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Katholische Kirche

Bischof Genn: "Bin ganz und gar auf der Seite der Homosexuellen"

Der Münsteraner Bischof bringt eine Entschuldigung seiner Kirche gegenüber sexuellen Minderheiten ins Spiel.


Bischof Felix Genn erkennt an, dass die Kirche mit ihrer homosexuellenfeindlichen Haltung viele Menschen verletzt habe (Bild: Bistum Münster)

Bischof Felix Genn aus Münster hat sich für einen menschlicheren Umgang der katholischen Kirche mit Schwulen und Lesben ausgesprochen. In einem am Donnerstag im Portal kirche-und-leben.de veröffentlichten Interview erklärte der 71-Jährige: "Dass sich homosexuelle Menschen verletzt fühlen, kann ich sehr gut verstehen. Ich glaube schon, dass die Kirche zu dieser Thematik etwas sagen sollte."

Es stelle sich die Grundfrage, wie die katholische Kirche mit Menschen umgehe: "Das gilt grundsätzlich, aber noch einmal besonders mit Blick auf homosexuelle Menschen, die über Jahre und Jahrzehnte durch Äußerungen der Kirche verletzt wurden", so Genn.

In dem Interview verglich der Bischof auch den kirchlichen Umgang mit Schwulen und Lesben mit dem Ausschluss von Frauen von Kirchenämtern: "Wenn man den Aspekt der Gerechtigkeit betrachtet, bin ich ganz und gar auf der Seite der Frauen und auch auf der Seite der homosexuellen Menschen. Es geht bei diesen Fragen nicht nur um Moral oder Dogmatik."

Genn erklärte weiter, dass bei der vatikanischen Familiensynode 2015 aus der deutschsprachigen Gruppe vorgeschlagen worden sei, dass sich die Kirche bei homosexuellen Menschen entschuldigen solle. "Dieser Text wurde nicht in das Abschlussdokument aufgenommen", so Genn. Er sprach nicht darüber, dass sich die Kirche damals keinen Schritt auf Homosexuelle zubewegt hatte. Der Vatikan bekräftigte bei der Familiensynode vielmehr, dass Homo-Paare im "Plan Gottes" nicht vorgesehen seien (queer.de berichtete).

"Ich würde mich freuen, wenn wir darüber sprechen könnten"

Zudem sagte Genn, dass die kirchliche Entschuldigung für die Abwertung Homosexueller seines Wissens nach Thema beim Synodalen Weg, einem Gesprächsformat innerhalb der deutschen katholischen Kirche, sei. "Ich würde mich freuen, wenn wir darüber sprechen könnten", erklärte er.

"Wenn man den Aspekt der Gerechtigkeit betrachtet, bin ich ganz und gar auf der Seite der Frauen und auch auf der Seite der homosexuellen Menschen." Bischof Felix im großen Sommerinterview mit Kirche und Leben.

Posted by Bistum Münster on Thursday, July 1, 2021
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Der Münsteraner Bischof gilt heute als relativ offen gegenüber Homosexuellen. Er hatte im März vorsichtig das vom Vatikan erneuerte Segnungsverbot für homosexuelle Paare kritisiert. Damals erklärte er auf der Website seines Bistums, dass es notwendig sei, "die Lehre der Kirche im Dialog mit der Lebenswirklichkeit der Menschen und den Einsichten der Humanwissenschaften weiter zu entwickeln".

Genn profilierte sich früher als Homo-Gegner

In der Vergangenheit war aber auch Bischof Genn robust gegen die Anerkennung Homosexueller vorgegangen: Als die evangelische Kirche 2013 in einem Dokument gleichgeschlechtliche Beziehungen als "gleichwertig" bezeichnet hatte, drohte er mit Konsequenzen für die Ökumene (queer.de berichtete). 2017 untersagte er persönlich einem Pfarrer, ein schwules Paar während eines Gottesdienstes zu segnen (queer.de berichtete). Im selben Jahr behauptete er auch, das staatliche Ehe-Verbot für Schwule und Lesben sei keine Diskriminierung (queer.de berichtete).

Zwar gibt es insbesondere in der katholischen Kirche in Deutschland viel Widerstand gegen die homophobe Linie aus Rom, speziell beim Thema Segnungen. Zuletzt gab es aber auch viele Anzeichen, dass die Daumenschrauben gegen Homosexuelle nicht gelockert werden. So bekräftigte der mächtige Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki das gegen Schwule und Lesben gerichtete Segnungsverbot.

