Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?39035

Berlin

Kreuzberg: Einspruch gegen Rio-Reiser-Platz

Ein Einspruch aus der Bevölkerung verschiebt die bereits 2019 beschlossene Umbenennung des Berliner Heinrichplatzes nach dem schwulen Ton-Steine-Scherben-Sänger Rio Reiser.


Rio Reiser (1950-1996 wurde mit seiner Band Ton Steine Scherben sowie mit seinen Solo-Hits wie "König von Deutschland" und "Junimond" bekannt (Bild: Sony Music)

Nach einem Einspruch aus der Bevölkerung muss Berlin auf den geplanten Rio-Reiser-Platz im Szene-Kiez Kreuzberg warten. Der Einspruch sei eingehend rechtlich geprüft worden und habe aufschiebende Wirkung für die Umbenennung, hieß es am Donnerstag beim zuständigen Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg.


Im nordrhein-westfälischen Unna gibt es bereits einen Rio-Reiser-Weg (Bild: O-B-A / wikipedia)

"Rio Reiser und Ton Steine Scherben haben Rockgeschichte und die Geschichte Kreuzbergs geprägt", hatte das Bezirksamt die bereits im November 2019 vom Bezirksparlament beschlossene Umbenennung des bisherigen Heinrichplatzes begründet (queer.de berichtete). An den Musiker zu erinnern, sei im Sinne der Diversität. "Schwulsein war für ihn in den 70ern selbstverständlich, während es damals in weiten Teilen der Gesellschaft und auch in der linken Szene noch lange nicht als gängig galt."

CDU lehnt Rio-Reiser-Platz vehement ab

Der Heinrichplatz liegt an der Oranienstraße im Herzen des entsprechend einem früheren Postzustellbezirk "SO36" genannten Stadtteils, einer bis heute alternativ geprägten Ecke von Berlin. Der Rio-Reiser-Platz soll durch ein Gedenkzeichen ergänzt werden. Geplant war die Umbenennung eigentlich schon im September 2020. Im vergangenen Jahr wäre Reiser 70 Jahre alt geworden, 2020 lag auch die Gründung der Protestband Ton Steine Scherben 50 Jahre zurück.

Die CDU hatte sich gegen die Umbenennung ausgesprochen. Man müsse aufpassen, "dass der Bezirk nicht zur Beute linksradikaler Kreise" werde, empörte sich etwa der Berliner CDU-Abgeordnete Kurt Wansner. "Ich sehe keinen Grund, nach Herrn Reiser irgendetwas in Kreuzberg umzubenennen. Er hat für den Bezirk nichts getan" (queer.de berichtete).

Direktlink | Lieder, die der CDU nicht gefallen: "Rauch-Haus-Song" von Ton Steine Scherben
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Umbenennung stand im April im Amtsblatt

Die Umbenennung war im April per Amtsblatt angekündigt worden. Zu einer Veranstaltung war laut Bezirksamt bisher nicht eingeladen worden. Allerdings war im Rahmen des Scherben-Festivals "Wenn die Nacht am tiefsten" (vom 7. Juni an) für den 12. Juni eine Feier auf dem Platz vorgesehen. Die Organisator*innen konnten am Donnerstag zunächst nicht sagen, ob es noch eine Veranstaltung geben werde.

Direktlink | "König von Deutschland" ist der wohl bekannteste Hit von Rio Reiser
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Rio Reiser war zwischen 1970 und 1985 Sänger und Haupttexter von Ton Steine Scherben. Zu den bekanntesten Hits der zeitweise von der heutigen Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth gemanagten Musikgruppe waren "Macht kaputt, was euch kaputt macht" und "Keine Macht für Niemand". Später startete Reiser eine Solo-Karriere – und begeisterte auch ein Mainstream-Publikum mit Liedern wie "König von Deutschland" und "Junimond". Reiser starb 1996 im Alter von nur 46 Jahren an Kreislaufversagen infolge von langjährigem Alkoholkonsum. (cw/dpa)



#1 GiriAnonym
  • 04.06.2021, 07:50h
  • Adressänderungen sind ein riesiger Aufwand für Anwohner aber auch für ansässige oder liefernde Firmen.
    Man muss den Menschen keine unnötige Arbeit aufbürden nur um ein prestige Objekt umzusetzen und um sich selbst auf die Schulter zu klopfen.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 LotiAnonym
  • 04.06.2021, 08:39h
  • Antwort auf #1 von Giri
  • Der Heinrichplatz ist nur ein Platz und enthält somit keine Hausnummern. Und die besagten Anwohner, denen es gar nicht recht ist diesen Platz nach Rio umzubenennen, sind keine gebürtigen Kreuzberger. Nicht einmal waschechte Berliner. Diese Neubewohner in Kreuzberg haben Null mit dem Alten Kiez am Hut. Berlin wie haste Dir verändert. Eine Schande ist das.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 FliegenAnonym
  • 04.06.2021, 09:28h
  • ...EIN HELMUT KOHL PLATZ ODER STRASSE GEHT IN UNSERER BANANENREPUBLIK SCHNELLER UMZUSETZEN:-(
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Sven100Anonym
  • 04.06.2021, 09:30h
  • Kreuzberg ist sowieso schon auf dem Weg der Verbürgerlichung. Die früheren Aktivisten sind alt geworden.
    Der neue Berliner Szenebezirk heißt Neukölln.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Ralph
  • 04.06.2021, 10:28h
  • Antwort auf #3 von Fliegen
  • Ein weit verbreiteter Irrtum. 2017 scheiterte der Versuch, die Ludwigshafener Rheinallee in Helmut-Kohl-Allee umzubenennen, am vehementen Widerstand der Bevölkerung. Und das in Kohls Heimatstadt.

