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Mitglied des Nationalteams

Japanischer Fußballstar Kumi Yokoyama outet sich als trans

Der Asienmeister von 2018 möchte nach der Profikarriere als Mann weiterleben, hat sich bereits eine flache Brust operieren lassen und wird mit dem "they"-Pronomen angesprochen.


Kumi Yokoyama spielt Fußball im japanischen Nationalteam und nach Stationen in Japan und Deutschland mittlerweile in der US-Profiliga (Bild: el_loko / wikipedia)

Fußballstar Kumi Yokoyama (27) hat für das japanische Nationalteam gespielt, für japanische Clubs wie auch für den 1. FFC Frankfurt und steht gegenwärtig für die Washington Spirits auf dem Rasen. In einem auf japanischer Sprache gehaltenen Talk auf dem Youtube-Kanal der früheren Teamkollegin Yuki Nagasato hat they sich am vergangenen Wochenende als trans geoutet. Dort sagte Yokoyama, dass they nach dem Ende der professionellen Fußballkarriere bei den Frauen als Mann leben wolle.

Auch auf theys Sexualität ging Yokoyama in dem Gespräch ein. So habe they in der Vergangenheit Frauen gedatet, habe damit in Japan aber gerade als prominente Person im Geheimen leben müssen. Als Yokoyama dann nach Deutschland und schließlich in die USA gekommen ist, habe sich auch die Offenheit der Menschen um they herum gewandelt. Die hätten nicht wie in Japan üblich ständig danach gefragt, ob they einen Freund habe, sondern danach, ob they einen Freund oder eine Freundin hätte. Das sei, erklärte Yokoyama dem japanischen Publikum, "normal hier". Leute seien offen eingestellt, auch wenn sie selber nicht der LGBTI-Community angehörten. Gegenwärtig habe Yokoyama auch eine Freundin.

Gratulation von US-Präsident

Wie auch dem schwulen Footballspieler Carl Nassib, der sich am Montag geoutet hatte, gratulierte US-Präsident Joe Biden auf dem Kurznachrichtendienst Twitter Yokoyama zum Coming-out. Dort schrieb er am Dienstag: "Euretwegen sehen sich zahllose Kinder auf der ganzen Welt heute in einem neuen Licht". Er sei auf den Mut der beiden inspirierenden Athleten stolz.

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Mit sechs Jahren, als Yokoyama ambitioniert angefangen habe, Fußball zu spielen, habe they sich die Haare kurz geschoren und häufig wie ein Junge gewirkt, so der Sportstar weiter in dem Gespräch. Vorher, als they von den Eltern in weiblich konnotierten Kleidern wie Kimonos angezogen worden sei, habe they oft stundenlang darüber geweint. Auch Röcke habe they abgelehnt. Eine für japanische Mädchen übliche Feier mit Erreichen des achten Lebensjahres hätten die Eltern darum schließlich auch abgesagt.

Brüste erst versteckt, dann entfernt

Auch über die späteren körperlichen Veränderungen erzählte Yokoyama offen in dem Gespräch, das inzwischen teilweise mit englischen Untertiteln versehen worden ist. So habe theys Periode erst mit 14 Jahren und dann stets unregelmäßig eingesetzt. Die sich entwickelnden Brüste habe they von Anfang an versteckt.

Als Yokoyama 20 Jahre alt war, habe they sich die Brüste auch schon operativ entfernen lassen. Doch eine Behandlung mit Testosteron, wie sie viele trans Personen in einer ähnlichen Lage beginnen, sei für they nicht in Frage gekommen – das wäre mit den Dopingbestimmungen des Frauenfußballs kollidiert. Eine geschlechtsangleichende OP mit der Entfernung der Ovarien, in denen Geschlechtshormone produziert werden, sei darum ebenfalls nicht möglich gewesen. Entsprechende Schritte seien aber nach dem Ende der Profi-Karriere geplant.

LGBTQ-Kürzel wird in Japan bekannter

Auch über die Situation queerer Menschen in Japan äußerte sich Yokoyama. Leute in theys Position sollten über derlei Themen offen sein, weil sich andernfalls nichts verändern würde. In letzter Zeit habe sich die Abkürzung "LGBTQ" jedoch auch in den japanischen Medien weiter verbreitet. They denke aber, dass es in Japan anders als in den USA für die meisten noch nicht möglich sei, Yokoyama nachzuvollziehen.


Screenshot aus dem Coming-out-Talk auf Youtube

Verwirrung gab es in Medien und in transgeschlechtlichen Kreisen über die korrekten Bezeichnungen für Yokoyama. Viele Nachrichtenseiten schrieben, Yokoyama habe sich als "Mann" bzw. "Transgender-Mann" geoutet, und nutzten das "er"-Pronomen. Tatsächlich enthält auch der Original-Talk in der englischsprachigen Untertitelung die Formulierung, Yokoyama wolle nach dem Ende der Karriere "als Mann leben".

In einem Artikel der englischsprachigen "Japan Times" wird auch der Trainer der Washington Spirits, Yokoyamas gegenwärtiges Team, zitiert, der wie gewünscht das "they"-Pronomen verwendet. Dieser sagte über Yokoyama: "They ist sehr mutig, they ist sehr entschieden in diesem Prozess, und wenn das ist, was they machen will, werde ich alles tun, was ich kann, um they zu unterstützen. So lange they glücklich ist, bin ich glücklich." Der Club sei bereits bei der Vertragsunterzeichnung 2019 im Bilde über Yokoyamas Geschlechtsidentität gewesen und habe die volle Unterstützung signalisiert. In einem Tweet machten auch die Spirits die "they"-Pronomen von Yokoyama noch ein mal klar, die in den USA für nichtbinäre transgeschlechtliche Menschen als weitgehend etabliert gelten.

