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EM 2020
"Bild"-Bericht: UEFA lehnt Regenbogen für Allianz-Arena ab
Laut der Zeitung argumentiert der EM-Ausrichter, dass alle Stadien einheitlich in den Farben der UEFA und der teilnehmenden Länder leuchten sollten.

Die Münchner Allianz-Arena wurde zum CSD und anderen Anlässen bereits mehrfach in Regenbogenfarben erleuchtet (Bild: Allianz Arena)
- 21. Juni 2021, 19:21h 3 Min.
Die Münchener Allianz-Arena wird am Mittwoch beim letzten EM-Vorrundenspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Ungarn offenbar nicht in Regenbogenfarben leuchten. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) und das EM-Organisationskomitee hätten sich verständigt, ein entsprechendes Ansinnen abzulehnen, berichtete am Montagabend die "Bild"-Zeitung.
Eine Bestätigung dafür gab es zunächst nicht, allerdings verbreitete auch die DPA zusammenfassend die "Bild"-Meldung, wonach die Arena wie vorgesehen in den Farben des EM-Ausrichters UEFA und der teilnehmenden Nationen leuchten soll, wie es auch für die anderen zehn Stadien gelte. Die Zeitung zitierte DFB-Pressesprecher Jens Grittner mit den Worten: "Die Uefa gibt ein einheitliches Stadiondesign vor. Und es gibt gute Gründe, dieses einheitliche Stadiondesign auch zu leben. Vielleicht muss man die Beleuchtung nicht unbedingt am Spieltag Mittwoch festmachen."
Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte die UEFA und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) am Montag in einem Schreiben gebeten, "dieses Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz zu unterstützen" (queer.de berichtete). Zuvor hatte sich der Münchner Stadtrat in einem fraktionsübergreifenden Antrag dafür ausgesprochen, das Fußballstadion zum Gruppenspiel gegen Ungarn zu beleuchten, wie es in der Vergangenheit etwa schon zum CSD geschehen war.
/ StadtMuenchenIn einem Schreiben an UEFA-Präsident Aleksander eferin und DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch bittet OB Dieter Reiter die beiden Verbände, dieses Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz zu unterstützen. #München #GERHUN #EURO2020 https://t.co/fGXaUvvA5W
Stadt München (@StadtMuenchen) June 21, 2021
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Hintergrund ist, dass das ungarische Parlament am letzten Dienstag ein Gesetzespaket beschlossen hatte, das sich nach russischem Vorbild quasi gegen "Homo-Propaganda" wendet (queer.de berichtete). Damit werden unter dem Vorwand des Jugendschutzes Darstellungen von queeren Menschen und Themen in Medien und Schulen untersagt. Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, das umstrittene Gesetz zu prüfen (queer.de berichtete).
Selbst Söder war für Beleuchtung
Eine Online-Petition zur Beleuchtung der Arena hatte bis Montagabend fast 100.000 Unterschriften erzielt. Selbst Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte sich hinter das Vorhaben gestellt: "Ich fände es gut, wenn die Regenbogenfarben strahlen würden", sagte er am Montag in Berlin. Dies wäre "ein Signal für die Offenheit unserer Gesellschaft".
Auch der DFB hatte das Beleuchtungs-Anliegen begrüßt, Nationalspieler Leon Goretzka sprach am Montag von einer "tollen Idee" (queer.de berichtete). Zugleich brachte der Verband die Idee ins Spiel, die Arena erst zu einem späteren Termin rund um den Christopher Street Day in Regenbogenfarben leuchten zu lassen. Laut "Bild" soll die Arena nun am 28. Juni zum Jahrestag des Stonewall-Aufstands entsprechend leuchten – ein Spiel gibt es an dem Tag allerdings nicht. Eine Verlegung auf einen späteren Termin oder ein späteres Spiel würde das Politikum für die UEFA durch den dann fehlenden Ungarn-Bezug entschärfen – aber auch den Sinn des Protestes.
Ungarns Außenminister hatte das ursprüngliche Vorhaben am Montag entsprechend scharf kritisiert: "Es ist äußerst schädlich und gefährlich, Sport und Politik zu vermischen", sagte Peter Szijjarto nach Angaben der Nachrichtenagentur MTI (queer.de berichtete). "Die historische Erfahrung zeigt, dass das eine schlechte Sache ist und allen voran die Deutschen wissen das genau."
/ CSDdeutschlandFahnen fürs Spiel #GERHUN gewünscht? zusammen mit @Queeramnesty_de @queerbw und @csdmuenchen geben wir unser bestes!
CSD Deutschland e.V. (@CSDdeutschland) June 21, 2021
10000 Fahnen sind auf dem Weg #dontkicklgbtiqrights
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Mit Zeichen für LGBTI ist beim Spiel am Mittwoch dennoch zu rechnen: Laut DFB wird Manuel Neuer wieder mit einer Regenbogen-Kapitänsbinde auflaufen, die ja nun ein generelles UEFA-OK besitzt (queer.de berichtete). Und der CSD München und weitere Gruppen haben angekündigt, vor dem Spiel 10.000 Regenbogenfahnen an Fans zu verteilen. (nb)













