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Fußball-EM

AfD-Politiker hetzt gegen Manuel Neuers "Schwuchtelbinde"

Uwe Junge, ehemaliger AfD-Fraktionschef in Rheinland-Pfalz, empört sich über die deutsche Kapitänsbinde in Regenbogenfarben – und warnt den DFB vor weiteren Aktionen gegen Queerfeindlichkeit.


Der AfD-Politiker Uwe Junge war von 2016 bis 2021 Mitglied des Landtags von Rheinland-Pfalz und Vorsitzender seiner Fraktion (Bild: Harald Krichel / wikipedia)

Zu Update springen: Junge löscht Tweet, Weidel distanziert sich (13:40h)

Neue homophobe Entgleisung aus der AfD: In einem Tweet bezeichnete Uwe Junge, der frühere AfD-Fraktionschef in Rheinland-Pfalz, die Regenbogenbinde von Nationalmannschafts-Kapitän Manuel Neuer am Samstag als "Schwuchtelbinde". Wie bereits beim Spiel gegen Frankreich war der Torwart gegen Portugal mit dem Zeichen für Akzeptanz und Vielfalt aufgelaufen.


Screenshot von Junges Tweet

Gleichzeitig warnte Junge vor einer Pride-Beleuchtung der Münchner Allianz Arena am Mittwoch beim Spiel gegen Ungarn, wie es derzeit unter anderem vom Stadtrat gefordert wird. Wörtlich schrieb der 63-jährige ehemalige Bundeswehroffizier: "Münchener Arena soll beim Ungarn-Spiel in Regenbogenfarben leuchten und Neuer trägt die Schwuchtelbinde statt unsere Nationalfarben. Jetzt fehlt noch der Kniefall und ihr werdet immer mehr Fans verlieren. Muss man sich leisten können."

Kritik aus SPD und Grünen

Aus anderen Parteien kam heftige Kritik an Junges Entgleisung. "Solche Kommentare zeigen, wie schrecklich intolerant Deutschland regiert würde, wenn jemals die AfD mitregieren würde", kommentierte der SPD-Politiker Karl Lauterbach auf Twitter. Der grüne Bundestagsabgeordnete Kai Gehring tweetete: "Ach, Herr Junge, dass Ihre Lieblingsfarbe kackbraun ist, wissen wir bereits."

Twitter / Karl_Lauterbach
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Twitter / KaiGehring
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Über Neuers Regenbogenbinde hatten sich vor Uwe Junge bereits mehrere AfD-Politiker*innen aufgeregt, allerdings in gemäßigter Wortwahl. "Sport sollte Sport bleiben und nicht Vehikel für politische Botschaften sein!", schrieb etwa die Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst auf Twitter. "Haltung ist mittlerweile wichtiger als Leistung!", meinte dort der Fraktionschef der Rechtsaußenpartei im Berliner Abgeordnetenhaus Georg Pazderski.


Manuel Neuer mit Regenbogenbinde beim Spiel gegen Frankreich (Bild: Screenshot ZDF)

Junge hetzte bereits mehrfach gegen LGBTI

Uwe Junge war in den vergangenen Jahren schon mehrfach mit queerfeindlichen Äußerungen aufgefallen. Bereits seine erste längere Rede im Landtag nutzte der damalige AfD-Fraktionschef, um gegen Lesben und Schwule zu wettern. Kinder hätten ein "Recht auf Vater und Mutter, erklärte er im Juni 2016: "Im Blick auf das Kindeswohl und die Tatsache, dass es für jedes zur Adoption stehende Kind viele adoptionsbereite Familien mit Vater, Mutter und Geschwistern gibt, verbietet sich für uns die Adoption in homosexuellen Beziehungen" (queer.de berichtete).

In der Rede, in der er auch Pläne zur Förderung von Akzeptanz von LGBTI als "Umerziehung" kritisierte, sagte Junge weiter, es gebe "weder eine gesellschaftliche noch eine staatstragende Veranlassung", Kinder an gleichgeschlechtliche Eltern zu vermitteln. "Als Statussymbol sind uns unsere Kinder zu schade." An die Landesregierung gerichtet, meinte Junge weiter: "Ihre penetrante Betonung auf bunte Vielfalt ist die bewusste Abkehr vom eigenen Volk."

