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Interview

Laverne Cox ist eine queere Superheldin

Die OITNB-Schauspielerin wirbt als trans Superheldin für die Rainbow-Produkte eines Wassersprudler-Herstellers. Im Interview spricht sie über die Zukunft der trans Community.


So sieht Super-Laverne im Sodastream-Werbespot aus (Bild: Sodastream)

"Ich wusste schon immer, dass sich mein Leben zu einer Rainbow-Story entwickeln würde." Mit diesen Worten beginnt ein 80-sekündiger Werbespot für den Wassersprudler Sodastream, der die Wandlung von trans Schauspielerin Laverne Cox von einer Außenseiterin zu einer Regenbogen-Superheldin zeigt. Ihr Superheldinnen-Dasein wird als Cartoon dargestellt. Am Ende des Spots kommt Laverne zurück nach Hause – und genießt frisches Sprudelwasser.

Die israelische Firma Sodastream setzt mit dem Spot ihre Zusammenarbeit mit der LGBTI-Organisation ILGA und anderen nationalen queeren Gruppen fort. Einen Teil der Einnahmen, die mit Produkten im Zusammenhang mit der Pride-Kampagne erzielt werden, kommen Szene-Aktivist*innen zugute, darunter auch dem Bundesverband Trans*. Bereits in den letzten Jahren hatte Sodastream queer geworben – 2019 wurde etwa in einem Werbespot eine Welt gezeigt, in der es weder Homo- noch Transphobie gibt (queer.de berichtete).

Wir haben mit der 49-jährigen Laverne Cox über den neuen Werbespot gesprochen und sie gefragt, wie man jungen trans Menschen Mut macht und wie es ihrer Ansicht nach mit trans Community weitergehen wird.

Frage: Bist du aufgeregt wegen der neuen Werbekampagne?

Laverne Cox: Ja, sehr. Ich denke irgendwie an die Zeit, als ich ein Kind war und welche Vision ich damals für mein Leben hatte. Ich wollte eine Superheldin werden. Mit Hilfe viele toller Leute habe ich das jetzt praktisch im echten Leben geschafft. Es ist deprimierend, dass wir uns selbst retten müssen. Aber das heißt nicht, dass wir den Weg allein gehen müssen. Ich hatte großartige Therapeut*innen und Lehrer*innen – ich hatte großes Glück. Auch jetzt habe ich ein großes Team – aber die Wandlung muss von innen kommen.

Welche Botschaft hast du für junge queere Menschen auf der Welt?

LGBTQ-Kids auf der ganzen Welt möchte ich daran erinnern, dass trans und nicht geschlechtskonforme Menschen in indigenen Kulturen in aller Welt einen heiligen Platz eingenommen haben. Beispielsweise wäre man im vorkolonialen Indien nicht auf die Idee gekommen, ohne den Segen eine Hijra [trans Frau] zu heiraten oder sein Kind zu taufen. Unsere Kronen sind schon hergestellt worden – wir müssen sie nur aufsetzen. Wir müssen die Leute erinnern, dass wir gesalbt sind. Wir sind hier für einen göttlichen Zweck. Ich weiß das in meiner Seele.

Welchen Tipp würdest du jemandem geben, um die gläserne Gender-Decke zu durchbrechen?

Es ist für mich bizarr, Leuten Ratschläge zu geben. Ein Mensch muss einfach die beste Version seiner Selbst sein – also authentisch sein und andere Leute gut behandeln. Ein großer Teil davon ist auch, seine Traumata zu verarbeiten und zu heilen. Es gibt Hilfe da draußen.

Welchen Herausforderungen muss sich die trans Community stellen?

Das größte Hindernis für trans Menschen in der Welt ist, dass viele Leute immer noch glauben, dass das Geschlecht, das uns bei der Geburt zugeordnet wird, immer stimmt. Dass trans Frauen keine echten Frauen sind. Dass trans Männer keine echten Männer sind. Dass es keine nicht-binären Menschen gibt. All dies führt zu Diskriminierung. Wir müssen trans Menschen nach ihren eigenen Vorstellungen akzeptieren. Wenn das getan wird, so denke ich, werden keine gegen trans Menschen gerichteten Gesetze mehr beschlossen werden. Dann wird es Menschen als falsch erscheinen, dass trans Personen wegen ihrer Geschlechtsidentität gefeuert werden oder ihnen der Mietvertrag gekündigt wird. Es geht darum, die Menschlichkeit des Gegenübers zu akzeptieren. Und zu akzeptieren, dass wir so sind, wie wir es sagen.

Wie wichtig ist es für trans Personen, dass es in der Gesellschaft Vorbilder gibt?

Es geht nicht nur darum. [Der Bürgerrechtler] Cornell West hat etwa gesagt, dass es viele schwarze Gesichter in hohen Positionen gibt, aber das muss nicht automatisch bedeuten, dass sich die Politik ändert. Wir brauchen neue, progressive Ideen. Die Fortsetzung der alten Ideologie ist problematisch. Die marginalisiertesten Gruppen der Gesellschaft müssen befreit werden.

Wie wird es mit dem Aktivismus weitergehen?

Wir leben in interessanten Zeiten. Wir kommen hoffnungsvoll aus einer globalen Pandemie. In der ganzen Welt waren wir in der Hölle und arbeiten uns heraus. Wir alle haben wohl ein kollektives Trauma. Daher müssen wir sehr behutsam mit uns und anderen umgehen. Aber das ist auch eine Chance für uns, um in Zukunft anders zu leben und anders zu lieben. Wir müssen den Menschen, die viel zu lange marginalisiert worden sind, helfen. Ich hoffe, wir nutzen die Chance. Das ist der Moment, an dem wir alles ändern können. Wir sollten das tun.