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"Immer skurrilere Minderheiten"
Linken-Chefinnen stellen sich hinter Wagenknecht
Vor der Bundestagswahl möchte sich die Linken-Führung nicht mit der Homophobie ihrer Spitzenkandidatin aus Nordrhein-Westfalen auseinandersetzen.

Sahra Wagenknecht fühlt sich von Themen wie Bürgerrechten genervt und schießt gegen die Positionen der eigenen Partei – mit kaum innerparteilicher Gegenwehr (Bild: DIE LINKE Nordrhein-Westfalen)
- 16. Juni 2021, 10:00h 2 Min.
Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow, die beiden Bundesvorsitzenden der Linken, haben sich gegen den Parteiausschluss der umstrittenen NRW-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht ausgesprochen. Der Ausschluss war vor wenigen Tagen von nordrhein-westfälischen Parteimitgliedern beantragt worden (queer.de berichtete).
Der Anlass: Wagenknecht hatte in ihrem Buch "Die Selbstgerechten" mit Bezug auf Merkmale wie sexuelle Orientierung, Hautfarbe und Ethnie von "immer skurrileren Minderheiten" gesprochen sowie CSD-, "Fridays for Future"- oder "Black Lives Matter"-Demonstrant*innen als "Lifestyle-Linke" verhöhnt (queer.de berichtete). Das führte zu innerparteilicher Kritik. Lob für ihre Thesen erhielt die 51-Jährige von der AfD (queer.de berichtete).
Wissler erklärte gegenüber der "Welt" (Bezahlartikel), dass der politische Gegner außerhalb der Partei stehe, nicht innerhalb. Mit Wagenknecht befinde man sich im Austausch. "Es gibt einige Differenzen innerhalb unserer Partei. Die können wir diskutieren." Jetzt gehe es im Wahlkampf darum, ein gutes Ergebnis zu erzielen.
/ ARD_BaB | Janine Wissler ist nicht nur Parteichefin, sondern linke Spitzenkandidatin für die BundestagswahlLinken-Chefin @Janine_Wissler und Fraktions-Chef @DietmarBartsch präsentieren sich als frisch gewähltes Spitzenduo der Linken für den Bundestagswahlkampf. pic.twitter.com/Ec0Ok4310d
Bericht aus Berlin (@ARD_BaB) May 10, 2021
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Hennig-Wellsow betonte auf Anfrage der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Ich sage mit Blick auf den Ausschlussantrag gegen Sahra Wagenknecht ganz klar, dass so etwas nicht geht. Politischen Differenzen stellen wir uns in Diskussionen. Ausschlussverfahren sind da vollkommen kontraproduktiv." Wie Wissler appellierte auch sie an Parteimitglieder, nicht über inhaltliche Differenzen in der eigenen Partei zu sprechen, sondern sich voll in den Wahlkampf einzubringen.
/ SusanneHennig | Hennig-Willsow ist Spitzenkandidatin in ThüringenMit 76 % lässt sich die Welt verändern & anzuecken gehört dazu ;) Liebe @die_linke_th, fettes Dankeschön für die Wahl auf Listenplatz 1. #gemeinsam schaffen wir den Richtungswechsel zur #BTW21: für ein soziales Fundament, gegen Klimawandel & für #Umverteilung. #besserDIELINKE pic.twitter.com/YZd06EboNB
Susanne Hennig-Wellsow (@SusanneHennig) June 5, 2021
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Auch andere Politiker*innen der Linken appellieren an Parteifreund*innen, Wagenknecht zu akzeptieren. Der offen schwule Berliner Ex-Landesvorsitzende Klaus Lederer erklärte etwa kürzlich im "Tagesspiegel" zur Causa Wagenknecht: "Ich halte nichts davon, politische Differenzen administrativ auszutragen." Er kritisierte jedoch vorsichtig die Haltung seiner Parteifreundin: "Ich finde, sie sucht sich die falsche Baustelle. Emanzipatorische Debatten sind absolut notwendig."
Wagenknecht hatte bereits mehrfach mit Homophobie gespielt: 2018 sprach sie etwa von der Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht abwertend als "Wohlfühl-Label, um rüde Umverteilung von unten nach oben zu kaschieren" (queer.de berichtete). (dk)















Die Linkspartei will aber lieber Wahlkampf machen als sich mit der Homophobie an ihrer Spitze auseinander zu setzen. Die Glaubwürdigkeit geht da vor die Hunde. Wer diese Partei noch wählt, kann sein Engagement gegen Homophobie und Diskriminierung von Minderheiten einstellen.