Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?39307

Serienkritik

"Loving Her" macht's vor: So geht eine gute queere Serie!

Am 1. Juli startet in der ZDF-Mediathek das lesbische Pendant zur schwulen ARD-Produktion "All You Need". Die sechs kurzen Folgen überzeugen u.a. mit emotionaler Wahrhaftigkeit und starken Schauspielerinnen.


Hanna (Banafshe Hourmazdi, r.) versucht ihre große Liebe Franzi (Lena Klenke) zu einem gemütlichen Tag im Bett zu überreden (Bild: ZDF / Marcus Glahn)

Ein paar Wochen ist es erst her, dass mit "All You Need" die erste von schwulen Protagonisten handelnde Serie der deutschen TV-Geschichte Premiere feierte. Nun folgt mit "Loving Her" in gewisser Hinsicht das lesbische Pendant dazu. Doch während die Parallelen offensichtlich sind (in beiden Fällen handelt es sich im öffentlich-rechtliche Produktionen, die vor allem für die Mediathek gedreht wurden), kann von einem Abklatsch keine Rede sein.

Anders als im Falle der Jungs konzentriert sich "Loving Her" (ab 1.7. in der ZDF Mediathek und am 3.7. bei ZDF Neo) ganz und gar auf eine einzige Protagonistin. Hanna (Banafshe Hourmazdi) steht mit 25 Jahren an einem Wendepunkt. Das Literatur-Studium ist erfolgreich abgeschlossen, einen Job hat sie ebenso wenig in Aussicht wie eine feste Beziehung. Und weil ihrer langjährigen Altbau-WG in Berlin wegen Eigenbedarf gekündigt wurde, steht nun der – hoffentlich vorübergehende – Umzug zurück zu den Eltern in Bielefeld an.

Das zufällige Wiedersehen mit der Ex

Als wäre das nicht aufwühlend genug, läuft sie ausgerechnet in dieser Zeit zufällig ihrer verflossenen großen Liebe in die Arme: Franzi (Lena Klenke), mit der sie schon vor dem Abi zusammengekommen und gemeinsam nach Berlin gezogen war, wo man sich schließlich irgendwann auseinanderlebte.

Das Wiedersehen mit der Ex (und deren neuer Freundin) löst für Hanna einen "trip down memory lane" aus. Tagelang lässt sie ihre bisherigen Liebschaften gedanklich an sich vorüberziehen, von der bisexuellen Lara (Emma Drogunova), mit der der Sex super war, aber der Alltag aus zu viel Party bestand, über die charismatische, aber nicht wirklich interessierte Sängerin Anouk (Larissa Sirah Herden) und der Affäre mit der Chefin (Karin Hanczewski) im Verlagspraktikum bis hin zur Ärztin Sarah (Soma Pysall, gerade auch in "Para – Wir sind King" zu sehen), mit der es nicht nur deswegen nicht klappt, weil Sarah für einen Job ins Ausland geht.


Sarah (Soma Pysall, r.) fällt es schwer, Hannas Zuneigung in der Öffentlichkeit zu erwidern(Bild: ZDF / Marcus Glahn)

Sechs Folgen ist "Loving Her" lang, jede von ihnen ist einer dieser Frauen gewidmet, womit das ZDF der niederländischen Serie "Anne+" folgt, die hier als Vorlage diente. Die episodische Struktur funktioniert dabei ziemlich gut: durch das Setzen ausgewählter Schlaglichter auf Hannas Liebesleben entsteht ein durchaus stimmiges Bild einer modernen jungen Großstadt-Existenz.

Mit nur rund zehn Minuten sind die Folgen zu kurz

Nur dass jede Folge lediglich rund zehn Minuten lang ist, ist ein wenig bedauerlich. So begrüßenswert knackig-knappes Erzählen ist, wäre hier ein bisschen mehr Raum (sei es mit längeren Episoden oder doch einem Spielfilm-Format) wünschenswert gewesen. Einfach weil man gerne noch ein bisschen mehr Zeit mit Hanna verbracht und ihr Umfeld (von den Verflossenen bis hin zu den Mitbewohner*innen) etwas besser kennen gelernt hätte.


Lara (Emma Drogunova, l.) hat vor allem drei Dinge im Kopf: Party, Sex und Drogen (Bild: ZDF / Marcus Glahn)

Regisseurin Leonie Krippendorff, die erst im vergangenen Jahr mit "Kokon" ein nicht nur queeres Kino-Publikum begeisterte, schrieb gemeinsam mit Marlene Melchior auch die Drehbücher, doch die Dialoge sind weniger die Stärke von "Loving Her" als die atmosphärische Inszenierung und die emotionale Wahrhaftigkeit der Geschichte.

Absolut sehenswert sind auch die Schauspielerinnen. Banafshe Hourmazdi, die 2020 auch in "Futur Drei" begeisterte, legt eine bemerkenswerte Präsenz an den Tag und sollte schleunigst jede Menge weitere Hauptrollen bekommen. Und in den Nebenrollen glänzen unter anderem Lena Klenke ("How to Sell Drugs Online (Fast)"), Emma Drogunova (aktuell mit dem queeren Liebesgeschichte "Bonnie und Bonnie" auch in der ARD-Mediathek vertreten), "Tatort"-Kommissarin und #ActOut-Mitinitiatorin Karin Hanczewski sowie Jasmin Tabatabai.

Infos zur Serie

Loving Her. Instant-Dramaserie.Deutschland 2021. Regie: Leonie Krippendorf. Darstellerinnen: Banafshe Hourmazdi, Lena Klenke, Emma Drogunova, Larissa Sirah Herden, Karin Hanczewski, Soma Pysall. Laufzeit: 6 Folgen à ca. 10 Minuten. Ab 1. Juli 2021, 10.00 Uhr, für ein Jahr in der ZDF-Mediathek abrufbar. Alle Folgen sind am 3. Juli 2021 ab 21.40 Uhr in ZDFneo zu sehen.
Galerie:
Loving Her
23 Bilder


#1 DramaQueen24Ehemaliges Profil
  • 30.06.2021, 14:07h
  • Ohne auch nur eine Folge gesehen zu haben, denke ich, dass die Drehbücher gut gemacht und strukturiert sind, und die Umsetzung weit besser gemacht zu sein scheint, als das schwule Pendant der ARD.
  • Antworten » | Direktlink »