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Saarbrücken
LSU spricht sich gegen Queer-Beauftragten aus
Die Lesben und Schwulen in der Union sehen keinen Nutzen in einem städtischen Queer-Beauftragten. Queere Interessen werden in Saarbrücken derzeit von der Frauenbeauftragten behandelt.

Diese Grafik veröffentlichte die LSU Saar am Nachmittag auf ihrer Facebook-Seite (Bild: LSU Saar)
- 9. Juli 2021, 13:51h 3 Min.
Der saarländische Landesverband der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) hat die Einrichtung eines "Queer-Beauftragten" durch die Stadt Saarbrücken abgelehnt. Man möchte lieber "eine echte Diskussion darüber führen, wie Interessen der LSBTIQ-Gemeinschaft in der Landeshauptstadt noch besser Gehör finden können", erklärte der Landesverband am Freitag in einer Pressemitteilung. "Das ist eher eine Frage von Entscheidungswegen und der bewussten Einbindung von Akteuren und Interessenvertretern, die sich mit LSBTIQ-Themen befassen. An dem Punkt wollen wir als LSU ansetzen." Den Posten, den es bereits in Dutzenden deutschen Städten gibt, bezeichneten die queeren Christdemokrat*innen als den eines oder einer "Pseudo-Beauftragten".
"Mit Symbolpolitik ist es nicht getan. Für uns steht daher die Einführung einer/eines Queer-Beauftragten nicht im Vordergrund. Darüber zu streiten bringt uns auch nicht weiter", so der LSU-Landesvorsitzende Thomas W. Schmitt. Mit dem LSVD Saar gebe es schon eine "überparteiliche Bürgerrechtsorganisation", die queere Interessen der Landeshauptstadt einnehme und auch in der Landespolitik aktiv sei. Auf queer.de-Anfrage zeigte sich ein Sprecher des saarländischen Lesben- und Schwulenverbands überrascht und konnte vorerst zum Thema keine Stellung nehmen.
Hintergrund der Ablehnung ist ein Bericht des Saarländischen Rundfunks, wonach die Stadt Saarbrücken anders als das nahegelegene Kaiserslautern einen derartigen Posten ablehne. Zudem lägen keine Forderungen nach einer oder einem derartigen Beauftragen vor. Die LSU machte auch darauf aufmerksam, dass Saarbrücken mitgeteilt habe, dass "queere Interessen über den Aufgabenbereich des Frauenbüros der Stadtverwaltung abgedeckt sind".
Kaiserslautern will Queer-Beauftragte*n etablieren
In Kaiserslautern hatte der Stadtrat in einer Sitzung am 7. Juni beschlossen, dass die Stelle eines oder einer Queer-Beauftragten beauftragt werden solle. Anlass war eine Anregung aus dem Jugendparlament, der Vertretung von Jugendlichen in Kaiserslautern. Dabei soll es sich wohl zunächst um eine halbe Stelle handeln, allerdings abhängig davon, ob diese finanziert werden könne.
Derartige Posten gibt es in der Region bereits in Koblenz und Mainz und deutschlandweit in vielen anderen Gemeinden. Die Stadt Hannover bezeichnet die Aufgabe ihrer Queer-Beauftragen etwa mit den Worten: "Die Beauftragten für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt sind die Ansprechpersonen für alle Fragen zum Thema LSBTIQ bei der Landeshauptstadt Hannover." Dazu erklärte die Landeshauptstadt Niedersachsens stolz: "Vielfalt ist unsere Stärke."
Die Lesben und Schwulen in der Union haben sich in der Vergangenheit wiederholt gegen Forderungen aus dem Rest der queeren Community gestellt. So lehnte die LSU etwa das Berliner Fetisch-Festival Folsom Europe ab, weil dies der heterosexuellen Mehrheitsbevölkerung nicht zu vermitteln sei (queer.de berichtete). Auch das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare wollte der damalige LSU-Bundeschef 2005 verhindern, weil dies angeblich das Kindeswohl gefährden könne (queer.de berichtete). Viele dieser Positionen hat die LSU in der Zwischenzeit geändert. (dk)















