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Ausschluss von Teilen der Community

Entsetzen über Fetischverbot beim CSD Bremen

Anderthalb Monate vor dem Bremer CSD wurden neue "Grundsätze" der Veranstalter*innen bekannt. Darin heißt es, das Darstellen von Fetischen in der Öffentlichkeit sei "nicht sinnvoll", die Sexualisierung von Minderheiten "problematisch".


Die Fetisch-Community ist beim CSD Bremen nicht mehr willkommen (Bild: Jose Sa / flickr)

Zu Update springen: CSD ersetzt Fetisch durch Sex (19.07.)

Bundesweites Entsetzen über den CSD Bremen: Bei der Demonstration am 28. August wird erstmals die Fetischcommunity ausgeschlossen. "Keine Fetischdarstellung", heißt es auf der CSD-Website unter der Rubrik "Unsere Vision und unsere Grundsätze". Die neuen Richtlinien wurden demnach bereits am 15. November 2020 veröffentlicht, jedoch jetzt erst wahrgenommen.

"Wir wollen über die Probleme von queeren Menschen in der Gesellschaft aufklären", begründet der CSD Bremen das Fetischverbot. "Wir wollen nicht bewerten, wessen Probleme größer oder kleiner sind. Aber das Darstellen von Fetischen in der Öffentlichkeit finden wir nicht hilfreich, wenn wir bei der gleichen Demonstration und Kundgebung über Themen wie Asylrecht, Trans*Recht oder queere Krankenversorgung sprechen möchten."

Gerade bei Fetischen, die für Zuschauende "sexuell gelesen" würden, stelle sich "zusätzlich das Problem, dass das Publikum nicht einwilligen kann", erklärte der CSD-Verein weiter. "Ganz zu schweigen davon, dass die Sexualisierung von Frauen* im Allgemeinen und Minderheiten im Besonderen problematisch genug ist."

In den selben "Grundsätzen" fordert der CSD-Verein übrigens "keine Feindlichkeit gegen romantische oder sexuelle Vorlieben". Weiter heißt es auf der Website: "Hinter vielen Problemen queerer Menschen steckt ein großer gemeinsamer Nenner: Es gibt noch viel zu wenig Verständnis bei viel zu vielen Menschen darüber, wie viele romantische, sexuelle und geschlechtliche Identitäten es gibt."

Fetischfans pochen auf Demonstrationsfreiheit

In sozialen Medien wurde am Freitag heftige Kritik am Fetischverbot laut. "Shame on you CSD Bremen", schrieb Torsten Burandt, Mr. Fetish Germany 2020, auf Facebook. "Die LGBTIQ+ Community ist genauso vielfältig wie unsere gesamte Gesellschaft, und die Probleme, auf die Ihr diesjährig aufmerksam machen wollt, gibt es im Übrigen naturgemäß auch bei Anhängern der Fetishcommunity, wie es sie in jedem anderen Teil unserer Gesellschaft auch gibt."

CSD Bremen Nach dem Eklat 2019 um die Puppies, grenzt ihr dieses Jahr also die gesamte Fetishcommunity aus, weil sie...

Posted by Torsten Burandt on Friday, July 16, 2021
Facebook / Torsten
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"Unsere Regenbogencommunity ist größer als es der Durchschnittshetero so kennt", schrieb Stephan Metzlar-Rudolph, der Mister Leather Netherlands 2020, in einem Facebook-Post. "Müssen wir uns darum verstecken? Jeder hat in Deutschland das Recht frei zu demonstrieren! Diese Ausgrenzung verstößt gegen das Grundgesetz!" Martin Mayr, Mr. Leather und Mr. Fetish Austria 2019-2020, bezeichnete das Fetischverbot des CSD Bremen in einem Facebook-Kommentar als "Feigheit und Sauerei". Hier fehle "jeglicher Respekt vor der Geschichte der LGBTQI+ Bewegung. Mit Anpassung und Anbiederung an die heteronormative Gesellschaft wären wir heute noch beim Totalverbot".

