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Kritik an "Tagesspiegel"-Kommentar

Volker Beck sauer über heterosexuelle Verhaltensratschläge

Ein "Tagesspiegel"-Kommentar brachte den Vater der Ehe für alle zum Kochen. Er möge es nicht, "wenn heterosexuelle Männer, die keiner anderen Minderheit angehören, anderen diskriminierten bis verfolgten Minderheiten schlaue Verhaltensratschläge geben".


Volker Beck war von 1994 bis 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages (Bild: Bündnis 90/Die Grünen Nordrhein-Westfalen / flickr)

Der frühere Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne) hat sich empört über einen Kommentar im "Tagesspiegel" geäußert. Autor Malte Lehming hatte in dem am Dienstag veröffentlichten Artikel "Nicht alles, was erlaubt ist, ist auch klug" unter anderem Aktivist*innen kritisiert, die auf einer Demo für Palästina einen Davidstern trugen und deshalb attackiert wurden. ("In einer idealen Welt sollten Menschen überall sicher sein. […] In einer realen Welt sollten die Menschen für die Werte der idealen Welt eintreten und kämpfen. Sie sollten aber auch 'common sense' besitzen, Realitätsbewusstsein.")

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"Der Kommentar im 'Tagesspiegel' kommt einer Kapitulationserklärung inklusiv sekundärer Viktimisierung 'unkluger Opfer' gleich", erklärte Beck wenige Stunden nach der Veröffentlichung. "Ich möchte, dass in Deutschland ein Jude, ein Schwuler, jede Frau, auch eine Muslima, ein:e Trans*, ein Sikh oder ein Bayer in der Lederhose unabhängig von Haut- und Haarfarbe durch jede Straße gehen kann, ohne Angst um Leib, Leben und Freiheit haben zu müssen."

Mit Blick auf seine sexuelle Orientierung fügte Beck seinen Ausführungen aber noch an: "Und was ich als schwuler Mann gar nicht mag, wenn heterosexuelle Männer, die keiner anderen Minderheit angehören, anderen diskriminierten bis verfolgten Minderheiten schlaue Verhaltensratschläge geben. Diskriminierungsmanagement, das haben wir als Minderheitenangehörige von klein auf gelernt: Wir kalkulieren schon viel zu oft, was wir uns (noch) trauen." Im Kommentar hatte "Tagesspiegel"-Autor Lehming Homosexualität nicht direkt angesprochen.

Beck ergänzte, dass es die Pflicht des Staates im öffentlichen Raum sei, sein Gewaltmonopol durchzusetzen. "Oder wäre es klug, sich jetzt eine Pistole zu beschaffen? Nein, der Staat muss die Freiheit seiner Bürger:innen schützen", argumentierte Beck.

Habe ich das richtig verstanden, Malte Lehming: Sie halten Neukölln also für das Nablus von Deutschland? Der Kommentar...

Posted by Volker Beck on Tuesday, June 1, 2021
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Lehming wehrte sich in mehreren Tweets gegen die Vorwürfe Becks und anderer Kritiker*innen. So habe er deutlich gemacht, dass er sich gegen Antisemitismus ausspreche. Der Streit entzünde sich "an der Frage, ob jede Thematisierung des Phänomens einer situativen Klugheit automatisch eine Kapitulation vor Gewalt bedeutet". Als Beispiel führte der Journalist aus: "Wenn mich zwei jugendliche Mädchen fragen, ob sie leicht beschwippst nachts um zwei über den Hermannplatz gehen sollten, würde ich ihnen wahrscheinlich abraten. Wenn sie es trotzdem tun und ihnen passiert etwas, würde ich sie mitnichten mitverantwortlich machen", schrieb er etwa.

Twitter / MalteLehming
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Wenn er falsch verstanden worden sei, entschuldige er sich dafür, so Lehming weiter. Er habe sich "vielleicht" nicht verständlich ausgedrückt. "Vielleicht wurde das eine oder andere auch überlesen."

Der Autor retweetete auch Kritik eines schwulen Mannes, der schrieb: "Ich muss meinen Ärger aber noch verdauen, z.B. über diese Belehrung: 'Sie sollten aber auch 'common sense' besitzen, Realitätsbewusstsein.' Den besitze ich als schwuler Mann auf der Straße jeden Tag. Aber ich empfinde es als Zumutung."

