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"Immer skurrilere Minderheiten"

Linken-Chefinnen stellen sich hinter Wagenknecht

Vor der Bundestagswahl möchte sich die Linken-Führung nicht mit der Homophobie ihrer Spitzenkandidatin aus Nordrhein-Westfalen auseinandersetzen.


Sahra Wagenknecht fühlt sich von Themen wie Bürgerrechten genervt und schießt gegen die Positionen der eigenen Partei – mit kaum innerparteilicher Gegenwehr (Bild: DIE LINKE Nordrhein-Westfalen)

Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow, die beiden Bundesvorsitzenden der Linken, haben sich gegen den Parteiausschluss der umstrittenen NRW-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht ausgesprochen. Der Ausschluss war vor wenigen Tagen von nordrhein-westfälischen Parteimitgliedern beantragt worden (queer.de berichtete).

Der Anlass: Wagenknecht hatte in ihrem Buch "Die Selbstgerechten" mit Bezug auf Merkmale wie sexuelle Orientierung, Hautfarbe und Ethnie von "immer skurrileren Minderheiten" gesprochen sowie CSD-, "Fridays for Future"- oder "Black Lives Matter"-Demonstrant*innen als "Lifestyle-Linke" verhöhnt (queer.de berichtete). Das führte zu innerparteilicher Kritik. Lob für ihre Thesen erhielt die 51-Jährige von der AfD (queer.de berichtete).

Wissler erklärte gegenüber der "Welt" (Bezahlartikel), dass der politische Gegner außerhalb der Partei stehe, nicht innerhalb. Mit Wagenknecht befinde man sich im Austausch. "Es gibt einige Differenzen innerhalb unserer Partei. Die können wir diskutieren." Jetzt gehe es im Wahlkampf darum, ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Twitter / ARD_BaB | Janine Wissler ist nicht nur Parteichefin, sondern linke Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl
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Hennig-Wellsow betonte auf Anfrage der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Ich sage mit Blick auf den Ausschlussantrag gegen Sahra Wagenknecht ganz klar, dass so etwas nicht geht. Politischen Differenzen stellen wir uns in Diskussionen. Ausschlussverfahren sind da vollkommen kontraproduktiv." Wie Wissler appellierte auch sie an Parteimitglieder, nicht über inhaltliche Differenzen in der eigenen Partei zu sprechen, sondern sich voll in den Wahlkampf einzubringen.

Twitter / SusanneHennig | Hennig-Willsow ist Spitzenkandidatin in Thüringen
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Auch andere Politiker*innen der Linken appellieren an Parteifreund*innen, Wagenknecht zu akzeptieren. Der offen schwule Berliner Ex-Landesvorsitzende Klaus Lederer erklärte etwa kürzlich im "Tagesspiegel" zur Causa Wagenknecht: "Ich halte nichts davon, politische Differenzen administrativ auszutragen." Er kritisierte jedoch vorsichtig die Haltung seiner Parteifreundin: "Ich finde, sie sucht sich die falsche Baustelle. Emanzipatorische Debatten sind absolut notwendig."

Wagenknecht hatte bereits mehrfach mit Homophobie gespielt: 2018 sprach sie etwa von der Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht abwertend als "Wohlfühl-Label, um rüde Umverteilung von unten nach oben zu kaschieren" (queer.de berichtete). (dk)



#1 Dont_talk_aboutProfil
  • 16.06.2021, 12:26hFrankfurt
  • Liebe Linkspartei, es geht nicht um Parteiausschluss, es geht darum diese Dame nicht zur SPITZENkandidatin zu machen.

    Die Linkspartei will aber lieber Wahlkampf machen als sich mit der Homophobie an ihrer Spitze auseinander zu setzen. Die Glaubwürdigkeit geht da vor die Hunde. Wer diese Partei noch wählt, kann sein Engagement gegen Homophobie und Diskriminierung von Minderheiten einstellen.
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#2 GodzillaAnonym
  • 16.06.2021, 12:45h
  • Ich würde ja fast lachen, wenn es nicht so übel wäre.
    Wahlkampf hin oder her, Wagenknecht ist nicht tragbar für diese Partei, sogar gerade jetzt ist es wichtig zu diskutieren, wobei sie ja beinhart bei ihren Ansichten bleibt.

    Mit der billigen Ausrede daherzukommen, dass es im Wahlkampf nicht darum gehen sollte kostet die Partei garantiert Stimmen, sie merken ihre falsche Argumentation also nicht Mal. Leider gibt es so einige Linke, die sich hinter sie stellen und die tatsächlich der Meinung sind, man könne LGBTI+ ausblenden oder gar diskriminieren.
    Spätestens wenn Beifall von rechts kommt, was ja geschah, sollten sich so manche Akteure fragen, wo sie tatsächlich stehen.
    Sogar mein Bekannter, welcher nichts von den Linken hält lobt Wagenknecht, spricht für mich persönlich auch Bände.

    Trotz Einstellungen meinerseits, welche man wohl links verorten würde, wähle ich die Linke grundsätzlich nicht.
    Ich bin sogar etwas von Lederer enttäuscht, auf den ich eigentlich große Stücke halte.
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#3 mmmmAnonym
#4 PetterAnonym
  • 16.06.2021, 14:11h
  • War doch klar, dass der Korpsgeist mehr zählt als Grundrechte.

