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Neuseeland

Abgeordneter entschuldigt sich für Ablehnung der Ehe-Öffnung

Seinem schwulen Sohn hatte Nick Smith versprochen, sich im Parlament für ein homosexuellenfeindliches Votum zu entschuldigen. Dieses Versprechen löste der Konservative jetzt ein.


Nick Smith (li.) und sein Sohn Logan (Bild: Screenshot TVNZ)

Der scheidende neuseeländische Abgeordnete Nick Smith hat sich vergangene Woche in seiner Abschiedsrede in Neuseelands Einkammerparlament dafür entschuldigt, 2013 gegen die Ehe für alle gestimmt zu haben. Der 56-jährige war zuvor 31 Jahre lang Parlamentsmitglied für die konservative Nationalpartei – und damit dienstältester Abgeordneter im Wellingtoner "New Zealand House of Representatives". Er zieht sich aus persönlichen Gründen aus der aktiven Politik zurück.

"Es gibt eine Sache, bei der ich falsch gelegen habe: 2013 haben ich gegen die Homosexuellenehe gestimmt", so Smith. Dieser Fehler sei auch für ihn persönlich bedeutend, weil sein 20-jähriger Sohn schwul sei. "Ich möchte meine Entschuldigung an Neuseelands LGBT+-Community zu Protokoll geben", so Smith weiter.

Ferner bedankte er sich bei drei Politikerinnen (davon zwei von der gegnerischen Labour-Partei), die vor acht Jahren erfolgreich den überparteilichen Gesetzentwurf zur Ehe für alle einbrachten: "Ich möchte die Führungsstärke von Louisa Wall, Fran Wilde und Amy Adams würdigen, die das Leben meines Sohnes und Tausender weiterer Neuseeländer verbessert hat. Ich möchte auch erwähnen, dass Jenny Shipley als erste Premierministerin 1999 an einer CSD-Parade teilgenommen hat." (In Deutschland hat bis heute nie ein Kanzler oder eine Kanzlerin am CSD teilgenommen.)

Versprechen an Sohn Logan

Gegenüber dem Sender TVNZ erzählte Smith nach seiner Rede: "Mein Sohn hat mir vor drei Jahren gesagt, dass er schwul ist. Zu dieser Zeit habe ich bereits gedacht, dass meine Ansichten falsch sind. Ich habe ihm versprochen, dass ich mich öffentlich dafür entschuldigen werde, bevor ich aus dem Parlament ausscheide."

Über das Coming-out seines Sohnes sagte Smith: "Logan hat mir bei einem Restaurantbesuch gesagt, dass er mir etwas Wichtiges mitzuteilen hat. Ich habe mir Sorgen gemacht, weil ich dachte, es geht um etwas anderes. Als er mir sagte, dass er schwul ist, haben wir gelacht und uns umarmt." Smith erklärte, er habe seine Entschuldigung unbedingt bei einer Parlamentsrede kundtun wollen, da sie so in den offiziellen Protokollen festgehalten werden.

Sein Sohn sagte gegenüber TVNZ, er habe sich nie darüber Sorgen gemacht, seinem Vater von seiner Homosexualität zu erzählen: "Ich wusste, dass er seine Ansichten geändert hat, und er war immer ein Vater, der mich unterstützt hat. Es ist wichtig zu zeigen, dass Menschen lernen können." Logan Smith erklärte weiter, er sei stolz auf seinen Vater.

Das neuseeländische Parlament hatte 2013 mit 77 zu 44 Stimmen für die Aufhebung des Ehe-Verbots für Schwule und Lesben gestimmt (queer.de berichtete). Die Abstimmung galt als Gewissensfrage und erfolgte – wie vier Jahre später in Deutschland – ohne Fraktionszwang. Die linke Opposition befürwortete damals fast einhellig die Ehe für alle, auch fast die Hälfte der Nationalpartei-Abgeordneten sprachen sich dafür aus.

2019 machten gleichgeschlechtliche Eheschließungen in Neuseeland 3,1 Prozent aller Hochzeiten aus. (dk)



#1 Taemin
  • 15.06.2021, 13:45h
  • 2013 hat Neuseeland die Ehe geöffnet. Damals wurde in Deutschland noch um jeden Millimeter Bewegung zur Verbesserung auch nur der Lebenspartnerschaft gekämpft und die Ehe blockiert, als ginge es um den Fortbestand des Landes.
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#2 LedErich
  • 15.06.2021, 14:09h
  • Warum finde ich das nur irgendwie überzeugender und glaubwürdiger als die Kehrtwende von Andreas Gaballier?
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#3 Ja gutAnonym
  • 15.06.2021, 14:45h
  • Antwort auf #2 von LedErich
  • Naja, glaubwürdig in dem Sinne das es ihm bei der Frage wohl weniger um die Sache selber als um Machterhalt und Wählerstimmen ging. Und jetzt wo die Karriere vorbei ist kann man in der Abschiedsrede gefahrlos Flaggen zeigen und noch ein wenig Imagekorrektur betreiben / Applaus einheimsen.
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#4 LedErich
  • 15.06.2021, 15:57h
  • Antwort auf #3 von Ja gut
  • Wenn ich seine Wortwahl und die Aussagen des schwulen Sohnes lese, fällt es mir schwer, ihm diese billige Berechnung und Effekthascherei zu unterstellen.
    Trotzdem natürlich schlimm genug ubd keine Entschuldigung dafür, dass er nich 2013 so homophob entschieden hat. 2013 ist ja nicht irgendwann in unaufgeklärter, grauer Virzeit gewesen.
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#5 WendedrehAnonym
  • 15.06.2021, 17:01h
  • Wie ich diese empathielosen Konservativen hasse.
    Immer wieder da selbe. Fortschritt mit allen Mitteln (einschließlich krasser Lügen und Gewalt) bekämpfen, wenn er anderen auch nur ein klein wenig das Leben besser machen könnte.

    Aber sobald es einen selbst betrifft, 900° Wende und schon immer dafür gewesen sein. In Neuseeland offensichtlich nicht anderes als in den USA (oder auch hierzulande).
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#6 KMBonnProfil
  • 15.06.2021, 19:30hBonn
  • Antwort auf #2 von LedErich
  • Man sollte immer dazu lernen können. Und hier sieht das so aus, als sei es ernst gemeint.
    Aber bei manchen anderen ist es eben nur des Umsatzes willen.
    Kenne z.B. eine Autorin in Sachsen, die im Gay Romance Bereich schreibt. Sie hat 2014 für die AfD kandidiert und da das nichts wurde, hat sie ihr Herz für die schwule Literatur entdeckt.
    Jetzt sieht sie eher bei der CDU Sachsen wertemäßig verortet.
    Bei der CDU in Sachsen :-)
    Verglichen mit der sächsischen CDU ist selbst die CSU ein Hort an Liberalität.
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#7 Markus2Anonym
#8 dellbronx51069Anonym
  • 16.06.2021, 16:07h
  • Werden wir in D wohl nie erleben.
    Getreu dem deutschen Dreisatz:
    Das war immer So, wo kämen wir dahin, da könnte ja jeder kommen!
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