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Beschluss der Gleichstellungsbehörde

Gendersprache in Hamburgs Verwaltung gestattet

Geschlechtergerechte Sprache ist in der Hansestadt künftig auch Verwaltungssprache. Gendersternchen oder Gender-Doppelpunkt dürfen somit in offiziellen Schreiben verwendet werden. Die CDU spricht von "Genderzwang".


Im Hamburger Rathaus wird künftig mehr gegendert (Bild: Joerg Moellenkamp / flickr)

Hamburgs Verwaltung kann in ihren Drucksachen, E-Mails und Formulierungen künftig eine gendersensible Sprache nutzen. Der Senat habe die Grundsätze zur Verwaltungssprache von 1995 ergänzt, teilte die Gleichstellungsbehörde am Dienstag mit. Dadurch sollen Anregungen für eine Sprache gegeben werden, die alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht anspreche. Somit können den Angaben zufolge neben geschlechtsneutralen Formulierungen nun auch Gendersternchen oder Gender-Doppelpunkt verwendet werden. Auch für die Anrede gebe es Vorschläge, die ohne Geschlechtsbezeichnung auskommen.

Die Vorschläge können für sämtlichen Schriftverkehr der Verwaltung nach Innen und nach Außen aufgegriffen werden – etwa für Broschüren, Präsentationen, Flyer und Formulare – nicht jedoch beim Erlass oder der Änderung von Rechts- und Verwaltungsvorschriften. "Viele Menschen fühlen sich nicht mehr angesprochen, wenn man von 'den Polizisten' oder 'den Krankenschwestern' spricht", sagte Gleichstellungssenatorin Katharina Fegebank (Grüne). Es gebe Polizistinnen und Krankenpfleger und eben auch Menschen, die diese Berufe ausübten, sich aber weder als Mann oder als Frau einordneten. Nun "geben wir den Mitarbeitenden die Freiheit, selbst zu entscheiden, wie sie ihr Umfeld adressieren wollen".

Hintergrund ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2017, wonach niemand gesetzlich gezwungen werden darf, sich zwischen dem männlichen und weiblichen Geschlecht zu entscheiden (queer.de berichtete). Seit Ende 2018 ist es daher möglich, dass intergeschlechtliche Personen neben den Angaben "männlich", "weiblich" oder "keine Angabe" auch "divers" wählen können.

CDU gegen geschlechtergerechte Sprache

Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß ist strikt gegen Gendersprache in staatlichen Institutionen (queer.de berichtete). Ein Online-Parteitag segnete am Dienstagabend einen entsprechenden Antrag des Landesvorstands mit großer Mehrheit ab. "Die Hamburger CDU spricht sich dafür aus, dass in allen Behörden, Schulen, Universitäten und anderen staatlichen Einrichtungen keine grammatisch falsche Gender-Sprache verwendet wird", heißt es in dem Antrag. Auch dürfe es keine Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen geben, die keine gendergerechte Sprache verwenden möchten. "Das ist ein Thema, das den Menschen unter den Nägeln brennt", sagte Ploß vor den Delegierten. Auf Twitter spricht die Landespartei von "Genderzwang".

Twitter / CDU_Hamburg
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Innerhalb der CDU gibt es aber auch Kritik an Vorschlägen, Gendersprache gesetzlich zu untersagen. So sprach sich der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans im Mai gegen das Genderverbot aus (queer.de berichtete). (dpa/dk)



#1 LeashProfil
  • 16.06.2021, 12:11hHamburg
  • Sie IST GESTATTET, sie DARF verwendet werden, also kein Zwang, CDU soll mal chillen jetzt.

