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"Not-Homosexualität"

Im Knast gibt's nur Tops und Bottoms

Heute vor 50 Jahren – am 15. Juni 1971 – feierte der Film "Menschen hinter Gittern" Premiere. Er schockte das Publikum mit Vergewaltigungen von Männern im Knast, zeigte aber auch Ansätze schwuler Emanzipation.


Ausschnitt aus einem Filmplakat zu "Menschen hinter Gittern"

Der kanadische Film "Menschen hinter Gittern" (OF: "Fortune and Men's Eyes") von Harvey Hart hat schwule Filmgeschichte geschrieben, weil er in seltener Offenheit die Vergewaltigungen von Männern im Gefängnis problematisiert. Es lohnt sich daher, nicht nur diesen Film vorzustellen, sondern auch auf andere Filme mit derselben Thematik zu verweisen und den schwulen Autor der Theatervorlage vorzustellen.

Direktlink | Der Film in der englischen Originalfassung auf Youtube
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Der Film basiert auf John Herberts gleichnamigem Theaterstück, das vor allem durch die Theaterinszenierung von Sal Mineo aus dem Jahr 1969 bekannt wurde. Sal Mineo war zu dieser Zeit prominent, weil er in dem Kult-Klassiker "Denn sie wissen nicht, was sie tun" (1955) an der Seite von James Dean die Rolle von John "Plato" Crawford verkörpert hatte. Heute ist klar, dass diese Rolle als homosexuelle Rolle konzipiert war (s. dazu "The Celluloid Closet", 1995, 25:45-27:55 Min.). Unklar bleibt, ob es hier einen Zusammenhang mit Sal Mineos Bisexualität gab. Von Sal Mineos Inszenierung des Theaterstückes tauchten erst vor einigen Jahren verschollen geglaubte Filmaufnahmen auf, die nun auch online zur Verfügung stehen.

John Herbert und sein Theaterstück

John Herbert (1926-2001) wurde in Toronto geboren und begann nach Abschluss der High School an Drag-Wettbewerben teilzunehmen. In den Vierzigerjahren wurde er das Opfer eines versuchten Raubüberfalls, während er als Frau gekleidet war. Nach einer Verurteilung im Zusammenhang mit Homosexualität verbüßte Herbert einige Zeit in der Jugenderziehungsanstalt Guelph und der Besserungsanstalt in Mimico.

Gemeinsam mit seiner Schwester gründete Herbert 1960 in Toronto das später einflussreiche und experimentelle "Garret Theatre", dass sie in einer ehemaligen Schwulenkneipe eröffneten (s. hierzu das Video "The Garret Theatre", 4:06 Min.). 1964 schrieb Herbert das Theaterstück "Fortune and Men's Eyes", das auf seiner Zeit hinter Gittern in Anstalten basiert. In dem Video "John Herbert: Fortune and Men's Eyes" (52 Min.) spricht John Herbert offen über sich und das Entstehen des Theaterstückes. Heute ist "Fortune and Men's Eyes" – wohl vor allem durch internationale Aufführungen – das meistproduzierte kanadische Theaterstück. Die Schreibmaschine, auf der Herbert "Fortune and Men's Eyes" schrieb, befindet sich heute im Besitz des kanadischen Lesben- und Schwulenarchivs (Wikipedia).

Das Thema


Szene aus dem Film: Smitty ist zunächst das Opfer von Rocky

"Fortune and Men's Eyes" bzw. "Menschen hinter Gittern" handelt von der Brutalität in einem kanadischen Gefängnis, wobei Homosexualität, sexuelle Sklaverei und mann-männliche Vergewaltigungen die bestimmenden Themen des Films sind. Der junge Smitty kommt wegen Drogenbesitzes ins Gefängnis und teilt sich dort die Zelle mit dem dominanten Rocky und den beiden schwulen Insassen Queenie und Mona. Im Gruppenraum sieht er einer Gruppenvergewaltigung zu, und er muss befürchten, dass ihm Ähnliches droht. Kurz darauf wird er von Rocky vergewaltigt, der ihn auf diese Weise langfristig sexuell gefügig machen möchte. Zunächst erscheint es so, als würde der körperlich unterlegene Smitty auf einen sinnlos scheinenden Widerstand verzichten. Später drehen sich die Machtverhältnisse jedoch und Rocky stirbt. Nach seinem Tod verändert sich Smitty und scheint immer mehr das Verhalten von Rocky anzunehmen.

