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Heimkino

Die Rückkehr des verlorenen schwulen Sohnes

Ein junger Mann kehrt nach zwölf Jahren zu seinem Elternhaus zurück, mit einer schrecklichen Wahrheit im Gepäck. Xavier Dolans Familiendrama "Einfach das Ende der Welt" läuft am Mittwoch zur Primetime auf arte.


Louis (Gaspard Ulliel) will seinen Eltern und Geschwistern beibringen, dass er bald sterben muss. Das Drama "Einfach das Ende der Welt" läuft am Mittwoch, den 23. Juni um 20.15 Uhr auf arte (Bild: Weltkino Filmverleih)
  • Von Klaus Braeuer, dpa
    21. Juni 2021, 11:32h, noch kein Kommentar

Ein junger Mann fährt nach zwölf Jahren erstmals wieder zu seiner Familie. Er will dort persönlich sagen, dass er todkrank ist und bald sterben wird. Und er will sich die Illusion bewahren, bis zum Schluss Herr über sein Leben zu bleiben. Ob ihm das gelingt, zeigt das Drama "Einfach das Ende der Welt" an diesem Mittwoch um 20.15 Uhr auf arte.

Louis (Gaspard Ulliel) war 22, als er seine Familie verließ. Jetzt kehrt er zurück, an einem heißen Sommertag. Was ihn erwartet, macht nicht gerade Mut: Mutter Martine (Nathalie Baye) ist oberflächlich, vergesslich und übertrieben geschminkt. Einen Vater gibt es offenbar nicht mehr. Die jüngere Schwester Suzanne (Léa Seydoux) wirkt ständig genervt, lobt ihn aber, dass er nie ihre Geburtstage vergessen hat.

Der ältere, aggressive und oft peinliche Bruder Antoine (Vincent Cassel) attackiert den eher stillen Rückkehrer andauernd – vermutlich auch, weil er sich als schlichter Handwerker dem sensiblen Dichter unterlegen fühlt. Nur dessen Frau Catherine (Marion Cotillard) ist Louis zugetan, sie treffen das erste Mal aufeinander. Sie beginnt als Einzige zu ahnen, warum er wirklich gekommen ist.

Weder komisch noch lustig, sondern sehr ernsthaft

Regisseur Xavier Dolan (32, "I Killed my Mother", "Der verlorene Sohn") adaptiert hier ein Theaterstück des französischen Autors Jean-Luc Lagarce, der 1995 mit 38 Jahren starb. Er war HIV-positiv, und das könnte auch auf Louis zutreffen – offen gesagt wird es nicht.

Auch, warum er der Familie einst den Rücken kehrte, wird nicht so recht deutlich. Vielleicht, weil er schwul ist und sein eigenes, freies Leben haben wollte? Nicht einmal seine genaue Adresse sagt er ihnen, worauf die Mutter antwortet: "Du bist komisch."

Das gilt wohl für alle Figuren in diesem Film, der weder komisch noch lustig ist, sondern sehr ernsthaft. Dolan erzählt Vieles über intensive, oft hilflose Blicke in großen Nahaufnahmen, erklärt wird darüber hinaus nichts. Es wird reichlich gegessen, oft geschrien und sich nahezu andauernd entschuldigt – nur wirkliches Interesse für den anderen zeigen kann oder will hier offenbar niemand.

Es wird viel geredet, aber nichts gesagt

Die durchweg prominenten Schauspieler*innen verkörpern hervorragend, wie in dieser merkwürdigen Familie viel geredet, aber nichts gesagt wird. Vor allem Gaspard Ulliel (36, "Saint Laurent") gibt den vollkommen verloren wirkenden Bruder und Sohn als verzweifelten Mann, der hier als einziger weint und herzzerreißend melancholisch blicken kann.

Louis hat Angst vor der Familie – und er hat vor allem Angst, ihr die Wahrheit zu erzählen. "Vielleicht weinen sie nicht einmal", erzählt er seinem Freund am Telefon und fügt hinzu, dass es nur ein Familienessen sei und nicht das Ende der Welt. Was natürlich nicht stimmt: Zum Schluss ist nichts wirklich gesagt oder ausgesprochen. Louis reist unverrichteter Dinge ab – und das bedeutet für ihn natürlich das Ende der Welt, und nicht nur der, wie er sie kennt.

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Infos zum Film

Einfach das Ende der Welt. Originaltitel: Juste la fin du monde. Familien-Drama. Frankreich 2016. Regie: Xavier Dolan. Darsteller: Gaspard Ulliel, Marion Cotillard, Vincent Cassel, Léa Seydoux, Nathalie Baye. Laufzeit: ca. 95 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung, französische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 12. Weltkino Filmverleih. Das Drama läuft am Mittwoch, den 23. Juni 2021 um 20.15 Uhr auf arte
Galerie:
Einfach das Ende der Welt
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