Ensetzt äußerte sich auch Joshua Stock: "Ich kann es einfach nicht mehr fassen, dass CSD-Koordinatoren und Organisationen Menschen ausgrenzen, gar verbieten, die anders der Norm leben und lieben", schrieb der Puppy Germany 2019 in einem Post. "Dieses Jahr sind es Fetischleute und im nächsten Jahr die Dragqueens, die nicht der Norm entsprechen." Das Petplayer-Blog "DogGerry" rief alle Fetischfans trotz des Verbots dazu auf, bei der Demo am 28. August in Bremen teilzunehmen. "Zeigt, dass ihr genauso ein Recht habt, für die Rechte der queeren Community zu kämpfen, wie alle anderen auch. Einmal im Jahr dürfen wir uns versammeln. Als Petplayer, Stofffetischisten, BDSMler und was auch immer. Und keiner sollte euch verbieten, das ausleben zu dürfen."

Bereits mehrere CSD-Vereine spielten Sittenpolizei

In den vergangenen Jahrzehnten hatte es immer wieder Streit darum gegeben, wie angepasst sich queere Menschen auf CSD-Demonstrationen verhalten sollten. Manche waren der Auffassung, dass Pridemärsche so unauffällig wie möglich sein sollten, um die heterosexuelle Mehrheitsgesellschaft nicht zu erzürnen; andere argumentierten, dass man sich gerade auf dem CSD nicht verstellen solle und man es außerdem mit nackter Haut einfacher in die Nachrichten schaffe, in denen auch die politischen Botschaften transportiert werden würden.

2009 gab es etwa in Köln Auseinandersetzung um Benimmregeln, zu denen die CSD-Veranstalter*innen alle Teilnehm*innen verpflichten wollten. In der sogenannten "CSD-Charta" hieß es etwa, dass die Teilnehmer*innen "Taktgefühl" bei ihrem äußeren Erscheinungsbild und beim Verhalten beweisen müssten (queer.de berichtete). Am Ende waren aber trotzdem Fetischgruppen und leicht bekleidete Menschen auf den Wagen dabei (queer.de berichtete). In den Folgejahren stellten die Veranstalter*innen keine Benimmregeln mehr auf. 2017 drohte auch der CSD Stuttgart mit einem Parade-Verbot für "sexuelle Freizügigkeit" (queer.de berichtete).

Gegen Pet-Player gab es sogar mehrfach Polizeieinsätze. So sprach die Polizei 2019 beim Aachener CSD ein Verbot von sogenannten Fetischmasken aus. Teilnehmer*innen aus der Pet-Play-Community durften mit Verweis auf das Vermummungsverbot nur ohne Hundemasken beim Demonstrationszug mitlaufen. Bereits 2018 war es beim Ruhr-CSD in Essen zu einem ähnlichen Vorfall gekommen, der zu einem Nachspiel im Landtag führte. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) räumte einige Wochen später auf eine Kleine Anfrage der Grünen (PDF) ein, dass die Untersagung von Fetischmasken beim Ruhr-CSD in rechtswidrig war (queer.de berichtete). "Eine Aufforderung, das Tragen der Masken zu unterlassen, hätte bei dem vorliegenden Sachverhalt demnach nicht erfolgen dürfen", so Reul 2018. Das Tragen von Fetisch-Outfit beim CSD könne "zu einem solchen Anlass der Meinungsäußerung oder der künstlerischen Verwirklichung zugerechnet werden, was von dem Vermummungsverbot nicht erfasst werde", erklärte der Innenminister. (cw)


 Update  11.15h: Für die Linke argumentiert CSD Bremen wie Orbán

Die Linke.queer wirft dem CSD Bremen vor, sich mit seinem Fetischverbot gegen queere Emanzipation zu stellen. "Kinks und Fetische sind Ausdruck von Sexualität, aber auch von Community, Selbstbestimmung und Befreiung", erklärten die beiden Bundessprecher Daniel Bache und Frank Laubenburg am Samstagvormittag in einer Pressemitteilung. "Das sind zentrale Motive der Pride."

Der Bremer CSD-Verein berufe sich zwar mit seiner Namensgebung auf den Stonewall-Aufstand, verhöhne aber dessen Geschichte, so Die Linke.queer. "Der damalige militante Widerstand richtete sich dagegen, dass queere Menschen mit dem Verweis auf gesellschaftliche Normen drangsaliert wurden. Nun zu fordern, dass auf einer CSD-Demonstration Fetisch-Kleidung nicht getragen und sexuelle Vorlieben nicht thematisiert werden sollen, steht nicht in der Tradition der Aufständischen in der Christopher Street – sondern in der der New Yorker Polizei."

