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Kommentar vom CSD Deutschland e.V.

Was in Ungarn passiert, kann in Deutschland genauso passieren

An einem Abend die Regenbogenfahne zu schwenken, das Logo einzufärben und bei Twitter aufmunternde Noten der Solidarität zu posten, ist das eine. Doch nun müssen Taten folgen!


Queere Menschen brauchen mehr als bunte Fahnen (Bild: teddyosterblom / unsplash)

Verbote gibt es oft aus gutem Grund. Sie schützen Menschenleben, regeln das Zusammenleben und sorgen sinnvoll eingesetzt für ein gutes Miteinander. Doch also die UEFA diese Woche entschied, dass die Allianz-Arena nicht als Regenbogen erstrahlen darf, da sorgte dieses Verbot für etwas ganz anderes: Überall im Land und in Europa mobilisierte es Widerstand, Engagement und brachte dem dahinter liegenden Thema unfassbare Aufmerksamkeit.

Denn der Regenbogen sollte als Symbol für absolute Normalität erstrahlen. Als Symbol dafür, dass alle Menschen die gleichen Menschenrechte genießen müssen. Dass alle Menschen gleich sind. Unabhängig von ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts oder eben ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität.

Dass die Regierung von Viktor Orbán dies in Ungarn bestreitet und zensiert, war und ist bis jetzt der Stein des Anstoßes. Mit dem Argument, Kinder schützen zu wollen, wird eine perfide Argumentation bedient. Homo- und Transsexualität würde Kinder bedrohen. Sie seien also etwas Gefährliches, wovor man Kinder schützen müsse. Damit werden LGBTIQ* kriminalisiert, in unglaublicher Weise diffamiert und in die Unsichtbarkeit und ins Verstecken gedrängt.

Die Gleichberechtigung in der Verfassung absichern

Als CSD Deutschland e.V. begrüßen wir die Welle der Solidarität, die das ganze Land erfasste. Wir nehmen mit Freude zur Kenntnis, dass auch verschiedene Abgeordnete der CDU/CSU – Bundestagsfraktion sowie die Spitzen fast aller verfassungsorientierten Parteien unser Anliegen unterstützt haben.

Daher verwundert es uns, wenn im gleichen Zuge am 24. Juni im Bundestag die Diskriminierung von schwulen Männern im Hinblick auf die Blutspende verlängert wird. Es verwundert uns, wenn in dieser Legislatur sowohl die Reform des Transsexuellengesetzes hin zu einem Gesetz echter Selbstbestimmung und die Ergänzung des Artikel 3 Grundgesetz um eben diese Merkmale der sexuellen und geschlechtlichen Identität abgelehnt oder vertagt werden.

Was in Ungarn passiert, kann in Deutschland genauso jederzeit passieren. Der Beifall aus dem Lager der AfD und auch konservativen Kreisen zeigt, dass dies kein bloßes Schreckgespenst ist.

An einem Abend die Regenbogenfahne zu schwenken, das Logo einzufärben und bei Twitter aufmunternde Noten der Solidarität zu posten, ist das eine. Doch nun müssen Taten folgen. Wenn dieses Land offenbar die Gleichstellung von LGBTIQ* will, dann sollten seine Volksvertreter:innen dem folgen und endlich die Missstände beseitigen und die Gleichberechtigung in der Verfassung absichern.

Aus Symbolen müssen nun Taten werden

In diesem Jahr werden unsere Mitglieder in vielen Städten wieder Demonstrationen organisieren. Die CSDs kehren auf die Straße zurück. Wie wichtig das ist, haben wir in den letzten Tagen und Wochen gesehen. Dass wir nicht alleine sind mit unserer Forderung, das haben wir am Mittwochabend erlebt. Für dieses breite Signal der Solidarität sagen wir danke. Denn Symbole nähren die Hoffnung. Doch aus Symbolen müssen nun Taten werden.

Der Ball wurde ins Rollen gebracht. Doch nun müssen Vereine, Verbände und Unternehmen auch zu getroffenen Aussagen stehen und Wort halten. Wir nehmen den DFB in die Pflicht, gemeinsam den Aktionsplan gegen Homophobie im Sport auszubauen und möchten auch zukünftig bei Sportveranstaltungen auf die Situation von LGBTIQ* aufmerksam machen.

