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Thüringen
Ein kleiner CSD kämpft gegen eine Welle von Hass
Zum ersten Mal zieht am Samstag eine CSD-Demonstration durch Altenburg im Osten Thüringens. Gegen die Veranstalter*innen gibt es seit Monaten Beleidigungen, Einschüchterungsversuche und Morddrohungen.

Ein Altenburgerin hängte ein Plakat des CSD in ihr Auto – heraus kam das (Bild: CSD Altenburg)
- 10. Juli 2021, 04:08h 3 Min.
Es wird bunt, laut – und ein Zeichen gegen Hass: Am Samstag (11.30 Uhr) zieht erstmals eine Parade zum Christopher Street Day (CSD) durch die 32.000-Einwohner*innen-Stadt Altenburg im Osten Thüringens.
Er selbst und das Organisationsteam hätten bei der Planung hunderte Hassbotschaften in sozialen Netzwerken erhalten, sagte Veranstalter Torge Dermitzel der Deutschen Presse-Agentur. Nach Beleidigungen, Einschüchterungsversuchen bis hin zu Morddrohungen hatte im März das Bündnis CSD Thüringen in Verbindung mit weiteren Szeneverbänden zu einer öffentlichen Unterstützung aufgerufen (queer.de berichtete).
"Farbe bekennen – Der Regenbogen kennt kein Braun"
Unter dem Motto "Farbe bekennen – Der Regenbogen kennt kein Braun" soll die Demonstration vom Bahnhof zum Markt ziehen. Dort soll es am Nachmittag ein kulturelles Bühnenprogramm geben. Staatssekretär Torsten Weil will im Namen von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) ein Grußwort sprechen.
Altenburgs Oberbürgermeister André Neumann (CDU), der den CSD grundsätzlich unterstützt, hatte das Motto gegenüber der "Leipziger Volkszeitung" kritisiert: "Dass das eigentliche Ansinnen des CSD, für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung einzutreten, hinter ein politisches Motiv gestellt wird, finde ich schade."
"Mit Blick auf Samstag wird einem da schon etwas mulmig"
Der CSD sei als Idee entstanden, nachdem er auf der Straße mehrfach als "Schwuchtel" beschimpft wurde, erklärte Dermitzel, der im vergangenen Jahr aus Norddeutschland nach Altenburg gezogen ist im Frühjahr in einem Radiointerview. Dem habe er etwas entgegensetzen wollen.
Nach den ersten CSD-Planungen und einer Debatte in einer "QAnon-Gruppe" erhalte er Mord- und Gewaltandrohungen per Instagram und Facebook wie "Wenn ich Sie auf der Straße sehe, schlage ich Sie so hart zusammen, dass Sie erst im Krankenhaus wieder aufwachen", "Wenn ich dich sehe, steche ich dich ab" oder "Wäre ich Dein Vater, würde ich Dich eigenhändig mit dem Rasenmäher überfahren." Die Bedrohungen kämen auch von Leuten, die man aus dem Altenburger Stadtbild kenne.
"Mit Blick auf Samstag wird einem da schon etwas mulmig", sagte der Organisator gegenüber dpa. Das Bündnis CSD Thüringen hatte nach den Bedrohungen im März zu Solidarität mit dem kleinen Pride und seinem Team aufgerufen. (queer.de berichtete)
Polizei sieht keine konkrete Bedrohungslage
Die Polizei geht für den Samstag von keiner konkreten Bedrohungslage aus, wie eine Sprecherin sagte. Es sei bekannt, dass der Veranstalter schon bei einer früheren Versammlung verbal angegriffen wurde. Dazu werde ermittelt. (cw/dpa)
Update 11.07.: Platzverweis für Störer
Am CSD Altenburg beteiligten sich am Samstag rund 600 Menschen. Einem Polizeisprecher zufolge verlief der Umzug friedlich. Gegen einen Störer, der die Parade mit Rufen zu beeinträchtigen versuchte, sei ein Platzverweis verhängt worden
Die Veranstalter*innen sprachen von einer "grandiosen Parade". Am Rathaus der Stadt wurde zum CSD die Regenbogenflagge gehisst.
Links zum Thema:
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Mehr zum Thema:
» Nach Morddrohungen: Prides rufen zu Solidarität mit CSD Altenburg auf (18.03.2021)















Leider auch ein Stück typischer deutscher Realität.
Hier keine konkrete Bedrohungslage zu erkennen, ist schon sehr abenteuerlich und zumindest fahrlässig. Was muss denn noch vorliegen damit von einer konkreten Bedrohung gesprochen wird???
Drücke den Oraganisator*innen und Teilnehmer*innen die Daumen und hoffe, dass es mehr erfreuliche als düstere Momente gibt.