Das Fetischverbot folge der gleichen Argumentation wie die Gesetze gegen "Homo-Propaganda" in Russland oder Ungarn, erklärten die queeren Sozialist*innen. "Mit dem CSD Bremen reiht sich nun eine angeblich an Emanzipation interessierte Organisation an Putins und Orbáns Seite ein. Das ist unerträglich und auch nicht zu diskutieren. Positionen, die darauf abzielen, queere Emanzipation mit Ausgrenzung, Diffamierung und Verboten zu verhindern, können nicht Teil der queeren Communities sein."


 Update  11.53h: CSD Bremen kündigt Erklärung an

Auf Twitter kündigte der CSD Bremen eine Stellungnahme an. "Unterm Regenbogen ist Platz für alle. Auch für Fetischgruppen. Auch beim #CSDBremen", heißt es in dem Tweet von 11.37 Uhr. Auch queer.de wartet auf die Beantwortung einiger Fragen zur Fetischklausel.

Twitter / csdbremen
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 Update  18.07., 15:50h: CSD-Verein fühlt sich "missverstanden"

27 Stunden nach seiner Ankündigung auf Twitter hat der CSD Bremen am Sonntagnachmittag doch noch eine Stellungnahme zu seinem Grundsatz "Keine Fetischdarstellung" und der heftigen Kritik daran veröffentlicht. Darin bedauert der Verein, dass der Absatz auf der Homepage "missverstanden" worden sei. Man freue sich weiterhin über CSD-Teilnehmer*innen in Fetischkleidung, heißt es. Das "Ausüben sexueller Handlungen in der Öffentlichkeit" sei jedoch nicht gewollt. Der CSD werde in "in naher Zukunft den Absatz unmissverständlich umformulieren".

Hier die komplette Erklärung im Wortlaut:

Unterm Regenbogen ist Platz für Alle. Wir wollen das bunte Leben feiern. Und wir wollen uns für Bürgerrechte weltweit einsetzen. Und das mit Respekt und Verantwortungsbewusstsein.

Offensichtlich wurde unser Beitrag "Vision und unsere Grundsätze" vom 15.11.2020 missverstanden, denn wer den CSD Bremen kennt, weiß, dass:

• Das CSD Orga-Team zu keinem Zeitpunkt seit Gründung des Vereins (2016) das Tragen von Fetischkleidung auf der CSD Bremen Demo verboten hat. Ganz im Gegenteil. Im Juni 2017 hat das Orga Team beschlossen: "Fetisch Kleidung ja. – Sex, sexuelle Handlungen usw. Nein! – Wir demonstrieren gemeinsam, aber das Ausüben sexueller Handlungen in der Öffentlichkeit gehört nicht dazu!
• Teilnehmende in Fetischbekleidung nehmen seit unserem ersten CSD (2017) ganz selbstverständlich teil.
• Das ist so, das bleibt so, und über die Teilnahme von Menschen in Fetischkleidung freuen wir uns.

Wir denken, dass die Darstellung von Sex, sexuellen Handlungen, wie zum Bespiel symbolische Penetration, Einführen von Dildos tief in den Hals u. Ä. bei der Vertretung unserer Forderungen gegenüber Dritten, wie zum Beispiel der Politik nicht hilfreich ist.

Ein Teilbereich dieser Darstellungen sind auch Fetischhandlungen. Hier geht es zum Beispiel um Handlungen, die stark auf den Sexualakt reduzieren. Auch Handlungen, wo das Publikum nicht erkennen kann, dass sie auf der absoluten Freiwilligkeit und der Möglichkeit jederzeitiger Beendigung durch alle Beteiligten basieren, können problematisch sein. Wenn diese Wahrnehmung zum Beispiel zu einem Zielkonflikt mit der Forderung nach sexueller Selbstbestimmung führt, verlieren Forderungen in den Augen von Zuschauern an Kraft. Wir werden schon oft genug mit dem "Was wollt ihr denn noch"-Argument konfrontiert, da Menschen die noch bestehenden Probleme nicht erkennen.

