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Erfolgreiche Spendenaktion

Amed Sherwan wandert für LGBTI-Rechte durch Deutschland

Der LGBTI-Aktivist hat binnen weniger Tage bereits 5.000 Euro Spenden für eine queere Organisation aus Kurdistan eingesammelt.


Amed Sherwan engagiert sich bereits seit Jahren für LGBTI-Rechte

"Ich laufe so lange queer durch Deutschland, bis ich 5.000 Euro als Spende für das queere Projekt Yeksani aus Silêmanî in Irakisch-Kurdistan zusammen gesammelt habe." Das ist die Botschaft des 22-jährigen LGBTI-Aktivisten Amed Sherwan, der bereits seit gut einer Woche unterwegs ist und am Wochenende in Köln Zwischenstopp machte. In der Domstadt traf der Flensburger unter anderem die Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime.

Gestern bin ich in Köln angekommen und habe dort die Menschenrechtlerin und Vorsitzende des Zentralrat der Ex-Muslime...

Posted by Amed Sherwan on Sunday, June 6, 2021
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Sein Ziel hat er bereits erreicht: Auf dem Spendenkonto "Amed Sherwan: Queer durchs Land" ist die Summe bereits eingegangen. Die Spenden seien "aus der ganzen Welt zusammengekommen von USA bis Israel, und nicht wenige von arabischsprachigen Menschen", so Sherwan. Die Spendenaktion werde noch einige Tage weiterlaufen.

Sherwan, selbst heterosexuell, setzt sich bereits seit mehreren Jahren für LGBTI-Rechte und das Recht auf eine atheistische Weltanschauung ein. Sein Engagement hängt eng mit seinem Lebensweg zusammen: Sherwan ist als jugendlicher Flüchtling nach Deutschland gekommen, nachdem er aus seiner irakischen Heimat fliehen musste. Der Grund: Er wollte aus der muslimischen Glaubensgemeinschaft austreten. Als er im Alter von 15 Jahren gegenüber seinen Eltern sein Coming-out als Atheist hatte, alarmierten diese die Polizei. Daraufhin wurde Sherwan festgenommen und gefoltert. 2015 schaffte er schließlich die Flucht nach Deutschland. Ihm wurde Asyl aus religiösen Gründen gewährt.

2018 erhielt Sherwan wegen seines "Allah is gay"-Slogans, mit dem er sich an CSDs beteiligte, Morddrohungen (queer.de berichtete).

Im März sorgte er mit einem Erfolg vor dem Lüneburger Landgericht gegen den amerikanischen Konzern Facebook für Schlagzeilen. Er hatte dagegen geklagt, dass das soziale Netzwerk ein schwules Kussbild, das er veröffentlicht hatte, nicht zeigen wollte (queer.de berichtete). (dk)

Offener Brief von Amed Sherwan

Vor einer Woche hatte Sherwan einen Offenen Brief veröffentlicht, in dem er erklärte, warum er sich für die queere kurdische Organisation engagiert. queer.de dokumentiert das Schreiben:

"Irakisch-Kurdistan gilt als einer der sichersten Orte im Mittleren Osten. Das bedeutet aber leider nicht, dass alle Menschen dort in Sicherheit leben. Im Gegenteil. Für queere Menschen wird es jeden Tag gefährlicher. Rechte Gruppen dominieren die öffentliche Debatte. Vereine, die sich mit queeren Menschen solidarisch zeigen, riskieren ihre Zulassung. Familien sind aufgefordert, queere Angehörige unter Druck zu setzen. Religiöse Gruppen fordern nicht nur Umerziehungs-, sondern auch Auslöschungsmaßnahmen. Und polizeiliche Kontrollen schränken die wenigen Freiräume ein.

In meiner Kindheit war das Thema LGBT tabu. Es kam praktisch nicht vor, höchstens in Schimpfwörtern. Inzwischen werden queere Menschen in Kurdistan sichtbarer und können nicht mehr einfach ignoriert werden. Daher werden sie jetzt offensiv bekämpft. Und der Ton wird immer aggressiver und die Gewalt heftiger.

Ich merke es in den Medien und Netzwerken, aber auch im Kontakt zu meiner Familie. Seit einigen Monaten herrscht komplette Funkstille. In den letzten Gesprächen haben sie mich nur noch mit Beleidigungen übersät. Meine Solidarität mit queeren Menschen ist für sie viel schlimmer als der Abfall vom Glauben. Ich leide unter dem Hass. Dabei wohne ich erstens weit weg und kann zweitens selbst entscheiden, ob ich mich mit Aktionen positioniere. Aber wie geht es queeren Menschen vor Ort? Sie können nicht weg und für sie geht es nicht nur um Meinungsfreiheit, sondern um das Recht auf ein Leben in Würde.

Ich kann da nicht mehr tatenlos zusehen. Und deswegen habe ich mich dazu entschlossen, das selbstorganisierte LGBTI-Projekt Yeksani aus Silêmanî zu unterstützen. Yeksani bedeutet Gleichheit. Das Projekt bietet queeren Menschen Beratung und Unterstützung an und leistet wichtige Aufklärungsarbeit. Yeksani hat keine Chance, sich als Verein eintragen zu lassen, und arbeitet unter sehr schwierigen Bedingungen. Ich möchte auf den wichtigen Kampf aufmerksam machen und 5.000,- Euro für das Projekt zusammensammeln.

Dafür werde ich so lange queer durch Deutschland laufen, bis die Summe zusammengekommen ist. Ich bin heute (01. Juni) frisch getestet in Mainz angekommen und werde von hier nach Norden wandern, unterwegs auf das Thema aufmerksam machen und meine Aktion bewerben. Sobald das Geld zusammengekommen ist, schicke ich es über vertrauenswürdige Kontakte direkt zur Gruppe. Das Problem dabei ist, dass ich es nicht über einen offiziellen Verein abwickeln kann. Ich muss die Spenden daher leider privat einsammeln, kann keine Spendenquittungen ausstellen und bin auf euer Vertrauen angewiesen."