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Deutsche Studie

Fast ein Zehntel der Bevölkerung findet gleichgeschlechtliche Küsse "ekelhaft"

Vorurteile gegen queere Menschen nehmen laut einer neuen Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zwar leicht ab, sind aber immer noch weit verbreitet. Die Autor*innen warnen zudem, dass die gesellschaftliche Mitte anfällig für Hassbotschaften sei.


Küssendes Paar beim CSD: Viele Deutsche haben nach wie vor Probleme mit der Existenz sexueller und geschlechtlicher Minderheiten (Bild: Khaki / flickr)

Viele Menschen in Deutschland haben immer noch Vorbehalte gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten, allerdings seien diese Haltungen eher rückläufig. Das geht aus der Studie "Die geforderte Mitte" der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung hervor, die vergangenen Monat veröffentlicht wurde (PDF). Der Aussage "Es ist ekelhaft, wenn Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen" stimmen demnach fünf Prozent der Bevölkerung "voll und ganz" zu. Weitere vier Prozent halten diese Aussage für "eher zutreffend". Zwölf Prozent antworteten mit "teils/teils", halten diese Aussage aber zumindest teilweise für richtig. 20 Prozent stimmten dagegen eher nicht zu, 60 Prozent überhaupt nicht.

Der Lesben und Schwulenverband verweist angesichts des heutigen "Tages des Kusses" auf diese Studie und erklärt: "Wenn vor jedem verliebten Blick, vor einer Umarmung, vor einem Kuss im öffentlichen Raum zuerst die Umgebung gecheckt werden muss, ist das eine erhebliche Einschränkung von Freiheit."

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Bei einer EU-Umfrage aus dem Jahr 2019 war sogar herausgekommen, dass rund ein Viertel der Deutschen Probleme mit gleichgeschlechtlichen Küssen in der Öffentlichkeit hat (queer.de berichtete). Hier war aber gezielt nach öffentlichen Liebkosungen gefragt worden und das abwertende Wort "ekelhaft" nicht verwendet worden.

Weitere Ergebnisse der neuen Studie: Die Aussage "Homosexualität ist unmoralisch" unterstützen sechs Prozent der deutschen Bevölkerung, der Aussage "Ich finde es albern, wenn ein Mann lieber eine Frau sein will oder umgekehrt, eine Frau lieber ein Mann" stimmen sogar elf Prozent zu. 14 Prozent fordern zudem, dass trans Menschen versuchen sollten, "nicht so aufzufallen".

Viele Deutsche befürchten "Homo-Propaganda"

Auch die von der AfD verbreitete Mär von böser "Homo-Propaganda" in Schulen hält mehr als jede und jeder sechste Deutsche für Realität: So befürworteten 17 Prozent die Aussage: "Das ganze Gerede von sexueller Vielfalt verhindert, dass Kinder sich normal entwickeln." Weitere 18 Prozent antworteten mit "teils/teils".

Insgesamt nähmen LGBTI-feindliche Vorurteile laut der Studie jedoch ab: So seien abwertende Haltungen im Vergleich zur Studie vor zwei Jahren leicht gesunken, ebenso wie andere gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wie Rassismus, Sexismus oder die Abwertung Wohnungsloser. Antisemitismus nehme in Deutschland aber wieder zu, so die Autor*innen. Zudem gebe es einen "größeren Teil an ambivalenten 'Teils/teils'-Zustimmungen". Diese seien relevant, "weil jene, die den Vorurteilen 'teils/teils' zustimmen, den Zustimmenden ähnlicher sind als jenen Befragten, die die vorurteilslastigen Aussagen ablehnen". Ambivalenz und zunehmende demokratiefeindliche Einstellungen seien ein Anlass zur Sorge.

Große Unterschiede bei gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit gibt es zwischen Anhänger*innen der demokratischen Parteien auf der einen sowie Fans der AfD auf der anderen Seite. Auch viele Nichtwähler*innen zeigten überdurchschnittlich häufig Vorurteile gegen Minderheiten. Am wenigsten abwertend gegenüber homosexuellen und trans Menschen sind laut der Studie FDP-Anhänger*innen eingestellt.


(Bild: Friedrich-Ebert-Stiftung)

Die Autor*innen warnen, dass die augenblicklich Toleranz gegenüber vielen Minderheiten in großen Teilen der Bevölkerung nicht in Stein gemeißelt sei: "Populismus ist auch in Teilen der Mitte anschlussfähig und die Mitte kann bei auch dort schwelenden Ressentiments abgeholt werden."



#1 AlexAnonym
  • 06.07.2021, 11:36h
  • Weniger als 10% ist nicht so dramatisch, aber natürlich immer noch zu viel. Da solche Leute eben oft auch mobben oder gar gewalttätig werden.

