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Umfrage
Queeres Leben: Mehrheit der Deutschen ist ahnungslos
Bei Worten wie "queer" haben viele Menschen laut einer neuen Umfrage keine blassen Schimmer, um was es geht. Helfen könnte mehr Engagement von Arbeitgeber*innen und Kolleg*innen.
- 18. Juni 2021, 09:01h 3 Min.
Die Deutschen kennen sich mit dem Themenkomplex rund um queeres Leben kaum aus. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen YouGov-Umfrage anlässlich des Pride-Monats, im Auftrag des Businessnetzwerks LinkedIn. Demnach wissen 64 Prozent der Deutschen nicht, wofür das Kürzel LGBTQIA+ steht.
Über die Hälfte der Deutschen kann den Begriff "queer" nicht definieren und nur vier Prozent der Befragten fühlen sich bei Gesprächen rund um die Themen der Community sicher. Die generelle Unkenntnis ist laut den Ergebnissen offenbar auch deshalb so groß, weil die Berührungspunkte so gering sind: Befragt man die Deutschen nach Menschen der queeren Community in ihrem direkten Umfeld, kennt ein Drittel keine einzige Person aus dieser Gruppe.
"Auf dem Weg zu einer wirklich diversen Gesellschaft spielt auch die Arbeitswelt eine wichtige Rolle. Manager*innen und Kolleg*innen können wichtige Verbündete (Allies) sein, damit sich alle – ganz gleich welcher Orientierung – frei entfalten können. Die Atmosphäre und Unternehmenskultur sind allerdings entscheidend dafür, wie akzeptiert sich die Menschen am Arbeitsplatz fühlen", erklärte LinkedIn-Regionalgeschäftsführer Josh Graff. "Bei meinem eigenen Coming-out in der Arbeit war ich sehr nervös – letztendlich war es aber eine wirklich positive Erfahrung für mich. Menschen können bei der Arbeit ihr Bestes geben, wenn sie authentisch sind und sich nicht gezwungen fühlen, Teile ihrer Identität zu verbergen."
Gen Z fordert mehr Engagement der Arbeitgeber*innen
Der genaue Blick auf die Zahlen macht eklatante Generationenunterschiede deutlich: Über 80 Prozent der Babyboomer-Generation (Jahrgänge 1946 bis 1964) geben zu, sich mit Queer-Fragen ausdrücklich nicht auszukennen. Ihnen gegenüber steht die Generation Z, die 18- bis 24-Jährigen, von denen Dreiviertel angeben, wenigstens teilweise die Abkürzung entschlüsseln zu können. Für 61 Prozent von ihnen gehört der Begriff "queer" immerhin zur Alltagssprache.
Und so fordert die junge Generation von Unternehmen heute, das Thema deutlich größer zu schreiben. Die LinkedIn-Studie hat ergeben, dass nur jede*r Zehnte mit dem Einsatz des eigenen Unternehmens für die queere Community zufrieden ist und sich einen offeneren Umgang wünscht.
Die immensen Generationenunterschiede in der Queer-Frage sind bereits von anderen Studien nachgewiesen worden. So kam kürzlich in einer Umfrage des Hamburger Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ipsos heraus, dass sich 18 Prozent der Generation Z als queer definiert, aber nur vier Prozent der Babyboomer-Generation (queer.de berichtete).
Wie lässt sich ein inklusives Arbeitsumfeld schaffen?
Laut LinkedIn könnten Arbeitgeber*innen und Kolleg*innen viel dazu beitragen, Diskriminierungen abzubauen. Zu den geläufigsten Formen von Ungleichbehandlung gehörten systemische wie die Annahme der Heteronormativität – also die Annahme, dass heterosexuell als "normal" gilt. Auch der Glaube, dass es nur zwei Geschlechter gebe, mit denen sich Menschen identifizieren (Gender-Binarität), werde als ausgrenzend empfunden. Als "Ally" können sich Arbeitgeber*innen und Kolleg*innen gegen diese Formen von Diskriminierung entgegenstellen.
"Unsere Vision ist es, wirtschaftliche Chancen für jedes Mitglied der globalen Belegschaft zu schaffen", so Graff. "Wir haben die moralische Verpflichtung, Chancen für Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und Geschlecht, unterschiedlicher Herkunft und Religion zu schaffen – und zwar für jeden." Das Arbeitsumfeld müsse so sein, dass jede Person "ihr authentisches Selbst leben kann". (cw)
Links zum Thema:
» LinkedIn-Broschüre „Wir müssen reden – über LGBTQIA+“ (PDF)















Das sind, schematisch, von Generation zu Generation weniger geworden - wobei aber (darum sage ich: schematisch) in jeder Generation Klassen- und andere Herkunfts-Unerschiede (da wirkt sich zB Rassismus aus) enorm wirksam waren und sind.
Das prägt denn auch 'die community', was ich als Arbeiterkind auf Schritt & Tritt sehe. Die Prvilegien-Hierarchisierung in besagter 'community' tut dann noch ihr Übriges. Cis Männer über cis Frauen, cis Personen über trans und inter Personen, und jedes einzelne Segment hat seine eigenen Hierarchisierungen, die dann diejenigen in und aus der Gesamtgesellschaft verstärken.
Beispiel: ich durfte meinem handverlesenen persönlichen Umfeld aus szene-fernen cis Personen erklären, warum die 'sticks&stones' für mich keine Option ist: die Erfahrungen, die ich als trans Frau mit trans feindlichen Schwulen, vor allem aber mit TERFs und TERFigen Queers gemacht habe, legen mir dringend nahe, mir - so nahezu aussichtslos das ist - einen Job da zu suchen, wo es als Vorgesetzte und Kollegenschaft nur cis heteras und cis hetoros gibt. Das LFT (Artikel hier bei queer de) wirkt sich auch auf meine Jobsuche aus: wo 'Frauen' und vor allem 'Lesben' Tätigkeitsbereich der Organisation sind, bewerbe ich micht nicht mehr, und ansonsten bin ich extrem mißtrauisch,gerade wo ich weiß, daß dort Schwule oder besonders Lesben arbeiten - die Gründe für Letzteres finden sich in besagten Artikeln.
Auf ein für cis Personen selbstverständliches persönliches Leben verzichten zu müssen ist das eine. Diesen Leuten am Arbeitsplatz nicht ausweichen zu können - wieder vor allem TERFs - ist noch einmal etwas ganz anderes. Wobei ich, o Wunder, seitens cis heteros und besonders cis heteras regelmäßig die Erfahrung mache, geschätzt, gemocht und respektiert zu werden.