    Die Linke zeigt zum wiederholten male, wie sie wirklich tickt.
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#5 qwertzuiopüAnonym
  • 16.06.2021, 14:24h
  • Antwort auf #4 von Petter
  • Keine partei diskutiert und streitet so viel um Positionen wie die Linke (und meinetwegen die Grünen). Ihnen Korpsgeist vorzuwerfen ist haltlos. Ein Parteiaussschlussverfahren ist nicht so einfach durchzuziehen und das ist auch gut so, wohin kämen wir mit der parlamentarischen Demokratie, wenn Menschen mit abseitigen Meinungen einfach aus ihrer Partei ausgeschlossen würden?
    Man kann ihr meinetwegen Homophobie und Ignoranz vorwerfen, dann ist es aber an den Mitgliedern der Linken dafür zu sorgen, dass sie in der Partei keine Rolle mehr spielt.
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#6 Taemin
  • 16.06.2021, 14:59h
  • Einem von den Nazis gewählten Ministerpräsidenten die Blumen vor die Füße schmeißen, aber eine Rechtsextremistin als Spitzenkandidatin in der eigenen Partei gut finden. Verlogener geht es nicht.
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#7 Katrina_ReichertProfil
  • 16.06.2021, 15:14hDüsseldorf
  • Solange die LINKE diese rechte Schrapnelle behält, ist sie unwählbar und jedes noch so progressive Statement unglaubwürdig.

    Ich sehs echt noch kommen, dass ich bei ner Bundestagswahl mangels besserer Optionen grün als das kleinere Übel wähle...
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#8 NinaAnonym
  • 16.06.2021, 16:06h
  • Na ratet mal wer gerade zur grünenwählerin wurde.
    Ich werde die definitiv nicht mehr wählen und meine Frau wird es wohl auch nicht mehr tun.

    Hoffentlich wählen die Leute nicht mehr gegen ihre eigenen Interessen, es ist einfach zu riskant einen Sitz mit jemand vielleicht Homophobem und transphobem zu füllen.
    Wir brauchen Mehrheiten für Fortschritt und da sind Parteien die einheitlich für unsere Rechte als Menschen eintreten die einzige sichere Möglichkeit, vor allem jetzt wo es im Parlament so bigoted zugeht.
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#9 tchantchesProfil
  • 16.06.2021, 17:02hSonstwo
  • Da wird sich die Linke wohl ein paar andere Wähler suchen müssen. Vielleicht finden sich ja genug Überläufer, die die AfD nur wegen Schutz der teutschen Familie und Gendergaga gewählt haben.

    Meine Stimme kriegt diese Kampfzicke jedenfalls nicht.
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#10 SebiAnonym
  • 16.06.2021, 17:32h
  • Antwort auf #5 von qwertzuiopü
  • >>>>> Keine partei diskutiert und streitet so viel um Positionen wie die Linke <<<<<

    Ja, die typische Schaufensterpolitik. Ein paar queerpolitische Politker stellen sich hin und kritisieren das, aber was am Ende zählt ist nicht folgenloses Gelaber, sondern das reale Handeln.

    Und da ist es bei der Linken wie bei der SPD (z.B. im Fall Thierse): dann wird mal ein wenig kritisiert, aber reale Konsequenzen gibt es nicht.

    >>>>> Ihnen Korpsgeist vorzuwerfen ist haltlos. <<<<<

    Wieso? Ist doch wahrlich nicht das erste mal, dass die Seilschaften in der Partei mehr zählen als Inhalte.

    >>>>> Ein Parteiaussschlussverfahren ist nicht so einfach durchzuziehen <<<<<

    Richtig. Und wenn man es versucht und damit scheitert, würde auch keiner irgendwem Vorwürfe machen.

    Aber die Linke versucht es halt nicht mal. Und noch mehr: man stellt sich demonstrativ hinter Wagenknecht. (So wie die SPD sich hinter Thierse gestellt hat.)

    Partei-Räson und die eigene Parteikarriere sind dann doch wichtiger als Überzeugungen...

    >>>>> und das ist auch gut so, wohin kämen wir mit der parlamentarischen Demokratie, wenn Menschen mit abseitigen Meinungen einfach aus ihrer Partei ausgeschlossen würden? <<<<<

    Für Dich sind Wagenknechts Positionen also nur "abseitig"?

    Meinungspluralismus ist ja gut und wertvoll. Aber wenn man so sehr fundamentalen Parteiprinzipien widerspricht, ist das keine "abseitige" Meinung mehr, sondern dann darf man jemanden selbstverständlich auch ausschließen.

    Ist halt eine Frage, ob man diese Meinungen wirklich inakzeptabel findet oder nur "abseitig", aber noch tolerierbar. Und für die Linke sind Wagenknechts Aussagen offenbar noch tolerierbar.

    Das ist deren gutes Recht, aber genauso hat dann jeder LGBTI das Recht, die nicht mehr zu wählen.

    >>>>> Man kann ihr meinetwegen Homophobie und Ignoranz vorwerfen, dann ist es aber an den Mitgliedern der Linken dafür zu sorgen, dass sie in der Partei keine Rolle mehr spielt. <<<<<

    Und genau das tun sie eben nicht. Wofür dieser Artikel ein weiterer Beweis ist.
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