2019 wurde Junge von seinem ehemaligen Arbeitgeber, der Bundeswehr, wegen eines queerfeindlichen Vorfalls gerügt (queer.de berichtete). Als Oberstleutnant hatte er 2016 eine lesbische Soldatin mit den Worten "Sie können ja sogar wie eine Frau aussehen" gemobbt. In einem weiteren Gespräch mit der betroffenen Soldatin, die selbst Kinder aufzieht, sagte er: "Ehe und Familie sind in Artikel 6 Grundgesetz besonders geschützt: Mutter + Vater + Kinder; die Nation braucht deutsche Kinder." Ein Truppendienstgericht wertete die Äußerungen als Dienstvergehen. (cw)


 Update  13.40h: Junge löscht Tweet, Weidel distanziert sich

"Den Tweet zur Kapitänsbinde habe ich gelöscht", schrieb Uwe Junge am Sonntagmorgen bei Twitter. "Für den Begriff 'Schwuchtelbinde' entschuldige ich mich. Inhaltlich bleibe ich dabei, dass derartige Statements nichts an oder auf dem Trikot der Nationalmannschaft zu suchen haben. Unsere Farben sind schwarz, rot und gold."

Eineinhalb Stunden zuvor hatte die AfD-Politikerin Alice Weidel zu einem verlinkten Artikel über die Jung-Äußerung bei Twitter geschrieben: "Das ist nicht die #AfD. @UweJunge wird sich die Partei demnächst von außen anschauen dürfen."


 Update  22.6.: Strafanzeige gegen Junge und Forderung nach dienstrechtlichen Ermittlungen

Der Verein QueerNet Rheinland-Pfalz e.V. hat am Montag Strafanzeige gegen Uwe Junge gestellt. "Die Bezeichnung 'Schwuchtel' ist als homophob und menschenverachtend einzuordnen", so der Dachverein mit Sitz in Mainz. "Die Regenbogenfahne als 'Schwuchtelbinde' zu bezeichnen zeigt die homophobe Einstellung in Bezug auf eine gesamte Gruppe von Menschen, die sich selbst aufgrund ihrer sexuellen oder/und ihrer geschlechtlichen ldentität als LSBTIQ* bezeichnen. Diese Außerung ist daher der sogenannten Hasskriminalität zuzuordnen."

Twitter / queernetrlp
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Der Verein Queer BW hat zudem dienstrechtliche Ermittlungen des Bundeswehr gefordert. Die Äußerung Junges sei eine "erneute Grenzüberschreitung" und "bewusst gewählter Schritt um die Grundrechte von marginalisierten Gruppen sukzessive in Frage zu stellen", so der Arbeitskreis Homosexueller Angehöriger der Bundeswehr am Dienstag. "QueerBw hat am heutigen Dienstag das Bundesministerium der Verteidigung in einem offenen Brief aufgefordert, Ermittlungen gegen den ehemaligen Stabsoffizier zu eröffnen." Das Soldatengesetz sehe für Offiziere auch nach dem Ausscheiden aus dem Dienst eine Wohlverhaltenspflicht vor. Gegen diese habe der AfD-Politiker mit seiner homophoben Aussage deutlich verstoßen. "Durch seine Aussagen schädigt Uwe Junge das Ansehen unserer Bundeswehr. Hier sind deutliche Zeichen gefragt."

Wöchentliche Umfrage

» Was hältst du von Regenbogenbinden und bunt erleuchteten Stadien bei der Fußball-EM?
    Ergebnis der Umfrage vom 21.06.2021 bis 28.06.2021


#1 fgbdsdAnonym
  • 20.06.2021, 05:55h
  • Jemand sollte ihn anzeigen wegen Volksverhetzung.

    Stellt euch vor es würde jemand abfällig über "N*-Binde" sprechen. Wäre genauso volksverhetzend.
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#2 Felix-baerlinAnonym
  • 20.06.2021, 07:10h
  • Erst die Schwuchtelbinde, und Regenbogenflaggen werden verbrannt, dann die Ehe für alle wieder abschaffen, dann Anti-Homo-Gesetze der AfD-Freunde Orban und Putin bei uns übernehmen, dann kommt der Paragraf 175 zurück und dann ...?
    Mit dieser Schwulen- und Transfeindlichkeit passt die Rassistin Alice Weidel und ein harter Kern von Wählern (Selbstbezeichnung) hervorragend in die modern blau-lackierte braune Nazi-Truppe. Wer jetzt noch behauptet, er hätte vorher von nichts gewusst, lügt schlicht.

