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"Volks-Rock'n'-Roller"

Die wundersame Wandlung des Andreas Gabalier

Noch vor sechs Jahren empörte sich der österreichische Volksmusiker über homosexuelle Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit – nun hat er mit "Liebeleben" einen Song gegen Homophobie und Rassismus veröffentlicht.


Andreas Gabalier wurden in der Vergangenheit immer wieder rechtspopulistische, homophobe und frauenfeindliche Tendenzen vorgeworfen (Bild: Chris Heidrich)

Andreas Gabalier hatte es in den vergangenen Jahren nicht leicht. Seine Fans standen treu zu ihm, klar, doch in den Medien wurde seine Musik und die häufig etwas tollpatschigen öffentlichen Statements regelmäßig mit Kritik und Spott übergossen. Doch nun dürfte er selbst seine Gegner*innen überrascht haben: In seinem neuem Song "Liebeleben" textet der volkstümliche Sänger darüber, dass es im Grunde egal sei, wessen Geschlecht zwei Menschen angehörten, die sich lieben.

Gewohnt holprig heißt es im Refrain, ins Hochdeutsche übertragen: "Ob Frau und Mann oder Mann und Mann, oder zwei Mädchen dann, irgendwann – Wenn der Forrest Gump nicht mehr laufen kann, ist es Liebe, ist es Leben, dann ist das die Liebe, dann ist das das Leben, dann ist das die Liebe, dann ist das das Leben".

Direktlink | Das Stück "Liebeleben" auf Youtube
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Auch singt Gabalier in dem am Freitag auf Youtube veröffentlichten Track über einen "Fremden" und dessen Liebesband zu einer Bäuerin. Am Nordpol und am Südpol, "vom Kaukasus bis nach Südtirol", ob "Kanada oder Afrika", "Honolulu, Ipanema" – Liebe sei das, was von uns bleibe. Das "Feuer der Liebe" dränge uns bis zum "Tellerrand", was als Aufforderung verstanden werden darf, eigene gern gehegte Vorurteile zu hinterfragen. "Du bist so, wie du bist, und das ist gut so", spitzt Gabalier seine positive Botschaft schließlich zu, was klingt, als sei es an das berühmte Zitat von Klaus Wowereit angelehnt.

Homophobe Äußerungen in der Vergangenheit

In der Vergangenheit hatte Gabalier gern mit Provokationen und Dummheiten von sich Reden gemacht, bei denen es immer wieder auch schwer homophob wurde. 2015 etwa behauptete der Steirer, man habe es "heutzutage schwer", wenn man "als Manderl noch auf ein Weiberl steht" (queer.de berichtete). Nur kurz darauf sprach er in einem Interview von einer "genderverseuchten Zeit" und forderte von Homosexuellen, diese sollten ihre Sexualität "aus Respekt unseren kleinen Kindern gegenüber" "nicht ganz so breit in der Öffentlichkeit austreten" (queer.de berichtete).

Kinder sollten sich, hieß es weiter, stattdessen ihr eigenes Bild von Sexualität machen können, wenn sie alt genug seien. Von Forderungen Gabaliers an Heterosexuelle, die wesentlich dominanter im öffentlichen Raum durch Küsse und Zärtlichkeiten oder in Film und Werbung ihre Sexualität zur Schau stellen, ist allerdings nichts bekannt. In weiteren Einlassungen ging es dann immer wieder um eine angeblich zu große Präsenz homosexueller Menschen in der Öffentlichkeit, was der gerne mal ganz rechts blinkende Gabalier als Grund für die Ablehnung gleichgeschlechtlich Liebender ins Spiel brachte. Mit seiner "Vorliebe" für weibliche Frauen und männliche Männer wähnte sich Gabalier auch per Liedtext oft lieber in der Rolle des Unterdrückten als in der der kaum angefochtenen Mehrheit.

Noch 2019 hatte Gabalier Vorwürfe gegen ihn zurückgewiesen und das demonstrativ mit einer schwulen Bekanntschaft zu untermauern versucht (queer.de berichtete). Statt aber konkret zu erklären, was er in der Vergangenheit Problematisches gesagt hatte, sprach er von "Fehlern" und der "Wortwahl", die er auch hätte besser überdenken können, warf dann jedoch vor allem den Medien vor, angeblich falsche Vorwürfe gegen ihn in die Welt gesetzt zu haben. Er habe in Wahrheit, führte er da mit seinem berüchtigten sprachlichen Gespür fort, "kein Problem mit Schwulen, mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und auch sonst mit keinen Randgruppierungen".

Ist Gabalier in der Coronakrise ins Nachdenken gekommen?


