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Kulturkampf auf Amerikanisch
Mächtiger US-Senator will für homophobes Fast Food "in den Krieg ziehen"
Letztes Jahr outete ein Pornostar noch den Trump-treuen Senator Lindsey Graham. Jetzt betont der Republikaner seine Heterosexualität auf martialische Weise.

Lindsey Graham, der für die US-Luftwaffe unter anderem auf der Rhein-Main Air Base in Frankfurt gedient hatte, gibt sich kriegerisch (Bild: US Senate Photo Office)
- 16. Juli 2021, 09:59h 3 Min.
US-Senator Lindsey Graham hat am Mittwoch auf Twitter angekündigt, für die Werte eines wegen seiner Homosexuellenfeindlichkeit bekannten Schnellrestaurants "in den Krieg zu ziehen". Der 66-Jährige reagierte damit auf die Initiative von Studierenden an der Privathochschule University of Notre Dame in Indiana, die sich gegen die Eröffnung einer Chick-fil-A-Filiale auf dem Campus aussprachen.
Hintergrund ist, dass sich die Kette Chick-fil-A, die in den USA mehr als 2.500 Schnellrestaurants betreibt, als christliches Restaurant versteht, das Homosexualität ablehnt. So sprach sich der Vorstandsvorsitzende Dan Cathy mehrfach gegen die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht aus, die Firma spendete außerdem wiederholt an homophobe Organisationen, die Schwule und Lesben "heilen" wollen. In den letzten Jahren hat die Kette mit dieser Politik Kultstatus bei queerfeindlichen Konservativen erarbeitet. Der mit Lindsey Graham nicht verwandte Franklin Graham, einer der bekanntesten evangelischen Prediger der USA, hatte etwa einen "Bete-für-Chick-fil-A-Tag" gefordert (queer.de berichtete).
"Gott segne Chick-fil-A!"
Wörtlich twitterte Graham: "Es ist enttäuschend, dass einige Studenten und Mitarbeiter von Notre Dame Chick-fil-A auf dem Campus verbieten wollen, weil sie die Werte, die die Chick-fil-A-Gründer haben, ablehnen. Das ist ein gefährlicher Präzendenzfall", so der Senator aus dem Südstaat South Carolina. "Ich will, dass jeder in South Carolina und in ganz Amerika weiß, dass ich hinter Chick-fil-A stehe. Ich hoffe wir müssen das nicht tun, aber ich werde für die Prinzipien, für die Chick-fil-A steht, in den Krieg ziehen. Großartiges Essen. Großartiger Service. Großartige Werte. Gott segne Chick-fil-A!"
/ LindseyGrahamSCI want everyone in South Carolina and across America to know I have Chick fil-As back.
Lindsey Graham (@LindseyGrahamSC) July 14, 2021
I hope we dont have to, but I will go to war for the principles Chick fil-A stands for.
Great food.
Great service.
Great values.
God bless Chick fil-A!
Anlass für die kriegerische Botschaft ist ein Essay von zwei Studierenden in der Uni-Zeitung "The Observer". Als Grund für die Ablehnung nennen sie dabei die Homophobie des Chick-fil-A-Konzerns, aber auch, dass ein weiteres Fast-Food-Restaurant auf dem Uni-Gelände nicht notwendig sei. Hintergrund ist, dass es bereits jetzt auf dem Campus typische US-Schnellrestaurants wie Smashburger oder Subway gibt. Vielmehr sollten nach Ansicht der Autor*innen Restaurants eine Chance bekommen, die die Vielfalt der Studierenden repräsentierten. Statt eines Fast-Food-Ladens mit frittiertem Hähnchen wäre etwa ein indisches oder mexikanisches Restaurant besser, außerdem müsse die wachsende Zahl von vegetarischen oder veganen Studierenden berücksichtigt werden.
Graham gilt als einer der homophobsten US-Bundespolitiker. Er ist bereits seit 2003 US-Senator und war Chef des mächtigen Rechtsausschusses, bis die Republikaner im Januar 2021 die Mehrheit in der US-Parlamentskammer verloren. Über die sexuelle Orientierung des Junggesellen gibt es seit Jahren Spekulationen. TV-Komiker*innen ahmen gerne seinen exaltierten Südstaatenakzent und seine affektierten Gesten nach – und deuten oft an, dass der Senator mit dem meist weiblichen Vornamen schwul sein könnte. Außerdem wird gemutmaßt, dass der erklärte Fan von Ex-Präsident Donald Trump sich so entschieden gegen LGBTI-Rechte ausspricht, um von seiner eigenen sexuellen Orientierung abzulenken. Immer wieder fordern auch Stars den Senator zum Coming-out auf, etwa Musicallegende Patti LuPone oder Komikerin Chelsea Handler. Letztes Jahr deutete der Pornostar und Escort Sean Harding an, dass Graham gerne männliche Sexarbeiter zu sich bestellt (queer.de berichtete). (dk)
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Ich kann mir kaum eine amerikanischere Überschrift vorstellen.
Er ist auch wieder ein Kandidat für "guckt wie homophob ich bin, ich kann gar nicht schwul sein!" Sure, Lindsey!