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Filmfestival

Paragraf-175-Drama feiert Weltpremiere in Cannes

"Große Freiheit" von Sebastian Meise erzählt von Hans, der im Nachkriegsdeutschland wegen seiner Homosexualität immer wieder eingesperrt wird, aber beharrlich auf der Suche nach Freiheit und Liebe bleibt.


Szene aus "Große Freiheit": Hans (Franz Rogowski, li.) kuschelt mit Leo (Anton von Lucke) im Knast (Bild: FreibeuterFilm)
  • Von Dieter Oßwald
    5. Juli 2021, 17:30h, noch kein Kommentar

"Unsere Hauptfigur Hans steht exemplarisch für die vielen Schicksale von Männern, die immer wieder im Gefängnis landeten, deren Leben und Beziehungen zerstört wurden und deren Geschichten in den Akten der Bürokratie verschwanden", erläutert der österreichische Regisseur Sebastian Meise sein Kino-Debüt "Große Freiheit". Am Donnerstag feiert das Werk seine Premiere beim weltweit wichtigsten Filmfestival von Cannes – zwar nicht im Wettbewerb, dafür in der renommierten Reihe "Un Certain Regard".

Franz Rogowski ("In den Gängen") spielt den homosexuellen Hans, der wegen seiner sexuellen Orientierung im Nachkriegsdeutschland durch den Paragraf 175 kriminalisiert und immer wieder zu Gefängnisstrafen verurteilt wird. Die einzige feste Beziehung im Leben von Hans wird sein langjähriger Zellengenosse Viktor, ein verurteilter Mörder, gespielt von Berlinale-Gewinner Georg Friedrich.

Vom KZ wieder direkt in den Knast


Regisseur Sebastian Meise (Bild: Elsa Okazaki)

"Stellen Sie sich eine Welt vor, in der Liebe per Gesetz verboten ist und mit Gefängnis bestraft wird. Was wie eine Dystopie klingt, war für schwule Männer in Deutschland bis Ende der 1960er Jahre Realität", erläutert der Regisseur im internationalen Presseheft.

"Der Paragraf 175 erlaubte es dem Staat, Homosexuelle zu verfolgen, was er mit großem Aufwand und Akribie tat. Diese bedeutsame historische Tatsache war mir völlig neu, bis ich Berichte über schwule Männer las, die von den Alliierten aus den Konzentrationslagern befreit, aber direkt ins Gefängnis überführt wurden, um ihre Reststrafe zu verbüßen. Die Verfolgung war für sie erst nach Jahrzehnten zu Ende. Das war der Ausgangspunkt für unsere Geschichte."

Meise versteht sein Drama auch als aktuelle Warnung: In jedem dritten Land der Welt werde Homosexualität noch immer bestraft, kritisiert der Regisseur.

Ein deutscher Verleih für "Große Freiheit" ist bereits gefunden, der das österreichische Drama im November 2021 auf die heimischen Leinwände bringen will. Ein Trailer wurde bislang nicht veröffentlicht, in der unten verlinkten Galerie gibt es jedoch einige Stills.

Galerie:
Große Freiheit
8 Bilder