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Online-Debatte

"Wie weiter nach dem Lesbenfrühlingstreffen?"

Eine Diskussionsveranstaltung zum Konflikt um Transfeindlichkeit auf dem LFT lud zu einer konstruktiven Nachbetrachtung ein.


Das 47. Lesbenfrühlingstreffen fand im Mai virtuell statt (Bild: LFT)

Die Deutsche Gesellschaft für Transidentiät und Intersexualität (dgti) ließ am vergangenen Donnerstag unter dem Motto "Wie weiter nach dem LFT?" diskutieren. Die Idee war, nach dem Konflikt um das letzte Lesbenfrühlingstreffen eine konstruktive Debatte über das Verhältnis von Lesben- und Transbewegung zu ermöglichen. Leider brachte der Abend nicht viel erhellendes – was nicht nur daran lag, dass die wenigen eingeladenen Vertreter*innen des Anti-Trans-Aktivismus abgesagt hatten.

Das 47. LFT, das jährlich in einer anderen Stadt stattfindet, wurde in diesem Jahr von einer Gruppe aus Bremen organisiert und hatte wegen mehrerer transfeindlicher Rednerinnen und Punkte im virtuell abgehaltenen Programm für Kritik und Distanzierung gesorgt (queer.de berichtete). Zugleich kam es aber auch zu Solidarität mit den Veranstalterinnen und zu ausdrücklicher Unterstützung für die Programmpunkte.


Teilnehmende der Online-Debatte, eine Video-Aufzeichnung ist weiter unten eingebunden

In der Nachbetrachtungs-Debatte waren sich insbesondere die älteren cis- und translesbischen Aktivist*innen im live auf Facebook übertragenen Gespräch einig, dass das Frühlingstreffen schon lange ein Ort kontroverser Auseinandersetzungen gewesen sei. So betonte Stephanie Kuhnen, Autorin vom für lesbische Sichtbarkeit streitenden Buch "Lesben raus!", dass die diesjährige Welle der Solidarisierung mit angegriffenen Transpersonen auch ein Ergebnis der teils harten Auseinandersetzungen der lesbischen Community und des LFT mit sich selber gewesen sei. Ihr Lob der Kontroverse rechtfertige aber nicht das Programm diesen Jahres, das "schlicht und ergreifend transfeindlich" gewesen sei.

Beim LFT ging es noch nie zimperlich zu

Die wenigen lichten Momente der Unterhaltung hatten auch ansonsten oft mit Kuhnen zu tun: Sie erzählte etwa, wie es in den 90ern heftige Kontroversen um das Thema BDSM gegeben habe. So seien von Lesben aus der Anti-Gewalt-Arbeit anwesende Dildos als großes Problem erachtet worden. Bei einem LFT in der Roten Flora in Hamburg habe es im Anschluss eine Party mit einem großen Darkroom gegeben, was bei Teilen des damaligen Publikums zu großem Unwohlsein geführt habe: "Also gab es beim Abschlussplenum einen Riesen-Ärger". Man habe dennoch im folgenden Jahr eine Lösung gefunden, indem man Sex-Workshops in einem dafür separierten Haus organisiert und eine Sexparty ebenfalls in einiger Entfernung inklusive Shuttleservice ausgerichtet habe. "Völlige Gegensätze wurden damals anders ausgehalten", auch im Streit mit der aufkommenden queerfeministischen Bewegung. Demgegenüber kritisierte sie, dass die Veranstalterinnen des diesjährigen LFT von beinharten Antifeministen Solidarität erhalten und diese dankbar angenommen hätten.


Die Einladung zur Online-Veranstaltung

Vertreter*innen von Institutionen, die das diesjährige Lesbenfrühlingstreffen durch Förderungen finanziert hatten, betonten im Panel, dass Kritik stets nur an einem Teil des LFT-Programms, nicht am LFT als solchem, geäußert worden sei. Außerdem habe man die zugesagten Finanzierungen nicht zurückgezogen. Magdalena Müssig, die für die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld tätig ist, erklärte, dass es auch dieser Gedanke des Austauschs der Strömungen gewesen sei, der im Förderantrag an die Stiftung durch die LFT-Orgagruppe betont gewesen sei (queer.de berichtete). Kontroversen und Debatten müssten geführt werden, bräuchten aber einen Rahmen und ihre Grenzen. Wenn Menschenrechte von Personen angegriffen würden, wo es menschenfeindlich werde, könne jedoch keine Kontroverse stattfinden. Möglichkeiten zur Debatte habe es daher in diesem Jahr auf dem LFT auch nicht gegeben.

