Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?39194

Fußball-EM

Kritik an UEFA-Ermittlungen gegen Regenbogenbinde

Die Ermittlungen der UEFA gegen den DFB wegen der Regenbogen-Kapitänsbinde sorgten über Parteigrenzen hinweg für Empörung. Nur die AfD mißbilligt Regenbogen-Botschaften zum Pride Month – ebenso ein ehemaliger Fraktionschef der FDP.


Manuel Neuer mit der Regenbogenbinde im Gespräch mit Teamkameraden vor dem Match gegen Portugal

Die Debatte um die Regenbogenbinde hat am Wochenende viele Menschen bewegt. Auch Politiker*innen äußerten sich zu den inzwischen eingestellten UEFA-Ermittlungen gegen den Deutschen Fußball-Bund, weil Nationaltorwart Manuel Neuer bei den ersten beiden Spielen der Europameisterschaft anlässlich des Pride-Monats in einer Regenbogen-Kapitänsbinde aufgelaufen war (queer.de berichtete).

Twitter / DFB_Team | Der DFB twitterte, dass die UEFA die Regenbogenbinde als "good cause" bewertet
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Sven Lehmmann, der queerpolitische Sprecher der Grünen, zeigte sich auf Twitter empört: "Auf diese absurde Idee kann auch nur die @UEFA kommen. Queere Rechte sind Menschenrechte und Menschenrechte sind politisch nicht verhandelbar!"

Der offen schwule Bundestagsabgeordnete Matthias Höhn, der frühere Bundesgeschäftsführer der Linken, sieht die Ermittlungen der UEFA als symptomatisch für die Homophobie im Profifußball an: "Und da gibt es immer noch Leute, die sich fragen, warum Profi-Fußballer sich nicht outen… Diese Fußballfunktionärskaste aus dem letzten Jahrhundert kann doch einfach mal nach Hause gehen."

Twitter / MatthiasHoehn
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Doris Achelwilm, die linke Sprecherin für Queerpolitik, twitterte, dass die UEFA London mit der Verlegung des EM-Finals nach Budapest gedroht hatte, obwohl Ungarn fast zeitgleich ein Gesetz gegen "Homo-Propaganda" beschlossen hat: "Unterirdisch: Erst droht die #UEFA, das EM-Finale ausgerechnet zum Autokraten #Orbán zu verlegen, weil London aufgrund Corona-Lage kein volles Stadion zusichert, nun wird wegen des sehr angemessenen [Regenbogenfahne]-Kapitänssignals 'ermittelt'. Was los mit Euch, UEFA?"

AfD kritisiert "Schwuchtelbinde" als "politische Botschaft" und "Propaganda"

Unterstützung für die Ermittlungen kam dagegen von Rechtsaußen. Queerrechte seien demnach keine Menschenrechte, sondern politisch, wie der AfD-Politiker Malte Kaufmann erklärte: "Ich finde gut, dass jetzt die UEFA wg. Neuers #Regenbogenbinde ermittelt. Was nimmt sich der #DFB hier heraus, uns irgendwelche pol. Statements aufzudrücken, entgegen der Regularien? Und was wird noch alles kommen? Wir wollen Fußball genießen!"

Der Berliner Abgeordnete Harald Laatsch warnte quasi vor Homo-"Propaganda": "Wer im Totalitarismus aufgewachsen ist, kennt diese Politisierung aller Lebensbereiche. In einer weltoffenen, freien und demokratischen Ordnung hat diese Propaganda nichts zu suchen."



Bereits zuvor war Uwe Junge, der ehemalige AfD-Fraktionschef in Rheinland-Pfalz, mit einer Tirade gegen die "Schwuchtelbinde" in die Kritik geraten. Inzwischen hat sich Junge für den Begriff "Schwuchtelbinde" entschuldigt, betonte aber: "Inhaltlich bleibe ich dabei, dass derartige Statements nichts an oder auf dem Trikot der Nationalmannschaft zu suchen haben. Unsere Farben sind schwarz, rot und gold."

