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Debatte über geschlechtergerechte Sprache

AfD schimpft über "Queerdenker"

Auch in der letzten Sitzungswoche regt sich die AfD über "Gender-Gaga" auf – dieses Mal geht es um geschlechtergerchte Sprache.


Am Abend redeten die Parlamentarier*innen auf Wunsch der AfD über geschlechtergerechte Sprache (Bild: Parlamentsfernsehen)

  • Von Dennis Klein
    25. Juni 2021, 12:44h, noch kein Kommentar

In den Achtzigerjahren sprachen Konservative die damals wenigen Parlamentarierinnen noch gerne mit "Frau Abgeordneter" an oder dankten "Frau Minister Süssmuth" für ihre Arbeit. In diese Zeit will die AfD offenbar sprachlich zurück: "Keine Verwendung der sogenannten gendergerechten Sprache durch die Bundesregierung" (PDF) lautete ein Antrag, mit dem sich der Bundestag am Donnerstagabend beschäftigen musste. Ein zweiter Antrag fordert ein pauschales Genderverbot in Drucksachen des Bundestages (PDF).

Vordergründig richteten sich die Anträge insbesondere gegen die umstrittenen Gendersternchen. Die offenbar primär für die eigenen Kanäle in sozialen Netzwerken gehaltene Rede des AfD-Vertreters im Plenum zeigte aber sofort auf, dass es der Partei nur darum ging, vor der Bundestagswahl insbesondere gegen Homo- oder Transsexuelle gerichtete Kampfbegriffe wie "Gender-Gaga" gebetsmühlenartig zu wiederholen.

Für die AfD ergriff Stephan Brandner das Wort, der 2018 einen Gesetzentwurf zur Wiedereinführung des Ehe-Verbots für Schwule und Lesben eingebracht hatte (queer.de berichtete). Der 55-Jährige Thüringer vom völkischen AfD-Flügel warf "altfeministischen Kreisen" eine "Verhunzung unserer deutschen Sprache" vor. Dies geschehe unter dem "Vorwand einer angeblichen Diskriminierung von Frauen".


(Bild: Parlamentsfernsehen)

Dann holte der Jurist aus: "Da sich aber mittlerweile die sogenannte Zivilgesellschaft gar nicht mehr sicher ist, ob – und wenn ja – wie viele Geschlechter es gibt und wer sich wann, wie fühlt, bedienen sich dieser Idee nun Ideologen und Queerdenker – Queerdenker wie mit Doppel-E – der sogenannten geschlechtsneutralen oder gendersensiblen Sprache." Dies berge "große Gefahren" ("Die Mutanten werden zu Mutantinnen"). Dabei nutzte er auch Worte wie "Gender-Gaga" oder "Gender-Quatsch" und führte sogar den Regenwald auf, der angeblich wegen der langen deutscher Genderwörter vermehrt gerodet werden müsse.

CDU-Politiker Philipp Amthor machte sich anschließend über Brandners "Klamauk-Rede" lustig und erklärte: "Die AfD spielt ein durchsichtiges Spiel", so der Abgeordnete aus Mecklenburg-Vorpommern. Schließlich habe die Rechtsaußen-Partei erheblich zur "Verrohung der Debattenkultur" beigetragen. Die Bürgerinnen und Bürger hätten aber "Sprechfreiheit" (Amthor: "Alle Sprachgewalt geht vom Volke aus"). Gleichzeitig warnte er vor "künstlichen Sprachkonstruktionen".


(Bild: Parlamentsfernsehen)

Jürgen Martens (FDP) sprach daraufhin von einem "eher grobmotorischen Antrag der AfD": "Ihnen begegnet etwas, das Sie nicht verstehen. Ihre Reaktion ist die übliche: Sie fordern ein Verbot. Eine Auseinandersetzung mit dem Problem dahinter wollen sie nicht." Gleichzeitig versuchte sich der 61-jährige Abgeordneter aus Sachsen in seiner letzten Rede auch ein wenig als Populist – so warnte er etwa vor einer "Sprachpolizei" von feministischer Seite.


(Bild: Parlamentsfernsehen)

Als letzte Rednerin dieser Debatte trat Ulle Schauws mit einem Regenbogenpin ans Pult. Die queerpolitische Sprecherin der Grünenfraktion wies darauf hin, dass sich Sprache immer verändere. Sie zeigte sich verwundert, dass die Parteien auf der rechten Seite des Bundestages aus dieser Veränderung parteipolitisches Kapital schlagen wollten: "Die AfD – und auch Teile von CDU/CSU und vielleicht auch FDP – können keinen Tag auslassen, um sich über eine inklusivere Sprache, die auch Frauen und divers einschließt, aufzuregen und zu betonen, dass es doch Wichtigeres gibt als darüber zu sprechen. Dabei sind Sie es, die immer darüber sprechen wollen – sogar im Bundestag."


(Bild: Parlamentsfernsehen)

Immerhin werde etwas debattiert, was "niemand" fordere, so Schauws weiter. "Die einzigen, die Sprachverbote fordern, sind die AfD und sind Politiker der CDU. Auch das ist ein Fakt", sagte die Abgeordnete aus Nordrhein-Westfalen. Es sei auch Fakt, dass Sprache Wirklichkeit forme. "Alle Geschlechter abzubilden, macht einen Unterschied."

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Am Ende der Debatte wurde einer der AfD-Anträge in die Ausschüsse verwiesen, der andere wurde bei einer – namentlichen Abstimmung – mit 531 Stimmen gegen 74 Stimmen bei drei Enthaltungen zurückgewiesen. Dabei erhielt die AfD keine einzige "Ja"-Stimme aus den anderen Fraktionen.


(Bild: bundestag.de)