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"Ich bin schwul – und das ist auch gut so"

Wowereit: Coming-out kann immer noch Karriere-Killer sein

20 Jahre nach seinem öffentlichen Coming-out lud die SPDqueer Berlins früheren Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit zu einer Podiumsdiskussion ins Willy-Brandt-Haus.


Ein schwuler Berliner – und das ist auch gut so: Klaus Wowereit (SPD) war von 2001 bis 2014 Regierender Bürgermeister der ehemaligen Mauerstadt (Bild: abbilder / flickr)

Schwulenfeindliche Erfahrungen waren für Klaus Wowereit in seiner Zeit als Regierender Bürgermeister Berlins keine Seltenheit. "Immer wenn es eine strittige Entscheidung gab, dann habe ich auch eine gehäufte Anzahl von homophoben Kommentaren und Briefen bekommen, und E-Mails", sagte der 67-Jährige am Mittwoch bei der per Livestream übertragenen Podiumsdiskussion "20 Jahre Coming-Out in der deutschen Politik" der SPDqueer im Berliner Willy-Brandt-Haus. "Ich habe dann regelmäßig auch Strafantrag gestellt."

Ihn selbst hätten solche Beleidigungen nicht persönlich getroffen. "Aber ich hab's auch stellvertretend für andere gemacht." Allerdings sei seine Erfahrung gewesen, dass es meistens nicht zu einer Strafverfolgung gekommen sei. "Da war dann leider niemand zu ermitteln. Aber trotzdem habe ich es immer wieder gemacht."

"Das ist schon immer noch ein gesellschaftliches Thema"

Ob jemand homosexuell ist oder nicht, macht aus Wowereits Sicht auch 20 Jahre nach seinem berühmten Satz "Ich bin schwul – und das ist auch gut so" immer noch einen Unterschied. "Wir kennen gesellschaftliche Bereiche, wo das absolut noch tabu ist oder ein Killer für die Karriere, ob es der Herrenfußball ist oder ob es die Banker oder die CEOs in den großen Unternehmen sind", sagte der Sozialdemokrat, der von 2001 bis 2014 Regierender Bürgermeister war. "Da werden wir lange suchen müssen, bis wir da einen Geouteten finden. Das ist schon immer noch ein gesellschaftliches Thema."

Schwul zu sein, das war für Wowereit nicht ausschlaggebend für seine Entscheidung, in die Politik zu gehen. "Vielleicht unterbewusst, das kann man ja nie ausschließen", sagte er. "Aber soziale Gerechtigkeit war eher ein Thema für mich, ich bin ja aus einer Arbeiterfamilie und war der Erste, der zum Gymnasium gehen und studieren konnte. Das war für mich eher das Leitmotiv." Ein Vorkämpfer für die Gleichstellung von Homosexuellen sei er nicht gewesen.

Direktlink | Video der Podiumsdiskussion. Weitere Gäste neben Klaus Wowereit waren Barbara Hendricks und Kevin Kühnert
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Über Nacht wurde Wowereit bundesweit bekannt

Sein markanter Satz hat aber Geschichte geschrieben. Wowereit hatte ihn auf einem Sonderparteitag am 10. Juni 2001 gesagt – vor seiner Nominierung zum SPD-Kandidaten für das Amt des Regierenden Bürgermeisters. Von den Sozialdemokrat*innen gab es frenetischen Beifall, er wurde einstimmig gewählt. Über Nacht wurde der Jurist und SPD-Fraktionschef damit bekannt. Erstmals hatte ein*e Spitzenpolitiker*in in Deutschland es gewagt, die eigene Homosexualität öffentlich zu machen.

Nach Meinung vieler Politikbeobachter*innen hat Wowereit damit der politischen Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben den Weg geebnet. Das Zitat ging jedenfalls viral – lange bevor es soziale Medien gab – und ist seitdem tausendfach zu hören oder zu lesen gewesen. Schon beim Christopher Street Day Ende Juni 2001 war auf zahlreichen T-Shirts zu sehen: "Ich bin schwul – und das ist auch gut so", wahlweise auch die Variante "Ich bin lesbisch – und das ist noch besser".



#1 Ralph
  • 10.06.2021, 09:40h
  • Leider hat es der SPD nicht allzu viel gebracht, einen schwulen Spitzenpolitiker gehabt zu haben. Neben der Eheöffnung wird allzu sehr übersehen, wie wenig oder wie spät die Sozialdemokratie ihre Versprechen erfüllt und vor allem, wie sehr sie in Koalitionsverhandlungen mit der Union kläglich versagt hat. Auch die Schwan-Thierse-Affäre hat gezeigt, dass in der SPD Ansichten zu LSBTI als salonfähig und unterstützenswert gelten, die sich mit solchen der AfD decken.
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#2 OkayAnonym