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Georgien
Tiflis: Bei Ausschreitungen angegriffener Kameramann gestorben
Alexander Laschkarawa, der bei seiner Arbeit für TV Pirveli von dem queerfeindlichen Mob angegriffen wurde, ist tot in seiner Wohnung aufgefunden worden.

Laschkarawa kurz nach dem Angriff (Bild: TV Pirveli)
- 11. Juli 2021, 10:25h 4 Min.
Der georgische Sender TV Pirveli hat am Sonntag den Tod seines Mitarbeiters Alexander ("Lekso") Laschkarawa bekannt gegeben. Der Kameraoperateur war am Montag bei den queerfeindlichen Ausschreitungen in der Hauptstadt Tiflis von mehreren Männern angegriffen und schwer verletzt worden.
Berichten zufolge wurde Laschkarawa von seiner Mutter tot im Bett aufgefunden. Die Todesursache sei noch unbekannt. Die Polizei gab bekannt, Ermittlungen eingeleitet zu haben, ihren Angaben zufolge zunächst nach einem Paragafen zu "Anstiftung zum Suizid". Angehörige und Freunde des Mannes sprachen hingegen von einem offensichtlichen Zusammenhang zu den Folgen der Attacke. Bei dem Angriff hatte Laschkarawa mehrere Verletzungen im Gesicht, darunter Knochenbrüche, und eine Gehirnerschütterung erlitten. Nach Behandlungen in einem Krankenhaus erholte er sich in seiner Wohnung.
/ OCMediaorg | Nach dem Bekanntwerden der Nachricht vom Tode Laschkarawas bewarf die Oppositionspolitikerin Elene Khoshtaria am Sonntag den Sitz des Regierungschefs mit roter FarbeThe Chancellery of the Georgian Government has been painted with red paint by Droa Movement chair Elene Khoshtaria, following the death of Aleksandre Lashkarava.
OC Media (@OCMediaorg) July 11, 2021
Journalist attacked during anti-Pride riots found dead at home: https://t.co/7zDF8RAYZz
Vakhtang Berikashvili. pic.twitter.com/An4efofsyM
Am Montag hatten teils russlandnahe Nationalisten und orthodoxe Aktivisten, teilweise angefeuert von Priestern und größtenteils unbehelligt von der Polizei, stundenlang in der Innenstadt randaliert, wo eigentlich am Nachmittag eine CSD-Demo stattfinden sollte (queer.de berichtete). Die Angreifer zerstörten Oppositionszelte und eine EU-Flagge am Parlament, griffen im Laufe des Tages mehr als 50 Mitarbeitende von Medien an und stürmten die Büros einer Oppositionsorganisation sowie der Pride-Veranstalter.
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Der CSD sagte letztlich seine Demonstration resigniert ab, nachdem die Regierung ihm keinen Schutz garantieren wollte und zur Aufgabe aufforderte. Die angegriffenen Journalist*innen, Kameraleute und Fotograf*innen trugen nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) unter anderem Knochenbrüche, Gehirnerschütterungen und Verätzungen mit Chemikalien davon. RSF warf den georgischen Behörden vor, nicht gegen die Angriffe eingeschritten zu sein und deshalb an den Verletzungen mitschuldig sein.
Vom Mob angegriffen
Laschkarawa befand sich am Montag mit der TV-Pirveli-Journalistin Miranda Bagharturia im Büro der oppositionellen Shame-Bürgerbewegung, als ein gewaltbereiter Mob in das Gebäude eindrang. Wie die Journalistin dem Sender in einem Interview sagte, seien sie von einem dutzend Menschen umzingelt worden, der sie dann angriff. Zunächst habe sie ein Priester am Haar gezogen. Als der Kameramann einschritt, habe sich die Menge auf ihn gestürzt.
/ GiorgiGabriadz1Broken camera & raided entrance. The result of the attack on the @Shamemovement's office. #TbilisiPride21 pic.twitter.com/3T8DdlZOqc
Giorgi Gabriadze (@GiorgiGabriadz1) July 5, 2021
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"Mein Kameramann war in einer Blutlache. Sie schlugen ihn 20 Minuten lang gnadenlos", so Baghaturia. "In der Zwischenzeit hielten mich 15 Leute fest, ich schrie sie an, ihn nicht zu töten, sie stießen und schlugen mich. Sie warfen mein Handy weg und 20 Leute schnappten sich Lekso, ich konnte ihn nicht sehen."