Die Theateraufführungen


Ein Programmheft zur Theaterinszenierung von Sal Mineo

Erstmals wurde Herberts Stück von David Rothenberg auf die Bühne gebracht. Es lief von Februar 1967 bis Januar 1968 im Actors Playhouse in New York City. Diese Inszenierung scheint recht brav gewesen zu sein und verstand sich vor allem als Plädoyer für eine Gefängnisreform.

Wesentlich bekannter wurde die Inszenierung von Sal Mineo (1939-1976) aus dem Jahr 1969 im Coronet Theatre in Los Angeles. Als das Stück "von Sal Mineo zum zweiten Mal für die Bühne inszeniert wurde, kamen Nacktheit und vorgetäuschter Sex dazu, und das Stück zog in den Großstädten viel schwules Publikum an" (Vito Russo: "Die schwule Traumfabrik", 1990, S. 158). Diese Inszenierung war jedoch auch umstritten, da die Vergewaltigungsszenen im Gefängnis "als grundlos exzessiv bewertet" wurden. Vor zwei Jahren wurde ein Mitschnitt dieser Inszenierung veröffentlicht und im Begleittext erklärt, dass diese Aufnahmen von rund 16 Minuten Dauer rund 50 Jahre lang verloren schienen. Sal Mineo war bei diesem Theaterstück nicht nur der Regisseur, sondern auch der Darsteller des Rocky. In der Rolle von Smitty ist Don Johnson zu sehen, der später durch die Fernsehserie "Miami Vice" (1984-1989) bekannt wurde.

Die Inszenierung von Sal Mineo wurde später ausschlaggebend für die Verfilmung von 1971. Der Regisseur Jules Schwerin hatte das Theaterstück gesehen und danach die Option auf die Filmrechte erworben. Der Schauspieler Michael Greer, der im Theaterstück die Rolle von Queenie verkörperte, wurde auch für den Film mit der gleichen Rolle übernommen. Greer war durch die Schwulenkomödie "The Gay Deceivers" ("Ein Stall voll süßer Bubis", 1969) bereits bekannt.

Die Filmbewertung von Vito Russo

Von den vielen Bewertungen dieses Films möchte ich vor allem auf die von Vito Russo in seinem Buch "The Celluloid Closet" (zitiert nach der deutschen Ausgabe "Die schwule Traumfabrik", 1990, S. 157-159) verweisen, auch wenn ich nicht durchgehend seine Meinung teile. Er weist zunächst darauf hin, dass die Produzenten des Films den Regisseur Jules Schwerin nach einem Monat abzogen und ihn durch Harvey Hart ersetzten. Unter Schwerin hätte der Film – so Russo – "vielleicht ein tieferes Verständnis gezeigt", wie es dem Bühnenstück zugrunde gelegen habe. Russo zitiert Schwerins Kritik am Produzenten, der im Film "nur eine Art Sex-Phantasie [und] viel Nacktes" habe zeigen wollen und sich nur für die "Ausbeutung dieses Elements" interessiert habe. Russo weiter: Die Produktionsfirma MGM "wollte einen Film, der Homosexualität ausschlachtete und zugleich verdammte. […] Eine schlimmere Verzerrung von Herberts ursprünglichen Absichten kann man sich nicht vorstellen." Für Russo wirkt der Film nun "wie eine Geschichte über einen Freizeitclub für sadomasochistische Homosexuelle", er sei zu einer "sexuellen Peepshow" geworden. Über ihn seien alle "glücklich [gewesen], bis auf Schwerin und die Schwulenbewegung".

Ich finde Russos Kritik im Hinblick auf die Bewegung nicht nur zu vereinnahmend, sondern sie weist auch auf ein Dilemma in Russos Argumentation bei anderen Filmen hin: Er kritisiert diesen Film, weil er angeblich zu konfrontativ und voyeuristisch mit Sexualität umgeht, während er viele andere Filme kritisiert, weil sie zu prüde oder tabuisierend in Bezug auf Sexualität seien. Den Vorwurf der "Ausbeutung" finde ich bei einem Film wie "Cruising" (1980) durchaus angebracht, nicht jedoch bei "Menschen hinter Gittern". Ich stimme jedoch Russos Ansatz zu, wie er die Vergewaltigungen im Gefängnis mit Geschlechterrollen in Verbindung bringt. Im Gefängnis werde "verlangt, daß Homosexuelle entweder aktiv (männlich und stark) oder passiv (weiblich und schwach) sind". Smitty wird von Rocky zur "Frau" gemacht. "Eine Gesellschaft, die verlangt, daß wir eine sexuelle Rolle und nur eine spielen, ist das Problem, nicht die Lösung".

