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Bundestagswahl 2021
AfD beklagt "Homo-Propaganda"
Eine AfD-Kandidatin auf einem wohl sicheren Listenplatz warnt vor einer "äußerst aggressiven und lautstarken Minderheit" von Homosexuellen, die eine "Diktatur der Minderheiten" errichten wollten.

Mit derartigen Werbekampagnen versucht die AfD, die Stimmen von Menschen, die Homosexuelle hassen, auf sich zu vereinigen (Bild: Facebook / Christina Baum)
- 20. Juli 2021, 09:13h 3 Min.
Die AfD verwendet im Bundestagswahlkampf nun auch offen das Kampfwort "Homo-Propaganda": Die baden-württembergische Listenkandidatin Christina Baum, die mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten Bundestag einziehen wird, veröffentlichte am späten Sonntagabend auf ihrer Facebook-Seite ein Wahlkampfbild mit der Botschaft: "Ich lehne jede Form von Homo-Propaganda und Frühsexualisierung ab. Wäre Homosexualität normal, wäre die Menschheit schon längst ausgestorben."
Als Anlass für ihre Tirade nannte die 65-Jährige die "Homo-Werbung für Kinder bei Fast-Food-Kette McDonalds". Sie verlinkte dazu einen Artikel eines rechtspopulistischen österreichischen Magazins, in dem darüber berichtet wird, dass Riccardo Simonettis Kinderbuch "Raffi und sein pinkes Tutu" im Kindermenü "Happy Meal" enthalten sei. Das 2019 veröffentlichte Buch handelt von Raffi, der gerne Fußball spielt, aber auch seine Lieblingspuppe und sein pinkes Tutu liebt. Das Buch soll Kindern beibringen, Vielfalt anzuerkennen und niemanden auszugrenzen (queer.de berichtete).
Jetzt im Happy Meal: Raffi und sein pinkes Tutu! ?? "Ich hoffe sehr, dass ein Buch, das Toleranz, Anderssein und...
Posted by McDonald's Minden on Friday, June 25, 2021
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Autor Simonetti ist der erste LGBTI-Botschafter des Europarparlaments und war am Sonntag Co-Moderator im ZDF-"Fernsehgarten". Nach dem Auftritt berichtete er davon, dass er aus Homophobie motivierte Morddrohungen erhalten habe (queer.de berichtete).
In einem wuterfüllten Text erklärte Baum auf Facebook weiter, dass Kinder ein Recht auf "Schutz ihrer Intimsphäre" hätten, "damit sie ihre Sexualität selbstbestimmt herausbilden können". Sie verschweigt jedoch, dass im kritisierten Buch das Thema Sex überhaupt nicht angesprochen wird.
"Bewusste Manipulation zur Irritation der Kinder"
Die Zahnärztin erklärte, dass sie nichts gegen weniger sichtbare Homosexuelle habe ("Homosexualität gab es schon immer und sie betrifft einen relativ kleinen Teil der Gesellschaft, der Sexualität in 'Abweichung von der Norm' lebt."). Einschränkend erklärte sie dann: "Eine äußerst aggressive und lautstarke Minderheit dieser Personen möchte jedoch ihre Lebensweise dominierend der Mehrheitsgesellschaft aufzwingen und wird dabei immer penetranter. Das bezeichne ich als 'Diktatur der Minderheiten', die ich nicht akzeptieren werde. Und Kinder schon ganz früh mit einer abweichenden Sexualität zu konfrontieren, bevor sie sich überhaupt für dieses Thema interessieren, stellt eine bewusste Manipulation zur Irritation der Kinder dar." Dies schade "der körperlichen und seelischen Entwicklung von Kindern und [muss] unterbunden werden".
Baum ist auf dem achten Platz der AfD-Landesliste Baden-Württemberg gewählt worden und zieht damit mit großer Wahrscheinlichkeit ins Berliner Bundesparlament ein. Bei der letzten Wahl 2017 hatten elf AfD-Kandidat*innen aus Baden-Württemberg den Sprung in den Bundestag geschafft. Da der nächste Bundestag wegen der ausgebliebenen Wahlrechtsreform wahrscheinlich erheblich größer werden wird, braucht die AfD wohl dieses Jahr weniger Wählerstimmen, um die selbe Anzahl an Parlamentarier*innen zu erhalten.
Baum ist eine Wiederholungstäterin
Bereits mehrfach hatte Baum, die dem völkischen AfD-Flügel zugerechnet wird, gegen LGBTI-Rechte gewütet. Als der Bundestag etwa 2017 das Ehe-Verbot für Schwule und Lesben aufhob, schrieb sie auf Facebook: "Gute Nacht, Deutschland" und behauptete, die anderen Parteien trieben damit die "Zerstörung der traditionellen Familie" voran. Außerdem brachte sie in diesem Text die Ehe für alle mit sexuellem Missbrauch von Kindern in Zusammenhang ("Wer Pädophilie nicht konsequent entgegentritt, ebnet durch die Aufweichung der traditionellen Ehe Wege, die weiterführen[,] als wir uns das derzeit vorstellen mögen").
Vergangenen Monat forderte Baum sogar ein generelles Verbot, für LGBTI-Rechte auf die Straße zu gehen. Damals schrieb sie auf Facebook: "Zum Schutz unserer Kinder: Ich fordere ein Verbot des Christopher Street Day" (queer.de berichtete).
Die AfD führt dieses Jahr Wahlkampf unter dem Motto "Deutschland. Aber normal". Dabei macht sie gezielt Stimmung gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten. Der innerparteilich als gemäßigt geltende Parteichef Jörg Meuthen beklagte etwa kürzlich die angeblich um sich greifende "LGBT-Ideologie" (queer.de berichtete). (dk)