"Historischer Irrwitz"

Das bestätigte auch Bettina Schreck vom Projekt "100% MENSCH": "Ich war ziemlich entsetzt" war ihr Fazit über das, was sie bei den vorher kritisierten Vorträgen dann im Online-Programm des LFT zu sehen bekommen habe. Nicht so sehr hätten sie jedoch die Inhalte von der Bühne irritiert, denn die seien ja bekannt gewesen: "Was mich am meisten entsetzt hat, war der Chat nach den Vorträgen. Es war überhaupt keine Debatte möglich. Es waren relativ geschlossene Veranstaltungen, wo viel applaudiert wurde. In diesem Chat haben sich dann relativ ungefiltert Hass und eine Schimpfworttirade ergossen."

Schreck verwies darauf, dass es auch unter historischer Perspektive ein Irrwitz sei, was auf dem diesjährigen LFT passiert sei, insbesondere hinsichtlich der geschlechtlichen Vereindeutigung des Begriffs der Lesbe: "Ganz besonders sollten Lesben aus ihrer Geschichte wissen, dass sie nicht als richtige Frauen gelten, weil eben das Absprechen von Frausein Teil von Lesbenfeindlichkeit ist." Es sei nicht lange her, dass Lesben noch als Halbfrauen, Tribadinnen oder gar Hermaphroditen, eigentlich ein Ausdruck für intergeschlechtliche Menschen, bezeichnet worden seien. Im Übrigen sei "Radikalfeminismus" in der Vergangenheit etwas anderes gewesen. Das utopische Moment etwa fehle dem, was momentan unter diesem Label auftrete, völlig.

Positive Werte statt Kritik

Viele Beiträge wiederholten bekannte argumentative Formen gegen das transfeindliche Programm des diesjährigen Lesbenfrühlingstreffens, vermieden es aber oft, ins Detail zu gehen. Fragen wurden lieber aufgeworfen, statt sich an den Versuch einer Beantwortung zu wagen. Alexander S., ein Vertreter des Vereins Transmann, zeigte etwa sein Unverständnis, warum man auf Leute "aus den eigenen Reihen" einhaue, schließlich sei das Anliegen aller aus der LGBTI-Community, als Mensch in der Gesellschaft anerkannt zu sein. Dass und warum Transfeind*innen transgeschlechtliche Personen nicht als Teil der eigenen "Reihen" anerkennen, kam ihm nicht in den Sinn – und so konnte es auch nicht kritisiert werden.

Hier, wie auch an vielen anderen Stellen, wurde eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den Argumenten und Vorwürfen transfeindlicher Aktivist*innen lieber vermieden. Stattdessen vertraute man vor allem auf die Friedfertigkeit und Inklusivität der eigenen Werte. So fand Kalle Hümpfner vom Bundesverband Trans, dass es nicht unbedingt hilfreich sei, mit wissenschaftlichen Zahlen auf die gezielten Infragestellungen der Transition von Jugendlichen einzugehen. Vielmehr würden Zahlen auch genutzt, um Menschen zu verunsichern und es sei für Außenstehende schwierig, sich in einer von Zahlen und Studien dominierten Debatte zu beteiligten. Hümpfners Empfehlung war es demgegenüber, Werte wie den der Selbstbestimmung stärker zu betonen. Würde man sich auf diesen im Feminismus eigentlich etablierten Wert besinnen, würde sich eine Diskussion um die Legitimität von Transgeschlechtlichkeit so gar nicht ergeben.