Die Filmbewertungen in der IMDB

Die 16 aussagekräftigen Kommentare in der Internet Movie Database lassen sich so zusammenfassen: Mehrere von ihnen verweisen auf den autobiografischen Hintergrund des Dramatikers John Herbert, der für den User "lynnetom 2004 2003" sogar eine Ikone ist. Der User "Harry-76" kann sich sogar noch gut an seinen Besuch einer Theateraufführung erinnern und daran, wie anschließend noch lebhaft mit den Schauspielern diskutiert wurde. Es war allerdings nicht die Inszenierung von Sal Mineo, die umstrittener als die von ihm besuchte gewesen sein soll. Der User "Poseidon-3" betont, dass im Theaterstück die sexuellen Inhalte und auch die Nacktheit der Darsteller damals für großes Aufsehen gesorgt hätten.

Mehrfach wird darauf eingegangen, dass der Film vor dem Hintergrund seiner Zeit gesehen werden müsse und dass er – so auch der User "none-85" – für seine Zeit sehr gewagt sei. Für einige User geht der Film in seiner Darstellung zu weit. Für "TM-2" ist er zwar kraftvoll, aber auch unangenehm und manchmal an Grobheit grenzend, für "Serpent-5" gehört "Menschen hinter Gittern" zu den schockierendsten Filmen des Jahres 1971. Er warnt die Zuschauer*innen vor dem Film, hält ihn aber auch für sehr empfehlenswert.

Nach Ansicht des Users "Bkoganbing" gibt es einen Zusammenhang mit der Einführung der sogenannten ehelichen Besuche in Gefängnissen, weil damit die im Film dargestellten Vergewaltigungen eingedämmt werden sollten. Der User "bikerpaul68" weist darauf hin, dass es im Film weniger um Homosexualität gehe als um Machtstrukturen, denn schließlich sei sexualisierte Gewalt, ähnlich wie andere körperliche Gewalt und der Handel mit Drogen, ein Instrument zum Machterhalt. Für ihn ist es ein roher, brutaler, unbequemer, aber auch lohnender Film. "MelbaMan1" befürchtet, dass der Film das Vorurteil bestärken könne, dass Schwule eigentlich Raubtiere seien, und dass die Schwulen, die mit ihrem Coming-out kämpften, durch diesen Film zurückgeworfen würden.

Mehrere User verweisen von "Menschen hinter Gittern" auf andere Filme: "MOscarradley" vergleicht ihn mit Jean Genets poetischem Film "Un chant d'amour", gegen den "Menschen hinter Gittern" grob und geschmacklos wirke. Der User "youngjacob2002" – der den Film als toll und als großartigen Klassiker bezeichnet – verweist im Hinblick auf den Schauspieler Michael Greer auf dessen Film "The Gay Deceivers". Auf die Serie "OZ" verweist "roidessinges", worin seiner Meinung nach die Darstellung von Sexualität unter Männern im Gefängnis filmisch besser umgesetzt sei.

Weitere Filme über Vergewaltigungen im Gefängnis

Gefängnisse bieten sich als Schauplatz für Geschichten über mann-männliche Vergewaltigungen an, weil sie angstbesetzte Orte sind, die mit fehlender Intimsphäre, einem Ausgeliefertsein und dem Recht des Stärkeren assoziiert werden. Nicht nur Klischees, sondern auch an der Realität messbare Vorstellungen sind dadurch geprägt, dass die Einsitzenden überwiegend junge Männer im sexuell aktivsten und körperlich aggressivsten Alter sind.

Vor einigen Jahren habe ich auf meiner Homepage rund 30 Filme besprochen, in denen Männer im Knast von anderen Männern vergewaltigt werden. Die Beispiele reichen von "Das Glashaus" (1972, 2:40 Min.), zu dem Truman Capote das Drehbuch schrieb, bis zu späteren Mainstream-Filmen wie "American History X" (1998). Es gibt nur zwei Filme zu diesem Thema, die älter als "Menschen hinter Gittern" (1971) sind: "Geschlecht in Fesseln" (1928, 1:03:45-1:05:20 Min.), der zumindest eine gleichgeschlechtliche Übergriffigkeit zeigt, und Jean Genets Underground-Film "Un chant d'amour" (1950, s.a. meinen Artikel auf queer.de), der einen übergriffigen Wärter zeigt. Zwei weitere Filme über Vergewaltigungen aus den Siebzigerjahren – die beiden "Scum"-Filme von Alan Clarkes von 1977 und 1979 – erschienen erst viele Jahre nach "Menschen hinter Gittern" (1971).