    Homophobie muss endlich ausgerottet werden.
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#2 Ja gutAnonym
  • 06.07.2021, 11:48h
  • Antwort auf #1 von Alex
  • Hat ja beim Sexismus und Rassismus schon gut geklappt @ ausrotten.... oO diese "wir haben uns alle lieb" utopie ist schlicht unvereinbar mit der Realität der Menschlichkeit , diese wunderschöne Idee von "Menschenrechten" ist ja kein Naturgesetz sondern am Ende des Tages auch "nur" ein menschlich erdachtes Konstrukt welches von Individuen sowie Gesellschaft auch erstmal angenommen werden muss...

    Von daher finde ich 10 % eigentlich überraschend positiv, auch wenn es in Wirklichkeit wahrscheinlich dann doch eher 20% sind....
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#3 LegatProfil
  • 06.07.2021, 12:01hFrankfurt am Main
  • 10% erscheint mir extrem wenig. Ich denke hier sind viele nicht mehr ehrlich, weil sie nicht als homophob gelten wollen, rein aus Angst vor persönlichen Nachteilen die daraus entstehen könnten. Darauf müssen wir stets achten, denn sollte das gesellschaftliche Klima mal wieder zu unseren Ungunsten umschwingen, sind diese Leute bei den Ersten, die wieder die Fackeln und Mistgabeln rausholen.
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#4 SakanaAnonym
  • 06.07.2021, 12:16h
  • Ich finde, dass sich vieles gesellschaftlich durchaus verbessert hat in den letzten Jahrzehnten, was die Anerkennung schwuler, lesbischer, bisexueller queerer und Trans*-Lebenswesen anbetrifft, bin aber auch noch der Überzeugung, dass das Diktum von Rosa von Praunheim und Martin Dannecker in ihrem Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" aufwirft, nach wie vor aktuell für alle betroffenen Gruppen ist.... und das bedeutet, immer politisch sensibel und aktiv auf Schwingungen in der Gesellschaft reagieren und sich keiner unbedingten complacency hinzugeben, selbst wenn man als schwuler Weißer cis-Mann vielleicht mehr Vorteile genießt, weil man vielleicht "unsichtbar" werden oder in der Gesellschaft besser "untertauchen" kann...
    Deshalb gieße ich etwas Wasser in den ansonsten sehr leckeren Wein...
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#5 seb1983
  • 06.07.2021, 12:22h
  • Antwort auf #3 von Legat
  • Jede Studie dieser Art hat eine Fehlerquote und tendiert zu sozial erwünschten Antworten.

    Doch selbst wenn man das mit einbezieht, im Vergleich zu Umfragen etwa bezüglich Antisemitismus sind solche Werte extrem niedrig. Da schlackern mir jedes mal die Ohren.
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#6 FischerAnonym
  • 06.07.2021, 12:53h
  • Antwort auf #3 von Legat
  • Das war genau mein Gedanke. 10%, das passt vorne und hinten nicht. Man muss es doch nur mal zwei in irgendeiner Innenstadt machen lassen und genau hinsehen, wer das Gesicht verzieht. Da wird man mit dieser Zahl nicht auskommen.
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#7 PhoebeEuleAnonym
  • 06.07.2021, 13:18h
  • Was soll ich dazu sagen?
    Auf der einen Seite finden es Menschen ekelhaft, wenn ich meine Frau küsse.
    Auf der anderen Seite finde Menschen es albern, dass ich eine transgeschlechtliche Frau bin und ich solle nicht so auffällig sein.
    Und unter solchen Bedingungen soll ich leben? Ausgrenzung als Normalzustand.
    Da ist es auch nicht wirklich positiv, dass die Akzeptanz leicht zu genommen hat.
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#8 PetterAnonym
  • 06.07.2021, 13:40h
  • Wie kann man etwas gegen die Liebe und das Glück anderer haben? Die einzige Erklärung ist, dass solche Menschen dermaßen vom Hass zerfressen sind, dass das der pure Neid auf das Glück anderer Menschen ist.
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#9 DramaQueen24Profil
  • 06.07.2021, 13:53hBerlin
  • Ich finde "Abschlabberküsse" ekelhaft, egal, ob heterosexuell oder homosexuell. Vor allem, wenn sie in der Öffentlichkeit geschehen, da solche Küsse meiner Meinung nach dafür zu intim sind.
    "Normale" Küsse, die Liebe und Zuneigung ausdrücken, egal, ob heterosexuell oder homosexuell, sind doch okay. Wer etwas dagegen hat, sollte sich einem Toleranz-mäßig untersuchen lassen.
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#10 PhoebeEuleAnonym
  • 06.07.2021, 13:59h
  • Antwort auf #8 von Petter
  • Ich fürchte die Antwort ist wesentlich komplizierter, weil es um Koerenz im eigenen Weltbild geht.
    Wenn sich die Realität anders verhält als sie im eigenen Kopf sein sollte, dann werden einfache Lösungen gesucht, damit das Gehirn nicht mit komplexen Gedankengängen belastet wird.
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