Der vermeintliche "Hype" um trans Jugendliche

Solchen Meinungen gegenüber standen etwa die Beiträge der Kinder- und Jugendtherapeutin sowie Gutachterin nach dem Transsexuellengesetz, Cornelia Kost, die versuchte, gegenwärtiger Mythenbildung um einen Transitions-"Hype" bei Jugendlichen zu widersprechen. Sie verwies darauf, dass die jährliche Zahl der transitionierenden Menschen seit Längerem mit einer gleichbleibenden Rate steige, was eben nicht auf eine plötzliche Explosion der Transitionswünsche von Jugendlichen verweise, sondern auf die kontinuierlich wachsende Akzeptanz und die Verbreitung von Wissen. Der von einigen Stimmen angeprangerte "Orkan" bei den Zahlen transgeschlechtlicher Jungs sei in Wahrheit ein leichtes Ansteigen, das sich wiederum ebenfalls durch ein Zahlenphänomen erklären lasse.

So trete das innere Coming-out bei transgeschlechtlichen Jungs auch aufgrund einer im Durchschnitt deutlich früher einsetzenden Pubertät eben auch früher auf. Die Zeit bis zum äußeren Coming-out sei bei Jungs ebenfalls kürzer als bei Mädchen respektive Frauen. Steigen nun insgesamt die Zahlen von Transitionen, zeige sich dies bei den Zahlen jugendlicher Jungs eben stärker als in anderen Alters- und Geschlechtsgruppen, ohne jedoch insgesamt ein Ungleichgewicht herzustellen. Bei Jugendlichen seien mit leicht steigender Tendenz gegenwärtig etwa zwei Drittel transmännlich. In der öffentlichen Debatte werde also "ein Gebilde aufgemacht, das mit der Realität sehr sehr wenig zu tun hat".

Das Lesben Frühlings Treffen in diesem Jahr hat polarisiert wie schon lange nicht mehr. Große Organisationen, wie der...

Posted by Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. – dgti on Thursday, June 10, 2021
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Marion Lüttig, Vorstandsfrau des teilweise mit dem Lesbenfrühlingstreffen verzahnten Lesbenringes, schloss sich dieser Entgegnung auf das von Transfeind*innen vorgebrachte Argument gegen die Transition von Jugendlichen an. Behauptungen, wonach insbesondere "Junglesben" dazu getrieben würden, zu Jungs zu werden, erteilte sie eine Absage und begründete das mit Verweis auf die doch angeblich geteilten feministischen Grundlagen. "Als Frauen*" kämpfe man in feministische Kreisen für die Selbstbestimmung in Fragen von Körper und Psyche. Darum würden sich etwa auch Lesben gegen das Abtreibungsverbot engagieren, Cis-Frauen gegen das Transsexuellengesetz auf die Straße gehen. Wenn dann Transkindern und Jugendlichen per se unterstellt werde, sie seien nicht entscheidungsfähig, finde sie das frappierend. Lüttig warf die Frage auf, wie es sein könne, dass die Gegenseite insbesondere vermeintliche Mädchen in eine Transition gedrängt sähe, vermeintliche junge Schwule jedoch nicht. Da gäbe es ein Momentum, als müssten Feministinnen jetzt angebliche Cis-Junglesben "retten", was ihnen massiv ihre Selbstbestimmungsrechte abspreche.

Das verknüpfte Lüttig mit dem Verhältnis der Bewegung zur Wahrheit: "Wir haben es in dieser Debatte, die ja als vermeintlich feministische Debatte geführt wird, mit so einer Art Fake News zu tun". Teilweise treffe sie Leute, mit denen sie in den Jahren 2013 und 2014 in Baden-Württemberg gegen die "Besorgten Eltern" und ihre Vorstellung einer "Frühsexualisierung" gestritten habe, jetzt im Lager der Transfeind*innen wieder an. Angewandte Diskursstrategien kenne sie eigentlich aus anderer Richtung: "Ich komme mir vor wie beim Gaslighting, oder bei einer Vernebelungstaktik, da wird einfach so getan, als sei das so, und vermieden, ernsthaft in die Debatte zu gehen, weil man es gar nicht will".

