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"Wir würden lieber heute als morgen von den Verträgen zurücktreten"

Berliner Veranstaltungsagentur distanziert sich von Xavier Naidoo

Gegenwind für Xavier Naidoo: Sein eigener Konzerveranstalter aus Berlin distanziert sich vom Sänger mit homophobem Liedgut. Eine Erfolg kann Naidoo dagegen in Rostock verbuchen.


Xavier Naidoo lockt seine Fans mit Rechtsextremismus und Homo-Hass in die Stadien (Bild: Thommy Mardo)

Trinity Music, der Veranstalter eines Berliner Xavier-Naidoo-Konzerts, hat sich in einer Stellungnahme "von den andauernden und erschreckenden Aussagen des Herrn Naidoo" ausdrücklich distanziert. "Wir würden lieber heute als morgen von den Verträgen zurücktreten und arbeiten gerade daran", heißt es in dem unter anderem auf Facebook verbreiteten Text.

Als Grund für die Distanzierung erklärte die Agentur: "Unser Künstlerportfolio war und ist bunt und divers. Als weltoffene, engagierte und liberale Veranstaltungsfirma mitten aus Berlin teilen wir auf keinen Fall das Weltbild dieses Künstlers", so Trinity Music. Man distanziere sich von "jeglicher Art von Antisemitismus, Rassismus und Faschismus".

Die Agentur wies darauf hin, dass es nach über 15 Monaten Corona-Krise ohne ein einziges Konzert eine große Herausforderung sei, "eine Veranstaltungsagentur sicher durch diese Pandemie zu führen". Immerhin trüge man Verantwortung "für unsere Mitarbeiter:innen, Partner:innen und nicht zuletzt unsere Kund:innen". Die Stellungnahme endet mit den Worten: "Wir werden Xavier Naidoo keine Bühne geben!"

Statement zu Xavier Naidoo Wir, der Geschäftsführer Thomas Spindler und alle Mitarbeiter der Trinity Music GmbH,...

Posted by Trinity Music on Wednesday, June 16, 2021
Facebook / Trinity Music
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Damit änderte Trinity Music seinen Ton extrem, berichtete der "Tagesspiegel": Zunächst hatte Geschäftsführer Thomas Spindler demnach noch ungehalten auf kritische Nachfragen zum angesetzten Konzerttermin reagiert. So soll er sich bei den Journalist*innen über deren "erbärmliche Recherche" beschwert haben, sich weitere "Belästigung" verbeten und darauf hingewiesen haben, er arbeite "nur mit Profis". Es gäbe in Zeiten der Pandemie außerdem relevantere Themen, über die berichtet werden sollte, wie die bei Trinity Music fürs Booking zuständige Stephanie Lipka die Abwehrhaltung des Veranstalters zunächst unterstützte.

Naidoo sollte Anfang August in der Berliner Zitadelle Spandau auftreten (queer.de berichtete). Inzwischen wurde das "Citadel Music Festival" allerdings laut dem Veranstaltungsort "auf das nächste Jahr verschoben". Die Auftrittsankündigung hatte wegen Naidoos immer extremer werdenden Aussagen, die als antisemitisch und rechtsextrem kritisiert werden, für Empörung gesorgt. Zuletzt sorgte Naidoo etwa mit einem Lied für Schlagzeilen, in der er an der Seite von Rappern die Corona-Impfung als "Gift" diffamierte. 2012 hatte er in einem Song auch gegen schwule Männer polemisiert – in dem Lied hieß es unter anderem: "Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist?" (queer.de berichtete).

Der Bezirk Spandau hatte bereits kürzlich erklärt, dass er das Konzert nicht stoppen könne: "Der Konzertveranstalter Trinity Music veranstaltet die Konzerte auf der Zitadelle Spandau eigenständig und wählt Künstler für diese Konzerte eigenverantwortlich aus", hieß es in einer Erklärung.

Erfolg für Naidoo in Rostock

In der Rostocker Bürgerschaft konnte Naidoo unterdessen einen Erfolg erzielen: Ein Antrag von SPD und Linken, ein geplantes Konzert in der Stadthalle zu untersagen, scheiterte äußerst knapp mit 20 zu 20 Stimmen, es fehlte also eine Stimme. Zuvor hatten die Grünen, die im Mai einer Konzertabsage noch zustimmten, ihre Unterstützung aus rechtlichen Erwägungen zurückgezogen. Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) hatte ebenfalls Bedenken für eine Konzertabsage geäußert und erklärt, ein Verbot sei formal-juristisch auch unter Aspekten der Gleichbehandlung rechtswidrig. Am Ende stimmte das Stadtparlament nicht einmal einem grünen Antrag zu, sich mit einer Erklärung von Naidoo zu distanzieren.

Diskussionen über Naidoo-Auftritte gibt es auch in anderen Städten: So versucht Naidoos Heimatstadt Mannheim, einen Auftritt im Oktober in der SAP-Arena zu verhindern. Die Verwaltung hatte daher bereits letzten Monat die Arena-Betreiber um Prüfung gebeten, "ob sie einem Künstler, der immer weiter ins Abseits driftet und nun mit Antisemiten und Rechtsextremisten Musik macht, eine Bühne bieten will, die er erwartbar nicht nur musikalisch nutzen wird".



#1 Taemin
  • 17.06.2021, 14:17h
  • Rostock, Stadtteil Lichtenhagen, wer erinnert sich an das Vietnamesenpogrom der aufrechten Rostocker Bürger/innen im Jahre 1992? Kein Wunder, dass Naidoo ausgerechnet dort auftritt, und kein Wunder, dass ihn die Stadt des Rassismus mit offenen Armen aufnimmt.
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