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Länderübergreifende Umfrage

"Je jünger, desto queerer"

Eine Umfrage unter Menschen aus 27 Ländern in aller Welt zeigt, dass sich insbesondere junge Menschen als Mitglied der queeren Community ansehen.


Immer mehr junge Menschen sind LGBTI (Bild: Oslo Arbeiderparti / flickr)

Immer weniger junge Erwachsene sehen sich als hetero- oder cissexuell an. Das geht aus einer neuen vom Hamburger Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ipsos anlässlich des Pride Month veröffentlichten Befragung in 27 Ländern aus den sechs bewohnten Kontinenten hervor (PDF). "Je jünger, desto queerer", so die Einschätzung der Studienautor*innen.

Im Durchschnitt der Länder geben vier Prozent der Generation Z (nach 1997 geboren) an, sich als transgender, nichtbinär, nonconforming, gender-fluid oder divers anzusehen. Unter den vor 1997 geborenen Personen liegt der Anteil nur bei rund einem Prozent.

Ein ähnlicher Generationenunterschied zeigt sich bei der Frage der sexuellen Orientierung. Nur zwei Drittel (68 Prozent) der Generation Z beschreiben sich als heterosexuell. 18 Prozent sehen sich hingegen als Teil der queeren Community an (neun Prozent bisexuell, vier Prozent homosexuell, zwei Prozent pansexuell, zwei Prozent asexuell, ein Prozent sonstiges). Bei den vor 1964 geborenen Personen fühlt sich hingegen nur vier Prozent der queeren Community zugehörig.


(Bild: Ipsos)

In der Frage der sexuellen Orientierung gibt es riesige Unterschiede unter den Menschen in den befragten Ländern. Am häufigsten erklärten Personen in Indien (17 Prozent), auf Männer und Frauen oder eher auf das gleiche Geschlecht zu stehen. Deutschland liegt hier mit elf Prozent genau im Durchschnitt. Am unteren Ende der Skala befindet sich mit Russland (vier Prozent) ein Land mit einer dezidiert queerfeindlichen Regierung.


(Bild: Ipsos)

Frauen und Jüngere haben öfter Kontakt zu queeren Menschen

In der Ipsos-Umfrage wurde darüber hinaus auch nach dem Umgang mit und Einstellungen zu queeren Personen gefragt. Neben Generationsunterschieden zeigen sich vor allem große Differenzen im Antwortverhalten zwischen Männern und Frauen sowie gravierende geografische Unterschiede. Deutlich mehr Frauen (47 Prozent) als Männer (37 Prozent) geben beispielsweise an, Verwandte, Freund*innen oder Arbeitskolleg*innen zu haben, die schwul oder lesbisch sind. Ähnliche Werte zeigen sich im direkten Vergleich zwischen jüngeren und älteren Befragten.

Die Unterschiede zwischen verschiedenen Regionen der Welt sind allerdings noch gravierender: Während in lateinamerikanischen Ländern wie Brasilien (66 Prozent), Chile oder Mexiko (je 64 Prozent) fast zwei Drittel aller Befragten angeben, persönlich homosexuelle Menschen zu kennen, ist das in asiatischen Ländern wie Japan (7 Prozent), Südkorea (7 Prozent) oder China (11 Prozent) nur bei einer kleinen Minderheit der Fall. In Deutschland haben nach eigenen Angaben 40 Prozent der Befragten direkten Kontakt zu Schwulen oder Lesben. In der Regel führe laut Ipsos diese Berührung mit queeren Menschen auch dazu, dass die Gesamtbevölkerung toleranter wird.

69 Prozent der deutschen Bevölkerung für Ehe für alle

Aus der Umfrage geht auch hervor, dass in Deutschland weiterhin eine große Mehrheit LGBTI-Rechte befürwortet: So befürworteten mehr als zwei Drittel für die Ehe für alle (69 Prozent) und das volle Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare (68 Prozent).

Die Online-Befragung wurde zwischen dem 23. April und 7. Mai durchgeführt. Insgesamt beantworteten 19.069 Personen im Alter von 16 bis 74 Jahren aus 27 Ländern die Fragen der Marktforscher*innen.

Die Ergebnisse spiegeln andere Umfragen wider: Erst im Februar veröffentlichte etwa das Meinungsforschungsinstitut Gallup seine Umfrage zur sexuellen Orientierung der Amerikaner*innen – dabei kam heraus, dass die Zahl der Personen, die sich der LGBTI-Community zugehörig fühlen, Jahr für Jahr ansteigt, weil sich besonders viele jüngere Menschen als queer definieren (queer.de berichtete). (dk)



#1 Alexander_FAnonym
#2 Indigo73Anonym
  • 18.06.2021, 13:25h
  • Klar ist das so. Wenn man nicht mehr so extrem fürchten muss, auf der Stelle von der Familie verstoßen, verhaftet oder umgebracht zu werden, ist es einfacher, zu sagen, dass man nicht cis und / oder hetero ist.
    Das Ergebnis der Umfrage zeigt also lediglich, dass wir uns gaaaaanz langsam in eine Richtung bewegen, in der sich mehr Menschen trauen, zu dem zu stehen, was sie sind.
    Jüngere Menschen profitieren sozusagen von dem Kampf ihrer Vor-Queers. (Was auch so sein sollte.)

    Nun könnte man das als Erfolg werten - und zum Teil sollte man das auch (und sich darüber freuen) -, ich finde es aber immer noch zu wenig.
    Denn es glaubt doch kein Mensch, dass 68% hetero sind. Die 14% "weiß nicht" sind garantiert auch nicht hetero. ^^
    Mein eigentlicher Punkt ist aber, dass wir noch immer einen langen Weg bis zu dem Moment vor uns haben, an dem es schlicht und ergreifend egal ist, was man ist.
    So sehr Outings und offen leben derzeit helfen mögen, die Gesellschaft zu verändern, kann das nicht das Ziel sein.
    Keine cis-hetero-Person wendet sich eines Tages an Familie und Freunde und erklärt: "Ach, übrigens, ich bin cis und hetero. Nur, damit ihr es wisst,"
    Wieso, zum Teufel, sollen wir das machen, und was soll daran normal sein?
    Und bis Queers überall auf diesem Planeten ebenso selbstverständlich queer sein können wie Heteros hetero, ist es noch ein laaaaaanger Weg.
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#3 SebiAnonym
  • 20.06.2021, 11:01h
  • Das lässt mich hoffen, dass sich vielleicht doch langsam aber sicher etwas ändert...

    Wollen wir hoffen, dass sich das immer mehr durchsetzt und wir sollten unterstützen, dass das immer schneller geht.
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