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"Ich habe mich geschämt"
Solidarität mit LGBTI: Romani Rose gibt ungarischen Orden zurück
Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma gibt aus Protest gegen das neue queerfeindliche Zensurgesetz seinen ungarischen Verdienstorden zurück. Er hatte ihn persönlich von Viktor Orbán erhalten.

Romani Rose ist seit 1982 Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma (Bild: Dokuzentrum Sinti und Roma / wikipedia)
- 28. Juni 2021, 04:16h 2 Min.
Aus Protest gegen das ungarische Gesetz zur Einschränkung von Informationen über Homo- und Transsexualität gibt der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, einen ungarischen Verdienstorden zurück. Mit dem Gesetz sei "eine rote Linie überschritten worden", sagte Rose der "Rhein-Neckar-Zeitung" (Montag).
Es sei vor allem eine Reaktion von Xavier Bettel gewesen, die ihn zu diesem "gut überlegten Schritt" bewegt habe, verriet Rose der Regionalzeitung. Der luxemburgische Regierungschef hatte zu seinem ungarischen Amtskollegen Viktor Orbán gesagt: "Ich wurde nicht schwul, ich bin es, es ist keine Entscheidung" (queer.de berichtete). Für Rose war das "tief bewegende" Statement des Premierministers eine Aufforderung, "persönliche Konsequenzen" zu ziehen. "Ich habe mich geschämt, den Orden einer Regierung zu tragen, die so mit Menschen umgeht. Das entspricht nicht meinem demokratischen und rechtsstaatlichen Anspruch". Und er frage sich, welche Gruppen wohl als nächste pauschal ausgegrenzt würden.
Rosa hatte Orden persönlich von Orbán erhalten
Romani Rose hatte den staatlichen ungarischen Verdienstorden "Mittelkreuz" nach eigenen Angaben 2012 von Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán persönlich erhalten. Er werde die Auszeichnung nun diese Woche der ungarischen Botschaft in Berlin zurückgeben. Der 74-Jährige ist seit 1982 Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Der politische Dachverband war bereits 2009 Gründungsmitglied des Berliner "Bündnis gegen Homophobie".
Das neue ungarische Gesetz verbietet quasi nach russischem Vorbild Homo- und Trans-"Propaganda" gegenüber Minderjährigen. Eine "Bewerbung" oder auch nur Darstellung von Homo- oder Transsexualität in Büchern, Filmen und anderen Medien, Werbekampagnen sowie Schulen ist nicht mehr erlaubt (queer.de berichtete). Das queerfeindliche Gesetz wurde am Mittwoch vom ungarischen Staatspräsidenten unterzeichnet und trat mit der Veröffentlichung im ungarischen Amtsblatt in der Nacht zu Donnerstag in Kraft.
Heftige Kritik aus der EU
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte das Gesetz als eine "Schande bezeichnet" und ein entschiedenes Vorgehen der Kommission angekündigt (queer.de berichtete). Am Donnerstag hatten sechzehn EU-Regierungschefs ohne direkten Verweis auf Ungarn in einem Brief an die EU-Führung ihren Einsatz zur Verteidigung der Grundrechte von LGBTI bekräftigt, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (queer.de berichtete). Belgien und Luxemburg legten Ungarn nahe, die EU zu verlassen (queer.de berichtete). (cw/dpa)














