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Kritik an "Tagesspiegel"-Kommentar
Volker Beck sauer über heterosexuelle Verhaltensratschläge
Ein "Tagesspiegel"-Kommentar brachte den Vater der Ehe für alle zum Kochen. Er möge es nicht, "wenn heterosexuelle Männer, die keiner anderen Minderheit angehören, anderen diskriminierten bis verfolgten Minderheiten schlaue Verhaltensratschläge geben".

Volker Beck war von 1994 bis 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages (Bild: Bündnis 90/Die Grünen Nordrhein-Westfalen / flickr)
- 2. Juni 2021, 10:13h 3 Min.
Der frühere Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne) hat sich empört über einen Kommentar im "Tagesspiegel" geäußert. Autor Malte Lehming hatte in dem am Dienstag veröffentlichten Artikel "Nicht alles, was erlaubt ist, ist auch klug" unter anderem Aktivist*innen kritisiert, die auf einer Demo für Palästina einen Davidstern trugen und deshalb attackiert wurden. ("In einer idealen Welt sollten Menschen überall sicher sein. […] In einer realen Welt sollten die Menschen für die Werte der idealen Welt eintreten und kämpfen. Sie sollten aber auch 'common sense' besitzen, Realitätsbewusstsein.")
/ MalteLehmingMutproben unserer Zeit: Im Antifa-T-Shirt zu den Reichsbürgern gehen, AfD-Stand vor der Rigaer Straße aufbauen, mit Davidstern-Kette zur Palästinenser-Demo. https://t.co/q0FZlyGSHc
Malte Lehming (@MalteLehming) June 1, 2021
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"Der Kommentar im 'Tagesspiegel' kommt einer Kapitulationserklärung inklusiv sekundärer Viktimisierung 'unkluger Opfer' gleich", erklärte Beck wenige Stunden nach der Veröffentlichung. "Ich möchte, dass in Deutschland ein Jude, ein Schwuler, jede Frau, auch eine Muslima, ein:e Trans*, ein Sikh oder ein Bayer in der Lederhose unabhängig von Haut- und Haarfarbe durch jede Straße gehen kann, ohne Angst um Leib, Leben und Freiheit haben zu müssen."
Mit Blick auf seine sexuelle Orientierung fügte Beck seinen Ausführungen aber noch an: "Und was ich als schwuler Mann gar nicht mag, wenn heterosexuelle Männer, die keiner anderen Minderheit angehören, anderen diskriminierten bis verfolgten Minderheiten schlaue Verhaltensratschläge geben. Diskriminierungsmanagement, das haben wir als Minderheitenangehörige von klein auf gelernt: Wir kalkulieren schon viel zu oft, was wir uns (noch) trauen." Im Kommentar hatte "Tagesspiegel"-Autor Lehming Homosexualität nicht direkt angesprochen.
Beck ergänzte, dass es die Pflicht des Staates im öffentlichen Raum sei, sein Gewaltmonopol durchzusetzen. "Oder wäre es klug, sich jetzt eine Pistole zu beschaffen? Nein, der Staat muss die Freiheit seiner Bürger:innen schützen", argumentierte Beck.
Habe ich das richtig verstanden, Malte Lehming: Sie halten Neukölln also für das Nablus von Deutschland? Der Kommentar...
Posted by Volker Beck on Tuesday, June 1, 2021
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Lehming wehrte sich in mehreren Tweets gegen die Vorwürfe Becks und anderer Kritiker*innen. So habe er deutlich gemacht, dass er sich gegen Antisemitismus ausspreche. Der Streit entzünde sich "an der Frage, ob jede Thematisierung des Phänomens einer situativen Klugheit automatisch eine Kapitulation vor Gewalt bedeutet". Als Beispiel führte der Journalist aus: "Wenn mich zwei jugendliche Mädchen fragen, ob sie leicht beschwippst nachts um zwei über den Hermannplatz gehen sollten, würde ich ihnen wahrscheinlich abraten. Wenn sie es trotzdem tun und ihnen passiert etwas, würde ich sie mitnichten mitverantwortlich machen", schrieb er etwa.
/ MalteLehmingWenn mich zwei jugendliche Mädchen fragen, ob sie leicht beschwippst nachts um zwei über den Hermannplatz gehen sollten, würde ich ihnen wahrscheinlich abraten. Wenn sie es trotzdem tun und ihnen passiert etwas, würde ich sie mitnichten mitverantwortlich machen. 8/
Malte Lehming (@MalteLehming) June 2, 2021
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Wenn er falsch verstanden worden sei, entschuldige er sich dafür, so Lehming weiter. Er habe sich "vielleicht" nicht verständlich ausgedrückt. "Vielleicht wurde das eine oder andere auch überlesen."
Der Autor retweetete auch Kritik eines schwulen Mannes, der schrieb: "Ich muss meinen Ärger aber noch verdauen, z.B. über diese Belehrung: 'Sie sollten aber auch 'common sense' besitzen, Realitätsbewusstsein.' Den besitze ich als schwuler Mann auf der Straße jeden Tag. Aber ich empfinde es als Zumutung."
Marc Berthold (@marc_o_berlin) June 2, 2021/ marc_o_berlin
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Volker Beck war von 1994 bis 2017 Bundestagsabgeordneter der Grünen. Der jetzt 60-Jährige gilt wegen seines unermüdlichen Engagements als Vater der eingetragenen Partnerschaft und der Ehe für alle. Seit seinem Ausscheiden aus dem Parlament engagiert er sich insbesondere dem Kampf gegen den Antisemitismus. Letztes Jahr sorgten Morddrohungen des inzwischen untergetauchten radikalen Veganers Attila Hildmann gegen Beck für Schlagzeilen (queer.de berichtete). (dk)














