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Berliner Filmfestspiele

"Miguel's War" gewinnt den Teddy Award 2021

Eine Dokumentation über einen schwulen Mann, der in den Achtzigerjahren aus dem Libanon nach Spanien flüchtete, wurde auf der Berlinale als bester queerer Langfilm ausgezeichnet.


In "Miguel's War" stellt sich ein schwuler Mann den Geistern seiner Vergangenheit und geht versteckten Sehnsüchten, unerfüllter Liebe und quälenden Schuldgefühlen auf die Spur (Bild: ITAR productions)

Trotz Corona-Pandemie gab es in diesem Jahr wieder eine Berlinale – wenn auch in deutlich abgespeckter Form und aufgeteilt in ein "Industry Event" und ein "Summer Special". Während die Gewinner*innen des Goldenen und der Silbernen Bären bereits im März verkündet wurden, konnte man die Wettbewerbsfilme erst in diesem Monat bei Open-Air-Filmvorführungen in Berliner Freiluftkinos sehen. Kurz vor Schluss stehen nun auch die queeren Sieger*innen: Am Freitagabend wurden bei einer live gestreamten Onlineveransztaltung drei Teddy Awards verliehen.

Bester Langfilm: "Miguel's War" von Eliane Raheb

Direktlink | Offizieller Trailer zu "Miguel's War"
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Begründung der Jury:

Dieser kreative Dokumentarfilm erzählt die Geschichte eines schwulen Mannes, Miguel, der in den 80er Jahren vom Libanon nach Spanien verbannt wurde. Die starke emotionale Wirkung des Films wird durch die Alchemie von sowohl der Schärfe des Filmemachers als auch der Echtheit des Protagonisten hervorgerufen. Die Exzellenz des Schnitts, der aus mehreren Ebenen besteht -formal und erzählerisch -ist eine beeindruckende Kunst der Sprache des Kinos, um die Erinnerungen eines schwulen Mannes zu erforschen, der mit Traumata konfrontiert wurde, die durch Krieg, Fremdenfeindlichkeit und Homophobie verursacht wurden. Die außergewöhnliche Form lässt die Erzählung als eine ehrliche Selbstkonfrontation mit einer starken Universalität in Bezug auf Queer-Sein, Schuldgefühle, Familie, Liebe, Migration und Selbstexil aufscheinen. Das Ganze wird zu einer gemeinsamen Erfahrung, die man teilen kann: Wir werden an die Kraft in der Sehnsucht nach einer queeren Erlösung erinnert. Wenn du eine Geschichte erzählen willst, dann erzähle sie wie Miguels War.

Bester Kurzfilm: "International Dawn Chorus Day" von John Greyson

Direktlink | Teaser zu "International Dawn Chorus Day"
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Begründung der Jury:

Für seine einzigartige und poetische Herangehensweise an das Filmemachen während einer globalen Krise erinnert uns International Dawn Chorus Day daran, dass Film als Medium vielleicht der beste Weg ist, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft zu dokumentieren. Hergestellt aus trivialem Videomaterial und einer grandiosen kreativen Idee, gelingt es dem Film, höchst kämpferisch zu sein und das Publikum aufzurütteln. Er erhebt einzigartige Stimmen, um die gemeinsamen politischen Themen von queeren Menschen über das populärste Kommunikationsmittel während einer Pandemie auszudrücken. Mit einer überraschenden und originellen Dramaturgie, die den Zuschauer an einen unerwarteten Punkt führt, ist dieser Kurzfilm ein reines Meisterwerk. Er stellt eine kreative, lustige und wunderschön gestaltete Art und Weise dar, uns an diejenigen zu erinnern, die weiterhin den höchsten Preis für die Freiheit von queeren Menschen zahlen.

Denn was erinnert wird, lebt. Für Sarah Hegazi und Shady Habash!

Teddy Jury Award: "Instructions for Survival" von Yana Ugrekhelidze

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Begründung der Jury:

Dieser immersive Dokumentarfilm beleuchtet eine dramatische Situation, die unerzählt geblieben wäre: die von Alexander (einem Trans-Mann) und seiner Frau Mari in Georgien. Die Erzählung konzentriert sich auf das Projekt des jungen Paares, dem unterdrückenden und repressiven sozialen und politischen Kontext zu entkommen. Durch seine komplizierte Art, die Dringlichkeiten der georgischen Queer-Community durch eine persönliche Reise zu vermitteln, bietet Instructions for Survival sowohl die Subjektivität der queeren Verwandtschaft als auch die Kosten des Selbstseins in einer Welt, die eher Opfer verlangt, als dass sie dich sein lässt, wer du bist. Er glänzt nicht nur durch seine Bedeutung für die queere Community in Georgienals einfache und starke Überlebensgeschichte, sondern auch durch seine eher konventionelle, aber auffallend direkte Struktur, eine sensible Ästhetik und einen konsequenten Ansatz. Es ist ein sehenswerter Erfolg, wie die Kamera dem Alltag des Paares über die Jahre hinweg sehr genau folgt, ohne aufdringlich zu sein.

Der Film ist ein wesentlicher Akt der Militanz, der uns mit Macht daran erinnert, dass das Persönliche politisch ist. Die Jury hofft, dass sowohl die Reise von Alex und Marie als auch der Film selbst mit mehr und mehr Erfolgen aufwarten können.

Eine weitere Preisträger*in wurde bereits im Mai bekanntgegeben: Die Filmkurator*in, Archivar*in, Filmemacher*in, Autor*in und LGBTI-Filmhistoriker*in Jenni Olson aus San Francisco erhielt den Special Teddy Award für "ihre jahrzehntelange brückenbauende Arbeit, mit der sie queere Filmgeschichte sicht- und greifbar macht" (queer.de berichtete).

Der Jury gehörten in diesem Jahr nur drei Personen an: Esma Akyel, die das Pink Life QueerFest in der Türkei leitet, der Kurator, Filmemacher und Mitbegründer von "Black Queers Sweden" Samuel Girma sowie die Schweizer Regisseurin und Produzentin Sylvie Cachin. (cw/pm)