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"Homo-Propaganda"-Gesetz

EU-Parlament verurteilt mit überwältigender Mehrheit Ungarn

Während Viktor Orbán und seine Fidesz-Partei weiterhin unbeirrt am LGBTI-feindlichen "Propaganda"-Gesetz festhalten, fordern die Europaabgeordneten Konsequenzen für "staatlich geförderte LGBTIQ-Phobie".


Erst im März hatte sich die EU zur "LGBTIQ-Freiheits-Zone" erklärt (queer.de berichtete). Doch LGBTI-Rechte und -Menschen werden in einigen Ländern zunehmend angegriffen (Bild: RemyBonny / twitter)

  • 8. Juli 2021, 14:53h 9 4 Min.

Das Europaparlament hat am Donnerstag mit deutlicher Mehrheit einen Entschließungsantrag angenommen, in dem von der Kommission deutliche Schritte gegen Ungarn wegen seines neuen "Homo-Propaganda"-Gesetzes gefordert werden. 459 Abgeordnete stimmten dafür, 147 dagegen. Es gab 58 Enthaltungen.

In dem Antrag wird attestiert, dass gegen Ungarn "dringend Maßnahmen zur Verteidigung der in Artikel 2 EUV verankerten Werte" im Europäischen Rat und der EU-Kommission notwendig seien. Wörtlich heißt es in dem zitierten Lissabonner Vertrag, der auch von Ungarn anerkannt wird: "Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören."

/ LGBTIintergroup

Die EU-Abgeordneten möchten mit dem Antrag unter anderem erreichen, dass Ungarn Mittel gekürzt werden, sollte das Land nicht die Grundrechte von LGBTI anerkennen. Man bekräftige den "Standpunkt zu der Verordnung über den an die Rechtstaatlichkeit geknüpften Konditionalitätsmechanismus, die am 1. Januar 2021 in Kraft getreten ist." Die Auszahlung von Mitteln aus dem EU-Haushalt wird damit direkt an die Rechtsstaatlichkeit in den Mitgliedstaaten geknüpft. Ein von den Parlamentarier*innen in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten kam bereits zu dem Ergebnis, dass Mittelkürzungen für Ungarn möglich sind (queer.de berichtete).

"Rückbau der Grundrechte"

Die Abgeordneten kritisieren in dem Antrag ferner die Nähe des ungarischen Gesetzes, das ein "weiteres Beispiel" für den "graduellen Rückbau der Grundrechte in Ungarn" sei, zur LGBTI-feindlichen russischen Rechtsprechung. Wörtlich heißt es, man sei "besorgt darüber, dass das Gesetz dem russischen Gesetz von 2013 über sogenannte LGBT-Propaganda ähnelt, mit dem der LGBTIQ-Gemeinschaft in Russland schwerer Schaden zugefügt wurde". Beklagt wird, dass "organisierte staatlich geförderte LGBTIQ-Phobie und Desinformationskampagnen zu Instrumenten der politischen Zensur durch die ungarische Regierung geworden sind".

Das Mitte Juni vom ungarischen Parlament beschlossene Gesetz untersagt gegenüber Minderjährigen die "Bewerbung" oder auch nur die Darstellung von Homo- oder Transsexualität in Büchern, Filmen und anderen Medien, Werbekampagnen sowie Schulen. Die Fidesz-Partei des rechtsnationalistischen Regierungschefs Viktor Orbán hält trotz scharfer Kritik an dem Gesetz fest. Sie behauptet, das Gesetz schütze das Recht der Eltern, über die sexuelle Aufklärung ihrer Kinder zu entscheiden.

Der EU-Antrag fordert hingegen alle Mitgliedsstaaten "und insbesondere Ungarn erneut auf", auch gegenüber Minderjährigen "Zugang zu umfassender Sexual- und Beziehungserziehung sicherzustellen", wobei "die Vielfalt der sexuellen Ausrichtungen, der Geschlechtsidentitäten, der Geschlechtsausdrucksformen und der Geschlechtsmerkmale zum Ausdruck kommen sollte, um auf Stereotypen oder Vorurteilen beruhenden Fehlinformationen entgegenzuwirken".

Der Antrag hatte größtenteils die Unterstützung der Fraktionen von Europäischer Volkspartei, Sozialdemokraten, Liberalen, Grünen und Linken. Dagegen sprachen sich vor allem die rechtspopulistische EKR-Fraktion und die zu großen Teilen rechtsextreme ID-Fraktion aus, der auch die deutsche AfD angehört.

Debatte im Parlament

Über den Antrag und die Lage von LGBTI in Ungarn und Polen hatte das Parlament bereits am Mittwoch debattiert. "Wer glaubt, dass man vom Netflix-Gucken schwul wird, der hat überhaupt nichts verstanden", sagte der FDP-Europaabgeordnete Moritz Körner. Der schwule polnische Sozialdemokrat Robert Biedron berichtete von Angst bei Besuchen in seinem Heimatland. "All diese Hassreden können zu Gewalt führen", sagte er.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen forderte vor dem Parlament Ungarn auf, das am Donnerstag in Kraft getretene "schändliche" Gesetz zu ändern: "Dieses Gesetz nutzt den Schutz der Kinder, dem wir uns alle verschrieben haben, als Vorwand, um Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung schwer zu diskriminieren." Wenn Budapest den Text nicht korrigiere, werde die Kommission rechtliche Schritte ergreifen (queer.de berichtete).

Auch EU-Ratspräsident Charles Michel kritisierte das neue Gesetz scharf. "LGBTQI+-Rechte sind kein Randthema. Sie sind ein konkretes Beispiel dafür, wie eine Gesellschaft zu Diversität steht", sagte Michel in Straßburg. Die Kommission habe Ungarn in einem Schreiben um Klarstellung zu dem neuen Gesetz gebeten, berichtete Justizkommissarin Vera Jourova. Die eingegangene Antwort von Ungarn werde derzeit noch geprüft. (dk)

-w-

#1 FinnAnonym
  • 08.07.2021, 17:42h
  • Ständig werden Konsequenzen gefordert. Aber sie kommen dann nie.

    So war es auch schon bei den Medien- und Justiz-Reformen.

    Die lachen sich über den Goldesel EU kaputt, die ihnen auch noch mit den Geldern die Macht sichern.
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#2 marcocharlottenburgAnonym
#3 FinnAnonym