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Weltblutspendetag

Großbritannien schafft Blutspendeverbot für Schwule ab

Während Deutschland weiter am Blutspendeverbot von schwulen und bisexuellen Männern festhält, ermöglicht London mehr Gleichbehandlung.


Großbritannien setzt auf mehr Gleichbehandlung beim Blutspenden (Bild: flickr / Banc de Sang i Teixits / by 2.0)

  • 14. Juni 2021, 14:37h, noch kein Kommentar

Großbritannien hat seine Zulassungsbeschränkung zum Blutspenden für homosexuelle und bisexuelle Männer gelockert. Das teilte der staatliche Gesundheitsdienst (NHS) mit. Durch die am Montag zum Weltblutspendetag eingeführten Änderungen dürfen Homo- und Bisexuelle auch dann ihr Blut spenden, wenn sie in den vergangenen drei Monaten ein aktives Sexualleben geführt haben – vorausgesetzt, es handelte sich dabei nur um einen Partner. Bisher waren homosexuelle Männer grundsätzlich von Blutspenden ausgeschlossen, wenn sie in den zwölf Wochen zuvor Sex gehabt hatten.

Mit den neuen Richtlinien werden Homo- und Heterosexuelle nicht mehr unterschiedlich behandelt. Die Regelungen gelten für die Landesteile England, Schottland und Wales, nicht aber für den außerhalb Großbritanniens liegenden Landesteil Nordirland.

Twitter / NHSBT

Alle potenziellen Spender*innen – also auch Homo- und Bisexuelle – sollen weiter Fragen zu ihrem Sexualleben, ihrer Gesundheit und zurückliegenden Reisen beantworten müssen, erklärte der NHS. Anhand der Angaben werde eine individuelle Bewertung des Infektionsrisikos vorgenommen. Alle Blutspenden werden zudem untersucht, um die Weitergabe von Infektionskrankheiten wie Aids zu verhindern.

Twitter / FreedomToDonate

Der konservative britische Gesundheitsminister Matt Hancock bezeichnete die Maßnahme als "fantastischen Schritt nach vorn, um Blutspenden einfacher, fairer und inklusiver zu machen". Der Gründer der Kampagne Freedom to Donate, Ethan Spibey, lobte die neue Regelung als "eine der fortschrittlichsten Blutspende-Richtlinien der Welt".

Den Aidshilfe-Gruppen National Aids Trust und Terence Higgins Trust geht die Maßnahme hingegen nicht weit genug. Auch weitere Ausschlusskriterien müssten "dringend überprüft werden", forderte die National-Aids-Trust-Vorsitzende Deborah Gold.

Nach Angaben von Terence Higgins Trust wurde ein "diskriminierendes" Kriterium beibehalten, das besonders Schwarze von einer Spende ausschließe: Wer einen Partner oder eine Partnerin hat, der in Teilen der Welt sexuell aktiv war oder gewesen sein könnte, wo die Krankheit Aids und das HI-Virus stark verbreitet sind, bleibt von der Spende ausgeschlossen. Dies betrifft viele Länder Afrikas.

In Schottland und Wales, wo Regionalregierungen über die Gesundheitspolitik bestimmen, wurde dieses Ausschlusskriterium laut Terence Higgins Trust bereits entfernt. In England bestehe sie jedoch weiterhin.

In Deutschland ist Blutspenden für schwule und bisexuelle Männer dagegen viel stärker eingeschränkt: Derzeit dürfen Männer, die Sex mit Männern haben, höchstens spenden, wenn sie angeben, zwölf Monate lang keinen gleichgeschlechtlichen Sex gehabt zu haben – nicht einmal mit einem festen Partner oder Ehemann sind Zärtlichkeiten erlaubt. Heterosexuelle haben kein entsprechenden Regeln basierend auf ihrer sexuellen Orientierung.

Deutsche Aids- und LGBTI-Organisation kritisieren die bestehenden Richtlinien als diskriminierend (queer.de berichtete). Dabei verweisen sie seit Jahren auch auf andere Länder wie Italien, in denen Homo- und Heterosexuelle bereits länger beim Blutspenden gleichbehandelt werden. In diesen Ländern wird – wie jetzt auch in Großbritannien – lediglich das Risikoverhalten der potenziellen Spender*innen betrachtet, nicht aber deren sexuelle Orientierung. (AFP/dk)