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Los Angeles

Ausschreitungen bei transfeindlichen Demonstrationen

Ein mutmaßlich inszeniertes Video über eine transgeschlechtliche Frau in einem Wellness-Bad löst seit Wochen rechte Aufmärsche und Ausschreitungen in Los Angeles aus.


Vor allem nach dem letzten Wochenende steht die Polizei von Los Angeles in der Kritik, nachdem sie auch gegen Unterstützer*innen von Trans-Rechten mit Gewalt und Festnahmen vorging

In Los Angeles ist es am Wochenende in der dritten Woche in Folge zu transfeindlichen und gewalttätigen Demonstrationen rund um ein Wellness-Bad gekommen. Auslöser war ein Ende Juni von einer christlichen Fundamentalistin gedrehtes und auf Instagram veröffentlichtes Video. Darin schreit die Frau Personal des Wi Spa im Viertel Koreatown über mehrere Minuten an, es sei "ein Mann mit einem Penis" im Frauen-Bereich und habe "Frauen und jungen, kleinen, minderjährigen Mädchen" den Penis gezeigt. Inzwischen mehren sich die Mutmaßungen, dass die Empörung ein gezielt inszenierter Fake ist.

Schlägereien und Messerstiche

Am 3. Juli kam es rund um das für seine LGBTIQ-inklusive Hausordnung bekannte Wellness-Bad zu ersten, heftigen Ausschreitungen durch faschistische Gruppen, darunter Vertreter von QAnon und "Proud Boys", die Gegendemonstrant*innen angriffen. Ein Mann stach mit einem mitgebrachten Messer auf den Oberschenkel eines Gegendemonstranten ein und verletzte danach noch versehentlich eine Frau, die an der Schlägerei auf Seiten der Rechten beteiligt und ihm zur Unterstützung geeilt war, durch einen Stich in den Arm. Festgehalten sind die Szenen der Angriffe auch Videos in sozialen Netzwerken.

Twitter / VPS_Reports | Das Video zeigt den Messerstecher von Los Angeles und die Waffe vor seiner Tat

Auf einem Video, das den Messerangriff selbst zeigt, ist auch ein mitgeführter Baseballschläger zu sehen, auf dem ein großer Aufkleber mit der Aufschrift "TRUMP" klebt. Ein Demonstrant soll zudem Gegendemonstrant*innen mit einer Schusswaffe bedroht haben. Rechte Aktivist*innen trugen Ausrüstung wie Stichschutzwesten, Helme, Schutzbrillen, Pfeffersprays sowie militärische Kleidung. Dadurch erinnerten die Bilder aus Los Angeles an vergleichbare Aufmärsche faschistischer Gruppen, die insbesondere während der Trump-Wahlkämpfe und der Back-Lives-Matter-Proteste im vergangenen Jahr landesweit bei Demonstrationen Jagd auf Gegner*innen gemacht hatten.

Auch an den zwei folgenden Wochenenden tauchten bewaffnete und zu Straßenschlachten ausgerüstete Gruppen in Koreatown auf und suchten die Auseinandersetzung mit Gegendemonstrant*innen, die sich aus der LGBTIQ-Bewegung und der US-amerikanischen Antifa zusammensetzen. Journalist*innen wurden von Rechten bei laufender Kamera angegriffen, eine Person wurde mit einer Eisenstange niedergeschlagen. Rechte Medien stellten die Vorfälle zeitweilig so dar, als seien die Trans-Bewegung oder die Gegendemonstrant*innen gewalttätig geworden.

Polizeigewalt gegen Gegendemonstrant*innen beklagt

Die Polizei ging auch teilweise mit Gewalt gegen die Unterstützer*innen von Trans-Rechten vor. So schoss ein Polizist an diesem Samstag auf eine Gegendemonstrantin aus nächster Nähe mit einem Gummigeschoss, Videos scheinen weitere Schusseinsätze zu zeigen. Auf einer weiteren, ebenfalls im Netz verfügbaren Szene sind Polizist*innen zu sehen, die einer Gegendemonstrantin im Vorbeilaufen eine Trans-Pride-Flagge entwenden. Immer wieder setzten die Beamt*innen Schlagstöcke ein. Die Polizei hatte die Proteste für aufgelöst erklärt und Personen aus allen Lagern eingekesselt. Insgesamt nahm sie fast 40 Menschen fest und beschlagnahmte Messer, Pfefferspray und einen Elektroschocker.

Twitter / waterspider__ | Die verstörende Szene zeigt einen Polizisten, der eine Gegendemonstrantin mit einem Gummigeschoss niederschießt
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Queeres Medium vermutet Inszenierung

Begonnen hatte alles mit dem Video aus dem Wellness-Bad. In ihm ist zu sehen, wie ein Mitarbeiter des Wi Spa versucht, deeskalierend mit der Situation umzugehen und der Filmenden mehrfach höflich die Hausordnung erklärt. Immer wieder wird er von wütenden und transfeindlichen Zwischenrufen der Frau unterbrochen ("So etwas wie Transgender gibt es nicht"). Das Video endet abrupt, als eine Frau aus der Traube an Menschen, die sich inzwischen gebildet hat, die Filmende auffordert, mit ihr in den Frauenbereich zu gehen und die angeblich sich dort aufhaltende transgeschlechtliche Frau zu konfrontieren.