FDP-Politiker kritisiert "Kampagne gegen Ungarn"

Nächstes Konfliktfeld dürfte die von der Stadt München angestrebte Regenbogenbeleuchtung der Allianz-Arena beim deutschen Spiel gegen Ungarn am Mittwochabend sein. Zu dieser Idee hat sich die UEFA bislang nicht geäußert (queer.de berichtete).

An dieser Aktion gibt es Kritik aus der FDP. Bereits am Samstag twitterte etwa Gerhard Papke, der frühere FDP-Fraktionschef im NRW-Landtag: "Jetzt wird bei uns sogar der Fußball für die Kampagne gegen #Ungarn missbraucht! Und das als Gastgeber der ungarischen Mannschaft. Diese freche Arroganz gegenüber Völkern, die sich dem linken Mainstream nicht anschließen wollen, ist unerträglich."

Auf die Kritik des FDP-Politikers antwortete Europa-Staatsminister Michael Roth (SPD) mit den Worten: "Schutz vor Diskriminierung und Stigmatisierung ist kein 'linker Mainstream' sondern eine Verpflichtung, die sich aus der Mitgliedschaft in der EU ergibt."

Twitter / MiRo_SPD
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Auf zum Teil sehr lautstarken Widerspruch aus der eigenen Partei reagierte Papke dünnhäutig. So beschuldigte er der Bonner Landtagsabgeordneten Franziska Müller-Rech, die "die vorbildliche Protestaktion gegen Ungarns LGBTQI*-feindliche Politik" lobte, die FDP zu einem "Abziehbild der Grünen" gemacht zu haben. (dk)

Twitter / PapkeGerhard
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

 Update  16.56h: Entsetzen in der FDP über Papke

Aus der FDP wurde Georg Papke am Montag weiter scharf kritisiert. "Wir wissen alle nicht, was Herr Papke noch in einer liberalen Partei macht", erklärte der FDP-Bundestagsabgeordnete Jens Brandenburg gegenüber queer.de. "Die FDP distanziert sich ständig und auf allen Ebenen von seinen Äußerungen. Der Austritt ist ihm längst nahegelegt." Für die FDP spreche der ehemalige Fraktionschef in NRW "aus guten Gründen schon seit vielen Jahren nicht mehr", so Brandenburg. "Die Münchner FDP setzt h seit Tagen für eine Regenbogenbeleuchtung der Allianz-Arena ein und das unterstützen wir Freie Demokraten auch auf Bundesebene. Es ist schön, dass Manuel Neuer und andere öffentliche Solidarität mit LSBTI zeigen. Das sollten wir unterstützen."

Kritik kam auch von den Liberalen Lesben und Schwulen (LiSL). "Die Aussagen von Gerhard Papke sind für die Positionierung der FDP irrelevant. Er hat weder ein Amt noch ein Mandat für die FDP", erklärte LiSl-Chef Michael Kauch. "Seine abwegigen Aussagen sind nichts als die Meinung einer Privatperson. Wir halten das Statement von DFB und Manuel Neuer für hervorragend und unterstützenswert – so wie es die Landtagsabgeordnete Müller-Rech deutlich gemacht hat."