Gewaltvolle Tendenzen kritisieren – in beiden Kreisen

Einen leichten Anflug eines Dialogs der gegenüberstehenden Lager brachte dann immerhin Stephanie Kuhnen in ihrem Abschlussstatement mit ein. Sie verwies darauf, dass Leute, die sich im Konflikt der letzten Monate mit transgeschlechtlichen Menschen solidarisiert haben, in der Vergangenheit still waren, als es um Lesbenfeindlichkeit und Sexismus in der LGBTI-Community ging.

Die Trans-Bewegung rief sie dazu auf, sich stärker von Personen zu distanzieren, die mit Sprüchen wie "Suck my girldick" gewaltvolle Botschaften in sozialen Netzwerken verbreiteten, die durchaus auch als Gewaltaufrufe verstanden würden: "Ich möchte eigentlich, dass es auch stärker transintern eine Auseinandersetzung gibt mit Lesbenfeindlichkeit gegenüber Cis-Lesben. Ich sehe zu wenig Widerspruch zu Botschaften wie 'Kill all TERFs'. Das hat eben auch mit in die Beschleunigung der Konflikte geführt." Diesen Vorwurf setzte sie im selben Redebeitrag jedoch gleich wieder ins Verhältnis, als sie darauf verwies, dass sich die lesbische Community seit vielen Jahren darum drücke, anzuerkennen, dass auch cisnormative Lesbenräume eben nicht frei von Gewalt seien.



#1 MephalaAnonym
  • 14.06.2021, 12:07h
  • Das war's dann wohl.

    Ich hoffe, daß dieses Signal bei möglichst sehr vielen lesbischen, bi- und pansexuellen trans Frauen und trans Mädchen entsprechend ankommt - und bei deren wirklich unterstützendem Umfeld:

    Da haben wir nichts zu suchen.

    Zwei Sahnehäubchen:

    Das Konsultieren einer TSG-Gutachterin als 'Expertin'.

    Das tone policing von Stephanie Kuhnen - ich darf daran erinnern, daß TERFs sowohl auf dem LFT als auch schon vorher, Adresse Bundesregierung, mehr psychomedizinischer Gewalt gegen trans Kinder und Jugendliche gefordert haben. Daß zur Anhörung zum Selbstbestimmungsgesetz im vorigen Jahr zwei TERF-Stellungnahmen eingereicht wurden. Daß Heinrichmann (CDU) in der Debatte am 19.05. die 'Besorgnisse' der TERFs aufgegriffen hat.

    Anscheinend haben wir uns gegenüber cis lesbischen Organisationen gefälligst auf leises Bitten zu beschränken.

    Ich jedenfalls stehe als 'Vielfalts'-token nicht zur Verfügung. Adios Muchachas.
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#2 PhoebeEuleAnonym
  • 14.06.2021, 12:59h
  • Antwort auf #1 von Mephala
  • Na ja, viele Leute wollen halt das Narrative aufrecht erhalten, dass gerade transgeschlechtliche Frauen eine Gefahr sind. Für Frauenrechte, für Kinderrechte, für Lesbenrechte, usw.

    Da kommen obscure Minderheitenmeinungen von selbsternannten Fachleuten natürlich sehr gelegen, um den Ausschluß zu erreichen.
    Deshalb wohl auch das Runterspielen von harten Zahlen, die belegen, dass die Wirklichkeit sich gar nicht mit dieser Meinung deckt.
    Genauso wie dieser Mythos, dass ein Comming-out als transgeschlechtlich und eine Transition der vermeintlich leichtere Weg wäre als homosexuell zu sein. Sorry, aber das ist doch einfach nur Unsinn.
    Allein die Tatsache, dass es homosexuelle, transgeschlechtliche Menschen gibt, lässt dieses Kartenhaus doch in sich zusammen fallen.

    Hier muss jeder vernünftige Mensch sagen, diese Behauptungen entsprechen nicht den Fakten. Wer das nicht will, kann auch nicht erwarten ernstgenommen zu werden.
    Es gibt für alles mögliche Faktenchecks, aber hier nicht. Das kann nicht sein.