    "Das ist ein Thema, das den Menschen unter den Nägeln brennt" und das ist traurig, sorry für's whataboutism aber gibt es keine wichtigeren Themen?
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#2 SakanaAnonym
  • 16.06.2021, 12:22h
  • Ich finde es sehr amüsant, dass Herr Ploß mit seinen Aussagen genau das Gegenteil davon erreicht hat, was er eigentlich wollte....das nennt man wohl den "Streisand-Effekt".
    Zudem ist es eine kann- und keine muss-Vorschrift, also können die Dokumente je nach Sachbearbeiter:in auch anders aussehen, was auch Opposition in den Ämtern im Zaume halten wird.
    Gefällt mir in summa sehr.
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#3 lotosblueteAnonym
  • 16.06.2021, 15:07h
  • Ich habe eine gewisse Zeit lang die Schreibung mit Stern, Doppelpunkt und Unterstrich verwendet - nach dem Motto "Versuch und Irrtum - und bin davon wieder abgekommen.
    Manche nennen diese Schreibung eine "geschlechterfixierte" Sprache und das trifft es für mich auf den Punkt, denn statt eine Vereinheitlichung zu erreichen, wird umso mehr auf die Unterschiede hingewiesen.
    Daher betrachte ich die Verwendung des Begriffs "gerecht" auch als unpassend, denn damit lässt sich alles bemänteln, was man in ein positives Licht rücken möchte (z. B. gerechter Krieg, gerechter Handel, gerechte Tötung usw.)
    Ich glaube auch nicht, dass sich damit mehr Geschlechtergerechtigkeit im Alltag erreichen lässt.
    Zum Beispiel ist Türkisch eine recht genderneutrale Sprache. Warum schlägt sich das nicht im türkischen Alltag nieder?
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#4 GodzillaAnonym
  • 16.06.2021, 15:28h
  • Antwort auf #3 von lotosbluete
  • -"Manche nennen diese Schreibung eine "geschlechterfixierte" Sprache und das trifft es für mich auf den Punkt, denn statt eine Vereinheitlichung zu erreichen, wird umso mehr auf die Unterschiede hingewiesen."-

    Diese Argumentation macht nur dann Sinn, wenn alle sichtbar und gleichberechtigt wären, sind sie aber leider nicht. Aus diesem Grund ist die Nennung mit Stern, Doppelpunkt und Unterstrich keine Fixierung, sondern eine Sichtbarmachung.

    -"Ich glaube auch nicht, dass sich damit mehr Geschlechtergerechtigkeit im Alltag erreichen lässt.
    Zum Beispiel ist Türkisch eine recht genderneutrale Sprache. Warum schlägt sich das nicht im türkischen Alltag nieder?"-

    Allein mit Sprache nicht, das ist korrekt, es muss sich auch etwas in den Köpfen der Menschen ändern.
    Ich denke bei der gendersensiblen Sprache geht es in erster Linie um Sichtbarkeit, denn Gleichberechtigung erreicht man nur durch Taten.
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#5 Taemin
  • 16.06.2021, 15:32h
  • Bei Formularen ist immer viel zu verbessern. Noch mehr als zehn Jahre nach Einführung der Lebenspartnerschaft wurden behördliche Vordrucke verwendet, die die Angabe, dass man verpartnert war, ausschlossen. Auch gab es Formulare, für die deren Schöpfer eigens die "gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft" erfunden hatten, die es nie gegeben hat; es gab die eingetragene Lebenspartnerschaft, aber gleichgeschlechtlich hieß die nie. Oder man hatte Vordrucke in Frageform. Ich liebte besonders jenen für die Beihilfe, der (mit Kästchen zum Ankreuzen davor) fragte: "Sind Sie ledig/verheiratet/verwitwet/getrenntlebend/geschieden?" Ich schrieb immer einfach und wahrheitsgemäß nur "nein" dahinter, obwohl ich genau genommen "ungeklärt" hätte schreiben müssen, denn die Lebenspartnerschaft hieß in RLP in den ersten Jahren amtlich "ungeklärter Personenstand". Vielleicht sollte man die allgemeine Erregung über dieses Thema ein bisschen dämpfen angesichts des Umstandes, dass Behördenvordrucke gewöhnlich von weltfremden Leuten ohne Sachkenntnis gemacht werden, genau wie behördliche EDV-Programme. Kann also gar nichts Gescheites bei rumkommen.
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#6 lotosblueteAnonym
  • 16.06.2021, 16:12h
  • Antwort auf #4 von Godzilla
  • "Diese Argumentation macht nur dann Sinn, wenn alle sichtbar und gleichberechtigt wären, sind sie aber leider nicht. Aus diesem Grund ist die Nennung mit Stern, Doppelpunkt und Unterstrich keine Fixierung, sondern eine Sichtbarmachung."

    Eine Sichtbarmachung der Unterschiede, die damit zementiert werden.

    "Ich denke bei der gendersensiblen Sprache geht es in erster Linie um Sichtbarkeit, denn Gleichberechtigung erreicht man nur durch Taten."

