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Interview

Hadnet Tesfai und Tarik: Tratsch mit Anspruch

Der Podcast "Tratsch & Tacheles" beweist jede Woche, dass man über Promi-News auch mit politischer Relevanz und aus queerfeministischer Perspektive sprechen kann. Fünf Fragen an die beiden Macher*innen.


Hadnet Tesfai und Tarik veröffentlichen jeden Mittwoch eine neue Folge von "Tratsch & Tacheles"
  • Von Patrick Heidmann
    20. Juni 2021, 03:36h, noch kein Kommentar

Hadnet, Tarik, wenn man euren Podcast "Tratsch & Tacheles" hört, hat man den Eindruck, dass ihr seit Jahren eng befreundet seid...

Hadnet: Dabei kennen wir uns erst etwas über ein Jahr. Wir haben uns bei einem Dinner zur Berliner Fashion Week 2020 kennen gelernt, einem der letzten Events vor Corona. Da saßen wir uns gegenüber – und es war Liebe auf den ersten Blick, so würde ich das beschreiben.

Tarik: Ich würde das natürlich genauso unterschreiben. Aber es fühlt sich wirklich ein wenig so an, als würden wir uns länger kennen. Außerdem wusste ich auch schon vorher, wer Hadnet Tesfai ist, schließlich hat sie mich schon einige Jahre meines Lebens als Moderatorin bei MTV oder Pro Sieben begleitet. Sie war immer auch ein Vorbild für mich.

Hadnet: Die Tatsache, dass wir beide aus Eritrea kommen, ist natürlich auch entscheidend. Natürlich ist da auf der einen Seite eine natürliche Verbundenheit, weil wir uns vom Charakter her wahnsinnig gerne mögen. Aber auf der anderen Seite ist da eben auch immer ein bisschen das Gefühl von zuhause. Das hat natürlich schon begünstigt, dass wir so schnell so eine enge Bindung zueinander aufbauen konnten. Nicht umsonst sagt Tarik oft genug, dass ich ihn an seine Schwester erinnere.

Gemeinsam ist euch offenkundig auch die Freude am Tratsch. Was hat Euch diesbezüglich geprägt? Die gute, alte "Bravo" oder eher Blogs à la Perez Hilton?

Tarik: Ich kenne natürlich Klatsch und Tratsch nicht aus Konsument*innen-Sicht. Du weißt es vielleicht nicht, aber ich komme ja aus einer sehr prominenten Familie. Whitney Houston ist meine Mutter, Beyoncé meine Cousine und Billy Porter ein guter alter Freund von mir. Wenn man mit solchen Menschen aufwächst, kommt man natürlich automatisch mit der Klatschpresse in Berührung. Ich betrachte die Sache also immer schon eher von innen.

Hadnet: Das nehmen wir jetzt einfach mal so hin… Ich jedenfalls habe als Kind der Achtziger- und Neunzigerjahre Klatsch und Tratsch vor allem über die Sendung "Exclusiv" konsumiert. Frauke Ludowig hat bis heute einen besonderen Platz in meinem Herzen. Später habe ich dann ja selbst bei "Red" gearbeitet, wo es auch um Lifestyle-Berichterstattung über Stars ging. Diese professionelle Auseinandersetzung mit dem Thema hat mich auch stark geprägt. Selbst wenn ich mich nicht mehr mit einer bestimmten Art der Berichterstattung identifizieren konnte oder gar dafür stehen wollte.

Direktlink | Hadnet und Tarik tratschen über "All you need"
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Bei "Tratsch & Tacheles" geht es jetzt nun ohnehin, wie der Titel schon andeutet, um mehr als bloß Promi-News. Ihr verhandelt auch ernste Themen, eure Perspektive ist immer eine andere als etwa die der "Gala"… Ergibt sich das ganz automatisch dadurch, dass ihr ihr seid?

Tarik: Wie viele andere Menschen auch blicken Hadi und ich einfach anders, manchmal vielleicht auch differenzierter und definitiv immer mit einem feministischen Anspruch auf gewisse Tratsch-Themen. Wir sind beide Schwarz, Hadi ist eine Frau, ich bin queer – da kommen wir gar nicht darum herum, dass verschiedene intersektionale Perspektiven zusammenkommen. Wir gucken also immer mit einer gewissen Brille auf die Diskurse, Hashtags und anderes, was in Deutschland gerade betratscht wird. Weil wir sind, wer wir sind, wird bei uns der Tratsch einfach schnell auch politisch beziehungsweise zum Tacheles.

Hadnet: Das schließt sich ja auch beides nicht aus. Der Tacheles-Part ist im Grunde nur eine Reflektion des Tratsches. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir alle eigentlich zu beidem in der Lage sind: sowohl zum Tratschen, was wir alle gerne machen, als auch zum kritischen Hinterfragen des Gesagten.

Apropos wir alle: Dem Klischee nach haben ja vor allem Frauen und Schwule was für Tratsch übrig. Ist da was dran?

Tarik: Die Frage ist doch eher, wie etwas, das eigentlich alle machen, bei unterschiedlichen Gruppen gelesen wird. Wenn Männer sich über andere unterhalten, dann unterhalten die sich oder diskutieren. Bei Frauen oder vielleicht auch Queers wird die gleiche Sache als Tratsch bezeichnet und abgewertet. Das ist dasselbe wie wenn ein Typ klare Ansagen macht und als stark und durchsetzungsfähig mit Führungsqualitäten gesehen wird, während Frauen oder weiblich gelesene Personen mit den gleichen Qualitäten dann Zicken sind. Für mich ist Tratsch jedenfalls nichts anderes, als über andere, meist nicht anwesende Menschen zu sprechen. Und das tut wirklich jede*r.

Direktlink | Die jüngste Folge von "Tratsch & Tacheles"
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Letzte Frage noch, weil ihr beide auch selbst im Licht der Öffentlichkeit steht: Habt ihr schon Erfahrung damit gemacht, selbst in der Klatschpresse vorzukommen?

Tarik: Nee, aber so bekannt bin ich ja jetzt nun auch nicht. Und wenn ich das irgendwann mal bin, wovon ich natürlich ausgehe, wird es nicht viel zu berichten geben, weil mir mein Privatleben heilig ist. Ich werde einfach kein Material liefern. Da erfinde ich als schöpferischer Geist lieber meine eigenen Geschichten.

Hadnet: Dazu kommt aber auch die Tatsache, dass People of Color in der Tratschwelt ohnehin kaum stattfinden. Selbst über jemanden wie Beyoncé wird letztlich weniger geschrieben als über andere Popstars, die genauso berühmt sind. Natürlich hält sie ihr Privatleben auch unter Verschluss. Aber das hat die Klatschpresse in anderen Fällen auch nicht davon abgehalten, auf die Suche zu gehen. People of Color werden grundsätzlich als weniger besprechenswert erachtet – und zumindest in diesem Fall ist das dann mal ein Vorteil. Denn tatsächlich bin ich selbst bislang auch eher verschont geblieben.