    Deshalb brauchen wir hier nicht nur Sichtbarkeit, sondern auch belegbare Argumente.
    So sehe ich das zu mindestens.
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#3 Girlygirl
  • 14.06.2021, 13:22h
  • Wie kann man behaupten, dass Trans Männer nur aus Sexismus sich outen, weil Cis Frauen es so viel schwerer haben als Trans Männer, aber gleichzeitig Trans Frauen als Gefahr ansehen. Ich meine ich weiß, dass diese Terfs Trans Frauen nicht als richtige Frauen ansehen, aber es macht trotzdem keinen Sinn.
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#4 PhoebeEuleAnonym
#5 FüchsleinAnonym
  • 14.06.2021, 14:55h
  • "Hier, wie auch an vielen anderen Stellen, wurde eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den Argumenten und Vorwürfen transfeindlicher Aktivist*innen lieber vermieden."

    Ich frage mich ein wenig wie das gehen soll. Ich meine die "Argumente und Vorwürfe" selbst sind ja das Gegenteil von tiefgreifend. Die sind total hohl und basieren in der Regel nur auf Falschbehauptungen.

    Gut. Wir könnten jetzt diskutieren, ob trans Personen in Toiletten und Umkleiden und Frauenhäuser dürfen. Aber ehrlich gesagt will ich meine Existenz nicht rechtfertigen müssen.
    Wir könnten höchstens sagen, dass mensch ein wenig passing bräuchte. Aber woran machen wir das fest?
    Außerdem käme das mit einer Akzeptanz der transfeindlichen Grundannahme ("trans Frauen sind aggressive Männer" ... der Mythos "predatory males") einher.
    Wir diskutieren ja auch nicht darüber andere Minderheiten auszusperren (nicht mehr... gab es natürlich ebenso für Schwarze als auch Homosexuelle)

    Wir könnten außerdem diskutieren, ab wann trans Menschen medizinische Maßnahmen ergreifen können / dürfen. Ab wann ändert sich die Selbstwahrnehmung eines Menschen nicht mehr?
    Da das eine individuelle Sache ist, gibt es da aber überhaupt keine einheitliche Aussage. KANN es gar nicht geben.
    Dieses Urteil aus Großbritannien, das behauptet trans Jugendliche wären dümmer als cis Jugendliche und könnten gar nichts selbst beurteilen halte ich jedenfalls für das Gegenteil von zielführend.

    Was mich selbst schon gestört hat, sind einige trans Personen, die solche Sachen wie das Beispiel im Artikel "suck my girldick" abliefern. Das missfällt mir.
    Ich verstehe allerdings die Motivation dahinter: misogyne Personen sollen sich nicht mehr sicher fühlen. Außerdem treten Terfs immer in Masse auf und erzeugen eine Ohnmacht bei einzelnen trans Menschen.
    Meiner Meinung nach ist das ein Punkt über den wir reden könnten. Wäre aber wahrscheinlich auch nur möglich, wenn die Gegenseite aufhört uns unsere Existenz abzusprechen.

    Wir könnten allerdings auch darüber reden wie eine Frau überhaupt zur TERF wird. Weil es muss ja Gründe dafür geben. Und scheinbar kommt das häufiger vor.
    Hat das dieselben Ursachen wie Fremdenfeindlichkeit oder Antisemitismus bei Linken (quasi der Gruppe, bei der das überhaupt nicht mehr auftreten dürfte)?
    Wie können wir dem entgegenwirken?
    Brauchen wir mehr junge trans Postergirls? Oder stärkt das dann wieder nur Rollenklischees?

    Außerdem könnten wir die Rolle von Studien und Wissenschaft untersuchen. Ein großer Teil der Bevölkerung kann keine Studien lesen / verstehen. Bzw. kann vielleicht grade mal Einleitung / Conclusion übersetzen und das war's.
    In Terf-Kreisen kreisen allerdings seit 5 Jahren ein und dieselbe schwedische Studie. (Erst in UK, dann in D.) Und obwohl die Verfasser selbst in Interviews darauf hingewiesen haben, das Terfs diese Studie fehldeuten und Schlüsse daraus ziehen, die so nicht valide sind, wird diese Studie immer weiter rumgezeigt und als "Beweis" für gewalttätige trans Frauen genutzt. (natürlich nur die Teile davon in denen nicht steht, dass trans Menschen viel öfter Gewalt erfahren ... )

    Also im großen und Ganzen: Ja. Wir können gerne diskutieren. Aber wir sollten nicht über Terf-Themen diskutieren, die keinerlei Grundlage haben und auf Falschausagen und vorsätzlichen Faslchinformationen beruhen.

