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Filmfestival

Viel Applaus für Paragraf-175-Drama in Cannes

Franz Rogowski ist in diesem Jahr einer der wenigen deutschen Filmschaffenden bei den Festspielen – und beeindruckt mit dem packenden Film "Große Freiheit", der die Schwulenverfolgung nach 1945 thematisiert.


Franz Rogowski spielt den schwulen Hans, der wegen seiner Homosexualität schon im KZ saß und auch im Nachkriegsdeutschland immer wieder verurteilt wird (Bild: FreibeuterFilm)

Ein Drama über die Unterdrückung von Homosexuellen in Deutschland mit Franz Rogowski in der Hauptrolle hat beim Filmfestival Cannes berührt. Der Schauspieler Rogowski verkörpert in dem Film "Große Freiheit" einen schwulen Mann, der im Nachkriegsdeutschland wegen seiner Homosexualität und Paragraf 175 immer wieder ins Gefängnis muss (queer.de berichtete). Das Werk des österreichischen Regisseurs Sebastian Meise feierte am Donnerstagabend Premiere. Am Ende gab es vom Publikum langen und herzlichen Applaus.

Der 35-jährige Rogowski ist in diesem Jahr einer der wenigen deutschen Filmschaffenden, die mit einem Werk bei den Internationalen Festspielen Cannes sind. "Schwule Liebe war rechtlich bis Mitte der 90er Jahre verboten in Deutschland", sagte Rogowski ("Undine", "Happy End") der Deutschen Presse-Agentur. "Die Generation unserer Eltern hatte noch Angst vor Schwulen, weil Deutschland ihnen beigebracht hat, dass Schwulsein kriminell ist."

Eine Beziehung mit einem verurteilten Mörder


Regisseuer Sebastian Meise (Bild: Elsa Okazaki)

Mittlerweile seien wir zwar "schon ganz aufgeklärt", "aber die Geschichte wirkt in uns", fand der in Freiburg geborene Schauspieler. "Deutschland hat den Paragraf 175 120 Jahre lang kultiviert. Deswegen beschäftigt uns das Thema noch heute." Der Paragraf 175 aus dem deutschen Strafgesetzbuch stellte Sex zwischen Männern ab 1872 unter Strafe. Die von den Nazis verschärfte Fassung wurde von der Bundesrepublik übernommen. Komplett gestrichen wurde der Paragraf erst im Jahr 1994.

Rogowski spielt in "Große Freiheit" Hans, der zunächst von den Nationalsozialisten und auch die folgenden Jahrzehnte regelmäßig wegen seiner Homosexualität verurteilt wird. Im Gefängnis trifft er auf den verurteilten Mörder Viktor (Georg Friedrich), der ihn anfangs verachtet. Dann aber nähern sich die Männer an und es entsteht eine enge Bindung. Regisseur Meise zeigt, wie Hans menschenunwürdig behandelt wird, sich nach Liebe und Nähe sehnt – und ihm all das verwehrt wird, nur weil er Männer mag.

Gedreht wurde u.a. in Magdeburg

"Große Freiheit" wird beim Festival Cannes in der renommierten Nebenreihe "Un Certain Regard" gezeigt, obwohl er sicher auch Chancen im Wettbewerb des Festivals gehabt hätte. Es ist eine deutsch-österreichische Ko-Produktion, an der unter anderem die Firma Rohfilm Productions beteiligt war. Gedreht wurde den Angaben zufolge viel in einem ungenutzten Gefängnis in Magdeburg. Weitere Dreharbeiten fanden in Berlin und Österreich statt.

Ein deutscher Verleih für "Große Freiheit" ist bereits gefunden, der das Drama im November 2021 auf die heimischen Leinwände bringen will. Ein Trailer wurde bislang nicht veröffentlicht, in der unten verlinkten Galerie gibt es jedoch einige Stills. (cw/dpa)

Galerie:
Große Freiheit
8 Bilder


#1 goddamn liberalAnonym
  • 09.07.2021, 21:31h
  • Es ist gut, dass durch diesen Film die unsäglichen Zustände, die im postfaschistischen Deutschland (v.a. im Westen) herrschten, einem internationalen Publikum vermittelt werden, das davon wohl gerade in Frankreich bislang keine Ahnung hat.
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#2 antosProfil
  • 10.07.2021, 13:09hBonn
  • Bin gespannt - allein schon wegen Franz Rogowski (großartig auch - Tipp! - in dem Film >In den Gängen< von Thomas Stuber).
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