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Netflix-Serie

Comedy statt Mitleid: "Special" zeigt schwules Leben mit Behinderung

Die bahnbrechende Serie von und mit Ryan O'Connell (deutscher Titel: "Ein besonderes Leben") baut in Staffel zwei ihr Suchtpotential aus – und ist leider noch immer ein Geheimtipp.


Ryan (Ryan O'Connell) lässt sich von seiner cerebralen Bewegungsstörung nicht aufhalten (Bild: Netflix)

Nein, gerecht geht es in der Welt der Serien nicht wirklich zu. Wenn dem nämlich so wäre, würde nämlich zumindest einen Bruchteil der Aufmerksamkeit, die etwa "Bridgerton", "Élite" oder "The Boys" entgegengebracht wurde, auch eine Serie wie "Special" (deutscher Titel: "Ein besonderes Leben") abgekommen. Stattdessen muss man die – auch mit der vor kurzem bei Netflix gestarteten zweiten Staffel – noch immer als Geheimtipp bezeichnen.

Ein Tipp aber ist "Special" in jedem Fall und – dem Titel entsprechend – eine wirklich besondere Serie. Entwickelt und geschrieben (ab Staffel zwei mit Hilfe einiger weiterer Autor*innen) hat sie Ryan O'Connell, der auch gleich die Hauptrolle spielt. Als Grundlage diente ihm die eigene Autobiografie "I'm Special: And Other Lies We Tell Ourselves", weswegen sein Protagonist nun auch eine Art Alter Ego ist. Genau wie O'Connell ist auch Ryan Hayes ein schwuler Kalifornier um die 30 mit einer milden Form von Infantiler Zerebralparese.

Das Genre Autofiktion ist im Bereich tragikomischer Serien schon länger ein sehr beliebtes. "Better Things" von und mit Pamela Adlon ist ein wunderbare, hierzulande ebenfalls viel zu wenig beachtetes Beispiel dafür, aber gerade im queeren Bereich gab es hier zuletzt viel Sehenswertes, von Josh Thomas' "Please Like Me" über "Work in Progress" von Abby McEnany bis hin zu "Feel Good" von Mae Martin (deren zweite Staffel seit Freitag bei Netflix zu sehen ist). Qualitativ muss sich "Special" hinter diesen Serien nicht verstecken. Und ist trotzdem ihr ganz eigenes Ding, nicht zuletzt weil es bis heute eben doch wenige Werke in Film und Fernsehen gibt, die Menschen mit Behinderungen und körperlichen Einschränkungen ins Zentrum rücken.

Der erste Sex, der erste Liebeskummer

Zu Beginn der Serie lebt Ryan, der hinkt und motorische Schwierigkeiten etwa beim Schuhe binden hat, noch bei seiner Mutter Karen (Jessica Hecht), wagt allerdings bald den Sprung in die Eigenständigkeit. Erst fängt er als Blogger-Praktikant bei einer Webseite namens Eggwoke an, dann zieht er auch noch ins erste eigene Heim. Ganz zu schweigen davon, dass er auch noch diverse andere erste Male hinter sich bringt, vom ersten Sex bis zum ersten gebrochenen Herzen.


Ryan mit seinen besten Freund*innen Kim (Punam Patel) und Carey (Augustus Prew). Netflix zeigt "Ein besonderes Leben" in deutscher Synchronfassung (Bild: Netflix)

Herrlich entspannt, mit spürbarer Authentizität und meistens sehr komisch erzählt O'Connell von den Erfahrungen seines Protagonisten, von der Entjungferung durch einen Sexarbeiter bis zum Gefühl, wenn die eigene Behinderung für jemand anderen zum bloßen Fetisch wird. Weil in der zweiten, noch überzeugenderen Staffel die einzelnen Episoden nicht mehr nur 15, sondern 30 Minuten dauern, ist nun noch mehr Raum, auch für Mutter Karen sowie Ryans neue beste Freundin Kim (Punam Patel), die beide als Figuren deutlich komplexer werden und die Schauspielerinnen groß auftrumpfen lassen.

Noch mehr Platz für Queerness

Auch für die Queerness ist mehr Platz, weswegen Ryan nicht nur einem, sondern gleich zwei potentiellen Traummännern begegnet, dem eigentlich vergebenen Tanner (Max Jenkins aus "Dead to Me") sowie dem neurodiversen Henry (Buck Andrews). Inklusion und Vielfalt bei der Besetzung sind O'Connell dabei übrigens wichtig: Menschen mit Behinderung werden hier von ebensolchen gespielt, und gleiches gilt für alle queeren Figuren. Sogar als Heteros hat er mitunter Schwule besetzt, etwa "Stadtgeschichten"- und "Matrjoschka"-Star Charlie Barnett als Lover von Kim. Und wo wir gerade bei den Gaststars sind: Anna Ortiz ("Alles Betty", "Love, Victor") und Leslie Jordan ("Will & Grace") geben sich auch die Ehre.

Lange Rede, kurzer Sinn: wer "Special" noch nicht entdeckt hat, sollte das dringend nachholen. Und darf sich anschließend darüber empören, dass Netflix mal wieder bei einer seiner sehenswertesten Serien zu früh den Stecker gezogen hat. Denn genau wie bei "Feel Good" wird es leider keine dritte Staffel geben.

Direktlink | Englischer Originaltrailer zur zweiten Staffel
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#1 TheoAnonym
  • 06.06.2021, 10:03h
  • Mit eine der besten Serien, die ich auf Netflix gesehen habe! Fand die erste Staffel viel zu kurz und habe sehnsüchtig auf die zweite gewartet. Endlich ist es so weit!
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#2 daVinci6667
  • 08.06.2021, 12:48h
  • Schade zweite Staffel schon wieder durch. Jetzt kommt das lange Warten auf die hoffentlich! 3. Staffel. Unbedingt anschauen!
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