Doch auch die Vereine in Bundes- und Amateurliga sind gefragt. Nur wenn klar ist, dass die sexuelle Orientierung eines Spielers oder einer Spielerin nicht spielentscheidend ist, kann Diversität im Sport stattfinden.



#1 N8EngelProfil
#2 Taemin
  • 28.06.2021, 10:02h
  • Letztlich zählen nur Taten, nicht Symbole und Worte, insbesondere dann, wenn -wie derzeit- in die eine Richtung geredet, aber in die andere gehandelt wird.
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#3 LaroxProfil
  • 28.06.2021, 13:17hFrankfurt
  • "Dass alle Menschen gleich sind."

    Menschen sind nicht gleich. Menschen sind gleichwertig. Das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied.
    Und deswegen ist Sichtbarkeit wichtig. Sichtbarkeit fördert Akzeptanz. Unsichtbarkeit fördert Unsicherheit.
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#4 56James35Anonym
  • 28.06.2021, 16:48h
  • Kein Land ist gegen einen Rückfall in die Abscheulichkeit gefeit. Großbritannien aber ist vielleicht nicht so rückständig wie F und D/fortschrittlicher als F und D. Dort wurde die Homosexualität schon 1967 entkriminalisiert. Das dürfen wir nicht vergessen. In Frankreich erst 1981. In Deutschland (BRD und DDR) : es war so kompliziert mit dem §175, dass ich weder ein noch aus weiß...
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#5 dellbronx51069Anonym
  • 28.06.2021, 18:25h
  • Antwort auf #4 von 56James35
  • Das kommt auch im Buch "deportiert und vergessen" des Elsässers Pierre Seel vor , der den Horror des KZ überlebte und dessen Martyrium im Nachkriegsfrankreich bis 1981 weiterging. Absolut lesenswert wenn auch sein Leidensweg angesichts der Abscheulichkeiten unerträglich gewesen sein muss.
    Einer der schlimmsten Tatsachenberichte die ich je gelesen habe.
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#6 LunaAnonym
  • 29.06.2021, 06:53h
  • Antwort auf #4 von 56James35
  • UK ist hart rückständig wenn wir uns Mal mit dem vollen Akronym und nicht nur LG befassen....

    Schonmal die rechte von trans und inter gesehen? Schonmal was davon gehört das trans Personen im Schnitt 4 Jahre bis zum 1.! Termin mit nem thera warten müssen?

    Schön was vom Keira bell Fall gehört der selbst Schweden beeinflusst hat?

    Die transfeindlichkeit ist ähnlich hoch wie in Ungarn und in Ungarn ging es auch erst gegen TI bevor der Rest dran kam

    Erkennt doch bitte Mal die Zeichen.
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#7 zundermxeAnonym
  • 29.06.2021, 11:30h
  • Denke mal, dass wir uns alle einerseits über Gesten und Zeichen freuen.
    Andererseits hängen sie mir (von bestimmten Personen und Organisationen) zum Hals raus. Ich möchte kotzen.

    All die bürgerlichen Politiker*innen aus Politik, Wirtschaft und (Sport-) Verbänden:
    die Zeit zum HANDELN ist jetzt!
    Gegen Hetze, Hass und Gewalt.
    Für ganz selbstverständliche Gleichstellung auf allen Ebenen (die Liste ist lang!).
    Lediglich etwas Gleichstellung zu gewähren, ist implizit auch immer die tatsächliche Unterstützung von Hass, Hetze, Gewalt und Diskriminierung.
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#8 YannickAnonym
  • 29.06.2021, 11:56h
  • "Doch nun müssen Taten folgen!"

    Absolute Zustimmung!

    Die Zeit des Laberns, des auf Später vertröstens und der Ausreden ist endgültig vorbei.

    Jetzt ist Zeit für volle rechtliche Gleichstellung! Inkl. Art. 3 GG.

    Jede Partei, die das nicht umsetzt oder verzögert (oder andere Parteien dabei unterstützt, das rauszuzögern) macht sich damit unwählbar! Punkt.
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#9 56James35Anonym
#10 56James35Anonym