    Das Problem ist: eine beschissene Minderheit verkauft sich in Zeitungen immer sehr gut. Da kann jede/r drüber diskutieren, ohne die geringste Ahnung und sich selbst erhaben fühlen.
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#6 SakanaAnonym
  • 14.06.2021, 15:11h
  • Also wenn ich die TERF-Argumentation "richtig" (ob ich sie wirklich verstehen will, steht auf einem komplett anderen Blatt) verstanden habe, geht sie so: Frauen sind nur Frauen, wenn sie nachweislich menstruieren und eine Gebärmutter haben (was die Frage aufwirft, was mit Frauen passiert, die das Tor der Menopause durchschritten haben). Trans*frauen können keine "echten" Frauen sein, weil sie nicht menstruieren können und nur "Männer in Frauenkleidern" sind, die anderen "echten" Frauen auf den Toiletten in prädatorischer Weise nachsteigen wollen (was in der Argumentation schon mal per se gleichzeitig misogyn wie misandrisch ist, weil das wieder in die Kategorie "Männer sind s*xbessessene Verbrecher, die ihre Libido nie unter Kontrolle haben und alles v*geln, was nicht bei drei auf den Bäumen ist => toxische Männlichkeit"). Trans*Männer sind nur verwirrte Frauen, die sich ihrer Menstruationsfähigkt berauben lassen und deshalb keine "richtigen" Männer oder Frauen sein können und ansonsten nur die männlichen Privilegien in Anspruch nehmen wollen, um "echte" Frauen patriarchalisch unterdrücken zu können....

    Bei dem ganzen TERF-Schwachsinn in Reinkultur raucht mir jetzt schon der Kopf, weil die Argumentation in sich und die Argumentationslogik sehr biologistisch, misogyn und misandrisch aufgebaut ist und alle Menschen* in ein zwielichtiges Licht rückt....
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#7 Petra Weitzel dgtiAnonym
  • 14.06.2021, 15:51h
  • Um etwas "erhellendes" zur Entlarvung rechter bzw. evangelikaler Propaganda zu präsentieren, müsste an den "Argumenten" der TER´s (ich sehe die nicht als Feministinnen) ja irgendetwas dran sein. Es ist nicht möglich Dreck, mit dem man beworfen wird, rückstandsfrei zu beseitigen. Beispiel: Irgendwo gibt es garantiert eine trans* Person mit Gewaltpotential. Über die Zahl von trans* Personen im Strafvollzug und deren Anteil gibt es nur leider keine Statistik. Nur die zwei, die UK in Haft sitzen, sind die, die WHRC & Co. propagieren. Wir nehmen die Kritik trotzdem gerne an, und werden bei der nächsten Veranstaltung einen Impulsvortrag voranstellen.
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#8 MephalaAnonym
  • 14.06.2021, 16:04h
  • Ich denke, hinsichtlich der Reaktionen und Positionen cis lesbischer Gruppen und Organisationen zum diesjährigen LFT - darum geht es hier - ist alles gesagt mit dieser Veranstaltung. Nämlich:

    Anscheinend wird von uns erwartet, daß wir als Reaktion auf ein paar Distanzierungen, Sprüchlein und Bekenntnisse weinend angelaufen kommen - während jetzt zweifelsfrei klar ist, daß seitens dieser cis lesbischen Organisationen absolut nichts gegen die TERFs in cis lesbischen Zusammenhängen unternommen werden soll.

