Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?39305

"Explosiv – Der heiße Stuhl"

Praunheim hat Kerkeling bis heute nicht getroffen

Vor 30 Jahren outete der Filmemacher Rosa von Praunheim den Entertainer Hape Kerkeling in einer RTL-Sendung als schwul. Bis heute sind sich die beiden Männer nie begegnet.


Werden wohl keine besten Freunde mehr: Hape Kerkeling, Rosa von Praunheim (Bild: TVNOW / Berlinale)

Der Filmemacher Rosa von Praunheim, der vor 30 Jahren in einer beispiellosen Aktion den TV-Liebling Hape Kerkeling outete, hat den Entertainer nach eigenem Bekunden nie getroffen. Man kenne sich nur indirekt, sagte der 78-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. "Julia von Heinz ist meine beste Freundin, die hat ja mit ihm den Film "Ich bin dann mal weg" gemacht – da gab es dann indirekt freundliche Grüße und so."

Kerkeling selbst hat sich seit ein paar Jahren aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Jetzt erscheint jedoch ein neues Buch: "Pfoten vom Tisch! Meine Katzen, andere Katzen und ich". Für die RTL-Mediengruppe sind außerdem Projekte in Planung (queer.de berichtete).

"Pfui, Rosa! Schwulen-Verrat im TV"

Dass Kerkeling schwul ist, wurde vor 30 Jahren plötzlich öffentlich. Am 10. Dezember 1991 trat Praunheim in der RTL-Show "Explosiv – Der heiße Stuhl" auf und outete sowohl Hape Kerkeling als auch Alfred Biolek gegen dessen Willen als homosexuell. Der Aktivist wollte mit seiner provokanten Aktion Solidarität mit HIV-Positiven erzwingen, die in erster Linie unter Schwulen zu finden waren.

"Hape hätte zum Beispiel eine Vorbildfunktion", sagte Praunheim in der Sendung. "Der ist jung, der ist hübsch, der ist ein Sympathieträger". Zu Biolek meinte der Regisseur: "Der ist unheimlich beliebt, der ist morgen wieder auf dem Kanal, warum kann der nicht einfach sagen: 'Ich bin schwul'?"


Rosa von Praunheim 1991 auf dem "Heißen Stuhl" (Bild: RTL)

Während das Publikum laut tuschelte, reagierte der damalige RTL-Moderator Ulrich Meyer perplex. Er sei "wie vom Donner gerührt" gewesen, erinnerte er sich in einem Interview zum 20. Jahrestag an die Szene, die zwischen drei und vier Millionen Fernsehzuschauer*innen gesehen haben. "Ich habe mich in der Moderation noch bemüht zu relativieren, aufzufangen." Aber das sei "unumkehrbar" gewesen, so Meyer. "Pfui, Rosa! Schwulen-Verrat im TV", titelte am übernächsten Tag die "Bild"-Zeitung – und sorgte damit erst recht für Aufmerksamkeit.

"Verzweiflungsschrei auf dem Höhepunkt der Aidskrise"

Rosa von Praunheim verteidigte sein Outing als einen "Verzweiflungsschrei auf dem Höhepunkt der Aidskrise", den er bis heute nicht bereut habe. "Ich wusste, was ich tat. Mit Biolek und Kerkeling habe ich keine hilflosen Wesen geoutet, sondern Sympathieträger, beliebte Narren der Gesellschaft, die niemand so leicht steinigen konnte", erklärte er 2009 auf die Frage, ob Outings nicht ein Verstoß gegen die Privatsphäre seien (queer.de berichtete). "Wer wie Kerkeling und Biolek berühmt ist und zu einer Gruppe gehört, die diskriminiert, gemobbt und verprügelt wird, hat kein Privatleben im herkömmlichen Sinn. Sein Privatleben ist immer politisch", sagte Praunheim. Daher sei es eine "Pflicht, an die Öffentlichkeit zu gehen".

Mehrfach betonte der Regisseur in Interviews, dass sein Outing weder Kerkeling noch Biolek geschadet, sondern ihnen vielmehr genutzt habe. Zudem habe er das Bild von Schwulen in den Medien zum Positiven verändert, glaubt der Regisseur: "Vorher tauchten Schwule meist nur im Zusammenhang mit Drogen, Mord und Aids-Tod auf; Stars mussten eine Vorzeige-Verlobte präsentieren. Als Folge von meinem Outing waren Schwule plötzlich normal und wurden wohlwollend dargestellt."

"Es hat wehgetan, aber es hat die Verspannung gelöst"

Hape Kerkeling hatte etwa ein Jahr nach dem Outing im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" eingeräumt, er sei während der Sendung, die er sich nach dem Hinweis einer Freundin zu Hause angeschaut habe, fast in Ohnmacht gefallen. "Sensiblere Naturen als ich hätten sich in einer Kurzschlusshandlung womöglich mit dem Fön in die Badewanne gelegt." Doch das Publikum habe "irre normal" reagiert.

"Sogar in der tiefsten bayerischen Provinz, wo ich kurz nach dem Outing auf Tournee war, bin ich nie dumm angequatscht worden", erinnerte sich Kerkeling. "Es gibt in unserem Gewerbe so viele Untergrund-Schwule, die teilweise zur Tarnung in die Ehe geflüchtet sind. Ich kann nur jedem raten, sich nicht zu verstellen."

Auch Alfred Biolek erklärte 2012 in einem Interview, das Zwangsouting als schmerzhaften Schlag empfunden zu haben, der ihn jedoch befreit hätte: "Es hat wehgetan, aber es hat die Verspannung gelöst." (queer.de berichtete). (cw/dpa)



#1 stromboliProfil
  • 30.06.2021, 08:30hberlin
  • na dann ist doch alles gesagt zum thema "zwangsouting"!
    Bleibt es aber nachträglich nur beim als persönlich empfundenen befreiungsschlag der geouteten, ist die tragische dimension von AIDS und dem schweigen der mehrheit im öffentlichen rampenlicht stehender ( eben auch schwul-lesbischer!) , im nachhinein ein um so beschämender vorgang in unserer eigenen vergangenheit.

    Wie wärs da mit einem, wenn auch recht spätem eingeständnis eigenen versagens.
    Es könnte stilbildend für zukünftig notwendige civilcourage sein.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 GussiEhemaliges Profil
  • 30.06.2021, 08:49h
  • So whatever, die beiden Betroffenen scheinen davon im nachhinein nur profitiert zu haben.Rosa hatte es schon immer drauf sich gerne in den Vordergrund zu stellen. Besonders eindrucksvoll in seinen Dokumentationen aus den USA. Gerne stellte er sein Profil direkt vor die Kamera, damit auch ja alle den Moderator erkannten. Und so ist es auch bis heute geblieben. Beide, Rosa und Hape können unterschiedlicher nicht sein. Aber gerne wäre ich ein Mäuschen, wenn diese beiden sich tatsächlich mal ganz privat treffen und unterhalten würden.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 GussiEhemaliges Profil