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"Gefahr für Gesellschaft"

Kanada: Gesetz gegen Homo- und Trans-"Heilung" verabschiedet

Das Unterhaus stimmte für ein Verbot von "Konversionstherapien" – das aber noch im Senat und durch Neuwahlen scheitern könnte.


Kanada gehört zu den LGBTI-freundlichsten Ländern der Welt (Bild: william eiras / flickr)

  • 24. Juni 2021, 15:18h, noch kein Kommentar

Das kanadische Parlament hat am Dienstag (Ortszeit) ein umfangreiches Gesetz zum Verbot von "Konversionstherapien" verabschiedet. Jeder, der eine minderjährige Person zu einer entsprechenden Behandlung zwingt, könne demnach mit einem Jahr Haft belegt werden. Das gelte auch bei erwachsenen Personen gegen ihre Einwilligung.

Als entsprechende "Therapie" wird definiert eine "Praxis, Behandlung oder Dienstleistung, die darauf abzielt, die sexuelle Orientierung einer Person in heterosexuell zu ändern, die Geschlechtsidentität oder den Geschlechtsausdruck einer Person in cisgender zu ändern oder nicht-heterosexuelle Anziehung oder sexuelles Verhalten oder einen nicht-cisgender-Geschlechtsausdruck zu unterdrücken oder zu reduzieren."

Das Gesetz der Liberalen Partei von Premierminister Justin Trudeau stellt zudem die Bewerbung entsprechender "Behandlungen" und das Außer-Landes-Bringen von Minderjährigen zur Durchfügung entsprechender "Therapien" unter Strafe. Werbematerialien können von Gerichten eingezogen werden. Die "Behandlungen" stellten laut Gesetzestext eine Gefahr für die betroffenen Personen und für die Gesellschaft dar, da sie auf "Mythen und Vorurteilen" über sexuelle Orientierung und Geschlechtsorientierung basierten – unter anderem auf den Mythos, "dass diese geändert werden müssten".

"Konversationstherapie hat keinen Platz in Kanada", schrieb Trudeau zur Umsetzung des Wahlversprechens bei Twitter. Das Unterhaus hatte mit 263 zu 63 Stimmen für den Entwurf in dritter Lesung gestimmt – nur konservative Abgeordnete und ein Unabhängiger stellten sich dagegen. Die katholische Kirche hatte gegen die Initiative protestiert, als die Regierung es im letzten Herbst vorgestellt hatte (queer.de berichtete).

Twitter / JustinTrudeau
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Ob das Vorhaben Gesetz wird, ist aber noch unklar. Nach der Verabschiedung im Unterhaus wird der Entwurf nun im Senat debattiert – und es gilt als unwahrscheinlich, dass die überwiegend unabhängigen und konservativen Lebenszeit-Senator*innen das Gesetz noch innerhalb der nächsten Tage im Eilverfahren vor der Sommerpause durchwinken. Vielmehr wird mit einer regulären Überweisung in die Ausschüsse gerechnet. Der Senat trifft sich erst Mitte September wieder – und die Minderheitsregierung von Trudeau könnte zu vorgezogenen Neuwahlen bereits im Herbst aufrufen. (cw)