Die Schlüsselszene aus "Geschlecht in Fesseln"

Bei den Motiven, einen anderen Mann zu vergewaltigen, geht es, wie in "Menschen hinter Gittern", nicht "nur" um sexuelle Befriedigung, sondern auch um "Strafe", Erpressung (zum Beispiel in "14 Tage lebenslänglich", 1997) und Einschüchterung. Die Motive – auch im Kontext von Macht und "Männlichkeit" – lassen sich dabei nicht immer voneinander trennen. Im Film ist das Gefängnis manchmal als Mikrokosmos einer "normalen" Gesellschaft und manchmal als rechtsfreier Raum mit einer Parallelgesellschaft inszeniert. Es ist typisch für die Darstellung sexualisierter Gewalt in Filmen, dass Gefängniswärter nie Hilfe leisten und sich, wie etwa in "American History X", durch bewusstes Wegsehen und Dulden strafbar machen. In "Menschen hinter Gittern" und "Un chant d'amour" sind die Wärter sogar Teil des Systems der sexuellen Unterdrückung.

Filme über Gefängnisse und geschlossene Erziehungsanstalten können Vergewaltigungen als gesellschaftliches Problem aufgreifen und wie "Das Glashaus" auch einen sozialkritischen Anspruch haben. Durch einen Vergleich werden gut die Unterschiede sichtbar – in der Deutlichkeit der Darstellung, dem Umgang mit homosexuellen Insassen, dem sozialkritischen Anspruch und der Perspektive der Opfer.

Zwei Szenen – mit Spoiler-Alarm


Das Filmplakat zu "Fortune and Men's Eyes"

Um die Tendenz von "Menschen hinter Gittern" zu vermitteln, möchte ich auf zwei Szenen hinweisen, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind. Am Ende des Films wird der feminine schwule Queenie von den anderen Insassen umjubelt, weil er an einem Unterhaltungsabend in Drag auftritt. Am Ende seiner Show demaskiert er sich als Mann. Queenie erreicht seine Demaskierung jedoch nicht dadurch, dass er sich die Perücke vom Kopf nimmt, sondern indem er sich nackt auszieht (1:18:30-1:24 Min.). Das ist richtig frech und selbstbewusst inszeniert. Die einzigen, die darüber empört sind, sind übrigens die Besucher*innen des Gefängnisses, aber nicht die anderen Insassen. Eine solche Demaskierung – mit Perücke oder auch genital – war bei früheren Travestie-Auftritten in schwulen Bars übrigens üblich und konnte auch als schwulenpolitische Botschaft verstanden werden.

Eine zweite für mich wichtige Szene zeigt den jungen schwulen Mona, der den größten Teil des Films als Sexsklave von Rocky wahrnehmbar ist. Am Ende des Films sieht es zunächst so aus, als würde er von Smitty, der nach Rockys Tod die dominante Rolle in der Zellenhierarchie angenommen hat, zum Oralverkehr gezwungen. Aber Smitty fängt, als er merkt, wie verroht er im Knast geworden ist, an zu weinen. Mona nimmt ihn daraufhin in den Arm und sagt zu ihm, dass er ihn liebe (1:36:30-1:38:55). Solche Szenen dreht man nicht, wenn der Film nur mit Gewaltszenen überzeugen möchte.

Was bleibt

Nicht jede filmische Darstellung einer Vergewaltigung eines Mannes durch einen anderen Mann finde ich legitim. Erinnern möchte ich an meinen Verriss des Films "Spetters" (1980), wo die Vergewaltigung eines Mannes in sehr befremdlicher Form als eine "Hilfe" zum Coming-out inszeniert wird. Bei mehreren Filmen finde ich es zumindest ärgerlich, wenn sich Regisseure eher Vergewaltigungen als einvernehmlichen Sex unter Männern vorstellen können. Um ganz deutlich zu werden: Es ist pervers – hier im ursprünglichen lateinischen und nicht im medizinisch-pathologisierenden Wortsinne – dass die Deutlichkeit, wie sie bei einer Vergewaltigung eines Mannes in "American History X" (1998) zu sehen ist, bei einvernehmlichem Analverkehr in einem vergleichbaren Mainstream-Film nicht möglich wäre.