Gabalier bei eiinem Konzert in Berlin (Bild: Carsten Klick / Electrola)

Inwiefern der Wandel des selbsternannten "Volks-Rock'n'-Rollers" bei Kritiker*innen verfängt, bleibt abzuwarten. Nach all den Promis, die im Verlauf der Coronapandemie durchgedreht und nach ganz rechts außen abgedriftet sind, ist Andreas Gabalier zumindest ein erfrischendes Beispiel dafür, dass mehr als ein Jahr Bühnenabstinenz nicht zwangsläufig das Schlechteste aus Musiker*innen rausholen muss. So hatte Gabaliers deutscher Musikerkollege Xavier Naidoo in den ersten Monaten der Pandemie sichtlich abgebaut und sich etwa mit einer tränenreichen Videobotschaft über globale Pädophilenringe geäußert, die aus den Körpern der Kinder den Stoff "Adenochrom" extrahieren würden, was in angeblichen Elitenkreisen zu Zwecken der Verjüngung eingesetzt werde.

Xavier Naidoos Glaube an krude Verschwörungstheorien und auch homophobe Liedtexte waren da schon keine Neuigkeit mehr und seit Jahren Gegenstand einer öffentlichen Kontroverse. Im Jahr 2015 war Andreas Gabalier dem Mannheimer darum mit einem gemeinsamen Auftritt samt extra hierfür geschriebenen Song zur Seite gesprungen. Das Stück hieß "A Meinung ham" und handelte davon, die Welt "mit eigenen Augen zu sehen" und diesen Weg "vom Anfang zum Ende" zu gehen. Die Demokratie sei in Gefahr, hieß es im Text weiterhin, weil "ein paar Leute" angeblich glaubten zu wissen, was ein ganzes Land wolle.

Um wen es sich bei dieser mächtigen Minderheit handeln soll, blieb wohl ganz bewusst nebulös. Während Xavier Naidoo seinen Weg bis zum bitteren Ende gegangen ist und seine öffentliche Reputation eingebüßt hat, scheint sich Andreas Gabalier nach Jahren der Provokationen nun für eine Kurskorrektur entschieden zu haben.



#1 Sarkast
#2 MagsAnonym
  • 04.06.2021, 16:52h
  • Um neue Märkte erschließen und damit noch mehr Geld verdienen zu können, würde der doch alles und jeden verkaufen - sogar seine Überzeugung. Das ist wie Pride-Klamotten die in Ländern zusammengeschustert werden in welchen queer sein mit dem Tod bestraft wird. Es geht nur um Kohle. Queer verkauft sich halt grad gut.
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#3 WadimAnonym
  • 04.06.2021, 16:58h
  • Sei es konjunkturbedingt,
    für LGBTI ist aber eine scheinheilige Schwulen-Freundlichkeit besser, als eine aufrichtige Schwulen-Feindlchkeit.
    Auf jeden Fall ist es ein Zeichen für die weiter wachsende LGBTI-Akzeptanz.
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#4 ElfolfProfil
  • 04.06.2021, 17:05hHamburg
  • Antwort auf #2 von Mags
  • Der rechte völkische Markt Ist auch in Österreich kleiner, als er gedacht hat. Für Gabalier kommt auch erst das Fressen, dann die Moral. Also lieber dahin umschwenken, wo das Geld locker sitzt. Ich würde ihm nichtmal vorwerfen, aus Überzeugung rechts gewesen zu sein. Lediglich grenzenlos naiv in seinem vorsintflutlichen Heileweltbild.
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#5 MagsAnonym
  • 04.06.2021, 17:10h
  • Antwort auf #3 von Wadim
  • Ich weiss lieber woran ich bin. Auf so pseudo-Allys die uns bei nächster Gelegenheit wieder hassen sobald sich der Wind dreht kann ich verzichten. Gibt's ne ganze SPD voll von dieser Gattung. Und sich auf Kosten des durch die (bis vor 6 Jahren offenbar verhassten) Community Erreichten jetzt die Taschen vollzustopfen finde ich widerlich. Und ja, ich mag den Kasper nicht.
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#6 mesonightAnonym
  • 04.06.2021, 17:18h
  • ...ob er überhaupt versteht, was er da eigentlich singt? Ich glaube nicht. Dem wirds nur ums Prestige gehen und um die Kohle, mehr nicht.
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#7 LotiAnonym
#8 AtreusProfil
  • 04.06.2021, 17:19hSÜW
  • "Tollpatschig" wäre nicht das Adjektiv meiner Wahl, um seine Aussagen zu beschreiben. Die sind neben dem homophoben Inhalt sehr wohl kalkuliert. Beisplw., als er die österr. Amadeus-Awards nutzte, um seinen Manderl-Weiberl-Spruch zum Besten zu geben, nachdem ihm Conchita Wurst während derselben Show die Trophäe für den Song des Jahres weggeschnappt hatte.

    Ansonsten kann ich mich den vorherigen Kommentator*innen nur anschließen. Ein armseliges und unglaubwürdiges Schauspiel.
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#9 LotiAnonym
#10 StaffelbergblickAnonym
  • 04.06.2021, 18:44h
  • wer weiß woran es liegt ... möglicherweise näher als so manche vermuten: Dem ist doch wegen seiner Auffassungen die Frau abgehauen ... und nu mag für ihn das doch so ein Knacks gewesen sein über die vergangenen Auffassungen nachzudenken. Ich weiß es nicht ... aber wäre ein Ansatz zum Umdenken
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