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Umfrage

Queeres Leben: Mehrheit der Deutschen ist ahnungslos

Bei Worten wie "queer" haben viele Menschen laut einer neuen Umfrage keine blassen Schimmer, um was es geht. Helfen könnte mehr Engagement von Arbeitgeber*innen und Kolleg*innen.


Zwei Drag-Kings aus Spanien (Bild: gaelx / flickr)

Die Deutschen kennen sich mit dem Themenkomplex rund um queeres Leben kaum aus. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen YouGov-Umfrage anlässlich des Pride-Monats, im Auftrag des Businessnetzwerks LinkedIn. Demnach wissen 64 Prozent der Deutschen nicht, wofür das Kürzel LGBTQIA+ steht.

Über die Hälfte der Deutschen kann den Begriff "queer" nicht definieren und nur vier Prozent der Befragten fühlen sich bei Gesprächen rund um die Themen der Community sicher. Die generelle Unkenntnis ist laut den Ergebnissen offenbar auch deshalb so groß, weil die Berührungspunkte so gering sind: Befragt man die Deutschen nach Menschen der queeren Community in ihrem direkten Umfeld, kennt ein Drittel keine einzige Person aus dieser Gruppe.

"Auf dem Weg zu einer wirklich diversen Gesellschaft spielt auch die Arbeitswelt eine wichtige Rolle. Manager*innen und Kolleg*innen können wichtige Verbündete (Allies) sein, damit sich alle – ganz gleich welcher Orientierung – frei entfalten können. Die Atmosphäre und Unternehmenskultur sind allerdings entscheidend dafür, wie akzeptiert sich die Menschen am Arbeitsplatz fühlen", erklärte LinkedIn-Regionalgeschäftsführer Josh Graff. "Bei meinem eigenen Coming-out in der Arbeit war ich sehr nervös – letztendlich war es aber eine wirklich positive Erfahrung für mich. Menschen können bei der Arbeit ihr Bestes geben, wenn sie authentisch sind und sich nicht gezwungen fühlen, Teile ihrer Identität zu verbergen."

Gen Z fordert mehr Engagement der Arbeitgeber*innen

Der genaue Blick auf die Zahlen macht eklatante Generationenunterschiede deutlich: Über 80 Prozent der Babyboomer-Generation (Jahrgänge 1946 bis 1964) geben zu, sich mit Queer-Fragen ausdrücklich nicht auszukennen. Ihnen gegenüber steht die Generation Z, die 18- bis 24-Jährigen, von denen Dreiviertel angeben, wenigstens teilweise die Abkürzung entschlüsseln zu können. Für 61 Prozent von ihnen gehört der Begriff "queer" immerhin zur Alltagssprache.
Und so fordert die junge Generation von Unternehmen heute, das Thema deutlich größer zu schreiben. Die LinkedIn-Studie hat ergeben, dass nur jede*r Zehnte mit dem Einsatz des eigenen Unternehmens für die queere Community zufrieden ist und sich einen offeneren Umgang wünscht.

Die immensen Generationenunterschiede in der Queer-Frage sind bereits von anderen Studien nachgewiesen worden. So kam kürzlich in einer Umfrage des Hamburger Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ipsos heraus, dass sich 18 Prozent der Generation Z als queer definiert, aber nur vier Prozent der Babyboomer-Generation (queer.de berichtete).

Wie lässt sich ein inklusives Arbeitsumfeld schaffen?

Laut LinkedIn könnten Arbeitgeber*innen und Kolleg*innen viel dazu beitragen, Diskriminierungen abzubauen. Zu den geläufigsten Formen von Ungleichbehandlung gehörten systemische wie die Annahme der Heteronormativität – also die Annahme, dass heterosexuell als "normal" gilt. Auch der Glaube, dass es nur zwei Geschlechter gebe, mit denen sich Menschen identifizieren (Gender-Binarität), werde als ausgrenzend empfunden. Als "Ally" können sich Arbeitgeber*innen und Kolleg*innen gegen diese Formen von Diskriminierung entgegenstellen.

"Unsere Vision ist es, wirtschaftliche Chancen für jedes Mitglied der globalen Belegschaft zu schaffen", so Graff. "Wir haben die moralische Verpflichtung, Chancen für Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und Geschlecht, unterschiedlicher Herkunft und Religion zu schaffen – und zwar für jeden." Das Arbeitsumfeld müsse so sein, dass jede Person "ihr authentisches Selbst leben kann". (cw)



#1 MephalaAnonym
  • 18.06.2021, 12:21h
  • Die signifikanten Generationen-Unterschiede haben m.E. eine Menge damit zu tun, wie viele homo- und bisexuelle Menschen und vor allem inter und trans Personen - Klartext - Deutschland umgebracht hat.

