum manche Menschen so besessen vom Leben anderer sind, dass sie sich zwanghaft in deren privatestes Leben einmischen müssen.
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#2 LeashAnonym
  • 01.06.2021, 16:34h
  • Das macht mich unendlich traurig, ich glaube ich habe mein Limit an deprimierenden Neuigkeiten für heute erreicht.
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#3 GodzillaAnonym
  • 01.06.2021, 16:55h
  • Der Kommentar der Polizei ist doch an Zynismus nicht mehr zu toppen. *Kopf meets Tischplatte*

    Da das schon seit Jahren geht stellt sich mir die Frage, warum man nicht zumindest bezüglich Stalking aktiv wird? Was reitet die Polizei Däumchen zu drehen?
    Solche und ähnliche Fälle sind es, die mich unter anderem am Rechtssystem zweifeln lassen.
    Der Täter macht dem Paar das Leben schwer und das aus religiösem Wahn (ist das doppelt gemoppelt?) und wer weiß, ob die Person nicht auch andere im Dorf animiert hat mitzumachen, nach Einzeltäter liest sich das eher nicht.
    Ob hier Taten folgen könnten ist schwer zu sagen, ich vermute eher nein, weil es schon Jahre so geht, dennoch kann man Menschen ja nur vor die Stirn schauen.
    Dass das Paar nicht umziehen will kann ich irgendwie verstehen, andererseits macht es keinen Sinn sich das weiter anzutun.
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#4 MarcAnonym
  • 01.06.2021, 17:55h
  • Von der Polizei hält man sich als queerer Mensch besser fern. Im günstigsten Fall verweigert sie die Hilfe (so wie hier), aber wenn man Pech hat, geht's einem wie Sven W. in Köln. Allzu rechtsnationales, homophobes Milieu, diese 'FreundInnen und HelferInnen'.
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#5 IsaakAnonym
  • 01.06.2021, 19:10h
  • Antwort auf #3 von Godzilla
  • (1) Was soll die Dorfpolizei in so einem Fall denn auch anderes machen? Mit einer Hundertschaft die Häuser der Nachbarweiler durchkämmen? So unschön die Vorfälle auch sind, man muss auch mal die Kirche im Dorf lassen und nachvollziehen, dass der Strafverfolgung ganz pragmatische Grenzen gesetzt sind. Zumal es sich hier zum Glück nicht um reale Übergriffe handelt, sondern nur um Beleidigungen etc.
    (2) Mal davon abgesehen wird der*die Täter*in nicht aus religiösem Wahn handeln, sondern vermutlich an einer psychischen Erkrankung leiden. Darauf deutet das obsessiv-irrationale Tatverhalten aber auch die Einschätzung der Tatopfer hin.
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#6 SchonAnonym
  • 01.06.2021, 19:22h
  • Antwort auf #1 von Petter
  • Leben und leben lassen.
    Wer meine Existenz nicht akzeptiert, hat jede Nachsicht verwirkt.
    Kameras sind schon einmal gut, aber ich würde auch mit einem Selbstverteidigungskurs und Gimmicks Vorsorgen.
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#7 Korinthen KKAnonym
  • 01.06.2021, 19:29h
  • Antwort auf #5 von Isaak
  • "Zumal es sich hier zum Glück nicht um reale Übergriffe handelt, sondern nur um Beleidigungen etc."

    Ja klar. Morddrohungen sind ja nur Beleidigungen.
    Sieht man ja bei dem, was einigen Politikern passiert ist.


    "(2) Mal davon abgesehen wird der*die Täter*in nicht aus religiösem Wahn handeln, sondern vermutlich an einer psychischen Erkrankung leiden."

    Klar, der Mörder aus Dresden litt auch nicht an religiösem Wahn... Warum soll das eine mit dem anderen nichts zu tun haben?

    " Was soll die Dorfpolizei in so einem Fall denn auch anderes machen? "

    Den Spuren nachgehen, den der Hetzer hinterlassen hat, z.B.? Ihren Aufgaben nachgehen, für die sie bei nur 500 Einwohnern zuständig ist?
    Lieber Falschparker oder Maskenverweigerer kontrollieren?
    Ok, wenn nach deiner Meinung die Polizei nicht dafür zuständig ist, hältst du dann Selbstjustiz für ein geeignetes Mittel?
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#8 Korinthen KKAnonym
  • 01.06.2021, 19:32h
  • Antwort auf #5 von Isaak
  • PS. Noch mehr Vorschläge:
    Z.B. eine Belohnung aussetzen?
    Wenn der Fall publik geworden ist und man sich im Dorf kennt, dann sollte der Hetzer ja nicht schwer zu finden sein?
    Ob es sich das Dorf, nachdem es nun im Rampenlicht steht, es sich leisten kann, diesen Fall so weiter laufen zu lassen?
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#9 AltoAnonym
  • 01.06.2021, 20:04h
  • Antwort auf #7 von Korinthen KK
  • "hältst du dann Selbstjustiz für ein geeignetes Mittel?"

    Ja, wenn das legale Selbstjustiz beinhaltet, wie dass man selbst Nachforschungen betreibt oder auch einen Privatermittler engagiert. Da der Täter ja anscheinend religiös motiviert ist, wäre die erste Anlaufstelle die Kirche im Dorf.
    Oder mal die Nachbar fragen.
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#10 LilithAnonym
  • 01.06.2021, 20:50h
  • Antwort auf #3 von Godzilla
  • Naja, wenn die Polizei nicht will, dann kann man sich ja auch direkt an die Staatsanwaltschaft wenden, dann muss die Polizei aber... Wobei Beleidigungen und andere Privatklagedelikte häufig auch direkt eingestellt werden, auch wenn sie sich gegen unbekannt richten.
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