Volker Beck war von 1994 bis 2017 Bundestagsabgeordneter der Grünen. Der jetzt 60-Jährige gilt wegen seines unermüdlichen Engagements als Vater der eingetragenen Partnerschaft und der Ehe für alle. Seit seinem Ausscheiden aus dem Parlament engagiert er sich insbesondere dem Kampf gegen den Antisemitismus. Letztes Jahr sorgten Morddrohungen des inzwischen untergetauchten radikalen Veganers Attila Hildmann gegen Beck für Schlagzeilen (queer.de berichtete). (dk)



#1 DramaQueen24Profil
  • 02.06.2021, 12:44hBerlin
  • Herr Beck, prinzipiell sollte man bei Vorschlägen und Anregungen NICHT darauf sehen, welche sexuelle Präferenz, oder Identität jemand hat, sondern danach, ob die Ratschläge nützlich oder kontraproduktiv sind.
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#2 stephan
  • 02.06.2021, 12:48h
  • Man kann Volker Beck hier einfach nur rundheraus in jedem Punkt zustimmen! Noch immer schielen wir nach links und rechts, wenn wir in der Öffentlichkeit eine kleine Zärtlichkeit austauschen, denn so tief sitzt das Gefühl, man könnte an dem Platz und zu der Zeit nicht sicher sein. Reflektiert man das eingehend, merkt man, wie demütigend das eigentlich ist ... im dreißigsten Jahr des Zusammenseins. Im nächsten Jahr (am Jahrestag der Standesamtaktion 19.08.1992) könnten es sogar schon 30 Jahre Ehe sein, wenn man uns hätte heiraten lassen! ...! Wir brauchen aber insbesondere keine heterosexuellen Personen, die uns erklären, wie wir uns in der Öffentlichkeit verhalten sollen!
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#3 Ralph
  • 02.06.2021, 12:50h
  • Früher konnte man uns sagen: "Ihr dürft euch nicht zeigen, denn ihr seid verboten", heute möchte man uns sagen: "Ihr seid zwar nicht mehr verboten, aber euch zeigen solltet ihr trotzdem nicht, denn das wäre ja Provokation". Erinnert mich an jenen bayerischen Innenminister, der bei Einführung der Lebenspartnerschaft deren Verbannung in die Notariate u.a. damit begründete, dass damit die geringstmögliche Sichtbarkeit erreicht werde.
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#4 AchtungAnonym
  • 02.06.2021, 12:51h
  • Antwort auf #1 von DramaQueen24
  • "Von der Sexualpräferenz oder sexuellen Neigung zu unterscheiden ist die sexuelle Orientierung, die sich auf das Geschlecht der bevorzugten Liebes- oder Sexualpartner bezieht. Diese Unterscheidung ist in Psychologie, Psychiatrie und Sexualwissenschaft grundlegend. Sexualpräferenz und sexuelle Orientierung sind zwei voneinander unabhängige Dimensionen"

    Siehe Wikipedia: Sexualpräferenz

    Also doch bitte diese Begriffe nicht ausgerechnet hier durcheinanderwerfen!
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#5 TrekieAnonym
  • 02.06.2021, 12:53h
  • "der Staat muss die Freiheit seiner Bürger:innen schützen"
    Tut er leider nicht. Sie alltägliche Diskriminierung gerade durch die Polizei und gedeckt von der aktuellen Regierung steht leider in hartem Gegensatz zu dem, wie es sein sollte....
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#6 Rat-SchlägeAnonym
  • 02.06.2021, 13:50h
  • Meine vollste Zustimmung!

    Der absurdeste Ratschlag aus einer Gruppe Heteros, den ich mal bekam, war: "Dann lies doch Queer.de nicht mehr - dann hast du auch keine Probleme mehr."

    Wie man sehen kann: ich habe mich nicht daran gehalten.
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#7 Ralph
#8 swimniAnonym
  • 02.06.2021, 15:56h
  • malte lehmings beitrag ist eine relativierung der gewalt der mehrheitsgesellschaft.
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#9 goddamn liberalAnonym
#10 UrberlinerAnonym
  • 02.06.2021, 16:24h
  • Da passt mal wieder alles zusammen. Lehming - ein Paradebeispiel für all das, was mit dem Kampfbegriff "alter weißer Mann" belegt werden kann - war Persönlicher Referent und Redenschreiber für den ehemaligen deutschen Bundeskanzler und ausgemachten Schwulenhasser Helmut Schmidt (SPD).
    www.tagesspiegel.de/lehming-malte/4465480.html
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