    Aber weder die Lügen, noch die Hetze lassen wir euch heute noch durchgehen.

    Das ärgert sie besonders, dass ihre völkisch-rassistische und evangelikal-homo- und transfeindliche Propagande heute von selbstbewussten Minderheiten massenhaft widersprochen wird.

    Kommen sie wie in Ungarn und Polen an die Macht, dann sehen wir, wie als erstes plurale Meinungen erstickt werden. I cant breath! Nur die ganz Dummen plappern heute nach, dass es eine Meinungsdiktatur gäbe. Nur weil sich die Welt und die Sprache, die Kommunikation insgesamt sehr gewandelt hat. Ihre Sündenböcke bleiben Muslim*innen und Queers.
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#3 LotiAnonym
  • 20.06.2021, 08:03h
  • Antwort auf #2 von Felix-baerlin
  • Dir ist aber schon klar, das der Hass und die Gewalt gegenüber uns nicht nur von Seiten der Rechten Szene kommt, oder? Ich denke da draußen laufen gerade ganz andere Gruppierungen herum und finden Spaß daran sich an unsereins ihre Wut und den Frust auszulassen.
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#4 AnakuckAnonym
  • 20.06.2021, 08:19h
  • bei dem Satz:

    "Ach, Herr Junge, dass Ihre Lieblingsfarbe kackbraun ist, wissen wir bereits."

    kam es mir schlagartig in den Sinn, dass die AfD wohl ein Club der "Kaviar"-Fans sein könnte.
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#5 NickAnonym
#6 Korinthen KKAnonym
#7 DramaQueen24Profil
  • 20.06.2021, 10:13hBerlin
  • Der die Farbe kackbraun liebende Junge vergisst wohl, dass auch seine Partei homosexuelle und transsexuelle Mitglieder hat (für die ich mich schämen würde. Wenn er also der Intoleranz Vorschub leistet, gibt er an diese das Signal aus, dass sie sich verstecken oder umbringen sollten. So etwas hatten wir schon, brauchen wir nicht mehr.
    Was wir aber brauchen, sind Demokraten, in allen Parteien, die dieser "Partei" die rote Karte zeigen, und ein Gericht, das solche Aussagen als Volksverhetzung bestraft, sowie genug Leute, die bei der nächsten Wahl lieber grün oder links als kackbraun wählen.
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#8 SebiAnonym
  • 20.06.2021, 10:40h
  • "und warnt den DFB vor weiteren Aktionen gegen Queerfeindlichkeit."

    Aha, und was wenn der DFB diese "Warnung" ignoriert?

    Erfüllt das Wort "Schwuchtelbinde" eigentlich nicht den Straftatbestand der Volksverhetzung? Hier wird nicht nur Solidarität runtergeputzt, sondern auch alle schwulen Männer als "Schwuchteln" beschimpft.
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#9 OhjemineeAnonym
  • 20.06.2021, 10:42h
  • Antwort auf #3 von Loti
  • Richtig, aber hier gehts ja konkret um den afdvogel. Und da ist glaub das Hauptaugenmerk auf rechtes Gedankengut oder?
    Die idee mit der Stadiumsbeleuchtung ist nett aber wird in den homophoben ländern nichts bringen.
    Die sollten aus der eu fliegen und direkt handelstechnisch etc isoliert werden.
    Wobei das wäre zu krass für die kortupten politiker. Dann müsste man ja mal für etwas einstehen was kein finanzielles benefit beinhaltet hihihi.
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#10 Taemin
  • 20.06.2021, 10:45h
  • Dass solche Töne aus der AfD kommen, ist ja nicht weiter verwunderlich. Verstörender ist, dass sie ja nur, wenn auch in noch widerlicherer Sprache, das wiedergeben, was in der Grundwertekommission der SPD gedacht und gesagt wird, und womit man in der Linken zur Spitzenkandidatur gelangen kann. Junge tut, stoßen wir durch seine schmierigen Worte zum Kern der Aussage vor, nichts anderes als Thierse und Wagenknecht: Er fordert die Alleinherrschaft der "Normalität" und die Abkehr von "skurrilen" Minderheiten.
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