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Homophobe Kampagne
Russischer Außenminister wirft Westen "aggressive LGBT-Propaganda" vor
Sergei Lawrow greift in einem Essay den verhassten Westen an – und nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau. So behauptet er, dass Schulkinder "in manchen westlichen Ländern" lernen würden, dass Jesus bisexuell ist.

Russlands Außenminister Sergei Lawrow hat bereits mehrfach gegen Schwule und Lesben Stimmung gemacht (Bild: The Official CTBTO Photostream / flickr)
- 30. Juni 2021, 13:26h 3 Min.
Der langjährige russische Außenminister hat in einem Essay westlichen Ländern vorgeworfen, die Weltordnung nach Gutdünken diktieren zu wollen, unter anderem mit "LGBT-Propaganda". So versuchten die USA und deren Anhänger Russland und China in die Schranken zu weisen. Der Text war zunächst in der Zeitung "Kommersant" erschienen. Das russische Außenministerium veröffentlichte außerdem auf seiner Website eine in vier Sprachen übersetzte Version des Textes, darunter auch auf Deutsch.
Wörtlich schrieb Lawrow laut der deutschen Übersetzung:
In manchen westlichen Ländern wird Schulkindern erzählt, dass der Jesus Christus bisexuell gewesen wäre. Die Versuche vernünftiger Politiker, Kinder vor der aggressiven LGBT-Propaganda zu schützen, stoßen im "aufgeklärten Europa" auf kampflustige Proteste. Dabei werden die Grundlagen aller Religionen, der Gencode der wichtigsten Zivilisationen der Welt angegriffen. Die USA führen die offene Einmischung des Staates in die Angelegenheiten der Kirche an, indem sie sich unverhohlen für Spaltung der globalen Orthodoxie einsetzen, deren Werte sie als großes geistiges Hindernis bei der Umsetzung der liberalen Konzeption der grenzenlosen Freizügigkeit betrachten.
Die Beharrlichkeit, ja die Sturheit, mit der der Westen seine "Regeln" aufzwingt, ist einfach unglaublich. Es ist ja klar, dass es innenpolitische Überlegungen gibt, dass man den Wählern im Vorfeld von neuen Wahlen (und in den USA finden sie alle zwei Jahre statt) zeigen will, wie "cool" man in der Außenpolitik ist, wenn es um Widerstand [gegen] "autoritäre Gegner" geht.
Lawrow erklärte in seinem Text nicht, in welchen Ländern die Bisexualität von Jesus Christus auf dem Lehrplan stehe. Seine Quelle war laut einem russischen Online-Portal offenbar ein via TikTok verbreitetes Video, in dem Kinder darüber sprechen, dass in der Schule Jesus als nichtbinär und bisexuell beschrieben worden sei. Allerdings gibt es keinerlei weitere Informationen dazu.
Lawrow attackiert EU
In dem Artikel greift Lawrow besonders scharf die Europäische Union an, deren Politik wie die der Nato "auf Unterwerfung anderer Regionen der Welt ausgerichtet" sei. Die EU und die Nato sähen sich in einer "globale 'Messias'-Rolle", so Lawrow weiter. Die oft zweifelhafte internationale Rolle Russlands – etwa der mutmaßlich von Moskau beauftragte Mord am Georgier Selimchan Changoschwili 2019 in Berlin – sprach Lawrow dagegen ebenso wenig an wie die Vergiftung und spätere Inhaftierung des russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny.
Lawrow ist bereits seit 2004 Außenminister der Russischen Föderation. Der 71-Jährige hat sich bereits mehrfach homophob geäußert. 2018 verglich er etwa vor Studierenden in Minsk Homosexuelle mit Pädophilen und Terroristen (queer.de berichtete).
Zudem wurde Lawrow mehrfach vorgeworfen, dass er versucht habe, mit offensichtlichen Lügen westliche Länder zu destabilisieren und das Vertrauen in demokratische Institutionen zu schwächen. 2016 erfand das russische Staatsfernsehen etwa die Vergewaltigung eines russlanddeutschen Mädchens durch "Südländer", woraufhin Lawrow den deutschen Behörden "Vertuschung" vorwarf. (dk)















Mich frustriert, dass laut Civey Umfrage
56% der Deutschen glauben nicht, dass Russland unter Putin eine Gefahr für Deutschland darstellt.
Knapp 57 % siind dafür, Russland in die G7-Staaten aufzunehmen.