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Thüringen

Ein kleiner CSD kämpft gegen eine Welle von Hass

Zum ersten Mal zieht am Samstag eine CSD-Demonstration durch Altenburg im Osten Thüringens. Gegen die Veranstalter*innen gibt es seit Monaten Beleidigungen, Einschüchterungsversuche und Morddrohungen.


Ein Altenburgerin hängte ein Plakat des CSD in ihr Auto – heraus kam das (Bild: CSD Altenburg)

Es wird bunt, laut – und ein Zeichen gegen Hass: Am Samstag (11.30 Uhr) zieht erstmals eine Parade zum Christopher Street Day (CSD) durch die 32.000-Einwohner*innen-Stadt Altenburg im Osten Thüringens.

Er selbst und das Organisationsteam hätten bei der Planung hunderte Hassbotschaften in sozialen Netzwerken erhalten, sagte Veranstalter Torge Dermitzel der Deutschen Presse-Agentur. Nach Beleidigungen, Einschüchterungsversuchen bis hin zu Morddrohungen hatte im März das Bündnis CSD Thüringen in Verbindung mit weiteren Szeneverbänden zu einer öffentlichen Unterstützung aufgerufen (queer.de berichtete).

"Farbe bekennen – Der Regenbogen kennt kein Braun"

Unter dem Motto "Farbe bekennen – Der Regenbogen kennt kein Braun" soll die Demonstration vom Bahnhof zum Markt ziehen. Dort soll es am Nachmittag ein kulturelles Bühnenprogramm geben. Staatssekretär Torsten Weil will im Namen von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) ein Grußwort sprechen.

Altenburgs Oberbürgermeister André Neumann (CDU), der den CSD grundsätzlich unterstützt, hatte das Motto gegenüber der "Leipziger Volkszeitung" kritisiert: "Dass das eigentliche Ansinnen des CSD, für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung einzutreten, hinter ein politisches Motiv gestellt wird, finde ich schade."

"Mit Blick auf Samstag wird einem da schon etwas mulmig"

Der CSD sei als Idee entstanden, nachdem er auf der Straße mehrfach als "Schwuchtel" beschimpft wurde, erklärte Dermitzel, der im vergangenen Jahr aus Norddeutschland nach Altenburg gezogen ist im Frühjahr in einem Radiointerview. Dem habe er etwas entgegensetzen wollen.

Nach den ersten CSD-Planungen und einer Debatte in einer "QAnon-Gruppe" erhalte er Mord- und Gewaltandrohungen per Instagram und Facebook wie "Wenn ich Sie auf der Straße sehe, schlage ich Sie so hart zusammen, dass Sie erst im Krankenhaus wieder aufwachen", "Wenn ich dich sehe, steche ich dich ab" oder "Wäre ich Dein Vater, würde ich Dich eigenhändig mit dem Rasenmäher überfahren." Die Bedrohungen kämen auch von Leuten, die man aus dem Altenburger Stadtbild kenne.

"Mit Blick auf Samstag wird einem da schon etwas mulmig", sagte der Organisator gegenüber dpa.

Polizei sieht keine konkrete Bedrohungslage

Die Polizei geht für den Samstag von keiner konkreten Bedrohungslage aus, wie eine Sprecherin sagte. Es sei bekannt, dass der Veranstalter schon bei einer früheren Versammlung verbal angegriffen wurde. Dazu werde ermittelt. (cw/dpa)

 Update  11.07.: Platzverweis für Störer

Am CSD Altenburg beteiligten sich am Samstag rund 600 Menschen. Einem Polizeisprecher zufolge verlief der Umzug friedlich. Gegen einen Störer, der die Parade mit Rufen zu beeinträchtigen versuchte, sei ein Platzverweis verhängt worden

Die Veranstalter*innen sprachen von einer "grandiosen Parade". Am Rathaus der Stadt wurde zum CSD die Regenbogenflagge gehisst.



#1 zundermxeAnonym
  • 10.07.2021, 08:19h
  • Puh, ganz harter Tobak.
    Leider auch ein Stück typischer deutscher Realität.
    Hier keine konkrete Bedrohungslage zu erkennen, ist schon sehr abenteuerlich und zumindest fahrlässig. Was muss denn noch vorliegen damit von einer konkreten Bedrohung gesprochen wird???

    Drücke den Oraganisator*innen und Teilnehmer*innen die Daumen und hoffe, dass es mehr erfreuliche als düstere Momente gibt.
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#2 LedErich
  • 10.07.2021, 10:09h
  • Irre mutig! Mein Respekt! Weder in Bamberg noch in Altötting vor einigen Jahren habe ich beim CSD solche Anfeindungen erleben müssen. Alles Gute für alle die dort heute Farbe bekennen. Hoffentlich schützt Euch auch diese Polizei die keine Bedrohungslage sieht!
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#3 GodzillaAnonym
  • 10.07.2021, 10:27h
  • Und bei den Worten wundern sich Bürger*innen und Polizisten wirklich noch, dass nicht wenige kein Vertrauen in die Polizei haben?!
    Wie kann man hier keine konkrete Bedrohungslage erkennen? Da ist doch wer auf dem rechten Auge blind.

    Ich hoffe und drücke die Daumen, dass der CSD ohne Zwischenfälle stattfindet.

    BtW: Der CDU Hansel scheint nicht begriffen zu haben, dass es schon lange politisch ist und man die Angreifer klar benennen muss.
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#4 DramaQueen24Profil
  • 10.07.2021, 11:52hBerlin
  • Altenburg, die Stadt, aus dem das Skatspiel (erfunden 1810) kommt, ist dafür bekannt, rechtes Gesocks anzuziehen, wie Kot die Schmeißfliege.
    Das heißt NICHT, dass die Stadt rechts ist, sondern nur, dass rechte A***löcher dort einen fruchtbaren Boden für ihre Hetze vorfinden.
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#5 AnnaAnonym
  • 10.07.2021, 12:34h
  • Das erinnert mich an mein letztes Auto, da wurde mir das Heck zerkratzt nachdem meine Freundin mir eine Pride Flag hinten aufs Auto geklebt hat.

    Das hier ist natürlich nochmal auf nem ganz anderen Level widerlich.
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#6 SöderAnonym
  • 10.07.2021, 13:28h
  • Ich komme aus dem Kopfschütteln nicht raus.

    "Dass das eigentliche Ansinnen des CSD, für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung einzutreten, hinter ein politisches Motiv gestellt wird, finde ich schade."

    Wann werden große Teile der der CDU endlich erkennen, dass sie Teil des Problems sind?
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#7 Konni DAnonym
#8 LedErich
  • 11.07.2021, 09:51h
  • Gratulation. Toll, dass alles so friedlich verlaufen ist! Das macht sicher Mut für nehr!
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#9 andreAnonym
  • 11.07.2021, 20:43h
  • Antwort auf #4 von DramaQueen24
  • Berühmt ist auch der "Altenburger Prinzenraub". Auf dem Foto ist das Theater. War dort, als Kind immer zum Weihnachtmärchen. Das mit dem CSD habe ich leider nicht gewußt, sonst wär ich mal hingefahren. Hätte mich echt interessiert. Die großen CSD's laufen immer nach gleichem Schema ab. Nach Altenburg dem Rad 1h. Vielleicht ein bißchen wenig Werbung oder einfach nicht gesehen. Bin nach über 30 Jahren München, wieder in die Heimat gezogen.
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