Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?39423

Fußball

Élber an schwule Profis: "Befreie dich und genieß dein Leben"

FC-Bayern-Ikone Giovane Élber rät homosexuellen Fußball-Profis – anders als Phillip Lahm – zum Coming-out. Der UEFA wirft er vor, sich mit dem Regenbogen-Verbot selbst geschadet zu haben.


Giovane Élber bei einem Benefizspiel im Jahr 2014 (Bild: Ludovic Péron / wikipedia)

Der ehemalige brasilianische Fußballspieler und Bayern-Stürmer Giovane Élber würde einem schwulen Profispieler dazu raten, sich nicht länger zu verstecken. "Ich würde ihm sagen: Befreie dich und genieß dein Leben", sagte der 48-Jährige gegenüber der Münchner Tageszeitung "tz". "Was zählt, ist deine Leistung für den Verein, nicht deine Sexualität."

Zu seiner Zeit beim FC Bayern wäre ein Coming-out "kaum möglich gewesen", sagte Élber in dem Interview, "ganz einfach, weil die Gesellschaft noch nicht so weit war". Heutzutage hätten die Spieler es "einfacher". Als Vorbild nannte der Bundesliga-Torschützenkönig von 2003 das Coming-out des amerikanischen Footballspielers Carl Nassib. "Ich finde das hammergeil", so Élber gegenüber der "tz". "Jeder Mensch – auch der Profifußballer – sollte zu seiner sexuellen Neigung offen stehen können."

Lahm bleibt bei seiner Warnung

Der frühere deutsche Nationalspieler Phillip Lahm wiederholte dagegen im aktuellen "Spiegel" seine Warnung vor einem Coming-out schwuler Fußball-Profis. "Ich stehe zu meinen Aussagen, dass man sich als junger Fußballer sehr gut überlegen muss, sich als homosexuell zu outen", sagte das Präsidiumsmitglied des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dem Nachrichtenmagazin (Bezahlartikel). Ähnlich hatte sich der 37-Jährige zuletzt in seinem Buch "Das Spiel" geäußert. "Der Druck, der von außen kommen kann, auch über die sozialen Medien, kann sehr groß, sehr gefährlich sein, gerade für einen jungen Menschen", so Lahm. "Darauf wollte ich mit meiner Aussage hinweisen."

Élber: Regenbogenbeleuchtung ist keine Politik

Im Interview mit der "tz" kritisierte Giovane Élber auch das Verbot der UEFA, das Münchner Stadion beim EM-Spiel zwischen Deutschland und Ungarn in Regenbogenfarben zu beleuchten. "Was würde sich besser eignen als ein Großereignis wie die EM, um ein Zeichen für die LGBTQ-Gemeinde zu setzen?", sagte der ehemalige Stürmer. "Es ging dabei nicht um Politik, sondern lediglich um eine klare Haltung der deutschen Nationalelf gegenüber Ungarns Umgang mit Menschen, die nicht hetero sind."

Hätte die Uefa die Regenbogen-Beleuchtung einfach zugelassen, wäre sie zudem "imagetechnich besser damit gefahren", so der Ex-Bayern-Star. "So hat sich die Sache zum Nachteil der UEFA weltweit hochgeschaukelt. Sogar in Brasilien haben die Menschen über das Regenbogen-Verbot gesprochen."

Giovane Élber spielte 260 Mal für den VfB Stuttgart, den FC Bayern München und Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga und ist mit 133 Toren hinter Robert Lewandowski und Claudio Pizarro der drittbeste ausländische Torschütze der Ligageschichte. Mit dem FC Bayern wurde er je viermal deutscher Meister und DFB-Pokal-Sieger sowie 2001 Champions-League-Sieger. Élber spielte zudem zwischen 1998 und 2001 15 Mal für die brasilianische Nationalmannschaft. (cw)



#1 BefreiendAnonym
  • 11.07.2021, 16:05h
  • Da kann ich mich ihm nur anschließen.

    Es ist vor allem ein Akt der persönlichen Befreiung, denn die ständige Selbstverleugnung, das ständige Aufpassen und die ständige Angst vor Enttarnung bleiben langfristig nicht ohne Folgen für die Psyche und irgendwann auch die körperliche Gesundheit.