Michael Greer als Queenie in "Menschen hinter Gittern"

Vergewaltigungen von Männern im Gefängnis sind aber, wie andere Formen von Gewalt, nicht per se ungeeignet für eine Darstellung im Film. Die Enttabuisierung von Vergewaltigungen von Männern im Gefängnis ist sogar grundsätzlich etwas Positives. An dieser Stelle muss betont werden, dass – abseits des Kontextes von Gefängnissen – die Vergewaltigung von Männern sehr lange nicht ernst genommen oder sogar für unmöglich gehalten wurde, weil sie dem traditionellen Konzept von "Männlichkeit" widerspricht. Das drückt sich zum Beispiel darin aus, dass die Vergewaltigung von Männern (und übrigens auch von Ehefrauen!) erst 1997 in den § 177 des Strafgesetzbuchs aufgenommen wurde.

Der Film "Menschen hinter Gittern" zeigt mehrere Vergewaltigungen oder versuchte Vergewaltigungen (29.00, 30:30; 45:25; 57:55, 1:11:00; 1:36:30) in einer sehr deutlichen Form, die vor 50 Jahren noch provokativer gewirkt haben müssen. Er zeigt daneben aber auch selbstbewusste Schwule, Liebe unter Männern sowie den Wunsch, den Teufelskreis der Gewalt zu durchbrechen, und in diesem Zusammenhang sogar versöhnliche Gesten eines Opfers (Smitty) gegenüber seinem Vergewaltiger (Rocky).

Nein, der Film hat kein Happy End – was man ihm bei diesem Thema aber auch nicht ernsthaft vorwerfen kann. Aber er hat etwas, das viel wichtiger ist: ein hohes Maß an innerer Sensibilität, die sich nicht nur auf die sogenannte "Not-Homosexualität" im Knast, sondern auch auf die beiden schwulen Insassen Queenie und Mona bezieht.



#1 StaffelbergblickAnonym
  • 15.06.2021, 14:28h
  • Der Knast als Männerdomäne mit seiner gesamten fragwürdig maskulin besetzten "Kommunikationsform" bis hin zu sexuellen Auswüchsen jeglicher Art ist eigentlich nichts unbekanntes. Aber es wird totgeschwiegen bis es mal wieder einen extremen Fall von sexueller Mißhandlung einschließlich dem Tod des Opfers kommt.
    Im letzten Jahr berichtete mir ein Urologe, dass sie innerhalb von einem Monat zwei Fälle von Penisfraktur hatten ... beide aus dem Knast. Ich sagte nur ... mich überrascht so etwas nicht.
    Aber nicht nur im Knast. So habe ich vor vielen Jahren einen Bericht gelesen, in dem Seemänner auf dem Schiff gemeinsam einem anderen eine Klobürste !!!! mit den Borsten voraus ins After schoben ... und die Bürste nicht mehr rausbrachten. Blödsinnigerweise fingen die an den Stiel abzusägen ....
    In der Männerdomäne Bundeswehr kam es auch zu Vergewaltigung durch "normalerweise" besoffene Soldaten anderen "Zimmerkameraden" gegenüber.
    So gesehen ... verwundert mich der Stoff und die Filme nicht.
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#2 LegatProfil
  • 16.06.2021, 10:25hFrankfurt am Main
  • Sex und Zwang ist für mich eine unerträgliche Kombination, daher möchte ich solche Filme nicht mehr sehen. Ja, es ist Teil der Realität, aber ich muss mir nicht ALLES anschauen, nur weil es in der Realität vorkommt. Wichtiger wäre, endlich mal Gefängnisinsassen richtig vor Übergriffen zu schützen, dann müsste man darüber auch nicht mehr solche Filme drehen.
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#3 56James35Anonym
  • 16.06.2021, 13:55h
  • Vielen Dank für diesen hochinteressanten Artikel !
    Es lohnt sich auch, den Film "A very natural thing" zu sehen (1974)
    Wir haben Vito Russo so viel zu verdanken.
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#4 angelus sumAnonym
  • 17.06.2021, 12:11h
  • Zu diesem Thema nicht unerwähnt würde ich auch den deutschen Film "Picco" von 2010

    www.imdb.com/title/tt1529316/?ref_=fn_al_tt_1

    lassen. Dieser Film beschreibt die wahren Begebenheiten, die nach einem (vermeintlichen) Selbstmord in einer Jugendstrafanstalt in Siegburg ans Tageslicht gekommen sind. Auch hier wurde sexuelle Übergriffigkeit in Form von Machtausübung thematisiert. Harte, zum Teil schwer zu ertragende, Kost.
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