Unser ehrenamtlich tätiges Team hat den Grundsatzartikel (Herbst 2020) veröffentlicht und dabei lediglich alle im Laufe der Jahre gefällten Grundsätze zu einem Dokument zusammengeführt. Dass das Wort Fetisch mehrere Bedeutungen hat, wurde dabei schlichtweg übersehen. Was das CSD Bremen Team jedoch nicht übersehen hat, ist die Tatsache, dass Fehler passieren können, wo Menschen arbeiten. Wir haben alle Lesenden in der Einleitung des Grundsatzartikels zum Feedback eingeladen. Für die teilweise konstruktiven Kritiken möchten wir uns sehr bedanken. Und werden in naher Zukunft den Absatz unmissverständlich umformulieren.

 Update  19.07.: CSD ersetzt Fetisch durch Sex

Noch am Sonntag hat der CSD Bremen auf seiner Homepage ohne weitere Mitteilung eine Entschuldigung veröffentlicht. Wörtlich heißt es in einem Einschub im Kapitel "Unsere Vision und unsere Grundsätze":

Wir haben jetzt Fetisch durch Sex ersetzt. Wir entschuldigen uns dafür, dass wir zwei Sachen in einen Topf geworfen haben, die zwar Überschneidungen haben, aber nicht das Gleiche bedeuten.

Die frühere Überschrift "Keine Fetischdarstellung" des Absatzes wurde durch "Keine Darstellung von sexuellen Handlungen" ersetzt.

Wöchentliche Umfrage

» Wen würdest Du am liebsten vom CSD ausschließen?
    Ergebnis der Umfrage vom 19.07.2021 bis 26.07.2021


#1 LindgerdeAnonym
  • 17.07.2021, 09:12h
  • Es ist immer das gleiche Muster. Die Argumentationslinien der Homohasser werden übernommen, nur so verschoben, dass man selbst auf der vermeintlich guten Seite steht.

    Wenn jemand LGBTIQ* wirklich ein Problem hat, dann fühlt er sich alleine schon dadurch gestört, dass er eine Regenbogenfahne wahrnehmen muss und setzt diese bereits ins einen sexuellen Kontext. Das war bei der Ungarngeschichte vor zwei Wochen deutlich zu sehen.

    Diese CSD Veranstalter haben grundlegende Dinge nicht verstanden.
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#2 Gay_LibertarianProfil
  • 17.07.2021, 09:33hKL
  • Fetischisten und Kinkster haben von Anfang an für Schwule Rechte gekämpft. Die Lederbewegung ist untrennbar mit den ersten Prides verbunden. Sie haben viel getan für die sexuelle Emanzipation der Gay Community. Auch eben weil sie die Normen gesprengt haben. Das bürgerliche angepasste Verhalten der Schwulenrechtler der 50er hat ja bekanntlich nichts gebracht. Provokation und Widerstand eben schon.
    Nicht nur der historische Kontext, sondern eine immer stärkere Prüderie erzwingt ein noch stärkeres Engagement der BDSM Community.

    Diese Versuche, diesen extrem lebendigen und natürlichen Teil der Community zum Schweigen bringen zu wollen widert mich an. BDSM und Kink haben ein natürliches und gewachsenes Recht Teil des Prides zu sein. Sie haben teils mehr getan für LGBTIQ Rechte als so mancher, der den Pride "sauber halten" will.

    Was ich noch anmerken möchte ist, dass insbesondere Petplay sehr weit über Sex hinausgeht. Es ist für viele eine Lebenseinstellung, ein Art Philosophie und eine wichtige Subkultur voller Freunde. Besonders Petplay war immer offen für alle Orientierungen und Identitäten. Es geht dabei eben nicht nur um Sex und selbst wenn doch, wäre es nicht schlimm. Sex ist etwas gutes. Die Normen der "Mehrheitsgesellschaft*" sind für den Müll und nicht die der Kink Community.
    Diejenigen Vertreter der "Mehrheitsgesellschaft*", welche Kink und Fetisch beim Pride ablehnen, würden auch ohne Fetischisten gegen den Pride sein.