Bereits früh waren Zweifel an dem Video aufgekommen, zumal die Instagram-Nutzerin "cubanaangel" keinerlei Belege anführte. Die LGBTIQ-Nachrichtenseite "Los Angeles Blade" berichtet, es scheint von ihrer Aussage abgesehen keine Zeug*innenaussagen zu geben, dass sich an besagtem Tag eine transgeschlechtliche Frau in dem Bereich aufgehalten oder falsch verhalten habe. Eine anonyme Quelle aus dem Personal des Wellness-Bads soll gesagt haben, dass keine der bekannten trans Kund*innen an jenem Tag im Haus waren, das man nur mit namentlicher Voranmeldung betreten kann. Anonyme Quellen aus der Polizei hätten ebenfalls betont, dass man keine bestätigenden Beweise für die Aussagen der Frau gefunden habe.

Reaktion auf Fake-Vorwürfe


Cubanaangel in ihrem zweiten Video, in dem sie sich im Umkleidebereich der Spa filmt und empört (Bild: Screenshot Instagram)

"Cubanaangel Instagram-Account besteht fast ausschließlich aus christlichen Memes, was die Frage aufwirft, warum sie sich für ein Spa entschieden hat, das als LGBTQ-freundlich bekannt ist", fasst "Los Angeles Blade" Grundzweifel an dem Video zusammen. Inzwischen hat die Frau auf Anschuldigungen und Zweifel reagiert. Am vergangenen Samstag lud sie ein weiteres Video auf Instagram hoch, das an die ursprünglich bekannte Version anzuschließen scheint. Darin diskutiert sie zunächst mit einer weiteren Mitarbeiterin des Wellness-Bads. Dann geht sie tatsächlich, wie vorher angekündigt, hinunter in den Frauenbereich. Dort sind irritierte Kundinnen im Hintergrund zu sehen, wie sie der theatralisch durch die Gänge rufenden Frau hinterher sehen.

Die wiederholt ihre bekannten Satzbausteine von Penissen, Männern und traumatisierten Frauen und Mädchen zunehmend stotternd. Doch statt mit der Konfrontation der angeblichen transgeschlechtlichen Frau im Frauenbereich endet das Video mit dem Stoßgebet "Jesus, hilf mir. Diese Leute müssen es herausfinden!" Im beigefügten Kommentar versichert sie, dass es sich um keine Inszenierung handele. Vielmehr seien sie, andere Frauen und junge Mädchen "traumatisiert" worden, wie sie noch ein mal wiederholt. Obwohl sie auch dieses mal keinen Beweis vorlegte, feierten Nutzer*innen die Frau in den Kommentaren unter dem Video.

Zusammengehen von TERFs und der radikalen Rechten

"Los Angeles Blade" hat auch den Weg des Videos und der Aufrufe zu Demonstrationen vor dem Wi Spa nachverfolgt. Demnach zog das Video seine Kreise über einschlägige Seiten der TERF-Bewegung wie "Mumsnet", "Ovarit" oder "Spinster" sowie der radikalen und der religiösen Rechten in den USA, zusätzlich angefeuert wurde die Auseinandersetzung von reichweitenstarken rechten Twitter-Aktivisten wie Andy Ngo. Unter "TERF" versteht man Gruppen, die sich als besonders radikal feministisch inszenieren und sich zusammenschließen, um Hass und Verschwörungstheorien über transgeschlechtliche Menschen zu säen. Das Akronym steht für "Trans Exclusive Radical Feminists".

Der britische "Guardian" kommentierte, die Parolen und Schilder in Los Angeles zeigten ein Zusammengehen des Anti-Trans-Aktivismus mit Strängen des Rechtsextremismus. Es seien Parolen gegen Pädophile und zum Schutz von Frauenräumen gerufen worden oder Codes der Verschwörungsideologie QAnon. Auf T-Shirt-Motiven sei zum Mord an linken Aktivist*innen durch Todesschwadrone aufgerufen worden.

Eine neue Runde im Kulturkampf

Das Wi Spa selber beantwortet Fragen zu den seit Wochen andauernden Protesten nicht. Das letzte Statement der Einrichtung stammt von Ende Juni. Darin sagen Verantwortliche des Wellness-Bads dem "Los Angeles Magazine", dass man wie in vielen anderen Metropolregionen auch in Los Angeles einen transgeschlechtlichen Bevölkerungsanteil habe, von dem einige Menschen gerne ein Wellness-Bad besuche. Wi Spa bemühe sich, den Bedürfnissen aller Kund*innen gerecht zu werden. Das Bad wies auch darauf hin, dass es unter den Gesetzen des Staates Kalifornien verboten sei, transgeschlechtliche Menschen zu diskriminieren.

