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queerfilmnacht

Wahre Liebe im Bordell

Die Kinos öffnen mit einem authentischen Film, dessen lesbische Geschichte so noch nicht zu sehen war: In "Glück", dem zweiten Spielfilm von Henrike Kull, verlieben sich zwei selbstbestimmte Sexarbeiterinnen ineinander – so heftig wie nie zuvor.


"Glück" erzählt die mitreißende Liebesgeschichte der beiden Sexarbeiterinnen Sascha und Maria (Bild: Salzgeber)
  • Von Fabian Schäfer
    4. Juli 2021, 05:37h, noch kein Kommentar

Hässliche Leute, hässliche Hunde, hässliche Orte, hässliche Meinungen. So beschreibt Sascha ihre Heimat Brandenburg. "Aber mein Sohn lebt dort." Das Aber hätte auch ein "Und" sein können. Denn zu ihrem Kind hat die 42-jährige Sexarbeiterin nie eine richtige Beziehung aufbauen können.

Maria, fast 20 Jahre jünger, kommt aus Gratosoglio, einem Hochhaus-Stadtteil, der gerade noch so zu Mailand gehört. Die Italienerin ist neu in Berlin, arbeitet wie Sascha im Bordell Queens. Sascha ist auf Anhieb fasziniert von Maria, von ihrer Unangepasstheit, ihren Tattoos, den dichten Achselhaaren. Sie selbst ist ganz anders, irgendwie charismatisch und beliebt, aber auch durch, als hätte sie die besten Tage schon hinter sich.

Glück, sagt Sascha, kenne sie nicht


Poster zum Film: "Glück" startet am 22. Juli 2021 regulär im Kino, zuvor gibt es Previews in der queerfilmnacht

Die zwei Frauen flirten miteinander. Sie gehen aus, tänzeln auf der Straße umeinander, kommen sich näher. Was für eine sonnige Nacht, sagt Sascha, die fühlt sich wie Frühling an. Als Maria in den Bus steigt, schaut sie ihr hinterher. Sie fühlt da etwas, was sie lange nicht gefühlt hat.

"Glück" ist der zweite Spielfilm von Henrike Kull, den die Regisseurin und Drehbuchautorin mit einem fast ausschließlich weiblichen Team geschaffen hat. Einen "Liebesfilm über zwei Frauen, die nicht – oder nicht mehr – an die Liebe glauben" habe sie drehen wollen, erklärt sie. Von klassischen Liebesfilmen hat sie sich dafür weit entfernt, weder in der Dramaturgie noch in der Rollenverteilung folgt sie den Konventionen.

Ihre Figuren sind komplex, vor allem Sascha ist eine schwer zu fassende Person. Sie handelt oft unverständlich. Wie sie Maria mit aufs brandenburgische Dorffest mitnimmt, dort fast alles zu eskalieren droht, ist nicht ganz nachvollziehbar. Das titelgebende Glück, sagt sie, kenne sie nicht.

Das Bordell ist weder verrucht noch plüschig

Noch nicht? Oder haben – beide, nicht nur Sascha – zu viel Angst vor den unbekannten Gefühlen, die sie stellenweise zu überwältigen drohen? Maria würde ihre Freiheit verlieren, die ihr so wichtig ist. Beide Frauen sind auf ihre Weise abgeklärt und müssen ihren Weg finden, mit der Verbundenheit umzugehen – die so gar nichts zu tun hat mit der käuflichen Liebe, die sie im Queens anbieten.


Für ihren Spielfilm "Glück" hat Autorin und Regisseurin Henrike Kull in unterschiedlichen Bordellen recherchiert (Bild: Salzgeber)

Vom sonst verbreiteten Bild der Sexarbeit löst sich Regisseurin Henrike Kull genauso wie vom bekannten Liebesfilm. Das Queens ist kein verruchter Ort, nicht schmuddelig, überhaupt nicht plüschig. Im Queens wird gearbeitet, um Geld zu verdienen. Die Sexarbeiterinnen sind selbstbestimmt. Gleichzeitig wird vermieden, ein zu idealisiertes Bild zu zeichnen. Es gibt auch unangenehme Situationen.

Das macht "Glück" zu einem authentischen Film, dessen Geschichte so noch nicht zu sehen war. Wie sich die Beziehung von Sascha und Maria entwickelt, ist nicht vorhersehbar. Sie reden wenig miteinander – und schon gar nicht über sich. Dabei hätten sie sich wohl so viel zu sagen.

Infos zum Film

Glück. Drama. Deutschland 2021. Regie: Henrika Kull. Darsteller*innen: Katharina Behrens, Adam Hoya, Nele Kayenberg, Jean-Luc Bubert, Petra Kauner. Laufzeit: 90 Minuten. Sprache: deutsch-englisch-italienische Originalfassung, teilweise mit deutschen Untertiteln. Verleih: Salzgeber. Kinostart: 22. Juli 2021. Zuvor bereits Previews in der queerfilmnacht