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Premiere

Pakistan eröffnet erste Schule für trans Frauen

Mitglieder der trans Community werden in dem konservativem Land oft von Bildung ausgeschlossen.


Pakistan ist mit rund 220 Millionen Einwohner*innen das fünftbevölkerungsreichste Land der Welt (Bild: Amnagondal / wikipedia)

  • 12. Juli 2021, 11:49h, noch kein Kommentar

Pakistan hat die landesweit erste staatlich finanzierte Schule für trans Frauen eröffnet, die in dem streng konservativen Land häufig aus dem regulären Bildungssystem gedrängt werden. Der regionale Bildungsminister der Provinz Punjab, Murad Raas, versprach "Bildung für alle", als er die Schule in der Stadt Multan in dieser Woche eröffnete. An der Schule unterrichten Lehrer*innen, die selbst trans sind.

In Pakistan werden transgeschlechtliche Menschen als Khawaja Sira bezeichnet, was auf Urdu "transgeschlechtlich" bedeutet. Die Khawaja-Sira-Community ähnelt der Gemeinschaft von Hijra im benachbarten Indien und in Bangladesch. Diese Community baut auf eine hunderte Jahre alte Tradition auf, die teilweise akzeptiert wird, aber die durch eine Radikalisierung im Islam gegenwärtig mehr Diskriminierung erfahren muss.

"Die Jungs haben uns immer gehänselt"

Das Verhalten der Lehrkräfte in ihren bisherigen Schulen sei beleidigend gewesen, erklärte die Schülerin Baby Doll einem AFP-Reporter. "Die Jungs haben uns immer gehänselt und sich uns gegenüber schlecht benommen."

Das Personal in der neuen Schule sei "extrem höflich", sagte die Schülerin Hania Henny. "Der Unterschied zwischen dem Leben in der Schule und außerhalb ist, dass wir uns hier entspannt fühlen". Die Einrichtung bietet unter anderem Nachmittagsunterricht und eine Berufsausbildung an.

In Pakistan gibt es eine engagierte Gruppe von Aktivist*innen, die sich für Trans-Rechte einsetzen. Anfang des Jahres wurde in der Hauptstadt Islamabad die erste islamische Religionsschule für trans Menschen eröffnet.

Dennoch sehen sich Angehörige der Khawaja-Sira-Gemeinschaft weiterhin mit Missbrauch und Stigmatisierung konfrontiert. Angehörige werden häufig von ihren Familien verstoßen und von der Gesellschaft geächtet. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt durch Tanzen, Betteln oder Sexarbeit. Häufig werden sie gebeten, Rituale wie die Segnung von Neugeborenen abzuhalten, oder als Attraktion zu Hochzeiten eingeladen. "Die Leute sehen uns als Mittel der Unterhaltung", sagte Hania Henny.

Pakistan hatte 2018 ein historisches Trans-Gesetz beschlossen, das Diskriminierung und Gewalt zurückdrängen soll und trans Menschen weitgehende Selbstbestimmung ermöglicht (queer.de berichtete). Homosexualität wird dagegen verfolgt. Nach islamischem Recht droht insbesondere schwulen Männern sogar die Todesstrafe. (AFP/cw)