Twitter / WashSpirit
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Schon beim Coming-out des nichtbinären Schauspielers Elliot Page taten sich viele insbesondere deutschsprachige Medien damit schwer, dass Page nicht dem Bild transgeschlechtlicher Menschen entspricht, von dem sie gewohnt sind, es ihren Leser*innen zu präsentieren. So hatte Page deutlich gemacht, dass they sowohl "he", also "er", als auch "they" als Pronomen für sich nutze. Tatsächlich haben nichtbinäre trans Menschen von der größeren Sichtbarkeit des Themas Trans in den letzten Jahren nur teilweise profitiert. So sind sie etwa in Deutschland gegenwärtig von der Kostenübernahme geschlechtsangleichender Operationen rigoros ausgeschlossen (queer.de berichtete). Um die Etablierung funktionierender Bezeichnungen und Pronomen wird im deutschsprachigen Raum ebenfalls noch gerungen.

2018 wurde Kumi Yokoyama, seit 2015 im Frauen-Team Japans, mit der Nationalauswahl Asienmeister. Damals wurde Yokoyama in der 72. Minute eingewechselt, um 12 Minuten später den 1:0-Siegtreffer über Australien zu erzielen. Bei der WM 2019 mussten sich die Japaner*innen, die 2011 die WM gewonnen hatten und mittlerweile zu den besten Frauenteams gehören, bereits im Achtelfinale gegen den späteren Vizemeister Niederlande geschlagen geben.



#1 PhoebeEuleAnonym
  • 23.06.2021, 14:48h
  • Sehr schöner Artikel.

    Leider passen nicht binäre Menschen und unsere Grammatik noch nicht so gut zusammen. Ich hoffe das es bald eine passende Lösung gibt.
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#2 DominikAnonym
  • 23.06.2021, 15:11h
  • "They" ist aber doch ein englisches Pronomen. Satzbausteine wie "they möchte" oder "theys Sexualität" kann man sprachlich nun wirklich nicht durchgehen lassen. Wenigstens sollte in einem deutschsprachigen Text dann auch ein deutsches Äquivalenz-Pronomen verwendet werden, sonst wird's echt zu seltsam.
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#3 KenshiroProfil
#4 GundelAnonym
  • 23.06.2021, 19:07h
  • Antwort auf #2 von Dominik
  • "Wenigstens sollte in einem deutschsprachigen Text dann auch ein deutsches Äquivalenz-Pronomen verwendet werden, sonst wird's echt zu seltsam."

    "Äquivalenz-Pronomen" ist fein, aber "they" geht zu weit?
    Keine weiteren Fragen.
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#5 KratzbürsteAnonym
  • 23.06.2021, 19:10h
  • Antwort auf #2 von Dominik
  • Linguistin hier, ich kann es locker durchgehen lassen. Es sollte "their" sein, wenn es um die possessive Beschreibung geht, aber ansonsten ist das, solange die deutsche Sprache kein geschlechtsneutrales Pronomen hat, das im Zweifel eher zur Entmenschlichung dient, eine Lösung.

    Alles Gute in jedem Fall für Kumi, es freut mich, dass they auf Akzeptanz trifft!
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#6 DominikAnonym
#7 WahrheitIstRelativAnonym
  • 23.06.2021, 19:36h
  • Ich finde "they" liest sich im deutschen ganz flüssig mit und könnte eingebaut werden. Ist ja nicht das erste englische Wort, das wir übernehmen.
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#8 KratzbürsteAnonym
  • 23.06.2021, 19:40h
  • Antwort auf #6 von Dominik
  • Was aber auch sehr umständlich sein kann, je nach dem Namen...

    Fun fact, "they" ist ursprünglich gar nicht englisch, sondern altskandinavisch. Das englische Pronomen-Set hatte ein ähnliches Problem wie das deutsche, dass ein Pronomen 3. Pers. Singular und das für 3. Pers. Plural identisch waren, was häufig zu Verwirrungen geführt hat. Da es in Großbritannien aber Siedlungen gab bedingt durch die Fahrten und Raubzüge der Wikinger, hat sich aus praktischen Gründen "They" in die englische Sprache eingeschlichen.

    Dieses Gerede von "das Wort gehört gar nicht in die Sprache" ist weltfremd und in linguistischer Geschichte immer wieder widerlegt worden. Sonst könnte ich gerade nicht an meinem Smartphone schreiben, sondern an meinem klugen... Tja, Telefon ist auch nicht wirklich deutsch... Aber auch wenn es bei Pronomen länger dauert, bis sich Entwicklungen durchsetzen, sind sie davor keineswegs gefeit
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#9 GodzillaAnonym
  • 23.06.2021, 20:45h
  • @Pronomen

    Wie wäre es, wenn man das den Betroffenen überlässt und sich nicht anmaßt darüber zu urteilen, nur weil
    man meint es passe nicht in die deutsche Sprache.
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#10 SprachrealistAnonym
  • 23.06.2021, 23:02h
  • Antwort auf #8 von Kratzbürste
  • "Klugfernsprecher" ist das Wort, nach dem du suchst. Damit kommst du auch ins Zwischennetz, der Empfang ist in geschlossenen Kemenaten jedoch besser am Windauge.

    "they" geht zumindest bis auf Weiteres vollkommen klar, wissenschaftlich betrachtet :-) "dex" ginge aber auch,.
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