#1 Taemin
  • 21.06.2021, 11:44h
  • Aus der FDP tönt es, der Einsatz für Menschenwürde und Grundrechte von LSBTI sei "linker Mainstream". Aus der Linken wird posaunt, LSBTI seien "immer skurriler werdende Minderheiten". In der SPD ist es salonfähig zu sagen, dass die Rechte von Minderheiten durch Mehrheitsbeschluss gewährt oder entzogen werden können. Die AfD verlangt ein "normales" Deutschland, wozu LSBTI selbstverständlich nicht gehören. Die Union will LSBTI ins Prokrustesbett des "christlichen Menschenbildes" pressen. Vor der Wahl gibt es einen Wettlauf um die queerfeindlichsten Parolen.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 NevermindAnonym
  • 21.06.2021, 13:32h
  • Zu ermitteln, ob das Tragen einer solchen Binde regelkonform ist, daran gibt es doch erst mal mMn nichts auszusetzen. Und mit >>good cause<< führte es ja auch zu einem guten Ergebnis. Wenn es Regeln gibt, muss man sich dran halten und nicht jeder kann machen, was er will. Religionsfreiheit ist auch ein Menschenrecht, dann könnten Spieler auch religiöse Symbole tragen. Das allein die Überprüfung der Regelkonformität einer Aktion zu so einem Aufschrei führt, irritiert mich.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 andrew_ddorfAnonym
  • 21.06.2021, 13:47h
  • Sorry aber bitte nicht eine Einzelperson, der zufällig einer Partei, ohne irgendeine Funktion, angehört, mit einer Partei gleichsetzen. Die Initiative mit das Stadion in zu bestrahlen kam nämlich sogar von der FDP München selber. So viel Zeit sollte sein dass das klar und richtig gestellt ist.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 michael hnkAnonym
  • 21.06.2021, 14:55h
  • Besser hätt's doch gar nicht laufen können: Maximale Aufmerksamkeit für eine bunte Armbinde plus "Good Cause"-Gütesiegel am Ende. Ein PR-Träumchen!
  • Antworten » | Direktlink »
#5 WatermountainAnonym
  • 21.06.2021, 15:18h
  • Die FDP setzt sich aktiv für die LGBTQ+-Community ein. Der Mann ist ein Unruhestifter in der falschen Partei, mehr nicht. Er vertritt nicht die Meinung der Liberalen.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 na dannAnonym
  • 21.06.2021, 15:40h
  • Antwort auf #5 von Watermountain
  • na dann steht einem parteiausschlussverfahren ja nichts im weg. vielleicht kriegt die fdp das ja schneller hin als die grünen, die palmer viel zu lange gewähren lassen/ließen, um seine wählerschaft nicht zu verlieren.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Taemin
  • 21.06.2021, 17:12h
  • Antwort auf #3 von andrew_ddorf
  • Ja, ich kann bestätigen, dass schon vor Jahren Michael Mattar, liberaler (und schwuler) Stadtrat der FDP in München, sich für die Regenbogenbeleuchtung des Stadions zum CSD erfolgreich eingesetzt hat. Aber vergessen wir bitte nicht, dass es sich bei der FDP um diejenige Partei handelt, die drauf und dran war, mit der AfD in Thüringen eine Regierung zu bilden, welches Projekt bis zur Wahl eines gemeinsamen Ministerpräsidenten gedieh - unter dem Jubel des Bundesvorsitzenden Lindner, des jetzigen Generalsekretärs Wissing und des Bundestags-Vizepräsidenten Kubicki. Möge man jetzt bitte nicht so tun, als sei Nähe zur AfD in der FDP die absolute Ausnahme. Sie findet sich bis in die amtierende Parteispitze hinein.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 Gemeiner_HaiProfil
  • 21.06.2021, 17:15hSchweinfurt
  • Bemerkenswert finde ich ja, dass die FDP die Kampagnen gegen jene Länder, die sich der US-Weltwirtschaftsordnung nicht unterwerfen wollen, nicht nur nicht kritisiert, sondern geradezu befeuert. Wird aber ein neoliberaler, fremden- und schwulenfeindlicher Diktator kritisiert, dann wird das gleich zur "Kampagne gegen Ungarn" hochstilisiert. Ist doch immer wieder interessant zu sehen, wo die Prioritäten liegen ...

    (Und ja, mir ist bewusst, dass das nicht die Parteilinie ist. Ein absoluter Einzelfall ist er aber sicher auch nicht, denn ich habe das immer wieder mit Wirtschaftsliberalen erlebt: Solange einer nur "schön" neoliberal wirtschaftet, kann er machen, was er will, und heiße er auch Pinochet ...)
  • Antworten » | Direktlink »
#9 dellbronx51069Anonym
  • 21.06.2021, 19:46h
  • . Schwule wurden in rechten Diktaturen als kommunistische Subversive verfolgt. In kommunistischen Regimen wurden Sie als burgeoise Subversive verfolgt.
    Halten wir mal fest: Unsere Feinde sassen und sitzen überall und das Eis der Zivilisation ist dünn.
  • Antworten » | Direktlink »