Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?39449

Tiflis

Nach queerfeindlichem Angriff gestorben: Georgischer Journalist beerdigt

Hunderte Kolleg*innen nahmen am Dienstag Abschied von Kameramann Alexander Laschkarawa, der wenige Tage nach einem Angriff LGBTi-feindlicher Demonstrant*innen gestorben war.


Alexander Laschkarawa kurz nach dem Angriff (Bild: TV Pirveli)

Hunderte Journalist*innen haben in Georgien den nach einem Angriff gestorbenen Kameramann Alexander Laschkarawa geehrt. Die Menge vor Laschkarawas Haus brach in Applaus aus, als dessen Leichnam vor der Beerdigung am Dienstag in einem Sarg durch ein Spalier von Kolleg*innen getragen wurde. Der 37-jährige Mitarbeiter des TV-Senders Pirveli war knapp eine Woche vor seinem Tod von queerfeindlichen Demonstrant*innen verprügelt worden.

"Die Regierung hat immer versucht, unabhängige Medien zu unterdrücken", sagte Eka Mischweladse, die ebenfalls bei Pirveli arbeitet. Der Tod ihres Kollegen sei nur "der letzte Streich" gewesen. Wacho Sanaia, ein Journalist des Senders Formula TV, sagte: "Heute betrauern wir den Tod unseres Kollegen doch ab morgen wird jeder sehen, welche Kraft unabhängige Medien haben." Er wolle das Land "nicht Mördern überlassen".

Queerfeindlicher Mob attackierte auch Journalist*innen

Alexander Laschkarawa war am Sonntagmorgen tot in seinem Bett gefunden worden (queer.de berichtete). Der Kameramann war am vergangenen Montag von Gegendemonstrant*innen verprügelt worden, die zur Verhinderung einer geplanten und letztlich abgesagten CSD-Demonstration stundenlang in der Innenstadt randalierten. Insgesamt wurden bei dem Protest mehr als 50 Journalist*innen körperlich attackiert.


Alexander Laschkarawa starb im Alter von nur 37 Jahren

Laschkarawas Tod löste große Empörung aus: In den vergangenen zwei Tagen versammelten sich in Georgien tausende Menschen zu Protesten gegen die Regierung von Ministerpräsident Irakli Garibaschwili, die sie für die Gewalt gegen Journalist*innen mitverantwortlich machen. Auch im georgischen Parlament kam es am Montag zu Tumulten (queer.de berichtete).

Ministerpräsident schürt Queerfeindlichkeit

Garibaschwili hatte sich gegen die Abhaltung des Pride-Marsches ausgesprochen. Nach Laschkarawas Tod sprach der Ministerpräsident von einer "unglaublichen Tragödie" und versprach eine sofortige Untersuchung zu den Todesumständen. Dazu äußerte er sich, wie schon wiederholt in der Vergangenheit, am Montag homophob und beschimpfte die CSD-Teilnehmer*innen: "Erst einmal: Was ist das für ein Name? Parade? Ich kenne nur eine Parade und das ist die unserer Armee", so Garibaschwili laut OC-Media. "Wenn 95 Prozent unserer Bevölkerung gegen so eine Propaganda-Parade sind, sollten wir dem folgen."


Der homophobe Ministerpräsident Irakli Garibaschwili bei einem Auftritt in Berlin (Bild: StagiaireMGIMO / wikipedia)

Die genaue Ursache des Todes von Laschkarawa ist laut den georgischen Behörden weiter unklar. Seine Angehörigen gehen fest von einem Zusammenhang mit der Attacke aus. Der TV-Reporter war Anfang vergangener Woche mit Frakturen im Gesicht und starken Schmerzen in ein Krankenhaus gebracht und einige Tage später entlassen worden.

Georgien gilt als sehr konservatives und LGBTI-feindliches Land, die orthodoxe Kirche ist äußerst mächtig in der Kaukasusrepublik und schürt die queerfeindliche Stimmung mit an. (AFP/dpa/cw)

 Update  15.07: Georgische TV-Kanäle legen Sendepause ein

Nach dem Tod von Alexander Laschkarawa haben vier oppositionelle georgische Fernsehkanäle eine 24-stündige Sendepause eingelegt. Sie wollten damit gegen die Regierung der Schwarzmeer-Republik protestieren, der sie Tatenlosigkeit und mangelnden Schutz von Medienschaffenden vorwerfen. Der Sender TV Pirveli, für den der gestorbene Kameramann arbeitete, forderte in einer Mitteilung am Mittwoch den Rücktritt von Regierungschef Irakli Garibaschwili.