    * Mehrheitsgesellschaft in ", weil ich als Puppy nie ein Problem mit Zuschauern, Teilnehmern, Kindern, Eltern etc. beim CSD hatte. Alle fanden das lustig und man hat fröhlich interagiert.
    Dahinter steckt wahrscheinlich nur eine laute Minderheit, die wieder zurück in die 50er will. Daher umso widerlicher, dass der CSD Bremen sowas umsetzen will.

    Kink belongs at Pride!
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#3 AlexAnonym
  • 17.07.2021, 09:34h
  • Mal ganz abgesehen davon, dass das ein Verstoß gegen Grundrechte wie Rede- und Versammlungsfreiheit ist: wie will man für Vielfalt und Freiheit einstehen, wenn man diese gleichzeitig verbietet und unsichtbar machen will?!

    Auch ich bin kein Fan von Petplayern & Co. Aber das ist nicht die Frage, denn es geht nicht darum, ob man als Einzelperson etwas toll findet oder nicht. Sondern darum, dass Grundrechte und Sichtbarkeit gerade für diejenigen gelten, die eben nicht der Mehrheit entsprechen. Das sollten doch gerade LGBTI verstehen können...
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#4 audeasAnonym
  • 17.07.2021, 09:46h
  • Das kommt dabei heraus, wenn fast ausschließlich weiße cis gays für den CSD verantwortlich sind. Als "priviligierteste" Gruppe unter den Queers sind sie anfälliger für Tokenism und biedern sich für mehr Ansehen/Privilegien den Heten an.
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#5 LegatProfil
  • 17.07.2021, 09:51hFrankfurt am Main
  • "Wir wollen nicht bewerten, wessen Probleme größer oder kleiner sind. Aber"

    Meint: Wir wollen bewerten!

    "das Darstellen von Fetischen in der Öffentlichkeit finden wir nicht hilfreich, wenn wir bei der gleichen Demonstration und Kundgebung über Themen wie Asylrecht, Trans*Recht oder queere Krankenversorgung sprechen möchten."

    Warum sollte sich das gegenseitig ausschließen? Könnte man das bitte mal erklären? Menschen mit Fetischen haben diese Probleme auch und wer sich von Darstellungen auf dem CSD überfordert fühlt, kann ja auch einfach Fernbleiben oder doch hingehen, das bewusst 'aushalten' und sich dabei seiner herausragenden 'Toleranz' rühmen.
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#6 GodzillaAnonym
  • 17.07.2021, 10:04h
  • -""Wir wollen über die Probleme von queeren Menschen in der Gesellschaft aufklären", begründet der CSD Bremen das Fetischverbot. "Wir wollen nicht bewerten, wessen Probleme größer oder kleiner sind. Aber das Darstellen von Fetischen in der Öffentlichkeit finden wir nicht hilfreich, wenn wir bei der gleichen Demonstration und Kundgebung über Themen wie Asylrecht, Trans*Recht oder queere Krankenversorgung sprechen möchten.""-

    Die Veranstalter*innen merken gar nicht, dass sie sich damit selbst widersprechen und die Probleme gegeneinander ausspielen. Sie bewerten nämlich sehr wohl die Probleme einiger höher und denken allem Anschein nach auch nicht intersektionell.

    -"Gerade bei Fetischen, die für Zuschauende "sexuell gelesen" würden, stelle sich "zusätzlich das Problem, dass das Publikum nicht einwilligen kann", erklärte der CSD-Verein weiter. "Ganz zu schweigen davon, dass die Sexualisierung von Frauen* im Allgemeinen und Minderheiten im Besonderen problematisch genug ist.""-

    Weil das Publikum nicht einwilligen kann? Jeder der auf nen CSD geht weiß in der Regel genau worauf er sich einlässt. Falls allerdings nicht direkt die Teilnehmer*innen gemeint sind, sondern
    die Bürger*innen die damit angesprochen werden sollen ist das eine hanebüchene Ausrede, oder hofft ernsthaft jemand auf Akzeptanz von Leuten, welche LGBTI+ nicht Mal dulden wollen? Wer sich bei dem Anblick bereits augenrollend wegdreht, wird es auch tun, wenn z.B. keine Fetischfreunde dabei sind.
    Zu letzterem Abschnitt fällt mir wirklich die Kinnlade runter. Weil es Menschen gibt, die andere sexualisieren soll nichts gezeigt werden, was sexuell gelesen werden kann? Ist den Veranstalter*innen bewusst welche Verbindung sie da herstellen? Da schwingt eine Mischung aus Schuld, falsch verstander Rücksicht, Opferrolle und das Gegenteil von Sex-Positiv mit.
    Natürlich ist Solidarität wichtig aber mit der Argumentation schießen sie sich ins eigene Knie, weil sie fordern sich zurückzunehmen, obwohl andere das sollten, nämlich die, die sexualisieren.
    Es wird eine Täter-Opfer-Umkehr betrieben: Wenn man nix sexuelles zeigt, kann man auch nicht sexualisiert werden und unsere Anliegen werden ernst genommen. Was ist das für eine Botschaft?