    Die Zeit ist nun wirklich reif.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 NevermindAnonym
  • 11.07.2021, 17:07h
  • Bundesliga-Fußball ist Hochleistungssport und ein hartes Geschäft, bei dem es um viel Geld geht und ein immenser Druck auf den Spielern lastet. Da kann ich Phillip Lahm schon verstehen, dass er jungen Spielern nicht raten will, hier noch eine weitere Angriffsfläche zu bieten. Für mich würde es erst mal reichen, wenn sich Spieler nach ihrem Karriereende outen würden. Außer Thomas Hitzelsperger müsste es doch noch viel mehr geben, die in den letzten 50 Jahren ihre Karriere beendet haben und so einem aktiven Spieler den Weg ebnen könnten. Und im Rest der Gesellschaft ist auch noch jeder zweite von uns ungeoutet, nicht mal Bill Kaulitz bringt >>ich bin schwul<< über die Lippen. Da gäbe es bestimmt noch einige, die sich eher outen sollten, als ein aktiver Fußballspieler.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Girlygirl
#4 365ezthdgfsAnonym
  • 11.07.2021, 18:13h
  • Ich mich Élber nur anschließen.

    Genieße dein Leben, so wie du bist, solange du noch jung bist. Das Leben ist kurz und am Ende des Lebens wird man nicht das bereuen, was man gemacht hat, sondern das bereuen, was man nicht gemacht hat. Du wirst nie wieder jünger sein als du jetzt bist. Du solltest die Zeit der jungen Jahre voll genießen.

    Jedem schwulen Fußball-Profi kann ich nur sagen, dass dein Leben nach einem Coming-Out so viel befreiter sein wird, es dann kein Geheimnis mehr gibt, weswegen du bisher noch etwas versteckst und du keine Angst mehr haben musst, dass es über einen anderen Weg an die Öffentlichkeit gerät, weil du dem durch dein Coming Out schon vorgegriffen hast.

    Außerdem bist du als schwuler Fußball-Profi doch auch in der moralischen Pflicht Vorbild für die Jugend zu sein. Dein Coming Out kann bewirken, dass es schwule Jugendliche in ihrem Fußballverein künftig leichter haben und sie stärker akzeptiert werden, wenn sie sich in ihrer Jugend outen. Aber auch außerhalb des Fußballs, etwa in der Schule, wird dein Coming Out es Jugendlichen leichter machen sich zu outen.

    Bitte oute dich. Es ist das Beste für dich und das Beste für alle anderen jungen Schwulen.

    Bei einem Coming Out hast du die volle Unterstützung von deiner LGBTQ-Community und der großen Breite der Gesellschaft sowie der Medien. Du kannst dich auf uns verlassen!
  • Antworten » | Direktlink »
#5 PrivatsacheAnonym
  • 12.07.2021, 06:40h
  • Es ist wie immer beeindruckend, wie viele Menschen in teils anonymen Kommentaren darüber sinnieren, dass sich doch bitte aktive Fußballer endlich outen mögen, weil sie sonst feige seien. Alternativ: weil es ihre Pflicht sei. Könnten wir uns bitte darauf verständigen, dass es eine sehr persönliche und höchst private Entscheidung ist? Nicht jeder möchte mit seiner Sexualität in die Öffentlichkeit. Und schon gar nicht der erste und damit einzige sein. Für sehr viele ist ihre Sexualität nicht alles. Nachdem es im Profifußball bereits Selbstmorde gab, sollte man den Druck nicht unterschätzen. Es gibt mehr als genug schwule und bisexuelle Fußballer, und einige sind auch in ihrer Mannschaft out. Aber sie haben eben einfach keinen Bock, über Wochen, Monate oder Jahre nur auf dieses eine Thema reduziert zu werden bzw. haben Angst davor, was Irre ihnen oder ihrer Familie antun werden. Auch ich habe es immer wieder in den Medien abgelehnt, irgendwelche Outing-Interviews zu geben. Und die Journalist*innen kannten / kennen meinen Mann zum Teil sogar persönlich. Mir ist das einfach viel zu privat - so wie mir auch viele andere Fragen viel zu privat waren und sind - und ich habe nicht die geringste Lust, darüber etwas in der Presse zu lesen oder im Fernsehen zu sehen. Dabei komme ich nicht mal aus dem Fußball. Am einfachsten wird es vermutlich für Spieler sein, die mit 12-15 in ihrem Verein out sind und dann damit hochwachsen. Weil es dann einfach keine Nachricht ist. Aktives outen mit Mitte 20 und damit im Zenit der Karriere wird wohl noch sehr lange dauern.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 ZlataneskAnonym