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Buchtipp

Schwarz, schwul und ohne Geld in der Schweiz

"Drei Weise aus dem Bantuland" von Max Lobe ist ein leichter Roman über schwierige Themen. Im Mittelpunkt steht Mwána aus Bantuland, der mit seinem Freund Ruedi in der Schweiz lebt.


Autor Max Lobe, 1986 in Kamerun geboren, lebt und arbeitet heute in Genf

Es geht ums Geld. Oder ums Gombo, wie Mwána es nennt. Das Geld fehlt ihm, der gerade sein Studium abgeschlossen hat, und trotzdem keinen Job findet. Sein Freund Ruedi kann auch nichts beisteuern, außer immer mal wieder bei seinen Eltern nachfragen. Das ist ihm aber peinlich, also geht das Paar lieber zur Essensausgabe "Ein Herz gegen Hunger".

Die Geldsorgen und der Hunger drücken das Gemüt und belasten die Beziehung. Seit drei Jahren sind die jungen Männer zusammen. Damals hätte Mwána "sogar ganz Bantuland geopfert" für seinen "Fuchs mit den grünen Augen", der ihn immer Schätzli nennt. Jetzt gibt es immer häufiger Streitereien.

Der Roman gehört zu Bayerns besten Independent-Büchern


"Drei Weise aus dem Bantuland" ist im austernbank Verlag erschienen

Schließlich findet Mwána doch eine Stelle. Ein Praktikum nur, aber immerhin. Er arbeitet für Madame Bauers Organisation, die sich gegen Rassismus einsetzt. Es gibt genug zu tun, gerade stehen Wahlen an. Ein Plakat, das gegen "schwarze Schafe" hetzt, erhitzt die Gemüter, allen voran die alternde Madame Bauer.

Wahrscheinlich weiß Max Lobe ziemlich genau, worüber er schreibt. Er wurde 1986 in Kamerun geboren und lebt wie sein Ich-Erzähler in Genf. Sein Roman "Drei Weise aus dem Bantuland" ist sein erster, der ins Deutsche übersetzt wurde. Das Werk wurde gleich als eines von "Bayerns besten Independent-Büchern" ausgezeichnet.

Dafür gibt es viele Gründe: Im Original erschien es zwar bereits 2014, doch die Themen haben nicht an Aktualität verloren. So schwer sie sind, so wütend und traurig sie machen – Mwána kämpft weiter. Er lässt sich nicht unterkriegen, bleibt trotz aller Widrigkeiten stets heiter. Sein Ton ist angenehm, er besitzt einen unterschwelligen bis bissigen Humor, in dem häufig Kritik steckt.

Sorge um die schwerkranke Mutter

Manchmal wirkt der Erzähler fast naiv und kindlich, und doch weiß er seine Welt ganz genau einzuschätzen. Ob es seine Chefin der Organisation ist, die Worte und Gesten seines Freundes Ruedi oder das Leiden seiner schwerkranken Mutter: Mwána weiß, was gerade abgeht.

Er befindet sich in einem Dazwischen. Die Schweiz – oder Helvetien, wie er sagt – hat ihn noch nicht wirklich ankommen lassen, aber seine Heimat, das Bantuland, hat er doch schon verlassen. Dennoch holt es ihn ein, als seine Mutter in einem Schweizer Krankenhaus behandelt werden muss. Kaum sind die Geldnöte durch das befristete Praktikum halbwegs auf Eis gelegt, muss Mwána sich ganz andere Sorgen machen.

"Drei Weise aus dem Bantuland" ist ein leichter Roman über schwere Themen. Leicht, nicht seicht: Der Held der Geschichte Mwána ist ein kluger, sympathischer junger Mann, deren Probleme ihm seine Freude nicht nehmen können. Er weiß, dass es weitergeht, auch wenn es oft nicht leicht ist. Jemand wie er bereichert jeden Freundeskreis – und jedes Bücherregal.

Infos zum Buch

Max Lobe: Drei Weise aus dem Bantuland. Originaltitel: La Trinité bantoue. Aus dem Französischen übersetzt von Katharina Triebner-Cabald. Roman. 200 Seiten. 13,4 x 21,1 cm. Hardcover. ISBN: 978-3-94668-702-3. München 2020. austernbank Verlag.


#1 AtreusProfil
  • 05.06.2021, 12:57hSÜW
  • Lieber Fabian, vielen Dank für den Hinweis. Da ich den Verlag überhaupt noch nicht kannte, wäre der Roman vollkommen an mir vorübergezogen.

    Anregung: Ich fände es toll, wenn es auf queer.de analog zu Herrn Hollister oder dem unübertroffenen Erwin einen eigenen Blog gäbe, der mindestens einmal pro Monat alte und neue Klassiker der queeren Literaturgeschichte vorstellt. Von Karl Heinrich Ulrichs bis Becky Albertalli.
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