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Entscheidung in New York

Kevin Spacey feiert Erfolg vor Gericht

Weil es seine Identität nicht öffentlich preisgeben will, darf ein angebliches Missbrauchsopfer von Kevin Spacey den Hollywoodstar nicht verklagen.


Kevin Spacey war einst einer der angesehensten Hollywood-Schauspieler – seit den Missbrauchsvorwürfen erhielt er keine Rollen mehr in Hollywood (Bild: Netflix)

US-Bundesrichter Lewis Kaplan hat einen der beiden Kläger aus dem Missbrauchsprozess in Manhattan gegen den 61-jährigen Schauspieler Kevin Spacey ausgeschlossen, weil er seine Privatsphäre nicht aufgeben wollte. Das wurde am Donnerstag bekannt gegeben. Damit bleibt nur noch eine Schadensersatzklage des Schauspielkollegen Anthony Rapp ("Star Trek: Discovery") gegen Spacey übrig. Ein Strafprozess ist in diesem Fall nicht mehr möglich, da die vorgeworfene Tat verjährt ist.

Rapp und der ausgeschlossene Kläger, der nur mit den Initialen C.D. identifiziert wurde, werfen Spacey ungewollte sexuelle Übergriffe in den Achtzigerjahren vor, als beide noch Teenager waren. Rapp hatte bereits vor vier Jahren erklärt, Spacey habe ihn 1986 auf einer Party betrunken auf ein Bett gelegt und sei dann auf ihn geklettert. Der heute 49-Jährige betonte, er habe jedoch rechtzeitig flüchten können. Er war zu dem Zeitpunkt 14 Jahre alt; Spacey, damals noch ein wenig bekannter Broadway-Schauspieler, 26 Jahre.

C.D. behauptete, er habe Spacey 1981 im Alter von zwölf Jahren beim Schauspielunterricht kennengelernt. Der spätere Hollywoodstar habe ihn dann zwei Jahre später in seine Wohnung eingeladen und sei mehrfach sexuell intim geworden. Bei seinem letzten Besuch habe Spacey versucht, ihn sexuell zu nötigen.

Aufrechterhaltung der Privatsphäre "unfair" gegenüber Spacey

Richter Kaplan entschied, C.D. müsse im Verfahren seine Identität preisgeben. Die Begründung: Das öffentliche Interesse sei wegen der Berühmtheit Spaceys groß und daher sei es ein Gebot der "Fairness", in einem Zivilprozess seine Identität preiszugeben.

Spaceys Anwalt hatte zuvor argumentiert, der Kläger habe im Februar (anonym) mit der Presse über seinen Fall gesprochen und damit das öffentliche Interesse noch gesteigert: "C.D. hat sich dafür entschieden, in der Öffentlichkeit darüber zu reden und seine Vorwürfe publik zu machen. Ihm sollte deshalb nicht erlaubt werden, anonym zu bleiben."

C.D.s Anwälte wiesen die Aufforderungen des Richters, die Identität seines Mandanten zu enthüllen, zurück. Der Kläger glaube demnach, dass er öffentliche Aufmerksamkeit nicht ertragen könne. "Das wäre einfach zu viel für ihn", so die Anwälte.

Nachdem Rapp 2017 als erster öffentlich über seine Vorwürfe gegen den zweifachen Oscar-Preisträger sprach, folgten viele andere Männer mit gleichlautenden Anschuldigungen (queer.de berichtete). Daraufhin wurde Spacey in Hollywood zur Persona non grata – er verlor etwa seine Hauptrolle in der populären Netflix-Serie "House of Cards" (queer.de berichtete).

Allerdings ist Spacey nie wegen den angeblichen Taten bestraft worden; Verfahren wurden vielmehr – unter teils mysteriösen Umständen – eingestellt (queer.de berichtete). Alle Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens wies Spacey stets zurück.

Vergangenen Monat wurde bekannt, dass der 61-Jährige erstmals seit Bekanntwerden der Vorwürfe wieder einen Film dreht – er soll in der italienischen Produktion "L'uomo Che Disegnò Dio" einen Gastauftritt als Polizeibeamter haben (queer.de berichtete). (dk)



#1 Taemin
  • 18.06.2021, 14:15h
  • Zu einem fairen Verfahren gehört unabdingbar, dass der Beschuldigte sich verteidigen kann. Wie soll das gehen gegen die Vorwürfe eines Unbekannten?
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#2 GodzillaAnonym
  • 18.06.2021, 15:58h
  • Aus dem Grund die Klage abzuschmettern ist doch hanebüchen.
    Ich kann schon verstehen, dass das mutmaßliche Opfer seine Identität schützen möchte, eben weil der Gegenüber nicht irgendwer ist und C.D. sonst vermutlich von Presseleuten überrannt wird. Verständlich, dass dieser Mensch das nicht möchte, zumal ja auch niemand weiß, ob das nicht auch noch andere persönliche Gründe hat.
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#3 IsaakAnonym
  • 18.06.2021, 16:46h
  • Absolut richtige Entscheidung. Alles andere wäre rechtsstaatlich mehr als zweifelhaft.
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#4 DominikAnonym
  • 18.06.2021, 17:07h
  • Antwort auf #1 von Taemin
  • Quatsch. Es geht darum, dass der Ankläger gegenüber der Öffentlichkeit anonym bleiben will. Die Beteiligten eines Rechtsverfahrens würden natürlich erfahren, mit wem sie es zu tun haben.
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#5 Taemin
  • 18.06.2021, 17:30h
  • Antwort auf #4 von Dominik
  • Nein, genau darum geht es nicht. Der Beschuldiger will Spacey dem Höllenfeuer in öffentlicher und veröffentlichter Meinung aussetzen, aber selbst anonym und der selben Öffentlichkeit gegenüber unidentifizierbar bleiben. Hinterhältiger und unaufrichtiger kann ein Ankläger nicht auftreten.
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#6 Ja gutAnonym
  • 18.06.2021, 18:12h
  • Antwort auf #5 von Taemin
  • "Hinterhältig und unaufrichtig"...