    Konkret: daß nichts dagegen unternommen werden soll, daß TERFs auch weiterhin cis lesbische Räume und Events nutzen, als Plattformen für Agitation und Rekrutierung, als Vernetzungs-Orte, als Ausgangsbasis für Interventionen in die Politik einschließlich der Ebenen Bundestag und Regierung, gegen unser Existenzrecht, gegen unsere Menschenrechte, für das Abwürgen jeglicher Selbstbestimmung, für noch mehr psychomedizinische Gewalt gegen uns.

    Es wäre ja zB möglich gewesen, die einschlägig bekannten TERFs und TERF-Organisationen aus solchen Räumen und solchen Veranstaltungen auszuschließen. Das ist nicht einmal vorgeschlagen worden.

    Läßt man denn ansonsten bei sich demokratisch verstehenden Gruppierungen bekannte Vertreter von Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit - zB Rassismus, Antisemitismus - derart gewähren? In den Räumen, mit den Ressourcen, auf den Veranstaltungen der eigenen Organisationen?

    Betreibt man dann auch tone policing bei den von Rassismus oder Antisemitismus an Existenz und Leben Bedrohten? (Ja, mir fallen da auch Beispiele ein, aber dann gibt's Ärger!)

    Übrigens ist 'Diskussion' bzw 'Debatte' genau das, was die TERs und anderen trans Freinde wollen - unsere Leben als Dispositionsmasse auch des misogynsten Malermeisters, der irgend zu finden ist und den man mit Droh- und Gruselkulissen füttert ('Die Kinder! Die Kinder!').

    In den USA wurden die TERFs vor einigen Jahren aus dem überwiegenden Großteil lesbisch-feministischer Zusammenhänge drastisch hinausgeworfen. Weil nämlich klar wurde, daß die TERFs eng mit rassistischen und ultrarechten Gruppierungen zusammenarbeiten. Das gefiel den kämpfenden nicht-weißen Frauen ganz & gar nicht, die sich jahrzehntelang ihren Platz in lesbischen und feministischen Bewegungen schrittweise erkämpft hatten! Hier, wo die TERFs genau so rechts vernetzt sind, was bekannt ist, scheint das irgendwie keine Konsequenzen zu haben.

    Was die TERFs unter 'Feminismus' verstehen, findet sich in den USA, vertreten von weißen Mittelschichts-Frauen, im Trump-Lager.

    Aber hier? Hier will man in cis lesbischen Zusammenhängen 'aufeinander zugehen'. Das steht den Betreffenden natürlich frei. Die eigentliche Kritik am LFT und deren Anlässe - so der Artikel - werden nicht einmal ernsthaft diskutiert. Stattdessen wird darüber diskutiert, was denn 'die Wahrheit' über trans Personen ist, und eine TSG-Gutachterin (!) dazu gehört.

    Alles klar, keine Fragen mehr.
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#9 trans naysayerAnonym
  • 14.06.2021, 18:14h
  • Antwort auf #8 von Mephala
  • "In den USA wurden die TERFs vor einigen Jahren aus dem überwiegenden Großteil lesbisch-feministischer Zusammenhänge drastisch hinausgeworfen. Weil nämlich klar wurde, daß die TERFs eng mit rassistischen und ultrarechten Gruppierungen zusammenarbeiten. Das gefiel den kämpfenden nicht-weißen Frauen ganz & gar nicht, die sich jahrzehntelang ihren Platz in lesbischen und feministischen Bewegungen schrittweise erkämpft hatten!"

    Und nicht nur in den USA - auch in Lateinamerika. Nein - das gefiel uns ganz und gar nicht. Damit nicht genug: Wir haben auch trans Menschen, die die toxischen Narrative einer europäischen "Sexualmedizin" und die Medikalisierung von "Geschlecht" tief internalisiert hatten "drastisch hinausgeworfen". Das gefiel uns auch ganz und gar nicht. Deshalb sind wir heute auch nicht mehr an diesem Punkt, sondern im Jahr 2021.

    www.queer.de/detail.php?article_id=39111&kommeinzel=6086
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    "Stattdessen wird darüber diskutiert, was denn 'die Wahrheit' über trans Personen ist, und eine TSG-Gutachterin (!) dazu gehört."