    Dass Straßen und Plätze nur nach Leuten benannt werden sollen, die von lokaler Bedeutung sind, ist Unfug. Ich bezweifle, dass z.B. der Feldmarschall Hindenburg allen Orten, in denen eine Straße nach ihm benannt ist, Gutes getan hat. Im Gegenteil müssten längst all diese Straßen umbenannt worden sein, denn der Mann, der Hitler zum Kanzler berufen hat, hat allen Orten nicht Gutes, sondern Schlechtes getan. Die Forderung nach lokaler Bedeutung ist also reine Ausrede. Die wollen einfach nicht.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 BerlinerAnonym
  • 04.06.2021, 10:45h
  • So sehr ich Rio Reiser und seine Musik auch schätze, so bin ich doch gegen eine Umbenennung. Er ist und bleibt ein Musiker und nicht der Erfinder des Penicillin oder sowas. Was kommt dann als nächstes? Eine Nena-Allee, ein Grönemeyer-Boulevard oder eine Westernhagen-Straße?

    Letztendlich geht es doch nur darum, dass die Parteien, die die Berliner Probleme nicht in den Griff kriegen, mit solcher Schaufensterpolitik von ihrem Versagen ablenken wollen und ein paar schöne Marketing-Bilder wollen, wie sie grinsend ein Straßenschild enthüllen. Und dann können sie weiterhin im Glauben verharren, sie hätten was für LGBTI getan.

    Uns wäre viel mehr geholfen, wenn LGBTI auch nachts überall in Berlin angstfrei unterwegs sein könnten, ohne ständig Beleidigungen oder Überfälle fürchten zu müssen!!
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Ralph
  • 04.06.2021, 11:09h
  • Antwort auf #6 von Berliner
  • Mozartstraße? Uhlandstraße? Menzelstraße? Bloß Musiker, Schriftsteller, Maler... Die haben auch weder das Schießpulver noch ein Medikament erfunden. Straßennamen sind auch Ausdruck der Kultur eines Landes. Wer München reinkommt aus Richtung A8 und dann hinter der Blutenburg Richtung Pasing fährt, benutzt Straßen, die nach Verdi, Offenbach und Meyerbeer benannt sind. Die haben auch nicht die Menschheit gerettet, aber zumindest für Opernfreunde das Leben schöner gemacht. Mir genügt das.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 BerlinerAnonym
  • 04.06.2021, 11:21h
  • Antwort auf #7 von Ralph
  • Und Du willst tatsächlich einen Rio Reiser mit einem Mozart vergleichen?

    Vorschlag:
    Wenn Rio Reiser in ein paar Jahrhunderten die Bekanntheit hat, die ein Mozart noch Jahrhunderte nach seinem Tod (übrigens sogar international) hat, dann kann man dann gerne darüber nachdenken, ob das gerechtfertigt ist oder nicht. Aber so aktuell gesehen ist es das sicher nicht.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 UrberlinerAnonym
#10 SebiAnonym
  • 04.06.2021, 11:28h
  • Ich bin generell gegen Benennungen von Straßen, Plätzen, etc. nach Personen.

    1. Ich mag generell keinen Personenkult. Egal, was sie tolles geleistet haben.

    2. Es gibt zig andere Leute, die auch tolles oder sogar noch tolleres geleistet haben, die aber unbekannt bleiben. Wieso sollte man dann manche Leute ehren, nur weil sie Promis sind? Haben die nicht genug Ruhm und sind genug in die Geschichte eingegangen?

    3. Man weiß nie, ob nicht vielleicht irgendwann etwas über Personen bekannt wird, wo einem dann solche Benennungen peinlich sind. Oder es muss auch nur schon die Bedeutung anders gesehen werden.

    4. Im Fall von Namensänderungen von Straßen und Plätzen kommt noch dazu, dass dadurch enorme Kosten entstehen. Nicht nur für Anwohner und ansässige Firmen, sondern das muss auch in Stadtplänen, Katasterplänen, Navigationssystemen, etc. geändert werden. Und ist dann auch immer Fehlerquelle und kann für Verwirrungen und Missverständnisse sorgen. Deshalb sollte eine Namensänderung grundsätzlich nur stattfinden, wenn gegen den alten Namen erhebliche Gründe sprechen. Aber wie gesagt auch dann nicht zu einem Personennamen.
  • Antworten » | Direktlink »