    Ich darf dich daran erinnern das, als Rapp die Vorwürfe damals erstmal öffentlich machte, es auch hier in den Kommentaren nicht darum ging ob die Vorwürfe glaubhaft sind, nein, eine bedenkliche Anzahl an Usern hat kommentiert das er (Rapp) ja wohl gewusst haben wird auf was er sich einlässt als er zu Spacey ins Hotelzimmer gekommen ist und das ein 14jähriger ja wohl eigene Entscheidungen treffen kann!

    Warum sollte jemand in die Öffentlichkeit treten wollen wenn der Angeklagte im voraus mehr Sympathien und Unterstützung erhält als der Kläger, wenn die Öffentlichkeit schon dabei ist Opfer/Täter Umkehr betreiben.

    Noch dazu: wir reden hier von 2 dutzend Individuen die Vorwürfe erhoben haben und einem Mann der die Missbrauchsvorwürfe als Grundlage für sein Coming Out genutzt hat.

    Das hat alles schon n Geschmäckle!
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#7 KannentornadoAnonym
  • 18.06.2021, 20:24h
  • Antwort auf #6 von Ja gut
  • Man muss trotzdem darauf hinweisen, dass Spacey nie verurteilt wurde. Das ist ja das schöne am Rechtsstaat. Solange es keiner beweisen kann, ist der Angeklagte unschuldig.
    Diese Anschuldigungen kursieren nun auch schon seit Jahren und trotzdem ist es in keinem Fall zur Verurteilung gekommen.
    Außerdem gab es in den USA schon des öfteren Fälle in denen Leute sich anschlossen bei Klagen gegen Personen des öffentlichen Lebens, um finanziell großzügig eine Einigung zu erzielen.
    Damit möchte ich nicht behaupten, dass die anonyme Person sich das alles ausgedacht hat, jedoch ist es möglich.
    Wieso würde man ansonsten zuerst die Medien auf jemanden hetzen und dann zu Feige sein sich einem fairen und rechtsstaatlichen Verfahren zu stellen.
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#8 AmurPrideProfil
  • 19.06.2021, 01:40hKöln
  • Antwort auf #7 von Kannentornado
  • ""..Wieso würde man ansonsten zuerst die Medien auf jemanden hetzen und dann zu Feige sein sich einem fairen und rechtsstaatlichen Verfahren zu stellen..""

    Vielleicht irre ich mich ja, aber ich habe den Sachverhalt anders verstanden:
    C.D. wollte ganz offensichtlich, dass das Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt wird. Dies hätte es ihm ermöglicht weiterhin seine Anonymität zu wahren.

    Die Begründung von Richter Kaplan >>Das öffentliche Interesse sei wegen der Berühmtheit Spaceys groß und daher sei es ein Gebot der "Fairness", in einem Zivilprozess seine Identität preiszugeben.<< ist für deutsche Verhältnisse eher ungewöhnlich, da ein Deutsches Gericht mit Sicherheit nicht die "Medienarbeit" des Klägers als alleinige Bemessungsgrundlage für die Bitte um Schutz seiner Anonymität herangezogen hätte.
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#9 IsaakAnonym
  • 19.06.2021, 01:48h
  • Antwort auf #6 von Ja gut
  • "Täter/Opfer-Umkehr" setzt als Begriff semantisch voraus, das Vorwissen über Täter- und Opferschaft besteht. Das ist hier evident nicht der Fall.

    1. Zum einen streitet Spacey ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten ab und es gibt a priori keinem Grund, ihm weniger zu glauben als seinen Anklägern (von denen sich nicht wenige in diverse Widersprüche verwickelt haben). Es ist selbstredend gut möglich, dass Spacey sich einer Straftat schuldig gemacht hat. Genauso gut ist aber möglich, dass ihm allenfalls ein moralisches aber kein strafrechtliches Fehlverhalten zuzuschreiben ist (was dann, wie alle Fragen der Moral, zunächst Ansichtssache wäre) oder dass seine Ankläger schlicht und ergreifend lügen. Nichts davon kann ausgeschlossen werden und zumindest in letztem Fall wäre Spacey Opfer und die anderen Täter.
    2. Zum anderen ist er indes schon deshalb Opfer weil er bislang aufgrund von unbelegten Vorwürfen mit erheblichen Karrierenachteilen und einer an das Existenzielle heranreichenden Rufschädigung rechnen musste. Das ist angesichts der Tatsache, dass es keinen gesicherten Beweis für ein wie auch immer geartetes strafrechtlich relevantes Fehlverhalten gibt eigentlich ein Unding.
    3. Die Anzahl möglicher Ankläger sagt weder etwas über deren Glaubwürdigkeit noch über etwas anderes besonders viel aus. Gerade in Prozessen mit hohem Entschädigungspotential und großer öffentlicher Aufmerksamkeit ist Trittbrettfahrerwesen kein unbekanntes Phänomen.
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#10 queergayProfil
  • 19.06.2021, 03:57hNürnberg
  • An so einem juristischen Geschachere verdienen gerade in den USA die Anwälte viel Geld. Die USA haben ein lausiges Rechtssystem; so sagte das sogar auch mal eine frühere deutsche Justizministerin.
    Spacey und seine früheren Jungmänner-Kontakte: Stoff für einen (queeren) Kinofilm und für viel Spekulatives.
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