    Und zwar auf Initiative und unter Federführung deutscher Transverbände! Deutsche Transverbände initiieren aus eigenem Antrieb eine "Debatte", ob bestimmte Frauen (nämlich sie selbst) nicht doch "in Wahrheit" vielleicht (schwule) Männer sind. Damit nicht genug: Um das zu beurteilen (wozu sie ganz offensichtlich selbst nicht in der Lage sind...) ziehen sie die Meinung einer hauptberuflich trans Kinder psychiatrisierenden und pathologisierenden "Kinderpsychologin" und "TSG-Gutachterin" hinzu. - Und das angesichts zunehmender öffentlicher toxischer "Debatten" über die Abschaffung des der Pathologisierung Tür und Tor öffnenden deutschen TSG.

    Das lässt in der Interpretation keinerlei Spielraum mehr. Ganz offensichtlich sind die Narrative der deutschen "Sexualmedizin" über trans Frauen von "gescheiterten Männern mit entgleister Paraphilie" und "geschlechtsumgewandelten Männer" bei den Protagonist:innen tief internalisiert und bestimmen ihr Selbstbild. Die deutsche trans community hat schon immer Exzellenz bewiesen, wenn es darum ging, sich eigenhändig in den Hinterkopf zu schiessen.
    Mit der deutschen trans community wird es in Deutschland nicht mehr gut. Sie ist unfähig, sich aus der Verstrickung mit der Sexualmedizin zu lösen.
    Man bekommt am Ende immer das, wofür man gekämpft hat. Das ist ein Grundsatz.

    Welche Frau auf der Welt "diskutiert", ob sie vielleicht "in Wahrheit" ein Mann ist-? Und initiiert diese "Debatte" auch noch-? Nenne mir einen einzigen Namen. -

    Da fällt mir spontan die gute Angelica ein. Sie könnte übrigens meine Schwester sein, abgesehen davon, dass mein skin tone mocca-farben ist. Was für ein gravierender und unvereinbarer Unterschied im Selbstbild.

    Angelica Ross, founder of TransTech and actress on "Pose," spoke at the 6th Annual Lesbians Who Tech & Allies Summit on February 28 - March 2, 2019.

    www.youtube.com/watch?v=iLwNr5r1BVU

    "Let them be fans" (lol)

    Und die deutsche Community diskutiert öffentlich, ob trans Frauen nicht vielleicht doch "in Wahrheit"... - im Jahr 2021. Das ist rational nicht mehr erklärbar.

    Das nenne ich die konsequente Fortführung des Gedankens einer "Medikalisierten Community". Wie kann das eigene Denken und das eigene Selbstbild durch eine "Sexualwissenschaft" und eine "Sexualmedizin" nur so getrübt worden sein. - Internalized Oppression at its best!

    Das Mass ist voll. In solche Zusammenhänge setzt keine Frau ihren Fuss. Das empfindet eine Frau tatsächlich als bedrohlich. Ich werde auch zukünftig die deutsche community meiden, wie eine Vampirin das Tageslicht.

    An dieser Stelle ein "Hoch" auf all die wunderbaren und atemberaubenden latein-amerikanischen bisexuellen und lesbischen cis Frauen, die bisher durch mein Bett gegangen sind! Ihr Verstand ist nicht getrübt - sie glauben, was sie sehen.

    Die deutsche community hat noch einen langen Weg vor sich. Viele Generationen. Sie befindet sich immer noch in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts und ist bis auf weiteres auch standhaft bemüht, dort entgegen aller internationalen Entwicklungen seit den frühen 90er Jahren ihr rational nicht mehr erklärbares Verharren zu festigen.

    Selbstverständlich wird sich ihr "Bemühen" zukünftig konsequent in einem "Geschlechtsidentitätsberatungsgesetz" (sic!) niederschlagen. Das ist ausschliesslich eine Frage der Selbstdarstellung.
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#10 klarAnonym
  • 14.06.2021, 18:24h
  • "Wie weiter nach dem Lesbenfrühlingstreffen?"

    TERFS ausschließen, marginalisieren und ohne sie produktiv weitermachen.
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