Vato Tsereteli, der Eigentümer des Senders, gab am Sonntag in einer ersten Reaktion der Regierung die Schuld: "Es herrscht ein Gefühl der Straflosigkeit im Land. Ich finde, dass [der georgische Premierminister] Irakli Garibaschwili und [seine Partei] Georgischer Traum persönlich dafür verantwortlich sind." Der Regierungschef war im In- und Ausland in Kritik geraten, weil er bereits am Montagmorgen eine Absage des CSD gefordert hatte und ihm praktisch die Verantwortung für gewalttätige Gegendemonstrationen zuschob, während die Regierung dem Pride keine Sicherheitsgarantien geben wollte. Pride-Demonstrationen seien "für einen Großteil der georgischen Gesellschaft inakzeptabel", sagte Garibaschwili zudem.
/ ShamemovementToday is a tragic day for #Georgia. @TvPirveli cameraman beaten on 5 July #TbilisiPride21 violence co-organized by Gov & Patriarchate, died today. Today we are taking to the streets with demands: 1. @GharibashviliGe's murderous Gov must resign. Event: https://t.co/VaYxebvWLs pic.twitter.com/dXdmxQKSw5
Shame Movement (@Shamemovement) July 11, 2021
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TV Pirveli beklagte am Sonntag ferner, dass bisher nur vier Angreifer auf die TV-Crew festgenommen worden seien, während man durch Videomaterial neun habe identifizieren können. Der Sender veröffentlichte in seinem Programm und in seinem Facebook-Kanal entsprechende Bilder von Verdächtigen öffentlich, wie auch ein Video des Angriffs. Zu den Ausschreitungen wurden insgesamt bislang 19 Menschen festgenommen, 16 wegen Angriffen auf Journalist*innen und sonstige Mitarbeitende von Medien. Für zwölf Personen, darunter drei Erstürmer des CSD-Büros, hatten Gerichte in Tiflis in den letzten Tagen verlängerte Untersuchungshaft angeordnet.
/ OCMediaorg | Am Montag waren über 50 Mitarbeitende von Medien angegriffen worden, einige wurden dabei teils schwer verletztOn 5 July, what was to be Georgias first Pride march turned into a hunt for journalists. One thing the media workers covering the protests unanimously agreed on: Georgian authorities failed in their duty to protect the free press. https://t.co/T54qTzoOeb
OC Media (@OCMediaorg) July 7, 2021
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Die Shame-Bewegung hat für Sonntagnachmittag zu einer Großkundgebung vor dem Parlament aufgerufen, unter dem Titel: "Die mörderische Regierung muss zurücktreten". Sie fordert neben dem Rücktritt eine unabhängige Untersuchung von Laschkarawas Tod und eine Festnahme und harte Bestrafung seiner Angreifer und ihrer Anführer. Bereits am Dienstag hatten tausende Menschen vor dem Parlament für Pressefreiheit und Menschenrechte demonstriert – und wurden von Gegendemonstranten mit Eiern und Flaschen beworfen (queer.de berichtete). (nb)
Update 17h: Weitere Entwicklungen
Das Innenministerium betonte am Nachmittag auf einer Pressekonferenz, die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, man werde eine Autopsie vornehmen und niemand solle vorschnelle Schlüsse ziehen – man vermute aber eine Überdosis Drogen als Todesursache. Rund 20 Oppositionsgruppen, darunter auch der Pride, forderten hingegen in einer gemeinsamen Stellungnahme den Rücktritt des Regierungschefs. Am späten Nachmittag Ortszeit versammelten sich tausende Menschen zu der Kundgebung vor dem Parlament.
/ OCMediaorgNinteen prominent Georgian civil society organisations including @SjcCenter, @Transparency_GE, and @TbilisiPride have called for the immediate resignation of PM Irakli Gharibashvili following the death of journalist Aleksandre Lashkarava.
OC Media (@OCMediaorg) July 11, 2021
Background: https://t.co/CRqnijR0xn pic.twitter.com/niN9CCVGBl
Weitere Entwicklungen lassen sich unter anderem über den Twitter-Kanal des Pride, von OC Media oder Civil.ge verfolgen sowie über die Facebook-Livestreams der Sender Pirveli (wo einer der Moderatoren ein Hemd mit Kunstblut trägt) und Formula.
/ Media_Checker | Am Abend legten Medien-Mitarbeiter*innen in einem stillen Protest vor dem Regierungssitz Kameras und Mikrofone niederJournalists protesting violence against media workers and paying tribute to @TvPirveli's cameraman late Lekso Lashkarava who was attacked by violent groups on july 5th in #Tbilisi
Mediachecker (@Media_Checker) July 11, 2021
taken in front of Chancellery of the Government of Georgia #July5th #PressFreedom @RSF_inter pic.twitter.com/QgHOokgmSs