    Das sind, schematisch, von Generation zu Generation weniger geworden - wobei aber (darum sage ich: schematisch) in jeder Generation Klassen- und andere Herkunfts-Unerschiede (da wirkt sich zB Rassismus aus) enorm wirksam waren und sind.

    Das prägt denn auch 'die community', was ich als Arbeiterkind auf Schritt & Tritt sehe. Die Prvilegien-Hierarchisierung in besagter 'community' tut dann noch ihr Übriges. Cis Männer über cis Frauen, cis Personen über trans und inter Personen, und jedes einzelne Segment hat seine eigenen Hierarchisierungen, die dann diejenigen in und aus der Gesamtgesellschaft verstärken.

    Beispiel: ich durfte meinem handverlesenen persönlichen Umfeld aus szene-fernen cis Personen erklären, warum die 'sticks&stones' für mich keine Option ist: die Erfahrungen, die ich als trans Frau mit trans feindlichen Schwulen, vor allem aber mit TERFs und TERFigen Queers gemacht habe, legen mir dringend nahe, mir - so nahezu aussichtslos das ist - einen Job da zu suchen, wo es als Vorgesetzte und Kollegenschaft nur cis heteras und cis hetoros gibt. Das LFT (Artikel hier bei queer de) wirkt sich auch auf meine Jobsuche aus: wo 'Frauen' und vor allem 'Lesben' Tätigkeitsbereich der Organisation sind, bewerbe ich micht nicht mehr, und ansonsten bin ich extrem mißtrauisch,gerade wo ich weiß, daß dort Schwule oder besonders Lesben arbeiten - die Gründe für Letzteres finden sich in besagten Artikeln.

    Auf ein für cis Personen selbstverständliches persönliches Leben verzichten zu müssen ist das eine. Diesen Leuten am Arbeitsplatz nicht ausweichen zu können - wieder vor allem TERFs - ist noch einmal etwas ganz anderes. Wobei ich, o Wunder, seitens cis heteros und besonders cis heteras regelmäßig die Erfahrung mache, geschätzt, gemocht und respektiert zu werden.
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#2 TinoAnonym
  • 18.06.2021, 13:27h
  • Vielleicht hört man einfach mal auf, alles einen Begriff aus der englischen Sprache zu geben. Dann würden schon mal sehr viele mehr wissen, was die Menschen, die sich queer nennen, meinen. Ich bin schwul und würde niemals sagen, dass ich queer bin. Und nein, ich bin kein alter Opi. Ich bin 23 und spreche Englisch (aber nur wenn ich es auch benötige).
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#3 SolanaceaeAnonym
#4 LegatProfil
  • 18.06.2021, 14:44hFrankfurt am Main
  • Antwort auf #2 von Tino
  • Queer und schwul ist nicht das gleiche und hat auch niemand behauptet. Man kann queer auch einfach wie einen Eigennamen betrachten und für sich unabhängig von der Sprachherkunft annehmen oder auch nicht.
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#5 Ja gutAnonym
  • 18.06.2021, 14:55h
  • Antwort auf #2 von Tino
  • Auf "queer.de" sich aufregen das Leute queer und andere Anglizismen benutzen....

    Meta!

    Es ist im übrigen völlig egal ob ein Wort deutsch, englisch oder klingonisch ist, wenn ich es nicht kenne muss ich mir die Definition halt schnell raussuchen....
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#6 LedErich
  • 18.06.2021, 15:14h
  • Antwort auf #2 von Tino
  • Ja Timo, ich bin zwar ältzer als Du, aber definitiv Teil der "Cummunity" und kann auch Englisch - aber eben als Fremdsprache.

    Die vielen Menschen in meiner Umgebung, die alle schon immer als schwul kennen und mögen, kennen sicher kaum diese Begriffe wie "queer" (wird eher als "quer mit Schreibfehler" gelesen), oder LGBT... oder "Pride Month" usw.

    Das ist alles eine Insidersprache, die nur Menschen verstehen, die sich aus Betroffenheit damit Beschäftigen. Ich versteh sie aber verwende sie nicht, weil sie alle immer und immer wieder erst erklärt werden müssen.

    Sogar den guten alten Kurz-Begriff "CSD" muss ich immer mal wieder erklären.