    Genau: Gleichberechtigung erreicht man nur durch Taten!
    Wie wäre es mit absolut neutralen Arbeitsplatzausschreibungen, z. B. Stellen im Handwerk, im Büro, als Lehrkräfte usw. (gesucht: eine Person (m/w/d) die in der Lage ist, die notwendige körperliche und geistige Arbeit dauerhaft zu bewältigen, ohne Gesundheitsschäden zu erleiden - unabhängig vom Geschlecht).
    Oder dass sich niemand, der einem Geschlecht angehört, das sich in der Belegschaft in der Minderheit befindet, dumme Sprüche anhören muss oder herabgewürdigt wird. Oder dass trans und nonbinäre Menschen nach dem Outing vor Arbeitsplatzverlust geschützt werden

    Auch bin ich sehr dafür, dass es endlich als strafbare sexuelle Belästigung eingestuft wird, Penisbilder zu verschicken (außer auf ausdrücklichen Wunsch der Adressaten) und nicht nur als "unerlaubte Verbreitung von pornographischen Schriften".
    Oder dass Alleinerziehende besser vor Altersarmut geschützt werden.
    usw, usw, usw.

    Für all das braucht es keine genderfixierte Sprache, sondern echte Taten.
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#7 GodzillaAnonym
  • 16.06.2021, 17:27h
  • Antwort auf #6 von lotosbluete
  • -"Für all das braucht es keine genderfixierte Sprache, sondern echte Taten."-

    Absurderweise wird dieses Argument bzw. ähnlich gelagerte Argumente nur angeführt, sofern es um den Stern, Doppelpunkt und Unterstrich geht, wenn von "Mann und Frau", "Sehr geehrte Damen und Herren" und so weiter geredet und geschrieben wird, kräht kein Hahn. Daher lässt das in fast jeder Diskussion nur einen bitteren Schluss zu: Unsichtbarmachung von allem was nicht der Heteronormativität entspricht.
    Und fast jeder springt über das Stöckchen, anstatt es kurz und knackig abzuschmettern.
    Natürlich ist kein Vorankommen möglich, wenn erstmal alles wieder und wieder von Anfang aufgerollt wird aber schon vor den ganzen Diskussionen gab es wenig bis keine Taten, daher ist es auch nur ein Scheinargument, dass die Diskussionen über gendersensible Sprache Taten verschiebt, zumal Beides zeitgleich möglich ist.
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#8 lotosblueteAnonym
  • 16.06.2021, 20:07h
  • Antwort auf #7 von Godzilla
  • "Absurderweise wird dieses Argument bzw. ähnlich gelagerte Argumente nur angeführt, sofern es um den Stern, Doppelpunkt und Unterstrich geht, wenn von "Mann und Frau", "Sehr geehrte Damen und Herren" und so weiter geredet und geschrieben wird, kräht kein Hahn. Daher lässt das in fast jeder Diskussion nur einen bitteren Schluss zu: Unsichtbarmachung von allem was nicht der Heteronormativität entspricht."

    Seit Jahren setze ich mich vehement für die Gleichheit aller Geschlechter und sexuellen Orientierungen ein, da ich der festen Überzeugung bin, dass Kompetenz und Charakter unabhängig von Faktoren sind, die nicht nicht im Verantwortungsbereich eines Menschen liegen.
    Allerdings muss ich zugeben, dass mein Wirkungsgebiet auf mein unmittelbares Umfeld, vor allem den Kollegenkreis beschränkt ist.
    Dass ich mit meinen Ansichten und Meinungen schon oft angeeckt bin, interessiert mich nicht.
    Auch konnte ich mit "Heteronormativität" noch nie etwas anfangen, da ich die Vorstellung, dass die sexuelle Orientierung einer Gruppe von Menschen relevant oder gar Verpflichtung für andere sein kann, absurd finde. Jeder Mensch ist individuell in Körper und Charakter und soll gleich sein in Pflichten und Rechten.
    Auch hatte ich nie einen Zweifel, dass mit einer herkömmlichen Anrede alle Menschen gemeint sind - nicht "mitgemeint", sondern nicht weniger oder mehr als jeder andere. Diese Sicherheit hat mit der "gendersensiblen", für mich "genderfixierten" Sprache abgenommen.
    Ich habe - wie bereits geschrieben - es damit versucht und es hat mich nicht überzeugt. Ich fühlte mich in der Sackgasse
    Metaphorisch ausgedrückt: Ich ging die Straße in der Hoffnung, ins Paradies zu gelangen und prallte gegen eine Mauer.
    Andererseits bin ich gerne bereit, meine Ansichten zu revidieren, wenn ich durch Sachargumente überzeugt werde.
    Bis es soweit ist, verwende ich die herkömmliche Ausdrucksweise. Daran muss sich niemand ein Beispiel nehmen.
    Sollte ich mit meiner Ausdrucksweise anecken, kann und werde ich daran nichts ändern. Ich habe nicht den Anspruch, es allen recht zu machen.
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