In den USA tobt ein von der republikanischen Partei und rechten Gruppen angezettelter Kulturkampf um die Rechte transgeschlechtlicher Menschen. Insbesondere seit der Abwahl Donald Trumps hat sich dieser wieder vermehrt in die einzelnen Staaten verlagert. Republikanisch geführte Regierungen haben umfassende Gesetze zur Ausgrenzung und Diskriminierung transgeschlechtlicher Menschen erlassen. Das liberale Kalifornien, in dem die jüngsten Ausschreitungen stattfanden, hat in dem Streit zuletzt ein Verbot von Dienstreisen von Beamt*innen in weitere Staaten wie Florida beschlossen, in denen neue trans- und homophobe Gesetze eingeführt wurden (queer.de berichtete).



#1 PhoebeEulenbaerAnonym
  • 19.07.2021, 20:21h
  • Qanon und andere Verschwörungsgläubige? Klar basteln die sich ihre eigene Realität mit Fake Videos. Fakten sind denen fremd.
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#2 HAMNEAnonym
  • 19.07.2021, 21:14h
  • gibts da nicht einen Straftatbestand für die hysterische Dame?

    Verhetzung, falsche Verdächtigung, irreführung?
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#3 PhoebeEulenbaerAnonym
  • 19.07.2021, 21:47h
  • Antwort auf #2 von HAMNE
  • Dir ist schon klar, dass sich das amerikanische Rechtssystem doch erheblich von unserem unterscheidet?

    Freedom of speech sorgt dafür, dass es sowas wie Verhetzung im Grunde nicht gibt.
    Aber es gibt sicherlich andere, die sich mit dem amerikanischen Recht besser auskennen und mehr erzählen können.
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#4 AtreusProfil
  • 19.07.2021, 23:12hSÜW
  • Antwort auf #3 von PhoebeEulenbaer
  • Das "us-amerikanische Rechtssystem" macht es auch möglich, dass man Multimillionär wird, nachdem sich während der Autofahrt heißen Kaffee in den Schoß gekippt hat, da McDonalds nicht davor gewarnt hat, dass heißer Kaffee heiß ist und ungünstig auf den behosten Schoß wirkt.

    Das kann man wie du als Status Quo einfach kommentar- und kritiklos hinnehmen oder es kritisieren, bzw. Verbesserungen anmahnen. Ich verorte mich da ganz eindeutig bei letzterem.
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#5 PhoebeEulenbaerAnonym
  • 19.07.2021, 23:28h
  • Antwort auf #4 von Atreus
  • Ich habe auf die Frage geantwortet, nämlich nach dem Strafbestand.
    Und Volksverhetzung gibt es in den USA nicht.

    Ich sehe keinen Anlass eine Frage dafür zu benutzen, um mich über etwas zu ärgern oder gegen etwas anreden.
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#6 KratzbürsteAnonym
  • 20.07.2021, 08:32h
  • Antwort auf #4 von Atreus
  • Tatsächlich hat die besagte Person so schwere Verbrennungen erlitten, wie sie nicht möglich gewesen wären, wenn sich McDonalds an die Vorschriften gehalten hätte. In der PR-Arbeit seitens McDonalds wurde das Opfer dann natürlich infantilisiert, damit man ja nicht schuldig erscheint. Hat ja offenbar gut geklappt. Und das wären auch die Strategien, wie sie die Terfs und die anderen Rechten in dieser Situation anwenden könnten...
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#7 Ja gutAnonym
  • 20.07.2021, 09:18h
  • Antwort auf #4 von Atreus
  • Die Frauen wurde weder Multimillionärin noch wurde hier "unsinnig" geurteilt.... einfach mal "Stella Liebeck" googeln, das Urteil passt schon, hier wurde Seitens McDonalds ganz bewusst Risiken vs Kosten ausgewogen!
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#8 schulterschlussAnonym
  • 20.07.2021, 10:28h
  • "Zusammengehen von TERFs und der radikalen Rechten"

    wie in deutschland.
    vermutlich ist es kein "zusammengehen", sondern einfach ein und dasselbe. da geht nix zusammen, die bilden eine einheit.
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#9 Taemin
#10 NinaAnonym
  • 21.07.2021, 13:16h
  • Hatten die BetreiberInnen des Spa nicht bereits öffentlich gesagt das an diesem Tag keine transperon im Gebäude wa?

    OK, habe mich selbst unterbrochen und es nachgeschaut bevor ich den Kommentar abse de.
    Nein es befand sich keine transperson unter der Kundschaft an diesem Tag und ja die BetreiberInnen können das mit ziemlicher Sicherheit sagen da Leute nur mit Terminen rein kommen.

    Das erklärt dann auch die Umstände, eine Person wie diese aufmerksamkeitsgeile tusi hätte die Transperson nämlich direkt gefilmt und angepöbelt.
    Außerdem kenne ich keine Person (trans* oder nicht) die sich so verhalten würde wie von der da geschildert .
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