    -"In den selben "Grundsätzen" fordert der CSD-Verein übrigens "keine Feindlichkeit gegen romantische oder sexuelle Vorlieben". Weiter heißt es auf der Website: "Hinter vielen Problemen queerer Menschen steckt ein großer gemeinsamer Nenner: Es gibt noch viel zu wenig Verständnis bei viel zu vielen Menschen darüber, wie viele romantische, sexuelle und geschlechtliche Identitäten es gibt.""-

    Und damit haben sie sich komplett selbst zerlegt. Klar, sie selbst werden wohl eher nicht feindlich ggü. Fetisch sein aber mit ihrer Handhabe fördern sie genau das, was sie nicht wollen: Unsichtbarkeit und Unverständnis. Und das nicht nur bei den Menschen, welche sie erreichen wollen, sondern sogar in der "Community"

    Lange Rede kurzer Sinn:
    Das wird dem CSD Bremen gewaltig auf die Füße fallen und spielt nicht LGBTI+ zu, sondern den Gegnern, unter anderem, weil man sich dem heteronormativen Denken anpasst.
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#7 zundermxeAnonym
  • 17.07.2021, 10:15h
  • Diese Selbstreinigungstendenzen und dieser vorauseilende Gehorsam von sogenannten queeren Aktivist*innen ist unerträglich. Aber für so manchen CSD leider mittlerweile auch typisch und absolut bezeichnend.

    Wenn es je etwas gegeben hat, dass als queere Community bezeichnet werden könnte, zerstören diese Bremer Veranstalter*innen dies vollends mit ihrer egoistischen Anbiederung an die vermuteten Moralvorstellungen der Mehrheitsgesellschaft.
    Aber dies kennen wir aus Bremen ja bereits vom Terf-dominierten Lesbentreffen.
    Würden wir alle dem Bremer Modell folgen, dass analog zur Mehrheitsgesellschaft gezielt Gruppen von Menschen ausschließt, brauchen wir nicht zu erwarten, dass wir nachhaltig etwas erreichen. Es wäre auch absolut unverdient und das tatsächliche Ende queeren Miteinanders und queerer Solidarität.

    Alle, die dieses Verbot und diese Aussperrung betrifft (wir müssen draußen bleiben), würde ich raten möglichst in Massen diesen CSD zu besuchen. Und dann mal schauen, wie Queers gegen Queers vorgehen.

    afd, Kirchen und Co werden die Bremer Veranstalter*innen eh nicht für sich gewinnen können. Sie werden die Ablehnung, auch gegen sich selbst, nur noch verstärken und rechtfertigen helfen.
    Mehr Armutszeugnis geht kaum.
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#8 GayRefugeeAnonym
  • 17.07.2021, 10:16h
  • Ich finde es ok. Es ist eine politische Parade ind keine Parade über die verschiedenen sexuellen Aspekte der Gay Community!!! Hierfür könnte es dann anderer Paraden geben zukünftig.
    Ich kenne sehr viele in meinem Freundeskreis die queer sind Und auf eine politische Parade auf alle Fälle gehen würden aber nicht auf eine sexualisierte Parade.
    Und ja, man kann das Einverständnis der Zuschauer nicht einholen und das ist auch ein Punkt.
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#9 MoKiAnonym
#10 SakanaAnonym
  • 17.07.2021, 10:18h
  • Egal, wie man selbst zu Fetischen steht, aber eine so wichtige und große Gruppe vom CSD pauschal auszuschließen, geht absolut gar nicht. N CSD ist doch kein Kaffeekränzchen an Omas Wohnzimmertisch mit Kaffee und Kuchen.
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