Gleichzeitig kämpft die Kirche weiter weltweit gegen weltliche LGBTI-Rechte: Letztes Jahr feierte es die Kirche im mittelamerikanischen Belize etwa als Erfolg, dass ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz verhindert werden konnte, und warnte vor einer Normalisierung des "LGBT-Lebensstils" (queer.de berichtete). In Italien versucht der Vatikan gegenwärtig, ein ähnliches Antidiskriminierungsgesetz zu verhindern (queer.de berichtete). (dk)



#1 Sven100Anonym
  • 02.07.2021, 11:15h
  • Die Bischöfe aus Münster, Essen, Trier, Mainz und Hildesheim haben sich nur deswegen geändert, weil wir hier in Mitteleuropa in einer Zeit leben, in der eine liberalere Haltung gefordert wird. Das hängt viel von dem jeweiligen Papst ab, obwohl dieser wegen der Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika nicht zu liberal sein kann.
    Warten wir ab, wer der nächste Papst nach Franziskus sein wird. Ich persönlich fürchte, dass das ein Papst sein wird, der wieder die Räder zurück drehen und dort weitermachen wird, wo Ratzinger aufgehört hat.
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#2 Taemin
  • 02.07.2021, 11:20h
  • Queere Menschen "fühlen sich" nicht verletzt, sondern sie sind verletzt und werden verletzt von der kath. Kirche, und eine "Entschuldigung" ist Heuchelei, so lange die Hetze ungebremst weitergeht. Und abgesehen von allem anderen, auch von vielleicht wirklich vorhandenem guten Willen einzelner Bischöfe: Es ist ganz einfach zu spät und zu wenig. Die kath. Kirche und LSBTI - das passt nun mal nicht zusammen. Wie will man Hass und Liebe unter einen Hut kriegen?
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#3 Dizzy71Anonym
  • 02.07.2021, 11:21h
  • Vom Saulus zum Paulus. Es ist doch komplett lächerlich, noch vor vier Jahren komplett konträre "Positionen" gehabt zu haben und jetzt ist alles dufte?
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#4 TrekieAnonym
  • 02.07.2021, 13:23h
  • Ist einfach mal zu spät - insbesondere die katholische Kirche kann nir reformiert werden indem sie aufgelöst wird und dären gewaltiges Vermögen zur Entschädigung all ihrer Opfer aufgebraucht wird. Und wie viele es davon gibt... tausende Jahre Scheiterhaufen für LGBT und gleichzeitig gefühlt hinter jeder katholischen schule ein Friedhof voll toter Kinder. Denen darf man einfach nichts mehr glauben, und echte Reformer gibt es in dem Verein einfach nicht
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#5 SebiAnonym
  • 02.07.2021, 14:48h
  • Mal ganz abgesehen davon, dass solche Worte erst dann kommen, wenn die Mitglieder in Scharen davon rennen. Das macht das Ganze sehr durchschaubar.

    Aber zusätzlich: Wer "ganz und gar" auf unserer Seite ist, lehnt auch jede Art von Diskriminierung und Schlechterstellung ab. Dann muss man eigentlich auch die kirchliche Eheöffnung fordern, statt uns mit einer "Segnung" abspeisen zu wollen, die auch Tiere, Gebäude, Gegenstände und sogar Waffen zuteil wird.

    Aber ganz ehrlich:
    Vielen ist das eh egal. Glückliche, mündige Menschen brauchen nicht das OK anderer für ihr Leben und ihre Liebe.

    Mir würde es schon genügen, wenn die Kirche sich einfach aus Politik raushalten würde. Und zwar weltweit. Die sollen weiter in ihrem Club machen, was sie wollen und dann kann jeder selbst entscheiden, ob er da Mitglied sein will oder nicht. Aber die sollen sich einfach nicht mehr in Politik einmischen und nicht Leuten, die dort nicht mal Mitglied sind, Vorschriften machen wollen.
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#6 swimniAnonym
  • 02.07.2021, 17:58h
  • verletzt?

    sie wurden sozial, physisch und psychisch zerstört!!!

    Herr Genn, so einfach geht das nicht!
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#7 LegatProfil
  • 02.07.2021, 22:20hFrankfurt am Main
  • "Ich würde mich freuen, wenn wir darüber sprechen könnten"

    Vielleicht möchten Herr Bischof "ergebnisoffen" darüber diskutieren, ob Homosexuelle zu diskriminieren nicht vielleicht doch OK sein könnte?

    Nein!
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#8 zundermxeAnonym
  • 03.07.2021, 09:24h
  • Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte!
    An keiner Organisation klebt soviel Verbrechen, Blut und Leid.
    Ungestraft und oft sogar ins Gegenteil verklärt.
    Aufhören sich übers (eventuell stattfindende) Reden zu freuen und endlich mal machen.
    Ansonsten ist der feine Herr Bischof faktisch um Nichts besser als die Kirche, für die er steht.
    Soll seine nicht mal drollige PR machen, wenn er was vorzuweisen hat.
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#9 andyAnonym
  • 04.07.2021, 13:59h
  • Durch die Blume will er sagen, ich bin doch auch schwul.... Man schaue sich ein Video von dem an... Alles klar?!
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