Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?39407

Spanien

Vierte Festnahme im Tötungsfall Samuel

Im Fall Samuel ist eine vierte Person festgenommen worden. LGBTI-Aktivist*innen fragen sich unterdessen, ob sich queere Menschen auf mehr Angriffe dieser Art einstellen müssen.


Samuel Luiz Muñiz ist im Alter von 24 Jahren von offensichtlich homophob motivierten Täter*innen zu Tode geprügelt worden

Die spanische Polizei hat am Donnerstag die Festnahme eines vierten Verdächtigen im Fall um die Tötung des schwulen Krankenpflegers Samuel Luiz Muñiz im galicischen A Coruña bekanntgegeben. Laut AFP soll es sich bei dem Festgenommenen um einen Mann im Alter von 20 bis 25 Jahren gehandelt haben. Bereits zuvor waren zwei junge Männer und eine junge Frau als Verdächtige von der Polizei in Gewahrsam genommen worden. Alle vier Personen sollen sich nach Polizeiangaben schon lange gekannt haben, allerdings sei ihnen das 24-jährige Opfer vor der Tat unbekannt gewesen.

Samuel war am Samstag vor einem Nachtclub von einer Gruppe von bis zu zehn jungen Menschen zu Tode geprügelt worden, während diese ihn als "maricón" (Schwuchtel) beschimpften (queer.de berichtete). Nach Angaben des Opfer-Vaters war er mit drei engen Freundinnen ausgegangen, der Hauptverdächtige soll während der Tat stark angetrunken gewesen sein. Die Tötung führte zu landesweiten Demonstrationen in Spanien, bei denen die Polizei teilweise Gewalt gegen die Protestierenden anwendete (queer.de berichtete). Trotz der "Schwuchtel"-Beschimpfungen will die Polizei bislang nicht bestätigen, dass es sich bei der Tat um ein aus Homophobie begangenes Verbrechen handelt.

Sorgen um fragile LGBTI-Toleranz in Spanien

LGBTI-Aktivist*innen sehen die Weigerung der Polizei auch als Beweis für die nach wie vor anhaltende homophobe Grundhaltung in der spanischen Gesellschaft. Der galicische Aktivist Xandre Garrido erklärte etwa, der Angriff sei eine Gegenreaktion auf die politischen Erfolge der LGBTI-Community: "Wann auch immer es gesellschaftlichen Fortschritt gibt, gibt es gewalttätige Gegenwehr", so Garrido. "Wir sind viel sichtbarer geworden, besonders im Pride-Monat. Das macht uns zwar stark, aber auch anfällig für Gewalt." Am selben Wochenende wie die Tötung von Samuel habe im nahgelegenen Santiago de Compostela etwa eine Attacke auf eine trans Frau stattgefunden, vor einem HIV-Zentrum sei außerdem eine Regenbogenfahne verbrannt worden.

Auch aus der Politik gebe es Gegenwehr: So sei nicht nur die extrem homophobe Rhetorik der rechtsextremen Partei Vox, einer Art spanische AfD, für die Gewaltexzesse mitverantwortlich, sondern auch Homo- und Transphobie bei den beiden großen Volksparteien. Als Beispiele nannte er den konservativen galicisischen Ministerpräsidenten Alberto Núñez, der Homophobie als Tatmotiv herunterspielte, oder die transphobe Haltung der sozialdemokratischen Bürgermeisterin von A Coruña, Inés Rey García. Sie hatte erst im April behauptet, trans Männer seien in Wirklichkeit Frauen.

In Berlin findet am Freitagabend ab 18 Uhr eine Mahnwache vor der spanischen Botschaft statt (mehr Infos hier). (dk)

 Update  10.07.: Zwei weitere Festnahmen

Rund eine Woche nach dem gewaltsamen Tod eines jungen Homosexuellen in Spanien hat die Polizei zwei weitere Verdächtige festgenommen. Beide seien minderjährig, teilte die Polizei am Freitag im Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Am Dienstag und Donnerstag waren bereits vier Verdächtige im Alter von 20 bis 25 Jahren, darunter eine Frau, in dem Fall festgenommen worden. Keiner der Verdächtigen habe das Opfer gekannt, erklärte die Polizei. (AFP)



#1 AlexAnonym
  • 09.07.2021, 12:00h
  • " (...) fragen sich unterdessen, ob sich queere Menschen auf mehr Angriffe dieser Art einstellen müssen."

    Statt sich mit dieser Entwicklung abzufinden, sollten wir eher fragen, wie das aufgehalten und wieder rückgängig gemacht werden kann. Und welche Parteien man wählen sollte, denen diese Entwicklung nicht egal ist und die nicht schweigend wegsehen und das aussitzen wollen.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 PessimistAnonym
  • 09.07.2021, 12:14h
  • "stark angetrunken" spekuliert wohl darauf, die Schuldfähigkeit mindern zu wollen, um sich eine milde Strafe zu ergaunern.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Ja genauAnonym
  • 09.07.2021, 12:40h
  • Antwort auf #2 von Pessimist
  • Oder aber er war schlicht "stark angetrunken"... das sollte selbstredend in keiner Weise zu einer mildernen Strafe führen, aber dass das alles korrekt rekonstruiert wird gehört sich für einen Rechtsstaat....!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 PessimistAnonym
#5 Ja genauAnonym
  • 09.07.2021, 17:12h
  • Antwort auf #4 von Pessimist
  • Wenn du mit "Gegenteil" meinst das deine Formulierung von "spekulieren", "wollen" und speziell "ergaunern" unweigerlich darauf schließen lässt das du "stark angetrunken" als erlogene Schutzbehauptung und nicht schlicht als Rekonstruktion der Tatnacht ansiehst, dann ja, ganz eindeutig ja, ich les bei dir das Gegenteil heraus!
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Vater2Anonym
  • 09.07.2021, 18:06h
  • "Stark angetrunken" sollte zu härteren Strafen führen da man es in Kauf nimmt wie eine geladene Waffe durch die Gegend zu ziehen.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 FinnAnonym
  • 10.07.2021, 17:32h
  • Schlimm und unverzeihbar.

    Ich hoffe, dass die Täter mit aller Härte bestraft werden.
  • Antworten » | Direktlink »