    Alles seelenlose Abkürzungen und Fremdwörter und Fachausdrücke, die letztlich nicht im Herzen und Verstand der Masse ankommen können. Warum muss etwas so schönes, wie der Versuch, in der Sprache alle Menschen einzuschließen so hässlich "gendern" heißen? Solche Begriffe allein lösen Abwehrreaktionen aus, bevor man die damit verbundene Idee überhaupt an die Leute herangebracht hat.

    Auch "Pride" beschreibt nicht mein Gefühl. Ich bin nicht Stolz, sondern glücklich und selbstbewusst schwul. Stolz ist ein Begriff, der mich über andere erhebt. Aber ich bin ja nicht besser - nur richtig! Das ist meine Botschaft. Die Heteros sind doch auch richtig und sollen darauf aber gefälligst nicht stolz sein sondern glücklich damit sein!

    Lasst uns sympathische Begriffe suchen, Wörter, die ein Bild im Kopf auslösen und nicht erst gegooglet (schrebt man das so?) werden müssen.
    Auch Abkürzungen können schön und positiv klingen wie z.B. "KiTa".

    Lasst uns auch viel öfter betonen, dass natürlich auch die ganze Hetrowelt Teil des Regenbogens ist. Der Regenbogen soll ja alle Menschein einschließen. Viel zu oft entsteht der Eindruck, dass der Regenbogen ausschließlich für Menschen steht, die nicht heterosexuell empfinden oder sich eindeutig als Frau oder Mann empfinden. Aber das kann es ja nicht sein, oder?

    Vielleicht würden sich einem Regenbogen-Umzug noch viel mehr freiheitsliebende Mneschen Anschließen als einem CSD oder Pride. ...
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#7 LedErich
  • 18.06.2021, 15:25h
  • Antwort auf #5 von Ja gut
  • Nicht die Leute da draußen WOLLEN die Begriffe kennen und verstehen.
    Nein, WIR WOLLEN, dass sie sie kennen und verstehen und dass die Begriffe positiv besetzt sind.
    Wenn die also keine Motivation zum Nachschlagen haben, dann haben wir auch gleich keine Lust mehr, einen zweiten Versuch zu unternehmen, Ihnen das Thema näher zu bringen?
    Hoffentlich arbeites Du nicht im Marketing.
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#8 Ja gutAnonym
  • 18.06.2021, 15:43h
  • Antwort auf #7 von LedErich
  • Das Desinteresse an dem Thema rührt sicher nicht davon das sich Sprache wandelt oder an Begrifflichkeiten wie queer....

    Ich bin aber gespannt wie dein eingedeutschter Vorschlag hinsichtlich "lgtbqi' lautet.... "Lstb?i"??

    Und keine Sorge, für dich würde ich auch nie Marketing betreiben ! Da muss schon erstmal eine Eigenschaft vorliegen die sich vermarkten lässt!
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#9 TuckDavisProfil
  • 18.06.2021, 15:45hBad Kreuznach
  • Antwort auf #6 von LedErich
  • >>Auch "Pride" beschreibt nicht mein Gefühl. Ich bin nicht Stolz, sondern glücklich und selbstbewusst schwul. Stolz ist ein Begriff, der mich über andere erhebt. Aber ich bin ja nicht besser - nur richtig! Das ist meine Botschaft. Die Heteros sind doch auch richtig und sollen darauf aber gefälligst nicht stolz sein sondern glücklich damit sein!<<

    Das ist meiner Meinung nach eine Misinterpretation. Mit "Pride" geht es vor allem darum stolz zu sein auf die Menschen, die sich für unsere Rechte einsetzen, bis hin zu den Anfangstagen in der Christopher Street. Die uns den Weg geebnet haben und es weiter tun mit Ihrem persönlichen Einsatz für unsere Rechte.

    Es geht auch darum, stolz zu sein auf Jede*n die weiter ihre Wahrheit lebt auch wenn der Gegenwind sehr groß ist. Denn auch heute entscheiden sich immer noch viel zu viele, den Weg nicht mehr weiter zu gehen.

    Ich hatte persönlich keine Schwierigkeiten mit meinem ursprünglichen ComingOut und habe auch heute selten welche wenn ich neue Leute kennenlerne. Daher kann ich es durchaus nachempfinden, was du beschreibst, ich bin auch nicht unbedingt "stolz" auf mich. Viele andere haben aber allen Grund stolz auf sich selbst zu sein, wenn sie es wagen sich zu öffnen. Einfach deshalb weil ihre Lebensumstände deutlich schwieriger sind.
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#10 MephalaAnonym